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Das Ziel der statistischen
Thermodynamik ist einfach: |
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Zurückführung der klassischen Thermodynamik auf die
Bewegung und Wechselwirkung vieler Teilchen. Dabei sollen nur die
bekannten Grundgesetze der Physik verwendet werden, im wesentlichen also die
klassische Mechanik, oder auch die Quantenmechanik. |
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Der Anspruch ist damit, dass
Zentralbegiffe der phänomenologischen Thermodynamik, wie z.B.
"Temperatur", "Wärme" oder "Entropie", sich als aus der Mechanik ableitbare
Größen darstellen. |
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Eine erste Konsequenz ist damit
ebenfalls völlig klar: |
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Ein mit unbewaffneten Auge
sichtbares thermodynamisches System umfasst
so ca. 1020 Teilchen. Es ist dann sowohl unmöglich als
auch witzlos, sich mit einzelnen Teilchen zu beschäftigen. |
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Wir fragen deshalb immer nach
statistischen Größen -
Mittelwerte, Anordnungsmöglichkeiten, Wahrscheinlichkeiten, Fluktuationen,
etc. - nicht umsonst heißt des Gebiet statistische Thermodynamik oder etwas allgemeiner
statistische Mechanik. |
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Es gibt in den den beiden Matwiss
Hyperskripten mehrere Ergänzungsmodule, die sich mit speziellen Bereichen
dieser allgemeinen Fragestellung beschäftigen; wir haben: |
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Temperatur und Druck. Es wird für ein
einfaches Gas gezeigt, wie die Begriffe Temperatur T und Druck
p aus den Teilchenbewegungen und ihrer Wechselswirkung
untereinander und mit der Wand eines Gefässes hervorgehen. Am Rande
fällt noch die allgemeine Gasgleichung pV =
NRT ab. |
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Zweiter Hauptsatz und "Philosophie". Warum der
2. Haupsatz so bemerkenswert ist. |
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Kombinatorik. Einige mögliche Fragen und
Antworten zu einfachen Fragen der Kombinatorik. |
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Entropie und Information. Was Information mit
Thermodynamik zu tun hat. |
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Zeitmittel = Scharmittel. Wie man
über zwei grundverschiedene Mittelungsverfahren zum selben Mittelwert
kommen kann. |
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Gaußverteilung,
Wahrscheinlichste
Abstände, Tabelle,
Kurzfassung:
Mehrere Module zum Würfeln und "Random Walk". |
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"Averages" Wie man
die vektorielle Größe
"Geschwindigkeit" mittelt und daraus dann auch für die skalare Größe "kinetische
Energie" einiges schlußfolgern kann. |
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Ohmsches Gesetz.
Herleitung durch statistische Betrachtung der Elektronenbewegung in klassischer
Sichtweise. |
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Wir betrachten ein
System von vielen Teilchen. In dem
betrachteten System können sich alle möglichen Teilchen befinden
(Atome, Moleküle, Photonen, ...), die mit irgendwelchen Eigenschaften
behaftet sind (kin. Energie, pot. Energie, Rotationsenergie, Ladung. Spin,
...). Es muß kein Gas sein, und wir können das Ganze
quantenmechanisch oder klassisch betrachten. |
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Damit wir ein reales physikalisches
System beschreiben, müssen wir noch einige Randbedingungen einführen,
z..B. dass Volumen V, Gesamtteilchenzahl N =
Sni und Teilchenart
i gegeben und konstant sein sollen. |
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Wir definieren jetzt statistische
Größen, die eine sinnvolle Aussage über das System machen, z.B.
