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Die absolute Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Zahl zu
würfeln
|
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Wir betrachten die Wahrscheinlichkeit
WN(x), mit N Würfeln, die alle digital sind, d. h. nur Zahl
oder Wappen, rot oder grün, oder wie wir es hier verwenden, die Zahl
+1 oder 1 als Augenzahl haben können. Nach einem Wurf
addieren wir (vorzeichenrichtig) und bekommen als Ergebnis eine Zahl x
die zwischen N und +N liegen muss. Die Definition dieser
Wahrscheinlichkeit ist |
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| WN(x) |
= |
Zahl der Möglichkeiten x zu würfeln
Zahl aller Möglichkeiten in einem
Wurf |
= |
Px
PN |
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Wie groß ist
Px und PN? |
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PN, die Anzahl
aller Möglichkeiten des Ausgangs des
Würfelns, ist leicht zu konstruieren:
Mit N = 1 gibt es 2 Möglichkeiten (+1 und
1); PN = 2
Mit N = 2 gibt es 4 Möglichkeiten (+1/+1 und
+1/1 und 1/+1 und 1/+1);
PN = 4
Mit N = 3 gibt es 8 Möglichkeiten (+1/+1/+1 und
+1/+1/-1 und ....); PN = 8. |
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Eine Tabelle der Möglichkeiten
zeigt dies graphisch; die gelben Spalten in den einzelnen Tabellen zeigen die
möglich Ergebnisse x |
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| N = Zahl der Würfel |
Mögliche Würfe
und Summe (gelb) |
PN = Zahl der möglichen
Würfe |
| 1 |
|
2 |
| 2 |
| +1/+1 |
+2 |
-1/+1 |
0 |
| +1/-1 |
0 |
-1/-1 |
-2 |
|
4 |
| 3 |
| +1/+1/+1 |
+3 |
-1/+1/+1 |
+1 |
| +1/+1/-1 |
+1 |
-1/+1/-1 |
-1 |
| +1/-1/+1 |
+1 |
-1/-1/+1 |
-1 |
| +1/-1/-1 |
-1 |
-1/-1/-1 |
-3 |
|
8 |
| 4 |
| +1/+1/+1/+1 |
+4 |
-1/+1/+1/+1 |
+2 |
| +1/+1/+1/-1 |
+2 |
-1/+1/+1/-1 |
0 |
| ... |
... |
... |
... |
| +1/-1/-1/+1 |
0 |
-1/-1/-1/+1 |
-2 |
| +1/-1/-1/-1 |
-2 |
-1/-1/-1/-1 |
-4 |
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16 |
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Das Bildungsgesetz
ist klar: |
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Dabei haben wir aber unausgesprochen
eine sehr wichtige Annahme gemacht: .
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Die Würfel sind
unterscheidbar!
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In den obigen Tabellen ist die
erste Zahl immer der 1. Würfel,
die 2. Zahl immer der 2. Würfel
usw., d.h. die Würfel tragen fiktive Nummern oder Farben als
Unterscheidungsmerkmal. In anderen Worten: wir können für
ein-und-dasselbe Ergebnis unterscheiden auf wie viel verschiedene Arten wir es
bekommen können.
Falls wir "Würfel" mit mehr als 2 "Augen"
betrachten, bekommen wir, leicht einzusehen, für den allgemeinen Fall
eines Würfels mit A Augen die nachfolgende Formel. Wer's nicht
leicht einsieht betätigt
diesen Link. |
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Es bleibt, Px (=
Zahl der Möglichkeiten x zu würfeln) zu bestimmen. Auch das
läßt sich durch nachdenken und probieren ermitteln; allerdings
müssen wir mehr Aufwand treiben und sehr
sorgfältig überlegen, was genau ermittelt werden soll.
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 |
Betrachten wir dazu ein Beispiel. Wir
haben 10 unterscheidbare digitale Würfel (N = 10), und fragen
nach der Zahl der Möglichkeiten,
für die Summe x eine +2,
eine +3 oder eine 8 zu würfeln. |
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Wie auch immer die Würfel
fallen, es werden N+ Würfel die +1 zeigen und
N Würfel die 1. Für unser
Beispiel gelten die Gleichungen |
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Summe x = +2 |
Summe x = +3 |
Summe x = 8 |
| |
N+ +
N = 10
N+ N = 2
oder
2 + N + N = 10
N = 4
N+ = 6 |
N+ +
N = 10
N+ N = 3
oder
3 + N + N = 10
N = 7/3
????
|
N+ +
N = 10
N+ N = 8
oder
N 8 + N = 10
N = 9
N+ = 1 |
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Erste wichtige
Erkenntnis: Es gibt keine
Möglichkeit, eine 3 oder verallgemeinert, eine ungerade ganze Zahl zu würfeln, da die
allgemeien Gleichung N = (10 x)/2 für
ungerade x keine ganzzahligen Werte für N hergibt. |
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 |
Man kann das auch anders
ausdrücken, indem man die gesamte Augenzahl x
über die Zahl der N+ oder N
Würfe koppelt, es gilt |
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| x |
= N+ (N N+) =
|
2N+ N |
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Dabei sind aber immer nur ganzzahlige Werte für die N und x
zugelassen! |
 |
Wir können
Px damit auch über PN+, die Zahl der
Möglichkeiten N+ mal eine +1 zu würfeln,
berechnen. Das ist einfacher. Px würden wir dann
erhalten, indem wir in der abzuleitenden Formel N+ durch
1/2 · (x + N) ersetzen. |
 |
Dabei haben wir aber ein mögliches Problem - hier liegt ein
erster großer Fallstrick der Kombinatorik. Denn bei geradzahliger
Würfelanzahl N können wir nur geradzahlige Augenzahlen
x erzielen, und bei ungeradzahliger Würfelanzahl N
werden wir ungerade x haben. |
|
 |
Nehmen wie an, N ist geradzahlig. Falls dann N+ auch
ungeradzahlig ist, wird auch
N geradzahliges
sein müssen, und die Differenz zweier ungeraden Zahlen gibt immer ein
gerade Zahl. Falls N+
auch geradzahlig sein sollte, muss das auch
N sein; die Differenz ist wieder immer nur geradzahlig.
