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In der klassischen
phänomenologischen Thermodynamik ist die Entropie über die Wärme definiert. Wärme ist immer eine sehr
"unordentliche" Energieform mit hoher Entropie. |
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Führt man einem System das schon die
Entropie S hat, noch etwas Wärme dQ zu, wird
man seine Entropie, d.h.seinen Unordnungsgrad, um einen Betrag dS
vergößern. |
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Dabei ist aber die Temperatur zu
berücksichtigen: Bei kleinen Temperaturen steigt der Unordnungsgrad bei
Zufuhr von dQ viel mehr als bei hohen Temperaturen. Dies wird
berücksichtigt in der klassischen Definition der
Entropie: |
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Der Index "rev"
berücksichtigt, daß dies in voller Strenge nur für
reversible Prozesse gilt, das sind
Prozesse die man salopp gesagt, g a n z l a n g s a m laufen
läßt. |
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Das ist im übrigen jedem klar bei
Betrachtung seines Zimmers. Führt man einem relativ aufgeräumten (=
"kaltem") Zimmer ein gewisses Maß an Unordnung zu (5
Paar Socken willkürlich verteilt), wächst der Grad an Unordnung sehr
viel mehr als wenn man das in einem unaufgeräumten Zimmer tut, in dem
schon 20 Paar Socken irgendwo herumliegen. |
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Wir wollen hier aber nur die aus der
statistischen Theorie der
Wärme stammende Definition der Entropie betrachten. Hier ist
S direkt ein Maß
für die Unordnung im System. |
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Wie mißt man den Grad an Ordnung oder Unordnung in
einem System? Eine für die überwiegend männlichen
Materialwissenschaftler schwere Frage, obwohl ihre Mütter mit hoher
Wahrscheinlicheit sehr oft versucht haben, ihnen beizubringen was Ordnung ist.
Eigentlich ist es ganz einfach: |
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Ordnung heißt:
Jedes Ding ist an seinem Platz.
Es gibt nur einen Platz für jedes
Ding. |
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Man denke an das perfekt aufgeräumte Zimmer,
und man erkennt, daß einerseits die Definition ganz sinnvoll ist,
andererseits perfekte Ordnung einen eher unwahrscheinlichen Zustand darstellt. |
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Im Umkehrschluß bedeutet dies: Es gibt nur
eine einzige Möglichkeit, perfekte Ordnung einzustellen! Im aufgeräumten
Zimmer ist jedes Ding an seinem Platz, im perfekten Kristall ist jedes Atom
an seinem Platz. |
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Es gibt aber viele Möglichkeiten, ein unordentliches Zimmer,
einen unordentlichen Schreibtisch oder einen unordentlichen Kristall zu
produzieren. Es gibt sehr viele
Möglichkeiten, 10 ungewaschene Socken auf die vorhandenen
Plätze in Zimmer zu verstreuen - einer auf dem Schreibtisch, einer unter
dem Bett, einer hinter der Tür, usw. - aber nur einen einzigen richtigen Platz. (Hinweis für
die Männer: Den Wäschekorb). |
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Das kann man quantifizieren, wir wollen das in einer kleinen
Übungsaufgabe tun. |
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Es gibt viele grundsätzlich äquivalente
Möglichkeiten, Unordnung in einem Zimmer zu erzeugen. Quantifizieren wir
mal das Sockenbeispiel: Wir haben n Socken und N
Plätze, auf die wir Socken verteilen können. Damit kann man anfangen
zu rechnen. |
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Makroskopisch sind das die beiden einzigen Größen, die das
Zimmer-Sockensystem charakterisieren. Jedes mögliche Wertepaar von
n und N definiert einen anderen makroskopischen
Unordnungszustand, kurz einen Makrozustand
(n, N) des ZS-Systems. |
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Aber zu jedem möglichen Makrozustand gibt es
viele Mikrozustände oder
Realisierungsmöglichkeiten, zum Beispiel: |
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Zu dem ZS Makrozustand (5,23)
gehört z.B der Mikrozustand Socken Nr.
1 auf Platz 21, Socken Nr.