die mittlere Geschwindigkeit aller Teilchen oder nur der Teilchen der Sorte
i, oder die Wahrscheinlichkeit dafür, in einem beliebig
herausgegriffenen Untervolumen V1 gerade
N1 Teilchen zu finden. |
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Damit taucht ein erstes Problem auf:
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Mögliche Systeme und
mögliche statistische Größen gibt es ohne Zahl. Im
Kombinatorikmodul wird an
einem einfachen Beispiel gezeigt, dass trotz einfacher Ausgangsituation ganz
schnell eine Unzahl sinnvoller statistischer Fragen zusammenkommen können,
und wie schwierig es sein kann, auch nur die einfachsten davon zu
beantworten. |
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Leider müssen wir, um in der
statistischen Thermodynamik zu sinnvollen Größen zu kommen,
einigermaßen komplexe Fragen stellen. |
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Was für Fragen das sind, und
welche Antworten man erhält, läßt sich in Anlehnung an den
"Gerthsen" mit einem
simplen Beispiel sehr gut demonstrieren. Dieses Beispiel hat zunächst
überhaupt nichts mit Thermodynamik zu tun, liegt uns aber viel näher
als abstrakte Teilchenwelten. |
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Wir machen das hier sehr kurz, und
ohne irgendwelche Herleitungen der auftretenden Formeln. Mehr dazu eben im
"Gerthsen". |
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Es
geht also zunächst nur darum, wie man ein eingängiges und sinnvolles
System definieren kann, und was man damit für sinnvolle Statistik treiben
kann. Danach übertragen wir das Ganze auf Thermodynamik. |
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Gegeben ist ein Sack mit sehr vielen
gut gemischten einzelnen Buchstaben (z.B. eine Riesentüte Buchstabensuppe)
und Leerzeichen (zusätzliche Bandnudelstücke). |
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Um diesen Inhalt quantitativ zu definieren
führen wir folgende Größen ein: |
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- i = Nummer des Buchstabens oder, allgemeiner, des Symbols
(i = 1 Þ A; i = 2 Þ B etc). Mit dem Leerzeichen
("_") sind das z.B. 27 Symbole.
- Mi = Anzahl des Symbols Nr. i im
Sack. Wir unterstellen mal, dass die Häufigkeit der Symbole in etwa dem
Vorkommen in einer passenden Sprache, z.B. Deutsch, entspricht (Leerzeichen
sind am häufigsten, gefolgt von E usw.; Y, Z, etc.
sind recht selten).
- M = Anzahl aller Symbole = S
Mi ; summiert wird natürlich über alle
i.
- pi = Wahrscheinlichkeit, beim wahllosen
Hineinfassen ein i-Symbol zu "ziehen"; damit gilt
pi = Mi / M.
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Die folgende Tabelle zeigt jetzt die
möglichen "sinnvollen" Fragen und die entsprechenden
Antworten |
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| Frage |
Antwort |
Kommentar |
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit
Pseq, nacheinander genau die Buchstaben zu ziehen, mit
denen man eine bestimmte Sequenz bilden
kann, z.B.
TO_BE _OR_NOT_TO_BE |
| Pseq |
= pT · pO · ...
· pE |
= |
i = 27
P
i = 1 |
(pi)ni |
|
ni = Anzahl des
i-ten Symbols in der Sequenz; kann auch = 0 sein.
Wichtig: Für jede andere Sequenz aus diesen Symbolen hat
Pseq denselben Wert. |
Wieviel (verschiedene = unterscheidbare)
Sequenzen Qkom kann man mit der zugehörigen
Komposition (= Bruttoformel)
B2E2NO4RT3_5,
die allgemein N Symbole enthält, realisieren |
| Qkom(ni) |
= |
(Gesamtzahl Symbole)!
n1! · n2! · ... |
= |
S ni
P ni |
| |
|
|
|
|
Qkom
(B2E2NO4RT3_5) |
= |
18!
2! · 2! · 4! · 3! · 5! |
= |
0,93 · 1011 |
|
Die ni sind sozusagen
die Stöchiometriekoeffizienten der Bruttogleichung.
Damit gilt auch
N = S ni.
Summen und Produkte sind natürlich immer von i = 1 bis
i = 27 zu nehmen. |
| Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit
Pkom für eine bestimmte Komposition? |
| Pkom |
= |
Pseq · Qkom |
= |
N!
|
· |
i = 27
P
i = 1 |
(pi)ni |
i = 27
P
i = 1 |
ni! |
|
Es ist z.B. zwar viel wahrscheinlicher die
Sequenz EEEEEEEEEE...E zu ziehen als unseren Satz, da E
der häufigste Buchstabe ist, aber da man mit E18 nur
eine Komposition bilden kann, ist die
B2E2N.... Komposition
letztlich wahrscheinlicher |
Was ist die wahrscheinlichste Komposition mit N
Symbolen, die man zufällig ziehen wird?