Falls N ungeradzahlig ist, gilt
entsprechend dasselbe - aber nun für ungeradzahlige Wurfergebnisse x. |
|
 |
Da wir aber eine
Formel suchen, die für alle N
gilt, wir aber für jedes gegebene N immer nur die Hälfte der insgesamt vorhandenen
Möglichkeiten sehen, müssen wir bei der Berechnung von
Px später etwas vorsichtig sein. |
|
Aber nun zu Px oder
PN+. Natürlich ist die Formel
dazu bekannt, wir
wollen sie hier aber ausführlich ableiten.
Um Bildungsgesetze in der Kombinatorik zu erkennen oder zu
überprüfen, empfiehlt es sich zunächst immer, eine Tabelle zu
machen. Bleiben wir also bei N = 10 Würfeln und betrachten die
erzielbaren Ergebnisse für die 10 Möglichkeiten für
N+. Dabei bedenken wir, daß die Würfel unterscheidbar sind. Man kann das so
ausdrücken: |
|
 |
Würfeln wir mit 10
roten, grünen, blauen, .... Würfel, sind auch die Kombinationen
-1, +1,
+1, ....
+1, -1,
+1. ....
usw. alle unterscheidbar - obwohl das Ergebnis immer +9 ist. |
|
 |
Hier versteckt sich schon die nächst
wichtige Lehre: Wir müssen nicht nur aufpassen, ob die Würfel unterscheidbar oder ununterscheidbar
sind, sondern diese Frage auch auf Kombinationen anwenden. Selbst wenn die obigen
Würfel alle rot und damit ununterscheibar wären, könnten wir
dennoch evtl. die Kombiuationen noch
unterscheiden. Wir werden das gleich näher kennenlernen. |
 |
Jetzt noch schnell ein weiterer
Punkt. Falls wir mit einem Würfel
10 mal würfeln, statt mit 10 Würfeln 1 mal,
erwarten wir - statistisch - dasselbe Ergebnis. Das ist die
"Zeitmittel =
Scharmittel" Hypothese, die uns schon früher begegnet ist. Das
scheint zwar selbstverständlich zu sein, aber bei genauem Hinsehen kann es
hier durchaus Probleme geben. |
|
 |
Falls wir mit einem Würfel 3 mal hintereinander
würfeln würden, drückt sich die jetzt sinnlose
Unterscheidbarkeit des Würfels in der Unterscheidbarkeit des Wegs zum Ziel aus: Die
Sequenz +1, +1,
-1 ist ein anderer Weg zum Endpunkt +2 als die Sequenz
1, +1,
+1. |
 |
Hier ist die entsprechende Tabelle
|
|
|
|
| |
|
| N+ |
N |
S |
Zahl Möglichkeiten |
Kommentar |
Formel
PN+ = |
| 0 |
10 |
-10 |
1
| Würfelnummer |
| 1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
| -1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
|
|
? |
| 1 |
9 |
-8 |
10
| Würfelnummer |
| 1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
| +1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
| -1 |
+1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
| 10 Zeilen...... |
| -1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
+1 |
|
Nicht nur die Würfel, auch alle ihre Anordnungen sind unterscheidbar.
Dies bedeutet: Wenn man einen bestimmten Würfel auf +1 setzt und dann die
Möglichkeiten für die anderen Würfel
"durchdekliniert", wird keine der auftretenden Kombinationen
identisch sein mit den Kombinationen, die man erhält wenn man diese
"Deklinationsübungen" mit einem anderen auf +1 gesetzten
Würfel durchführt. |
N (?) |
| 2 |
8 |
-6 |
45
Wir bräuchten jetzt eine dreidimensionale Tabelle - ersatzweise machen wir
mehrere Tabellen
1. Tabelle: 1. Würfel immer
+1
| Würfelnummer |
| 1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
| +1 |
+1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
| +1 |
-1 |
+1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
| 9 Zeilen...... |
| +1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
+1 |
2. Tabelle: 2. Würfel immer
+1
| Würfelnummer |
| 1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
| +1 |
+1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
| -1 |
+1 |
+1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
| 9 Zeilen...... |
| -1 |
+1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
-1 |
+1 |
3. Tabelle: 3. Würfel +1; 9
Möglichkeiten für den Rest.
.....
Und so weiter - Insgesamt 10 Tabellen |
Es gibt 9 Möglichkeiten falls der 1. Würfel +1
zeigt.
Es gibt 9 Möglichkeiten falls der 2 Würfel +1 zeigt.
usw.; das Ganze N mal.
Aber: Es gibt trotz unterscheidbarer Würfel jetzt
ununterscheidbare
Anordnungen:
Ob der m-te Würfel auf +1 gesetzt ist und der k-te
Würfel bei der "Durchdeklination" +1 zeigt ist ununterscheidbar von der Anordnung, in der der
k-te Würfel auf +1 gesetzt ist und der m-te
Würfel beim "Durchdeklinieren" +1 zeigt.
