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Wir suchen eine Beziehung, die den
Diffusionstrom j des 1. Fickschen
Gesetzes mit den individuellen Sprüngen von irgendwelchen
Teilchen koppelt. |
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Dabei beschränken wir uns der Einfachheit
halber auf Materialien mit bekannten (und einfachen) Mechanismen der atomaren
Diffusion - in anderen Worten, wir behandeln Sprünge von Leerstellen oder
Zwischengitteratomen in einfachen Kristallen wie in
Kapitel 6.2.1 behandelt. |
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Wir behandeln das Problem außerdem in einer
eindimensionalen Geometrie, denn wir sind
nur am Prinzip interessiert. |
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Die Erweiterung auf drei Dimensionen,
komplizierte Kristalle, exotische atomare Mechanismen usw., obwohl nicht
unbedingt trivial, bringt keine wirklich grundlegenden neuen Einsichten und
wird hier nur kursorisch gestreift. |
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Betrachten wir nun zwei
Netzebenen eines
einfachen Kristalls, die senkrecht zur betrachteten Diffusionsrichtung stehen und diffusionsfähige
Teilchen enthalten - im Beispiel sind das (sehr viele) Leerstellen: |
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Wir interessieren uns nur für
den (Netto) Fluß der Leerstellen in x - Richung, den
Diffusionsstrom der Leerstellen. Der
Fluß von Atomen, die über einen
Leerstellenmechanismus diffundieren, wäre dann entgegengesetzt
gleichgroß. |
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Wir unterstellen kein Gleichgewicht, sondern eine vom Ort
abhängige Leerstellenkonzentration
cV(x,y,z). Da wir das Problem eindimensional
betrachten, nehmen wir nur eine Abhängigkeit der Lerstellenkonzentation
von der x - Richtung an, cV(x,y,z) =
cV(x). |
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Wir haben auf jeder der betrachteten Ebenen eine
bestimmte Zahl an Leerstellen pro
Einheitsfläche oder Flächenkonzentration
cF(x) (Einheit damit
cm2), die über die lokale
Volumenkonzentration
cV(x) berechenbar ist. |
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Die Beziehung dazu ist einfach, wir müssen
nur die Volumenkonzentration cV mit a zu
multiplizieren, um aus der Volumendichte eine Flächendichte bzw. Zahl
pro Einheitsfläche zu machen.. |
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Wer das nicht unmittelbar einsieht oder zumindest
nach kurzem Nachdenken verifizieren kann, sollte unbedingt obigen Link
betätigen! |
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Wir bezeichnen jetzt die Flächendichte aus Gründen der
Schreibökonomie direkt mit dem Index der Ebene; d.h. P1
ist die Flächendichte der Leerstellen
auf der P1-Ebene, usw.. Wir haben dann |
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| P1 = |
a · cV(x) |
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| P2 = |
a · cV(x + dx) |
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Nun kommt ein essentieller Trick:
Wir setzen dx = a = Gitterkonstante für die
betrachtete kubisch-primitive Geometrie, weil kleinere differentielle
dx keinen physikalischen Sinn mehr ergeben, und erhalten |
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Als nächstes betrachten wir die
Sprungraten in x - Richtung, d.h. denjenigen Anteil der
Sprünge der Leerstellen auf einer der betrachteten Ebenen, der in
x - Richtung erfolgt. |
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Wir definieren
- r1-2 = Sprungrate in x - Richtung
von P1 nach P2
- r2-1 = Sprungrate in x -
Richtung von P2 nach P1
und erhalten für unsere simple kubische Geometrie |
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| r1-2(T) =
r2-1(T) = |
1
6 |
· r(T) |
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Die Sprungrate in x- oder
x -Richtung der Leerstellen irgendeiner Ebene ist
nämlich 1/6 der Gesamtzahl der Sprünge
r(T). Denn von den sechs geometrisch möglichen Spüngen
führt nur einer in die
+x- bzw. x -Richtung. Die Sprungrate selbst
ist, wie wir wissen, in
einem gegebenen Material nur eine Funktion der Temperatur T. |
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Damit erhalten wir für die Zahl
der Teilchen, die pro Sekunde und cm2 von
P1 nach P2 springen, d.h. für den
rechtsgerichteten Anteil des Diffusionstrom
j1-2 (und das ist nicht der Nettodiffusionsstrom des 1. Fickschen
Gesetzes!), |
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Das ist, wenn man so will, der Strom an
Leerstellen, der aus der Ebene P1 in x -
Richtung hinausfließt. Dieser Strom
wird teilweise kompensiert durch den Stromanteil j2-1,
der von P2 nach P1 zurückfließt. Dieser Stromanteil ist
gegeben durch . |
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Mit den obigen Beziehungen erhält man
für die beiden Teilströme . |
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| j1-2 = |
r · a · c(x)
6 |
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| j2-1 = |
r · a ·
c(x + dx)
6 |
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Der Nettostrom jx in
x - Richtung nach dem 1. Fickschen Gesetz ist nun genau
die Differenz der beiden Teilströme,
wir erhalten
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| jx = |
a · r
6 |
· |
æ
è |
c(x + dx)
c(x) |
ö
ø |