In anderen Worten:
Was ist die Häufigkeitsverteilung
ni, 0 dieser Kompositions? |
| ni, 0 = N ·
pi = |
N · Mi
M |
|
Einfaches Ergebnis nach involvierter Mathematik.
Die Häufigkeit des Auftretens eines Symbols in der wahrscheinlichsten
Komposition entspricht (wie man erwartet hätte), seiner Häufigkeit
oder "Dichte" Mi/M im
Sack . |
Wie groß ist die logarithmische Wahrscheinlichkeit
S = ln Pi, 0
für diese wahrscheinlichste Komposition? |
|
Damit Pi, 0
» 1, d.h. wir zögen immer die wahrscheinlichste Komposition.
Das ist aber nur ein » Ergebnis, da zur
Berechnung die Stirling
Formel verwendet wurde.
Jedenfalls ist die wahrscheinlichste Komposition bei nicht zu kleinen
N aber extrem viel wahrscheinlicher als alle anderen. |
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So weit so gut. Jetzt machen wir
unser Buchstabensuppensystem aber etwas komplizierter (oder
realistischer). |
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Wir nehmen als neuen Parameter die Breite
bi der Buchstaben hinzu. Der Buchstabe
"I" ist z.B. weniger breit als der Buchstabe
"W". |
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Allgemein lassen wir für ein
Symbol beliebige Breiten zu, auch für das Leerzeichen
"_". Das ist dann etwas abstrakter als in einer realen
Buchstabensuppe, in der die Buchstaben zwar verschiedene, aber ähnliche
Breiten haben. |
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Jetzt können wir neue Fragen
stellen, insbesondere interessieren wir uns wie gute Buchdrucker, nur noch
für Kompositionen, die eine definierte
Zeilenlänge haben. |
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Was man damit machen kann schauen
wir uns in der Fortsetzung der Tabelle an. Die Fragen sind noch einfach, aber
die Mathematik dazu kann involviert werden. Man braucht z.B.
Variationsrechnung und die Methode der
Langrangeschen Parameter. |
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| Frage |
Antwort |
Kommentar |
| Wie groß ist die
Wahrscheinlichkeit Pseq, eine Komposition aus
N Symbolen mit der Breite B = Sni · bi zu
ziehen, d.h. was für eine ni-Verteilung erhalte ich jetzt unter dieser Bedingung? |
| ni |
= |
N
|
· pi · ebbi |
= |
N
Z |
· pi · ebbi |
S
i |
pi ·
ebbi |
|
Es tritt ein neuer Parameter und eine daraus abgeleitete
Schlüsselgröße auf:
Der Parameter b und die
Zustandssumme Z.
Wir wollen der so definierten Verteilungsfunktion einen Namen geben und nennen sie
Boltzmann-Verteilung. |
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Zunächst ist zu klären: Was
ist der Parameter b? |
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Formal ist es ein
Lagrangescher Parameter,
der in der mathematischen Ableitung des obigen Ergebnisses erforderlich wurde,
weil jede mögliche Variation einer Komposition immer dieselbe Breite
B haben muß. |
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Von der Sache her ist es ein
Gewichtungsfaktor. Das sieht man am besten
(selber nachdenken!), wenn man obige Gleichung für B
umschreibt; wir haben |
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| B |
= |
N
Z |
· |
S
i |
pi · bi · ebbi |
|
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Im Grunde ist das auch klar: Falls
wir schmale Sätze mit N Buchstaben bilden müssen,
brauchen wir eher die schmalen Buchstaben um das hinzubekommen, bei langen
Sätzen müssen wir bevorzugt die breiten Buchstaben nehmen. Irgendwie
muß sich das dann ja durch einen eigenen Parameter niederschlagen. |
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Dieser neue Parameter b muß aber irgendwie durch die
Systemgrößen festgelegt sein, sich also aus den bekannten
Eigenschaften des Systems plus den durch die Frage definierten Parametern
berechen lassen. |
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Das ist auch so, aber: Leider kann
man keine einfache Formel für den
Zusammenhang zwischen den Grundgrößen N,
B, pi und b finden. Am einfachsten ist noch |
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Bleibt noch der Summenterm, den wir
Zustandssumme genannt haben, zu
besprechen. |
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Falls wir b kennen, ist diese Zustandssumme eine Zahl, sonst eben eine Funktion
von b. |
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Wer genau hinschaut merkt, dass sie
aus dem Term pi · ebbi,
der ja sowas wie eine modifizierte (und damit nicht mehr absolute)
Wahrscheinlichkeit pi* ist, wieder eine absolute
Wahrscheinlichkeit macht. |
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Denn wenn man über alle
relativen Wahrscheinlichkeiten pi* summiert, kommt
nicht mehr 1 heraus. Damit aus den pi* absolute Wahrscheinlichkeiten werden, muß man
dann durch die Summe über alle pi* =
Zustandssumme dividieren. |
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Aber die
Zustandssumme ist viel mehr als ein Normierungsfaktor. Die Zustandsumme eines
thermodynamischen Systems (wir werden gleich sehen wie das mit den Buchstaben
zusammenhängt) ist der Schlüssel zur
Thermodynamik wie wir sie kennen. Denn: |
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Die Zustandssumme eines Systems enthält alle Informationen
über das betrachtete System!