Bei allen Kombinationen gibt es zwei dieser ununterscheidbaren Annordnungen. In den beiden ausgeführten
Tabellen sind sie rosa markiert! Nur die Hälfte aller Möglichkeiten darf also
berücksichtigt werden - wir müssen durch 2 dividieren. Insgesamt erhalten wir (9 · 10)/2 = 45
Möglichkeiten eine 8 zu würfeln. |
(N · (N - 1))/2 (?) |
| 3 |
7 |
-4 |
120
Siehe nebenstehenden Text |
Wir setzen einen 1. Würfel auf +1:
Dann haben wir (N - 1) Möglichkeiten für einen weiteren
Würfel mit +1 und (N - 2) Möglichkeiten für den
letzten Würfel, der +1 zeigen muß.
Insgesamt gibt es N(N - 1)(N - 2) Möglichkeiten der
"Durchdeklination"
Darunter sind aber jeweils 6 ununterscheidbare Anordnungen. Dies wird klar, wenn
wir beispielsweise die Anordnungsmatrix betrachten, bei der die Würfel
Nr.1, Nr.4 und Nr.8 die +1 zeigen. Alle diese Anordnungen sind ununterscheidbar!
Die Farbcodierung bedeutet:
rot = primär "gesetzt"
blau = sekundär gesetzt
grün = verbeibende Möglichkeit
| + |
- |
- |
+ |
- |
- |
- |
+ |
- |
- |
| + |
- |
- |
+ |
- |
- |
- |
+ |
- |
- |
| + |
- |
- |
+ |
- |
- |
- |
+ |
- |
- |
| + |
- |
- |
+ |
- |
- |
- |
+ |
- |
- |
| + |
- |
- |
+ |
- |
- |
- |
+ |
- |
- |
| + |
- |
- |
+ |
- |
- |
- |
+ |
- |
- |
|
(N(N - 1)(N - 2))/1· 2 · 3 (?) |
| Allgemein |
| x |
10 - x |
-10
...
+10 |
... |
(Zahl der möglichen
"Deklinationen")/(Zahl der ununterscheidbaren Anordnungen) Das
Bildungsgesetz ist offenbar
| PN+ = |
N · (N 1) · (N - 2) · ... · (N
N+ + 1)
1 · 2 · 3 · ... · N+ |
|
|
|
|
|
Das ist dieselbe Formel wie bei der
Zahl der
Anordnungen von Leerstellen. Bevor wir die obige Formel weiterentwickeln,
aber noch einige Anmerkungen zu den Fallstricken der
Kombinatorik. |
|
 |
Man muß sorgfältig
trennen zwischen unterscheidbaren oder ununterscheidbaren
Würfeln (oder Teilchen)
und Anordnungen.
Die Würfel in obiger Tabelle sind
unterscheidbar (durch ihre Nummer bzw.
Spalte in der Tabelle), einige ihrer Anordnungen in der obigen Systematik aber nicht. Man müßte ein zweites Merkmal einführen (in der Tabelle ist
das die Farbe für die Nummer der "Setzung"), um auch alle
Anordnungen unterscheiden zu können. |
|
 |
Die unterscheidbaren Anordnungen
sind oft leichter zu sehen, wenn man nicht mit N Würfeln
gleichzeitig wirft, sondern mit einem
Würfel N mal - das Ergebnis wird
dasselbe sein, aber man wird identische
Anordnungen nicht doppelt zählen. Dies ist am einfachsten in einer
Graphik darstellbar. |
 |
Die Sprache ist manchmal zu begrenzt,
um die Feinheiten eindeutig darzustellen oder gibt Anlaß zu
Mißverständnissen. Betrachten wir einen Satz aus obiger Tabelle: |
|
 |
Wir setzen
einen 1. Würfel auf +1: Dann haben wir
(N - 1) Möglichkeiten für einen weiteren Würfel mit
+1 und (N - 2) Möglichkeiten für den letzten
Würfel, der +1 zeigen muß. |
|
 |
Man hätte auch schreiben
können:
Wir setzen die 1. Münze auf +1:
Dann haben wir (N - 1) Möglichkeiten für die 2. Münze mit +1 und (N -
2) Möglichkeiten für die 3.
Münze die +1 zeigen muß. |
|
 |
Oder vielleicht:
Wir setzen den 1. Würfel auf +1: Dann haben wir (N - 1) Möglichkeiten
für den 2. Würfel mit +1
und (N - 2) Möglichkeiten für den
3. Würfel, der +1 zeigen muß. |
|
 |
Das wäre nicht falsch gewesen,
aber möglicherweise mißdeutig. Denn mit den Bezeichnungen 1.,
2. und 3. Würfel meinen wir in diesem Zusammenhang nicht die
Würfel mit den Nummern 1,
2 und 3 (das Unterscheidungsmerkmal der Würfel), sondern die
Reihenfolge, in der wir die Werte
"setzen". |
 |
Das größte Problem ist
vielleicht, daß normale Menschen kein Gefühl für das
ungefähre Ergebnis einer kombinatorischen Aufgabe haben. Wieviele
fünfstellige Zahlen kann man mit den Ziffern 0, 3, 5, 9 bilden?
