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Die entscheidenden Gedanken bei der
Formulierung der sogenannten Fickschen Diffusionsgesetze waren: |
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Die Konzentrationen an Teilchen in
irgendeinem Medium, einem "Wirt", können sich, wie die
Beobachtung zeigt, lokal ändern. Dies bedeutet, daß sich Teilchen
von einem Ort an einen anderen begeben, sie müssen diffundieren. |
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Es muß dann also einen
(vektoriellen) Nettostrom
jT(x,y,z) =
jT(r) an diffundierenden Teilchen
geben. |
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Ein Maß für diesen Nettoteilchenstrom am Ort x ist die
Zahl der Teilchen, die pro Sekunde durch eine Referenzfläche
F am Ort x austreten. |
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Genau genommen ist
jT damit eine Teilchennettostromdichte; üblicherweise
redet man aber kurz vom Teilchenstrom oder
Diffusionsstrom. |
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Trotzdem ist es elementar
wichtig, im Gedächtnis zu behalten, daß der Diffusionsstrom immer
nur die Differenz der Teilströme ist,
die in eine bestimmte Richtung und in die
Gegenrichtung fließen. |
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Die zentrale Annahme ist nun:
Für Diffusionsströme ist die
treibenden Kraft der lokale
Unterschied in der Konzentration
c(x,y,z) der diffundierenden Teilchen.
Die Konzentration selbst spielt keine
Rolle! |
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Denn jeder Strom - ob elektrischer Strom, Wärmestrom, Wasserstrom (fließendes Wasser) oder auch mehr
abstraktere Ströme wie z.B. der magnetische
Fluß B - haben treibende Kräfte als Ursache (im Beipiel die
elektrische Spannung oder das elektrische Potential, die Temperaturdifferenz,
die Differenz des Gravitationspotentials oder die magnetische Induktion
H). |
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Genau genommen, und auf dem heutigen Stand des
Wissens, ist die treibende Kraft der mögliche Gewinn an freier Enthalpie
und damit für konstante sonstige Bedingungen der Unterschied im
chemischen
Potential der diffundierenden Teilchen. |
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Aus den Beispielen wird klar,
daß eine Proportionalität des lokalen Teilchenstromes zur lokalen
Differenz der Teilchenkonzentration die einfachste Formulierung des
Zusammenhangs zwischen Strömen und treibenden Kräften darstellt.
Für die Komponenten des Teilchenstromvektors gilt also in Formeln
ausgedrückt: |
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| jx |
µ |
¶c(x,y,z)
¶x |
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| jy |
µ |
¶c(x,y,z)
¶y |
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| jz |
µ |
¶c(x,y,z)
¶z |
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In unserem Fall der Diffusion wird die notwendige
Proportionalitätskonstante mit D bezeichnet (wir
werden gleich sehen, warum sie ein Minuszeichen trägt); D heißt Diffusionskoeffizient. |
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Schreibt man die obigen Formeln in vektorieller
Form (unter Verwendung des Gradienten Ñ der Teilchenkonzentration), erhält man
das sogenannte 1. Ficksche Gesetz der
Diffusion |
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Was bedeutet diese Gleichung?
Betrachten wir ein einfaches eindimensionales Beispiel, die Diffusion einer
beliebigen Teilchensorte A in einem Wirt
B. |
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Das 1.
Ficksche Gesetz ist viel allgemeiner als alles was wir bisher
behandelt haben, unsere Teilchen können, aber müssen nicht Atome oder atomare Defekte sein,
und der Wirt muß auch kein Kristall sein. Wir können beispielweise
A als komplexes Farbmolekül und
B als Wasser auffassen. |
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Wir betrachten aber nur reine Diffusion, nicht die Bewegung der A Teilchen durch z.B. Strömung im Wasser. Dies
bedeutet, daß sich die A- (und
B-) Teilchen zwar bewegen, aber ungeordnet,
rein statistisch. Die Vektoraddition ihrer (stets wechselnden)
Geschwindigkeiten ist im zeitlichen Mittel für eine gegebenes
Volumenelement = 0. |
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Wir bekommen folgendes Bild, in dem
sich die verwendeten Begriffe gut illustrieren lassen.(gezeigt sind nur die
B- Teilchen). |
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Die roten Teilchen in diesem Beispiel
sind ungleich in einem eindimensionalen
Körper verteilt: |
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Die Konzentration
c(x1) bei x1 ist
größer als an der Stelle x2. |
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Die roten Teilchen bewegen sich
rein statistisch. |
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Ihre Geschwindigkeit wechselt ständig nach
Betrag und Richtung. Sie sind aber im thermischen (nicht thermodynamischen) Gleichgewicht mit dem Wirt,
d. h. sie haben dieselbe Temperatur. Damit ist ihre
mittlere kinetische
Energie festgelegt (wir unterstellen 3 Freiheitsgrade der
Translation): |
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| Ekin = ½ · m ·
<v2> |
= |
3 kT
2 |
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Spitze Klammern bedeuten Mittelwerte. |
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Hier muß man höllisch
aufpassen! Die Aussage, daß <v> = 0
(Mittelwert der Vektoren = 0)
heißt zwar sehr wohl, daß auch <v>2 =
0 ist, aber noch lange
nicht, daß <v2> =
<|v|2> = <v2> = 0 sein muß! |
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Mal 1. darüber
nachdenken, 2. verinnerlichen, dass man die Schreibweise hier genau
anschauen muß, und 3. vielleicht mal einen
speziellen
Modul dazu konsultieren. |
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Durch eine herausgegriffene
Referenzfläche F werden pro Sekunde einige Teilchen von
links nach rechts, und einige Teilchen von rechts nach links hindurchtreten.