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Wir nehmen das erstmal nur so zur
Kenntnis und gehen zunächst noch einen Schritt weiter mit dem
Buchstabensalat. |
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Wir produzieren jetzt (statistisch)
beliebige Sequenzen und kleben dann die Buchstaben zusammen - wir haben dann
eine Zeile mit irgendeiner Komposition und
Breite gemacht. |
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Viele von diesen Zeilen werfen wir einen neuen Sack
und beginnen das Spiel von vorne. |
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Statt einzelner Buchstaben oder
Symbole ziehen wir jezt (statistisch) ganze Zeilen. |
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Aus den gezogenen Zeilen machen wir (statistisch)
viele Bücher. |
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Aus all den vielen Büchern wollen wir aber nur bestimmte
Bücher betrachten, die wir "kanonische" Bücher nennen:
- Kanonische Bücher haben eine feste
Anzahl Nk von Zeilen.
- In kanonischen Büchern ist die
Summe der Zeilenbreiten immer Bk
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Ein kanonisches Buch enthält dann
nz1 Zeilen der Breite
B1, nz2 Zeilen der
Breite B2, usw; und SBi = Bk. |
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Die Wahrscheinlichkeit im Sack eine Zeile der Breite Bi zu
finden sei Pi. |
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Jetzt kommt die wesentliche
Frage: |
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| Frage |
Antwort |
Kommentar |
Was ist die Häufigkeitsverteilung oder
Verteilungsfunktion der
nzi in einem kanonischem Buch? |
| Z |
= |
i
S
i |
Pi · eb'Bi |
= |
kanonische
Zustandssumme |
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Das ist daselbe Ergebnis für die Zeilensymbolik, das wir schon für die
Buchstaben hatten.
Nur dass wir vorsichtshalber b' statt
b schreiben.
Formal ist das wieder die Boltzmann-Verteilung. |
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Man könnte noch sehr viel mehr
machen, aber wir jetzt hören auf zu
buchstabieren (im
Gerthsen
gibt es noch viel mehr), und erinnern uns nochmals an den
Zweck der Übung: |
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Es ging nur darum, wie man ein eingängiges
und sinnvolles System definieren kann, und was man damit für Statistik
treiben kann. |
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Zumindest die Fragen waren nicht allzu schwer.
Aber was hat das Ganze mit statistischer Thermodyamik
zu tun? |
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Nun ja: Wir haben einen großen
Teil der statistischen Mechanik mit diesem Spielchen bereits abgehandelt.
Wir müssen nur für die verwendeten
Größen andere Namen wählen. |
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Hier ist eine
Konversionstabelle |
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| Buchstabenwelt |
Thermodynamik |
| Buchstabe |
Teilchen |
| Breite des Buchstabens |
Teilchenenergie; Teilchen auf einem
bestimmten E-Niveau |
| Logarithmische Wahrscheinlichkeit
für wahrscheinlichste Kombination |
Entropie |
| Zeile (Sequenz) |
System |
| Zeilenbreite |
Gesamtenergie des Systems |
| kanonisches Buch |
Ensemble (Viele Systeme im
thermischen Kontakt); siehe unten. |
| Parameter b |
1/kT |
| Zustandssumme |
Zustandssumme |
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Alles klar? Natürlich nicht!