Wenn die 0 nicht am Anfang stehen darf? Wenn keine Ziffer mehr als
2 mal vorkommen darf? Wenn jede Ziffer mindesten 1 mal vorkommen
muß? |
|
 |
Wenige Menschen werden bei dieser simplen Aufgabe
ein Gefühle für die Größenordnung der Antwort und die
Reihenfolge der Lösungen geordnet nach Größe haben - es hilft
nichts, man muß rechnen. |
 |
Jetzt aber zu unserer Formel für
PN+. Wie bei der Berechnung der Leerstellenkonzentration,
erweitern wir erst mit (N - x)! um eine besserer Darstellung zu
bekommen. Die Ausgangsformel ist |
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| P+ |
= |
N(N 1)(N 2) · .. · (N N+ + 1)
1 · 2 · 3 · ... · N+ |
= |
N(N 1)(N 2) · ... · (N N+ + 1)
N+! |
|
|
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 |
Multiplizieren mit (N -
N+)!/(N - N+)! ergibt N! im Zähler und
N+! · (N - N+)! im Nenner, wir erhalten |
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| PN+ |
= |
N!
N+! · (N N+)! |
= |
æ
è |
N
N+ |
ö
ø |
|
|
|
|
|
 |
Diese Formel hat einen eigenen Namen:
Es ist der Binominalkoeffizient von N und
N+; geschrieben in Klammern ohne Bruchstrich wie oben
gezeigt. |
|
 |
Der Binominalkoeffizient ist die Lösung
einer Standardaufgabe der
Kombinatorik, die
in verschiedenster Gestalt immer wieder vorkommt: Wieviele Möglichkeiten gibt es, aus N Elementen
N+ auszuwählen, wobei wir zwar die Elemente, nicht aber
die Anordnungen unterscheiden. |
 |
In unserer ursprünglichen
Fragestellung wollten wir aber nicht N+ ausrechnen, d.h. die
Zahl der Möglichkeiten, daß N+ von N
Würfeln +1 zeigen (oder nach N mal würfeln mit einem
Würfel N+ mal die +1 kam) , sondern P(x),
die Zahl der Möglichkeiten die Zahl x zu würfeln. Wie
weiter oben schon festgehalten, müssen
wir dazu N+ durch 1/2 · (x + N)
substitutionieren. Wir erhalten dann für Px |
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| Px |
= |
N!
{1/2 · (x + N)}! · {N [1/2 · (x + N)]}! |
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|
|
= |
N!
{1/2 · (N + x)}! · {1/2 · (N x)}! |
|
|
|
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Damit können
wir unsere ursprüngliche Fragestellung beantworten. Wie groß ist die
Wahrscheinlichkeit WN(x), mit N Würfeln, die alle
digital sind, d. h. nur +1 oder -1 als Augenzahl haben, mit einem
Wurf eine Summe x zwischen -N und +N zu würfeln. Die
Definition dieser Wahrscheinlichkeit war |
|
 |
WN(x) = (Zahl der
Möglichkeiten x zu würfeln)/(Zahl aller Möglichkeiten in
einem Wurf) = Px/PN. Somit ergibt sich mit den
jetzt bekannten Formeln für Px und
PN = 2N |
| |
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|
|
|
| WN(x) = |
N!
2N · {1/2 · (N + x)}! · {1/2 · (N - x)}! |
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Diese Formel ist
noch exakt richtig. |
|
 |
Sie gibt jedoch nur sinnvolle Antworten, falls N und x
beide geradzahlig, oder beide
ungeradzahlig sind. |
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 |
Das ist leicht zu sehen: Setzen wir z.B. N =
8 und x = 3, bekommen wir im Nenner die Ausdrücke 5,5!
und 2,5! - und das gibt es nicht (zumindest nicht in der Kombinatorik).
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 |
In anderen Worten:
Unsere obige Formel deckt nur die
Hälfte aller Möglichkeiten ab, die wir im allgemeinen Fall
haben werden. Bei der jetzt erfolgenden Verallgemeinerung müssen wie
deshalb schreiben: |
| |
|
|
|
|
| WN(x) =
0,5 · |
N!
2N · {1/2 · (N + x)}! · {1/2 · (N - x)}! |
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| |
|
|
| |
Die
genäherte Wahrscheinlichkeitsdichte |
 |
Da man mit Fakultäten nicht
allzuviel anfangen kann, wird jetzt mit Hilfe der
Stirlingsche Formel
mathematisch genähert. Aus
Gründen, die wir später noch genauer diskutieren, verwenden wir hier
aber die "bessere" Version der Stirlingschen Formel, nämlich den
Ausdruck |
|
 |
Stirlingsche Formel: |
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| ln N! » (N + 1/2)
· ln N N + ln (2p)1/2 |
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 |
Es bleibt noch die reine
Rechenaufgabe, aus WN(x) mit Hilfe der obigen Stirlingschen
Formel und evtl. weiteren sinnvoller Näherungen eine passende analytische Gleichung zu machen. Da der Umgang mit
der Stirlingschen Formel geübt sein will, wollen wir das in einer
Übungsaufgabe tun. |
|
 |
Dabei gibt es noch einige weitere
Überraschungen mathematischer Art; es lohnt sich unbedingt hier zu
üben oder zumindest die Lösung der Aufgabe anzuschauen. |
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| Übung 6-5 |
| Umgang mit Fakultäten und
der Stirlingformel |
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Die obige Formel oder Gauss
Verteilung gibt jetzt auch sinnvolle
Antworten auf Fragen, die unsere Ausgangsformel verweigert hätte. Wir
erhalten jetzt auch Zahlenwerte falls wir x ungeradzahlig wählen und N geradzahlig (und umgekehrt). Besteht hier ein
Zusammenhang? |
|
Ja! Denn wir suchen ja eine Formel,
die für alle N gilt, bisher
erhalten wir aber für jedes gegebene N immer nur die die
Hälfte der insgesamt vorhandenen Möglichkeiten aus der
Menge der N. In anderen Worten: Wenn ich nicht weiß, ob N geradzahlig oder
ungeradzahlig ist, wird eine Wahrscheinlichkeit z.B eine geradzahlige Zahl
x zu würfeln nur halb so hoch sein wie für geradzahlige N
errechnet, denn die Wahrscheinlichkeit für ein geradzahliges N ist
natürlich ½. |
 |
Die Gaussverteilung (wie auch unsere
analytische Formel) ist keine abolute
Wahrscheinlichkeit mehr, sondern eine Wahrscheinlichkeitsdichte (das wird
gleich im Detail erläutert). |
|
 |
Sie gibt uns auch einen Zahlenwert für die
Wahrscheinlichkeitsdichte, die Zahl
6,5 oder auch die Zahl p zu
würfeln. Sowas gibt es nicht, und damit kann es auch keine absolute Wahrscheinlichkeit dafür geben.