2 auf Platz 13, usw; aber auch Socken Nr. 1 auf Platz 9, Socken Nr. 2 auf Platz 3 usw. sowie viele
andere mögliche Kombinationen, die wir mit etwas
Kombinatorik
exakt beziffern können. Es entsteht dann eine Tabelle wie unten
gezeigt: |
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| Platznr. |
Sockennummer |
usw.
Es gibt viele,
aber nur
endlich viele
unterschiedliche Spalten |
| 1 |
- |
2,3 |
- |
| 2 |
- |
- |
- |
| 3 |
5 |
- |
1,2,3,4 |
| 4 |
- |
1 |
- |
| 5 |
1 - 3 |
4,5 |
5 |
| .... |
... |
.... |
... |
| 23 |
4 |
- |
- |
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Aber bevor wir nun
kombinatorisch weitermachen, müssen wir einige grundsätzliche Entscheidungen fällen: |
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1. Dürfen mehrere Socken auf einem
Platz sein (Socken Nr. 1 und Nr.
9 auf Platz 21?) oder jeweils nur einer? Bei Socken ist es klar:
Ja, ich kann beliebig viele Socken auf einen Platz legen und in der obigen
Tabelle habe wir das auch getan. Bei den Systemen die uns interessieren ist das oft nicht so klar und
muß gesondert untersucht werden. (In der Regel interessieren sich nur
Mütter oder, etwas verallgemeinert, Frauen, für das Socken - Zimmer
System). |
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2. Können wir die Socken unterscheiden (wie mit der Numerierung bereits
getan), oder betrachten wir sie als als ununterscheidbar? Bei unterscheidbaren Socken
müssen wir anders zählen: Socken 4 auf Platz 21, Socken 7 auf Platz 13, usw.. |
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3. Um die Lage total
unübersichtlichzu machen, müssen wir uns auch noch fragen:
Können (oder wollen) wir Anordnungen
unterscheiden. Zählen wir die Anordnung "Socken 3 auf Platz 10 und Socken 4 auf
Platz 7" als unterscheidbar oder ununterscheidbar von
"Socken 4 auf Platz 10 und Socken
3 auf Platz 7" falls die Socken unterscheidbar
sind? |
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Allgemein und gleich erweitert
müssen wir uns jetzt aber einige Fragen stellen, von denen die Lösung
jeder Kombinatorikaufgabe entscheidend abhängen wird: |
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Sind unsere Teilchen
| Unterscheidbar |
oder |
Ununterscheidbar |
Sind unsere Anordnungen
| Unterscheidbar |
oder |
Ununterscheidbar |
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Zugegeben: Wer bei einer konkreten Fragestellung
jetzt nicht etwas ins Schleudern gerät, ist entweder ein Roboter, ein
Mathelehrer, oder anderweitig nicht ganz von dieser Welt. |
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Da wir aber die Kombinatorik und ihre Anwendung
auf die Materialwissenschaft nicht von Anfang an neu erfinden wollen oder
müssen (das ist im Link
schon getan) , schauen wir nur eine
konkrete Fragestellung näher an, und verallgemeinern dann gleich auf's
große Ganze - in der Gewißheit, dass schlaue Physiker dazu schon
richtig gedacht haben werden. |
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Da wir es außerhalb der
Socken-und-unaufgeräumten-Zimmer-Welt mit Atomen, Elektronen und anderen
Teilchen zu tun haben, die meistens grundsätzlich
ununterscheidbar sind und häufig nicht auf demselben "Platz" sitzen
dürfen (Pauli Prinzip
für Fermionen), wählen wir die (sowieso einfachere) Alternative: Wir
unterscheiden die Socken nicht und erlauben
nur einen Socken pro Platz. |
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Das ist natürlich mit Bezug auf reale Socken
nicht richtig. Vielleicht wäre es beim
dem einem oder der anderen schwierig, die dreckigen Socken zu unterscheiden,
aber im Prinzip ist es bei makroskopischen
Objekten immer möglich (wir können nämlich immer eine Nummer
einnähen oder sonst ein - im Zweifel winzig kleines - Etikett
anbringen). |
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Wir können jetzt mit Hilfe der Kombinatorik
ausrechnen, wieviele Mikrozustände zu
einem der möglichen Makrozustände (n, N) im
Socken-und-unaufgeräumten-Zimmer-System gehören. Und wir machen uns
nochmals klar, daß aus makroskopischer Sicht Mikrozustände nicht unterscheidbar sind, wir
nehmen nur den Makrozustand wahr. |