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Wie man auf diese Tabelle kommt,
warum b sowas wie die reziproke absolute
Temperatur ist, was ein Ensemble ist, und so weiter und so fort - das kann
nicht auf Anhieb klar sein. |
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Nicht umsonst braucht man eine ganze
Vorlesung für eine erste komplette Abhandlung des Themas. |
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Aber zwei Punkte kann man doch mal
mitnehmen. |
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1. Die Art des statistischen Ansatzes und
der Fragestellungen. |
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2. Die Erkenntnis, dass dabei
"zwanglos" durch die Art der Fragestellung einige neue. sehr
allgemeine, und sehr wirkungsmächtige Begriffe auftreten (z.B.
Zustandssumme, Verteilungsfunktion, reziproke Temperature), die, wenn man erst
einmal "durch" ist, dann als die Hauptwerkzeuge des
Theoriegebäudes dienen. |
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Im Folgenden werden einige Begriffe
noch etwas vertieft |
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Normalerweise betrachten wir ein System
von Teilchen, wie oben definiert. |
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Wir wollen dann u.a. wissen, wie sich das System
entwickelt, d.h. was im Laufe der Zeit passiert. In einem nicht ganz trivialen
System ändert sich z.B. Druck, Volumen, Energie oder Teilchenzahlen im
Laufe der Zeit. Uns interessiert dann der zeitliche Mittelwert und seine Entwicklung. |
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Zeitmittel zu berechnen kann aber oft mühsam
werden, da die Änderungen des Systems in der Zeit kompliziert sein
können. |
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In der Regel tut man sich leichter mit Scharmitteln. In anderen Worten: Es ist z.B. beim
Würfelspiel leichter den Mittelwert der gewürfelten Zahlen zu
berechnen oder zu messen, wenn man nicht mit einem Würfel 1000 mal würfelt,
sondern einem Ensemble von z.B. 1000 Würfeln nur einmal. Das ist in
einem extra Modul
bereits dargestellt. |
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In noch anderen Worten: Es ist leichter,
Mittelwerte aus einem kanonischen "Buch" (= Ensemble) zu berechen, als aus
nacheinander erstellten Zeilen (=
System). |
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Das ist der Inhalt der
Ergodenhypothese;
wir haben damit schon ein zentrales (und nicht ganz problemloses) Lemma der
statistischen Thermodynamik. |
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Wozu brauchen wir die
Ergodenhypothese? Weil sie erlaubt Mittelwerte immer als Scharmittel zu berechnen - vorausgesetzt
wir verwenden einen sehr wichtigen "Trick" bei der Sache. |
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Wir betrachten eben nicht nur ein System (dem wir dann in seiner zeitlichen
Entwicklung folgen müßen) sondern viele (bis zu ¥ viele) fiktive weitere Systeme, die sinnvoll gekoppelt
sind, und die alle hinsichtlich der gesuchten statistischen Größen
unser eigentliches System auch
repräsentieren könnten. |
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Die Menge all dieser System nennen wir dann ein
Ensemble oder eine Gesamtheit. Um statistische Größen wie
z.B. Mittelwerte zu berechnen, nehmen wir jetzt das Scharmittel des Ensembles. |
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Soweit ist das alles ist noch
beliebig allgemein. Wie immer, tut man sich aber leichter, wenn man
Einschränkungen oder Fallunterscheidungen macht. Drei wichtige
Fallunterscheidungen sind: |
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1. Unser System ist
abgeschlossen (es sitzt in einem für alles undurchdringlichen
"Kasten" mit gegebenen Volumen). Es kann also weder Energie, Entropie
oder Teilchen aus der Umgebung beziehen. Dann muss sein Energie automatisch
konstant sein, denn es gilt der Energieerhaltungssatz. Thermodyamisches
Gleichgewicht liegt dann bei maximaler Entropie vor. |
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Das zugehörige Ensemble besteht also aus vielen Systemen, die alle
die gleiche Zusammensetzung (= gleiche Teilchenzahlen und -sorten), gleiches
Volumen und gleiche Temperatur, und darüberhinaus auch noch dieselbe