Zu absoluten Wahrscheinlichkeiten für
die Fälle, die es gegen kann, kommt man, indem man den (Mittel)wert der
Gaussverteilung in dem Intervall zwischen den wirklich erreichbaren Werten mit
dem Wert des Intervalls multipliziert - und in unserem Fall wäre dieses
Intervall = 2, da wir ja immer nur von geraden zu geraden oder ungeraden
zu ungeraden Zahlen "materialisieren" dürfen. Wir haben aber das
schon berücksichtigt durch die Multiplikation mit 0,5 und
müssen deshalb das Intervall 1 nehmen. |
 |
In der Ableitung der
Gauss-Verteilung im "Atkins", an der sich dieser Modul
ausrichtet, sind im übrigen ebenfalls Fehler zu verzeichnen; das
Endergebnis aber ist richtig. |
 |
Nach viel Mühen erhalten wir
also tatsächlich als Ergebnis die berühmte Gaußverteilung, die Normalverteilung oder die Gaußsche Glockenkurve, benannt nach
dem berühmten Mathematiker Gauß, eine der wichtigsten Funktionen der
Statistik. |
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|
| |
|
Einige
Eigenschaften und Besonderheiten
|
 |
Mit der Herleitung der
Gaußschen Glockenkurve für ein Münzwerfspiel haben wir unsere
eigentliche Aufgabe noch nicht gelöst.
Wir wollten wissen, wie weit im Mittel bei
einem "Random Walk" ein Teilchen
sich nach N Sprüngen von seinem Ausgangspunkt entfernt hat. |
|
 |
Mit der zugehörigen Gaußverteilung
kennen wir erstmal die Wahrscheinlichkeit,
ein Teilchen bei eindimensionaler Diffusion
nach N Schritten x Einheiten vom Ursprung entfernt zu
finden. |
|
 |
Dazu verschieben wir einfach unser Teilchen um
eine Einheit nach rechts (+x) oder links (x) je nachdem ob
wir +1 oder -1 würfeln. Oder, falls wir mit N
Würfeln auf einmal würfeln, verschieben wir es eben um den Wert
x der sich ergibt. |
 |
Wir müssen nun, um zum Ziel zu
kommen, erstmal die entsprechenden Wahrscheinlickeiten für die dreidimensionale Diffusion betrachten und daraus
dann die entsprechenden Schlüsse ziehen. |
| |
 |
Das kann man auf verschiedene Weisen tun.
Ein Weg ist sicherlich, die obige
Betrachtung auf die normalen Würfel mit 6 Augen auszudehnen, mit
einer Konvention für die Zuordnung der Augenzahlen zu den Bewegungen, z.B.
1 = +x, 2 = x, 3 = +y, usw.. |
|
 |
Man kann aber auch 3
Sätze von digitalen Würfeln (= Münzen) nehmen, z.B.
1-, 2- und 5 DM Münzen (so man sie nach
Einführung des Euro noch hat), und eine Münzsorte für die Bewegung in
einer Koordinatenachse verwenden. Wiederum
ist es egal, ob wir N (unterscheidbare; z.B. numerierte) Münzen
jeder Münzsorte gleichzeitig werfen oder sequentiell, d.h. erst
fürdie x-Achse, dann für die y-Achse, schließlich
für die z-Achse (in dieser Vorgehensweise genügte auch schon
eine Münzsorte, wir müssen aber immer wissen für welche Achse
wir werfen). |
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 |
Die Vorgehensweise ist deswegen egal, weil die
Bewegungen in den drei Achsen vollständig
unabhängig voneinander sind. Was auf der y- Achse
geschieht wird in keinster Weise davon beeinflußt, was auf den beiden
anderen Achsen vor sich geht. |
 |
Das hat eine wichtige Konsequenz, die
uns die Rechnung sehr erleichtert: Die Einzelwahrscheinlichkeiten für die
einzelnen Koordinaten sind alle identisch,
unabhängig voneinander und gehorchen der bereits abgeleiteten Formel. Die
Gesamtwahrscheinlichkeit wN(x,y,z), das Teilchen bei den
Koordinaten (x,y,z) zu finden, ist damit das Produkt der Einzelwahrscheinlichkeiten: |
|
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wN(x,y,z) = wN(x) ·
wN(y) · wN(z) |
 |
Wenn man die
Gauss-Verteilung einsetzt (mir Koordinaten oder Ortsvektor r)
erhält man |
| |
|
| |
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| wN(x,y,z) = |
æ
è |
1
2pN |
ö
ø |
3/2 |
· exp |
æ
è |
x2 + y2 + z2
2N |
ö
ø |
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
| = |
æ
è |
1
2pN |
ö
ø |
3/2 |
· exp |
æ
è |
r2
2N |
ö
ø |
|
|
| |
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Das war recht einfach und schmerzlos.