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Das ist eine andere Art von Ununterscheidbarkeit als oben
diskutiert; sie beruht nicht auf grundsätzlichen Prinzipien, sondern
darauf, daß wir nicht so genau hinschauen, d.h. daß wir das System
nur durch irgendwie gemittelte Parameter beschreiben ("25, oder
11 , oder, n Socken im Zimmer, Obergeschoß, ganzem
Haus, ... verstreut). |
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Aber genug der Socken. Alles, was wir
mit Socken und Zimmern diskutiert haben. läßt sich sofort 1 :
1 auf ein physikalisches System übertragen: |
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Nehmen wir Leerstellen statt Socken und einen Kristall statt einem Zimmer, dann ist der
Makrozustand durch die Zahl n der Leerstellen und die Zahl
N der verfügbaren Plätze im Kristall gegeben. |
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Die makroskopischen Eigenschaften des Kristalls
hängen nur vom Makrozustand , d.h. von
der Konzentration der Leerstellen, cV =
n/N ab. Welcher der vielen möglichen Mikrozustände zu einer gegebenen Konzentration
realisiert ist, spielt, wie es sein muß, keine Rolle. |
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Schauen wir uns mal qualitativ an,
was für Möglichkeiten wir haben: |
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Zum Makrozustand "Alle Atome auf ihren Plätzen"; d.h es gibt
keine Leerstellen, oder (n, N) =
(0, N) gibt es nur einen
Mikrozustand, eben alle Atome auf ihren Plätzen - perfekte Ordnung! |
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Zum Makrozustand "Eine Leerstelle irgendwo"; oder (n,
N) = (1, N) gibt es genau N Mikrozustände, die Leerstelle kann auf
jedem der N Plätze sitzen. |
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Zum Makrozustand "Zwei Leerstellen irgendwo"; oder (n,
N) = (2, N) gibt es erstmal auf jeden Fall mehr als N Möglichkeiten -
wieviel genau werden wir noch ausrechnen. |
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Und so weiter. Für drei Leerstellen gibt es mehr Mikrozustände als
für zwei - die Zahl der Mikrozustände steigt jedenfalls mit
n. Gleichzeitig wird der Kristall immer unordentlicher, so wie
ein Zimmer mit 30 verstreuten Socken noch unordentlicher ist, als eines mit nur
5. |
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Wir erkennen: |
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Die Zahl der
möglichen Mikrozustände zu einem Makrozustand
ist ein quantitatives Maß für den Grad der
Unordnung dieses Zustands. |
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Da bei gegebener Energie / Enthalpie
U / H , das Minimum der freien Energie / freien
Enthalpie F = U T · S bzw.
G = H T · S für das jeweils
größtmögliche S vorliegt, und S
ebenfalls den Grad der Unordnung mißt, erkennen wir weiterhin |
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Der wahrscheinlichste
Makrozustand (den wir dann finden werden)
ist derjenige mit der größtmöglichen Entropie
S, d.h. der größtmöglichen Unordnung. |
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Damit kann man die Entropie auch als Maß
für die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Makrozustandes verstehen,
wenn nicht sogar definieren! |
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Wir geben den möglichen
Makrozuständen jetzt eine Nummer, einen Index i. Zum Beispiel
könnte der Makrozustand (1, N) den Index i = 1
bekommen, der Makrozustand (2, N) hat i = 2, usw. |
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Zu dem Makrozustand Nr. i gibt es dann
pi Mikrozustände, die wir im Prinzip berechnen
können, falls die Kombinatorikaufgabe dazu eindeutig definiert ist. |
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Damit können wir jetzt ein
quantitatives Maß für Unordnung
und damit für die Entropie definieren:
Das ist die berühmte Formel von
Boltzmann: |
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Und niemals
werden wir die pi, 0 mit dem Druck p
verwechseln!! |
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Außer
pi tauchen zwei weitere Größen auf: |