Energie haben solle. |
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Das geht nur bei voneinander
völlig isolierten Systemen. Wir nennen derart charakterisierte Ensemble
die Mikrokanonische
Gesamtheit. |
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In mikrokanonischen Büchern müßten dann auch alle Zeilen
gleichlang sein. |
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2. Wir betrachten jetzt ein
System, bei dem nur Zusammensetzung, Volumen und Temperatur gegeben ist. Um ein
Ensemble zu erhalten, stellen wir uns so ein System jetzt wieder mehrfach
vor. |
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Da wir nicht nicht wissen, wie
groß die Energie eines solchen Systems ist, lassen wir verschiedene
Energien zu |
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Das primäre Kennzeichen ist
dann, dass alle Systeme des Ensembles dieselbe Temperatur haben werden. Das können wir
erreichem indem wir die Systeme thermisch koppeln. |
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Ein derartiges Ensemble nennt man
eine Kanonische Gesamtheit. Das ist
der wichtigste Fall; er entspricht dem Buchstabenbeispiel mit dem kanonischen
Buch. |
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3. Wenn wir zwar noch gleiche
Temperatur und gleiches Volumen fordern, aber Teilchenaustausch zulassen, haben
wir die Großkanonische
Gesamtheit. |
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Das war's dann auch schon. Mehr
Fälle müssen nicht betrachtet werden. |
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Für jede der frei Gesamtheiten
gibt es eine eigene Formel für die Zustandssumme; und damit ist das Thema
dann "eigentlich" erledigt, denn die Zustandssumme enthält alles
Wissenswerte, wie oben und weiter unten
ausgeführt |
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Woher kommen die etwas hochtrabenden
Namen? |
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"Kanonisch" heißt zunächst mal
schlicht "richtunggebend" (aha, doch mit der
Kanone verwandt). Es ist stark
theologisch belegt; "kanonische" Schriften gehören zum
"Kanon"; sie sind den kirchlichen Rechtsbestimmungen
gemäß. |
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Schriften, die nicht zum Kanon gehörten
wurden verbrannt, vorzugsweise zusammen mit ihren Autoren oder Advokaten. |
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Man redet aber gelegentlich auch anderweitig in
der Physik von "kanonischen Gleichungen" im Sinne von
Grundgleichungen. |
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Oben
steht schon das Wesentliche: |
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Für jedes Ensemble (und damit
auch System) gibt es eine wohldefinierte Zustandssumme, und diese Zustandssumme enthält alle Informationen über
das betrachtete System! |
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Die Zustandsssumme ist in der
statistischen Thermodynamik sowas wie die
Wellenfunktion in der
Quantenmechanik, und diese Analogie kann auch auf der formalen Ebene ganz gut
begründet werden. Alles was man über das System wissen will (und
kann), z.B. innerer Energie, Entropie, freie Enthalpie, usw, läßt
sich aus der Zustandssumme extrahieren. Hier ein paar Formeln dazu: |
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| Innere Energie U |
= |
kT · |
æ
ç
è |
¶ (ln Z)
¶ (ln T) |
ö
÷
ø |
V |
| |
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|
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| Entropie S |
= |
k · ln Z + k · |
æ
ç
è |
¶ (ln Z)
¶ (lnT) |
ö
÷
ø |
V |
| |
|
|
|
|
|
|
| Druck p |
= |
kT · |
æ
ç
è |
¶ (ln Z)
¶V |
ö
÷
ø |
T |
| |
|
|
|
|
|
|
| Freie Enthalpie G |
= |
kT · ln Z |
æ
ç
è |
¶ (ln Z)
¶ (ln V) |
ö
÷
ø |
T |
|
|
|
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Aber was ist denn die Zustandssumme selbst? Hier eine (etwas
vereinfachte Interpretation) |
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Summiert wird über alle
verfügbare Energieniveaus des Systems (Wir nehmen hier schon mal ein
bißchen Quantentheorie mit hinein, und wissen damit, dass i.a. die
Energie in diskreten Niveaus auftritt). Wir haben damit eigentlich eine
"Energiesumme". |
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Da aber jeder erlaubte