Das Ergebnis zeigt Kugelsymmetrie, wie es auch sein muß, d. h. die
Wahrscheinlichkeit, das Teilchen irgendwo bei (x,y,z) zu finden,
hängt nur vom Abstand |r| = r = (x2 + y2+
z2)1/2 des Teilchens vom Ursprung ab.
Grundsätzlich aber ist r ein Vektor; das muß immer
berücksichtigt werden (auch wenn wir jetzt den Unterstrich wieder
weglassen). |
 |
Haben wir damit unsere Aufgabe
gelöst? Wir haben jetzt schließlich eine Formel für die
Wahrscheinlichkeit, das Teilchen bei jeder beliebigen Koordinate r =
(x,y,z) zu finden.
Aber die Antwort ist trotzdem: Nein!
Unserer Formel ist mit zwei Besonderheiten
behaftet, die wir berücksichtigen müssen! |
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1. Die Gaußschen Glockenkurve ist zunächst
eine Näherungsformel. Wir haben zwei
Näherungen
gemacht: eine mathematische (Stirlingsche Formel)) und eine
physikalische (x/N <<1). Über die
damit verbundenen Konsequenzen sind wir uns halbwegs klar: Die Gaußsche
Glockenkurve ist aber für große N schon gut genug, und hier
liegt nicht das Problem. |
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2. Die Gaußsche Glockenkurve hat aber eine ganz
andere Qualität, als die
Ausgangsformel mit den Fakultäten! Sie
ist nicht mehr diskret wie die
Ausgangsformel, sondern eine Kontinuumsformel, d.h. sie ist auch für
nicht-ganzzahlige x definiert. |
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Damit haben wir eine subtile Änderung
der Bedeutung des Begriffs
Wahrscheinlichkeit durchgeführt. Wir haben einen Übergang
von einer absoluten
Wahrscheinlichkeit zu einer Wahrscheinlichkeitsdichte
gemacht. |
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Was das bedeutet, kann man sich auf
mehrere Arten verdeutlichen: |
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In unserem Beispiel (und in jedem beliebigen anderen
Beispiel), ist die absolute
Wahrscheinlichkeit W (zur Unterscheidung jetzt groß geschrieben)
nur für diskrete Werte von
(X,Y,Z) definiert. Um diese Werte aus der kontinuierlichen Formel zu
erhalten, müssen wir den Raum in Zellen einteilen mit Zellabstand =
Abstand zwischen den diskreten Werten und die Wahrscheinlichkeitsdichte in der
gewünschten Zelle aufintegrieren. Wir erhalten W(X,Y,Z) =
w(x,y,z)dV wobei die Integration
über die Zelle führt. Ist die Zelle so klein, daß in ihr
w(x,y,z) » const. gilt,
erhalten wir direkt W(X,Y,Z) »
w(x,y,z) ·V |
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 |
Daß man w(x,y,z) nicht mit W(X,Y,Z)
verwechseln darf, ergibt sich auch rein logisch aus der Definition einer
absoluten Wahrscheinlichkeit. Denn jedes beliebige Volumen enthält
¥ viele Punkte (x,y,z), so
daß die absolute Wahrscheinlickeit,
eine endliche Zahl von Teilchen oder Vorgängen bei irgendeinem von
¥ vielen Punkten zu finden immer
W(x,y,z) = 0 sein muß. w(x,y,z) ist aber nicht = 0
für beliebige Koordinaten; es kann also nicht eine absolute Wahrscheinlichkeit
ausdrücken. |
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Wir hatten exakt die gleich Situation bereits bei der
Interpretation der
Wellenfunktion y(x,y,z) kennengelernt.
Auch dort war nur y(x,y,z) · dV, und
nicht y(x,y,z) selbst ein Maß für
die absolute Wahrscheinlichkeit. |
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Das bringt uns auf eine
Übungsaufgabe: Da die Wahrscheinlichkeit, das Teilchen irgendwo zu finden
= 1 sein muß, gilt für Wahrscheinlichkeitsdichten immer die
Normierungsbedingung |
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+¥
ó
õ
¥ |
w(x,y,z)dxdydz = 1 |
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Da wir bei der Herleitung der Glockenkurve keine freien
Parameter haben, sollte diese Bedingung eigentlich erfüllt sein
(allerdings möglicherweise nur ungefähr, da wir bei der Herleitung
der Gaußverteilung genähert haben?) Das läßt sich
überprüfen: |
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Mit der Gaußverteilung als
Wahrscheinlichkeit(sdichte), das Teilchen in einem gegebenen Volumenelement zu
finden, kann man nun eine Vielzahl von Fragen stellen und lösen, jeweils
noch getrent nach ein- zwei- und dreidimensionalem "Random Walk". Wir
stellen uns einigen der möglichen Fragen und illustrieren was gemeint ist
für den zweidimensionalen Fall |
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1. Was ist der Mittelwert aller möglichen Vektoren r vom Startpunkt bis zum
Endpunkt nach N Sprüngen? |
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Die Antwort darauf ist trivial: Da für jeden
beliebigen Vektor r, der einen Endpunkt charakterisiert, mit
gleicher Wahrscheinlichkeit auch der Vektor r vorkommen
wird, gilt für den Mittelwert von r - wir schreiben
<r> - immer
<r> = 0. |
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| Mögliche Endpunkte eines zweidimensionalen "random walks" nach
einer Zahl von N Schritten. |
Verteilung der Endpunkte der Vektoren
r in der x-y-Ebene. |
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Diese Frage ist also bei einem echten "random
walk" nicht spannend - das Ergebnis ist immer <r> = 0.