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1. Die
Boltzmannkonstante
k, eine
Proportionalitätskonstante, mit dem Zahlenwert |
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| k |
= |
1,3805 · 1023 J · K1 =
8,6178 · 105 eV · K1 |
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Die Boltzmannkonstante sorgt
dafür, daß diese Definition der
Entropie mit der Definition aus der klassischen
Thermodynamik identisch ist. Wir sind der Boltzmannkonstanten
schon einmal
begegnet. |
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2. Ein Normierungsfaktor p0, der aus der Zahl der möglichen Mikrozustände
pi zu einem der möglichen Makrozustände
i eine Wahrscheinlichkeit
für das Auftreten dieses Makrozustands macht. Damit muß
p0 wie folgt definiert sein: |
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Denn die
Wahrscheinlichkeit
w für das
Auftreten eines Ereignisses ist definiert als der Quotient aus der Zahl aller
für das Ereignis günstigen
Fälle zu der Gesamtzahl aller möglichen Fälle. Die Zahl der
möglichen Fälle p0 ist dabei eine Konstante;
sie hängt nicht von den Variablen des betrachteten Systems ab. |
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Der Normierungsterm
p0 erscheint zunächst ziemlich ärgerlich -
wir müssen mehr wissen und mehr rechnen! |
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Deshalb schon hier
die gute Nachricht: Wir können ihn
(später) schlicht vergessen. Denn in praktisch allen Rechnungen wird die
Ableitung von S nach irgendeiner Variablen vorkommen, und dann
fällt p0 schlicht weg (mal kurz darüber
nachdenken warum). |
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Damit erhält man die Kurzform
der Boltzmannformel, die den
Grabstein von Ludwig
Boltzmann schmückt: . |
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Der ln hat sich als bequemer als der auf
dem Grabstein aufgeführte log erwiesen. Da sie durch eine Konstante
gekoppelt sind [ln x =
(log x)/log e] ist es wie beim p0 von
oben,egal was man nimmt. |
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Die Bedeutung dieser Formel ist durchaus
vergleichbar mit den bekannten Beziehungen F = m ·
a, E = m · c2
oder E = h · n; wir
werden noch sehen warum. |
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Die Wahrscheinlichkeit
w10, eine 11 zu würfeln, (aufpassen, der
Index i ist nicht dieselbe Zahl wie die mögliche Augenzahl!) ist
also: |
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Mit ununterscheidbaren
Würfeln:
w10 = Wahrscheinlichkeit eine 11 zu
würfeln = 1/21 = 0,0476 oder 4,76 % |
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mit unterscheidbaren Würfeln.
w10 = Wahrscheinlichkeit eine 11 zu
würfeln = 2/36 = 0,055 oder 5,55% |
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Warum sind die Wahrscheinlichkeiten
unterschiedlich, bei einem realen Würfelspiel kann es ja immer nur
eine Wahrscheinlichkeit geben? Oder gehen
Würfelspiele mit roten und grünen Würfeln wirklich anders aus
als solche mit zwei gleichaussehenden Würfeln? |
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Nein, natürlich nicht. Reale Würfel, wie schon oben betont, sind
immer unterscheidbar. Auch wenn sie nicht
rot und grün markiert sind und für uns identisch aussehen,
zählen wir doch die Kombination 3 + 4 als verschieden von der
Kombination 4 + 3 - es sind zwei
Möglichkeiten, eine7 zu würfeln! |
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Unterscheidbarkeit bezieht
sich also nicht auf das unmittelbare Aussehen der Würfel, Socken, Atome oder
Leerstellen, die wir anordnen, sondern welche Anordnungen wir mathematisch als unterscheidbar zulassen und welche
nicht. |
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Wenn wir beispielsweise statt zweier Würfel
2 Elektronen nehmen, und fragen auf welchen von 5 Plätzen
wir sie finden werden wenn wir sie in das 5-Platz System
hinein"würfeln", dann müssen wir die Elektronen als
ununterscheidbar nehmen, denn es gibt auch
im Prinzip keine wie auch immer geartete Möglichkeit zwei Elektronen
auseinander zu halten. |
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Das ist schwierig! Der Begriff