Zustand eine
wohldefinierte Energie hat, summieren wir eben auch über alle erlaubten
Zustände (falls
Entartung auftreten kann,
ist das leicht einzubeziehen). |
 |
Der von der Temperatur abhängige
Zahlenwert der Zustandssumme für ein bestimmtes System gibt nun an
(qualititiv betrachtet und ungefähr), wieviel Zustände dem System
thermisch "zugänglich" sind,
also bei der gegebenen Temperatur besetzt werden können (und damit auch
besetzt sein werden). |
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Also eine wunderbare Sache! Wir
müssen nur noch Zustandssummen berechnen, alles weitere ergibt sich von
selbst? |
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Nicht ganz: Es gilt der
1. Haupsatz der
Betriebswirtschaft; hier in der Version als Satz von der Erhaltung der
mathematischen Schwierigkeit: Zustandssummen sind
notorisch schwierig zu berechnen! |
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Wer Lust hat, kann sich das mal am Beispiel der
Zustandssumme eines
Kristalls anschauen |
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Im Buchstabenspiel kamen schnell
Verteilungsfunktionen vor, zum ersten mal bei der Frage nach der wahrscheinlichsten Verteilung. |
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Dann haben wir die
Verteilungsfunktion der
ni in einer Zeile sogar Boltzmann-Verteilung genannt. |
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Warum? Das verstehen wir sofort,
wenn wir die Frage jetzt mit Hilfe der
Tabelle ins "Thermodynamische"
übersetzen. Die Frage lautet dann |
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Wie groß ist
die Wahrscheinlichkeit Psyst , ein System aus
N Teilchen mit der Gesamtenergie E zu erhalten,
d.h. wie verteilen sich die Teilchen auf die vorhandene
Energiezustände? |
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Das muss natürlich (für
klassische Teilchen) genau die uns schon geläufige Boltzmann-Verteilung
sein. Allerdings scheinen wir ein Problem zu haben: |
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Die Boltzmann-Verteilung kommt im
Hyperscript häufiger vor, allerdings nie mit einer Zustandssumme behaftet.
In Kapitel 6.1.2
(Energiebarrieren und ihre Überwindung) wird eine sehr einfache Formel
ohne Zustandssumme eingeführt.
Irgendwas scheint nicht so richtig zu passen. |
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Wo der Haken liegt, ist in einem
anderen
Modul ausgeführt. |
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Zum Ergebnis aber nur soviel:
Es gibt keinen Haken. Die einfache Formel
in Kapitel 6.1.2 ist, wie dort angemerkt, eine (sehr gute) Näherung, und unter den angegebenen Bedingungen
voll gültig. |
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Die Boltzmann-Verteilung gilt aber,
wie wie wissen, nur für klassische
Teilchen. Reale Teilchen sind aber nicht klassisch. |
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Wo liegt der Unterschied? In genau
zwei Punkten:
- Reale Teilchen (derselben Sorte) sind entweder Fermionen oder Bosonen; sie sind prinzipiell nicht unterscheidbar (im Gegensatz zu klassischen
Teilchen; die immer
prinzipiell
unterscheidbar sind)
- Fermionen dürfen nicht denselben
Zustand haben (Pauli-Prinzip).
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Was würde das im Buchstabenspiel
bedeuten? Schauen wir uns die Sequenz TO_BE
_OR_NOT_TO_BE nochmal an. |
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Klassisch können wir sie von allen anderen
Sequenzen, die mit der zugehörigen Komposition B2E2NO4RT3_5
erstellt werden können unterscheiden, denn wir können ein
"T" von einem "O" usw, unterscheiden. |
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Deshalb mußten wir für
Pkom die Wahrscheinlichkeit, diese Buchstaben zu
"ziehen", mit QSeq, der Zahl der
möglichen Sequenzen zu dieser Komposition, multiplizieren |
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Quantenmechanisch müssen wir erstmal zwischen
Bosonen
und Fermionen unterscheiden.
In jedem Fall haben wir Einschränkungen der Auswahlfreiheit |
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Für Bosonen sind alle Sequenzen zur Komposition
B2E2NO4RT3_5
gleich; die Multiplikation mit QSeq fällt weg.