Man kann das ganze aber auch "rückwärts" betrachten: Falls
wir <r> ¹ 0 finden - zum
Beispiel als experimenteller Befund - haben wir keinen "random walk". |
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2. Eine viel bessere Frage ist die nach dem
Mittelwert der Beträge von
r. |
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Das läßt sich am einfachsten machen,
indem wir r quadrieren und für den Betrag |r| = r
= (r2)½ schreiben. Das bedeutet, wir
fragen jetzt primär nach dem Mittelwert von r2. |
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 |
Dazu müssen wir die Wahrscheinlichkeit
für das Auftreten des Wertes |r| kennen, oder - wir
behandeln den zweidimensionalen Fall - die
Wahrscheinlichkeit dafür, daß r zwischen |r| und
|r| + D|r| liegt. |
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Wir fragen - und das ist
sehr wichtig - jetzt nur noch nach der Wahrscheinlichkeit für
das Auftreten einer bestimmten Länge von r , eben
|r|, und nicht mehr danach in welchem (cartesischen)
Flächenelement DF(x,y) = DxDy der Vektor
r endet. |
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Das Flächenelement Dx·Dy muß jetzt
(im zweidimensionalen) durch die
Fläche des Rings der Breite Dr im Abstand r ersetzt werden, d.h. das
Flächenelement heißt jetzt
DF(r) = 2p·r
· Dr (= Umfang der Kreises mit Radius
r mal "Höhe" - gut genug für differentiell kleine
Dr). Dies ist unten graphisch dargestellt
(wobei wir D = "d") um anzudeuten
daß wir immer differentiell kleine Änderungen meinen). |
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Dreidimensional fragen wir nur noch nach der
Wahrscheinlichkeit, daß r irgenwo in der Kugelschale
zwischen |r| und |r| + D|r| endet. Das
cartesisiche Volumenelement DV(x,y,z) =
DxDyDz wird zu DV(r) =
4p·r2 · Dr. |
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Für die Wahrscheinlichkeit,
r irgendwo zwischen r und r + Dr zu finden gilt entsprechend der
obigen Ableitung für den zweidimensionalen Fall |
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| wN(r)·pr ·Dr = WN(r) = |
æ
è |
1
2pN |
ö
ø |
1 |
· exp |
æ
è |
x2 + y2
2N |
ö
ø |
·2pr ·Dr =
|
r ·Dr
2N |
· exp |
r2
2N |
|
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| |
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| |
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Wir haben ein Produkt einer ansteigenden Geraden
mit einer abfallenden Exponentialfunktion |

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Das sieht ungefähr so aus ®
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Wiederum ist die Verteilungskurve nur für positve Werte
von r definiert, und wenn alles stimmt, muß das Integral über
die Kurve = 1 sein |
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Damit haben wir jezt die
Wahrscheinlichkeitsverteilung für das Autreten gewisser Abstände
r vom Ursprung - für den ein-
und zweidimensionalen Fall siehe den Link. |
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Die Formel zur Berechnung des Mittelwerts von r2 bei gegebener
Verteilung w(r) lautet in der bekannten Integralformel für
Mittelwerte: |
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| <r2> = |
r2w(r)dr
w(r)dr |
= |
+¥
ó
õ
¥ |
r2w(r)dr |
|
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| |
|
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Dabei ist mitgenommen, dass der Wert des Nenners
per Definition = 1 sein
muß. Die Integrationen laufen selbstverständlich alle von
¥ bis +¥ |
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Diese Größe hat zentrale Bedeutung und
deshalb einen eigenen Namen, sie heißt "Mittleres
Verschiebungsquadrat". |
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Damit ist die Frage nach den Mittelwerten im Prinzip gelöst; die
entsprechenden Formeln finden sich in einer
gesonderten Tabelle. |
 |
3. Wir können aber
auch fragen: In welchem Abstand |r|wahr (wieder nur
Betrag bei r; wir lassen die Betragsstriche aber zukünftig weg!)