"ununterscheidbar" ist zwar aus dem Alltagsleben völlig
geläufig; es gibt viele scheinbar ununterscheidbare Dinge: zwei Eurostücke, zwei
Tageszeitungen, Sandkörner, Zwillinge, ... zwei Eier, die sich wie eben
dieselben gleiche, ... usw. Nur ist das alles in der strengen Physik einfach
falsch: Makroskopische Objekte sind immer
im Prinzip unterscheidbar; echte Ununterscheidbarkeit gibt es nur im
Elementaren - und dann ist es eine extrem seltsame
Eigenschaft. |
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Wie auch immer - die Entropien der verschiedenen Makrozustände sind
nun leicht zu berechnen. |
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Für den Makrozustand Nr. 10, also
die Augenzahl 11, erhalten wir
S10 = k · ln(0,0476) = 3,04 · k
oder
S'10 = k · ln(0,055) = 2,9 · k
je nachdem ob wir Ununterscheidbarkeit oder Unterscheidbarkeit unterstellen. |
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Das
"Minus"zeichen ist
jetzt etwas verwirrend. In der "Herleitung" der freien Enthalpie
haben wir T · S subtrahiert um G zu minimieren - jetzt
scheint sich S zu addieren???. |
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Die Antwort ist "Don't worry - be happy". Wir sehen nur wieder
mal eine Konsequenz des nicht eindeutig definierten
Nullpunkts der Energie. Am besten macht man sich das klar, indem man
die Entropie wie folgt schreibt: |
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| S |
= k · ln w = k · ln |
pi
p0 |
= |
k · ln pi k · ln
p0 |
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Nur der Anteil k · ln
pi ist interessant (und immer positiv), k · ln
p0 ist nur eine Normierungskonstante die den Nullpunkt
definiert. Für die freie Enthalpie G erhalten wir jetzt |
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| G |
= |
H kT · ln pi
+ kT · ln p0 |
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Der letzte Term kT · ln
p0 ist für die gegebene Temperatur eine Konstante,
die nur den Nullpunkt der Energieskala für G verschiebt. Da
wir den Nullpunkt aber beliebig legen können, hat das keine Bedeutung. Der
spannende Teil, kT · ln pi, ist immer positiv (allenfalls mal = Null) und
verringert deshalb immer die freie
Enthalpie oder freie Energie. |
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Reale Entropien für sinnvolle
Fragestellungen in der Materialwissenschaft berechnen sich ganz ähnlich.
Statt zu fragen "auf wieviele Weisen kann ich mit N
Würfeln die Zahl n würfeln?" fragen wir zum
Beispiel "Auf wieviele Weisen kann ich n Leerstellen auf
N Gitterplätze verteilen? - und schon stecken wir mitten in
einer ersten sehr wichtigen Anwendung der Entropieformel! |
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Bevor wir aber uns dieser Frage im nächsten
Unterkapitel näher widmen, noch einige Hinweise zu weiterführenden
Betrachtungen der Entropie nach der Boltzmannformel in einigen Links. |
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Es gibt etliche Varianten der Entropieformel, die
zunächst zu krass unterschiedlichen Zahlenwerten führen, aber
letztlich doch alle äquivalent sind.
Mehr dazu
im Link auf das Hyperscript "Defects". |
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Weiter kann man die bekannte (und absolut
lebenswichtige) Tatsache, daß in einem gegebenem Volumenelement
V eines Raumes mit dem Volumen V0, die
Zahl der Luftteilchen sehr konstant ist - wir haben nicht plötzlich keine
Luft mehr zum Atmen, und danach einen Überdruck - auf ein Würfelspiel
zurückführen. |
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Dabei wird sich zeigen, daß aus Wahrscheinlichkeiten, aus Unbestimmtheiten, eine
Gewißheit werden kann, wenn nur
genügend große Ensembles betrachtet werden. Alles was wir tun
müssen, ist den N Luftteilchen die gleiche
Wahrscheinlichkeit zuzumessen sich in irgendeinem der m =
V0/V Volumenelemente aufzuhalten. |
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Dann soll (für Interessenten) noch kurz
gezeigt werden was Entropie mit
Information zu tun hat. Auch dazu Details im
Link |
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© H. Föll (MaWi 1 Skript)