Von anderen Sequenzen unterscheidet sich die gewählte nur durch die
Länge = Energie. |
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Für Fermionen sind auch alle Sequenzen zur obigen
Komposition gleich, aber da identische Buchstaben Teilchen mit identischer
Energie repräsentieren, darf jeder Buchstabe nur einmal vorkommen; die einzige mögliche
Komposition wäre also BENORT_. Entsprechend
müssen wir dann auch die Formeln ändern. |
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Statt der Boltzmann-Verteilung
erhalten wir dann die Bose-Einstein
Verteilung bzw. die Fermi-Dirac
Verteilung. |
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Ein typisches System der
Thermodynamik besteht z.B. aus N = 1020 Teilchen. Eine
Detailbeschreibung müßte dann mindestens 6N = 6 ·
1020 Parameter definieren und verfolgen: Die je drei Komponenten
des Orts- und Impulsvektors eines Teilchens, und das dann für alle Teilchen. |
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Wohl hoffnungslos, oder
läßt sich da was machen? Es läßt sich was machen: Wir
erfinden den Phasenraum! |
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Wir definieren einfach ein
6N-dimensionales Koordinatensystem mit je 3N Orts-
und Impulsachsen. In diesem hochdimensionalen Phasenraum wird unser System dann durch einen
schlichten Punkt vollständig
beschrieben. |
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Das erscheint ein einigermaßen
verschwenderischer Umgang mit Dimensionen zu sein, aber die mathematische
Physik (ganz zu schweigen von der reinen Mathematik) hat damit kein Problem.
Der in der "richtigen" Quantentheorie unverzichtbare
Hilbertraum hat sogar ¥ viele Dimensionen und ist trotzdem extrem
nützlich. |
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Unser Systempunkt steht aber nicht
still, sondern saust, den Regeln der Mechanik folgend, im Phasenraum herum -
die Koordinaten und Impulse der Teilchen ändern sich ja ständig. |
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Wenn wir ein ganzes
Ensemble von Systemen betrachten, haben wir
jetzt viele herumsausende Punkte. Jeder
Punkt definiert im Laufe der Zeit eine Bahn, oder vornehmer gesagt, eine
Trajektorie im Phasenraum. |
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Der Trick ist jetzt, dass unsere
Ensemble-Punktwolke im Phasenraum einigen Gesetzmäßigkeiten
unterworfen ist, mit denen man erstaunlich viel anfangen kann. Hier nur die
prominentesten Beispiele: |
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Wenn alle System dieselbe Energie
H haben sollen, müssen sie alle immer auf der
Hyperfläche H(xi, pi) = const,
z.B. der Oberfläche einer N-dim Hyperkugel liegen. Eine
Eigenart hochdimensionaler Räume ist nun, dass das Volumen einer
Hyperkugel sich praktisch vollständig in einer nahezu beliebig dünnen
Schale "unterhalb" der Oberfläche befindet. Damit kann man die
Dichte der Systempunkte definieren, und erhält ein fundamentales
Theorem: |
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Liouvillescher Satz: Die Punkte im Phasenraum können
sich bewegen wie sie wollen, aber ihre Dichte wird exakt konstant bleiben. Das
hat weitreichende Auswirkungen, auf die wir hier aber nicht weiter eingehen
wollen. |
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Die uns schon bekannten
Ergodenhypothese
lautet im Phasenraum so: Jeder dem System zugängliche Punkt im Phasenraum
wird früher oder später auch "besucht" werden. |
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Das führt dann aber auf ein
gewisses Problem: Wenn ein bestimmter jetzt erreichter Punkt schon früher
mal vom System belegt war, dann befindet es sich jetzt exakt im gleichen Zustand wie zu einer früheren
Zeit. Es hat dann keine Wahl mehr und muss exakt die gleiche Trajektorie wieder und wieder durchlaufen - damit
wird es eine periodische Bewegung
durchführen. Die Zukunft ist fesrgelegt! |
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Das ist das (offenbar physikalisch
unsinnige) Widerkehr Theorem von
Poincaré,
dessen (schwierige) Widerlegung schnurstracks zu Begriffen wie
"Chaos", Fraktale", etc., führt. |
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Nimmt man Quantentheorie dazu,
stellt man fest, dass das "Elementarvolumen" des Phasenraum mit
N Dimensionen gerade h3N ist (h =
Plancksches Wirkungsquantum). Damit ist eine
Definition
der Entropie möglich, bei der der Nullpunkt der Entropieskala nicht
mehr willkürlich ist. |
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Damit aber genug; nur noch ein
Hinweis: In der Chaostheorie, oder besser und allgemeiner gesagt, der
nichtlinearen Physik, ist der Phasenraum ein zentraler Schlüsselbegriff
(allerdings dann meist wieder mit überschaubarer Dimensionenanzahl). |
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© H. Föll