ist die Wahrscheinlicheit, das Teilchen zu
finden am höchsten? Wir fragen nach dem
wahrscheinlichsten
Abstand. |
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Das ist die Frage nach dem Maximum der Funktion w(r). Die obige Figur
zeigt, daß ein Maximum vorhanden ist; die Frage ist also sinvoll. |
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 |
Daß wahrscheinlichste Werte und Mittelwerte ganz verschieden sein können, sieht
man sofort ein, wenn man sich fragt, was das wahrscheinlichste und das mittlere Gehalt einer Gruppe von 100 Personen ist,
in der 95 Personen 2.000.- pro Monat verdienen, und 5 Personen
20.000.000.- pro Monat bekommen. |
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Eine Antwort findet sich ein einem
eigenen Modul und in der
großen Tabelle. |
 |
4. Wir können weiterhin fragen, bei
welchem r die Wahrscheinlichkeitsverteilung eine bestimmte Breite hat, oder andersherum, wie
groß die Halbwertsbreite, d.h. die
Breite (ausgedrückt in r) in halber Höhe ist? Oder ganz
allgemein, wie die Breite der verteilung von den Parametern (hier N)
abhängt. |
 |
Alle diese Fragen sind sinnvoll und haben wichtige
Bedeutungen. Sie sind in weiteren Modulen behandelt. Der
wahrscheinlichste Abstand beim
dreidimensionalen "Random Walk" ist ausführlich dargestellt,
die Gesamtheit der Fragen und Antworten tabellarisch. |
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|
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 |
Die letzte Frage ist jetzt: Wie hängen der
Diffusionskoeffizient und die oben
betrachteten Größen <r2> oder
rwahr zusammen? Ein Zusammenhang muß existieren, da wir letztlich mit dem
"Random Walk" und den Diffusionsgleichungen der Fickschen Gesetze
sehr ähnliche Abläufe beschreiben. |
|
 |
Um diesen Zusammenhang zu erhalten müssen
wir uns nur klar machen, daß wir mit der Herleitung der obigen Formeln
für den "Random Walk" ein sehr allgemeines Diffusionsproblem
gelöst haben. Wir haben betrachtet, wie sich eine Konzentration an
Teilchen, die zum Zeitpunkt t = 0 alle bei (x,y,z) = 0 zu finden waren, im
Laufe der Zeit im gesamten Volumen einstellt, d.h. wir haben eigentlich das 2
Ficksche Gesetz für die Randbedingung einer Anfangsverteilung in Form
einer d-Funktion gelöst ohne es zu kennen oder vorauszusetzen. Mit den in
der tabellarische Darstellung
gegebenen Funktionen kennen wir jetzt die Konzentrationsverteilung für
alle Dimensionen. |
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 |
Wir müssen jetzt nur noch das 2 Ficksche Gesetz für
diese Bedingungen formal lösen, und
diese Lösung mit der hier gegebenen vergleichen. Dabei rechnen wir die
Konzentration c, die im Fickschen Gesetz auftritt, über folgende
Beziehung auf die Wahrscheinlichkeiten um, die wir hier abgeleitet haben: |
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 |
w(r,t) = Wahrscheinlichkeit ein Teilchen zur Zeit
t im Intervall r, r + dr zu finden = Zahl der Teilchen bei
(r,t)/Zahl aller Teilchen, oder |
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| w(r,t) = |
c(r,t)
c(r,t)dr |
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| |
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|
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Aus der Betrachtung des eindimensionalen "Random Walks"
erhielten wir für |r|:
|
| |
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|
| |
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| wN(r)dr |RW = |
æ
è |
2
a02pN |
ö
ø |
1/2 |
· exp |
æ
è |
r2
2Na02 |
ö
ø |
|
|
| |
|
|
|
 |
Aus einem Vergeich des Exponentens oder des Vorfaktors erhalten wir sofort: |
| |
|
|
|
|
oder
|
| (n = Sprungrate = N/t) |
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| |
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|
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Das ist die bereits abgeleitete Beziehung
für den rein eindimensionalen Fall (d.h. ohne Sprünge in
y- oder z-Richtung; so daß nicht 1/6 sondern
1/2 der Sprünge in die betrachtete x-Richtung
führen). |
 |
Das ist zwar erfreulich, aber noch nicht was wir wollten. Um einen Zusammenhang
zwischen dem Mittelwert (<r2>)1/2 von
r, oder dem wahrscheinlichsten Wert (rwahr) von
r und dem Diffusionskoeffizienten zu bekommen, müssen wir jetzt
aber nur noch die gewünschte
Größe aus der Lösung des 2. Fickschen Gesetzes berechnen, da
wir soeben gezeigt haben, daß diese Lösung vollständig
äquivalent zur Betrachtung mit Hilfe der reinen Statistik, des
"Random Walks" ist. |
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Wir müssen
<x2> =
x2 · w(x) dx
(von 0 bis ¥). berechnen. Dieses
Integral ist im Tabellenmodul
gelöst, das Ergebnis ist |
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| |
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Für rwahr bekommen wir, mit den Wert
aus der Tabelle für eindimensionale Diffusion schlicht und ergreifend
rwahr = 0
Es ist an wahrscheinlichsten, ein Teilchen am Ursprung zu finden. Daran
ändert sich auch nichts mit fortschreitender Zeit - obwohl der mittlere
Abstand der Teilchen vom Ursprung immer größer wird. |
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Damit ist die eindimensionale Diffusion erledigt. Aber damit haben
wir noch nicht - auch nicht im Prinzip - die zwei und dreidimensionale Diffusion erledigt! |
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Im Gegensatz zu vielen anderen physikalischen Phänomenen,
bei den die Dimensionalität für das Prinzip dessen was passiert keine große Rolle spielt, gilt das nicht für die Diffusion: |
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In der eindimensionalen
Diffusion ist rwahr = 0 - die Teilchen kommen nicht so recht
vom Fleck. Das gilt nicht für höhere Dimensionen. Die Teilchen sind
nicht mehr mit größter Wahrscheinlicheit an der Quelle zu finden,
und rwahr ist nicht mehr Null sondern wächst mit der
Wurzel aus der Zeit bzw. Sprungzahl - siehe die
Tabelle |
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Den Zusammenhang zwischen Diffusionskoeffizient
D und Diffusionslänge L für zwei- und dreidimensionale Diffusion bekommt man sofort aus
der Überlagerung der eindimensionalen Lösungen. Dabei setzen wir aber
voraus, daß die Diffusion isotrop erfolgt, oder anders ausgedrückt,
das D ein Skalar und kein Tensor zweiter Stufe ist. |
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Wir erhalten damit
- Eindimensional: D =
L2/2t
- Zweidimensional: D =
L2/4t
- Dreidimensional: D =
L2/6t
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© H. Föll (MaWi 1 Skript)