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Erweitern wir (mathematisch etwas
fragwürdig) mit dx/dx = a/dx erhalten
wir für eine Dimension |
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| jx =
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a2 · r
6 |
· |
c(x + dx)
c(x)
dx |
= |
a2 · r
6 |
· |
dc(x)
dx |
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Wir müssen nur noch den
Vorfaktor vor der Ableitung mit dem
Diffusionskoeffizienten D
gleichsetzen , d.h. wir definieren jetzt |
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und wir haben unmittelbar das
1. Ficksche
Gesetz |
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| jx =
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a2 · r
6 |
· |
dc(x)
dx |
= |
D · |
dc(x)
dx |
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Das 1. Ficksche Gesetz kann
also für den eindimensionalen Fall der Diffusion in kubisch primitiven
Kristallen in einfacher Weise physikalisch sauber hergeleitet werden
(Mathematiker hätten allerdings etwas Bauchweh bei der verwendeten
Identität dx = a). |
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Gleichzeitig erhalten wir (für das kubisch
primitive Gitter) einen Ausdruck für den phänomenologischen Diffusionskoeffizienten
D, der ausschließlich die atomaren Größen Gitterkonstante und Sprungrate enthält. |
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Die Erweiterung auf (fast) beliebige
Kristalle ist nun schnell pauschal zu vollziehen. |
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Die einzige Größe, die
Gittereigenschaften widerspiegelt, ist der Faktor 1/6 und die
Sprungdistanz, die nicht immer = a sein muß, sondern
allgemein, für den Sprungtyp i, Dxi sein kann. Der Index i
numeriert, auf das obige Beispiel bezogen, die 6 geometrisch
verschiedenen Sprünge und berücksichtigt, daß in
komplizierteren Gittern, die x- Komponente des Sprungs von
i abhängen kann. |
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Der Diffusionskoeffizient ist dann gegeben durch
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wobei g eine
gitterspezifische Konstante, der sogenannte Geometriefaktor ist, und
D(T) die Temperaturabhängigkeit der Sprungrate
hat. |
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Der Geometriefaktor
g eines Gitters ist
dabei wie folgt definiert: |
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| g
= ½ · |
S
i |
æ
è |
Dxi
a |
ö
ø |
2 |
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Der Faktor 1/2 berücksichtigt,
daß in der Summierung über alle möglichen Sprünge nur die
Hälfte genommen werden darf, da die andere Hälfte dem Rücksprung
entspricht; der Ausdruck Dxi/a berücksichtigt nur
die x-Komponente eines Sprungs in Bruchteilen der Gitterkonstante
a des betrachteten Gitters. |
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Für einfache Gitter ist g
leicht berechenbar und für das fcc und bcc Gitter
netterweise = 1; wir machen dazu gleich eine Übung. |
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Die Erweiterung auf drei Dimensionen ist damit auch schnell vollzogen.
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In isotropen
Kristallen (das sind neben den kubischen Kristallen auch alle Polykristalle mit
statistischer Orientierung der Körner), ist keine Richtung ausgezeichnet; die Gleichung für
die x Komponente gilt auch für die y- und
z- Komponente des Diffusionstroms. Mit der bekannten
Gleichung für die Sprungrate
erhalten wir die verallgemeinerte Vektorgleichung des 1. Fickschen
Gesetzes: |
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| j(r,T) =
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D0 · exp
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EM
kT |
·
c(x,y,z) |
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In dem Vorfaktor D0
steckt jetzt alles was nicht so ganz spannend oder gut bekannt ist: Die
Anlauffrequenz(en), der Geometriefaktor, die Gitterkonstante(n), und vielleicht
noch (unwichtige) Terme, die wir hier gar nicht betrachtet haben. |
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In anisotropen Kristallen wird es komplizierter. Dann
muß jede Richtung getrennt betrachtet werden, aus dem skalaren
Diffusionskoeffizient wird ein Tensor. Damit wollen wir uns aber hier
nicht weiter befassen. |
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Es bleibt noch eine Frage offen, die
Frage die wirklich von Einstein (und Smoluchowski) zuerst gestellt und beantwortet
wurde (die obige Ableitung folgt indirekt daraus). |
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Wenn ein Teilchen bei jedem Sprung eine fixe Distanz zurücklegt und
jede möglich Richtung eines Sprungs
gleich wahrscheinlich ist (d. h. die
Sprünge sind rein statistisch), wie weit kommt es dann im Mittel nach N Sprüngen? |
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Oder, gegeben die Sprungrate r, wie
weit kommt es im Mittel nach t Sekunden (entsprechend r
· t Sprüngen)? |
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Eine einfache Frage, mit einer sehr einfachen
Antwort, und einer sehr schwierigen Herleitung! |
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Dieses Thema wollen wir im
nächsten Unterkapitel näher betrachten. |
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© H. Föll