Der Nettostrom j, der im
1. Fickschen Gesetz betrachtet wird, ist die Differenz dieser Teilströme. |
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Falls die Konzentrationen links und rechts von
der Referenzfläche gleich groß
wären, wäre der Nettostrom j = 0, denn dann
werden im Mittel genausoviel Teilchen von links nach rechts wie von rechts nach
links durch die Fläche F hindurchtreten. |
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Ist die Konzentration verschieden, werden von der Seite mit der
höheren Konzentration mehr Teilchen durch die Referenzfläche
durchtreten, als von der andern Seite, wir bekommen
einen Nettostrom. |
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Die Richtung des Nettostromvektors zeigt von der
großen zur kleinen
Konzentration. Die Richtung des Gradienten der Konzentration zeigt von der
kleinen zur großen
Konzentration. Damit die beiden Richtungen identisch werden, wird in der
Proportionalität ein Minuszeichen
eingeführt. |
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Den Nettostrom (eigentlich ist es eine Nettostromdichte) nennen wir jetzt Diffusionsstrom. Er ist der makroskopisch beobachtbare Teilchenstrom, seine
Dimension ist Teilchen pro Sekunde und Fläche, d.h. er hat die Dimension
einer Stromdichte: |
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Falls die Teilchen
eine Ladung q tragen, wird aus dem Diffusionsstrom
j duch Multiplikation mit der Ladung eine elektrische Stromdichte .jel =
q · j. Wir werden darauf noch öfter zurückkommen,
merken uns aber schon mal, dass elektrische Ströme auch durch
Konzentrationsgradienten geladener Teilchen verursacht werden können. |
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Bei einer gegebenen
Konzentrationsverteilung eines diffusionsfähigen Teilchens und gegebenem
Diffusionskoeffizienten können wir mit dem 1. Fickschen Gesetz (und
passenden Randbedingungen) den Diffusionsstrom ausrechnen. |
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Das nützt aber nicht viel, denn
durch die Diffusionsströme ändern sich die Konzentrationen und damit
auch die Ströme selbst. In der Regel wollen wir auch wissen, wie sich eine
gegebene Anfangskonzentration durch Diffusion in Laufe der Zeit ändert.
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Die Antwort auf diese Fragestellung gibt das
2. Ficksche Gesetzes. |
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Unter der Annahme, daß keine
Teilchen erzeugt und vernichtet werden, läßt sich das 2.
Ficksche Gesetz leicht aus dem 1. Fickschen Gesetz ableiten. |
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Das ist eine zwar naheliegende, aber keine ganz
selbstverständliche Annahme. Beispiele bei denen diese Annahme nicht stimmt sind: |
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Neutronen, die durch einen Kernreaktor diffundieren, zerfallen irgendwann und sind dann
"weg", man sagt: "vernichtet". Diffusionsfähige
Elektronen in Halbleitern werden durch Licht irgendwo erzeugt. In einem gegebenem Volumenelement kann sich
in diesen Fällen die Konzentration auch ändern ohne daß Diffusion stattfindet. |
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Zur Ableitung des 2. Fickschen
Gesetzes betrachten wir wieder eindimensional ein Volumenelement des Systems
und betrachten die lokale Änderung der
Konzentration: |
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Wir bilanzieren wie beim
Girokonto: Was wir auf dem
Konto haben ist die Differenz dessen was
zu- und abfließt (plus was schon da war). |
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Die zeitliche Änderung der
Konzentration, dc(x,t)/dt, ist gegeben
durch das was bei x pro Zeiteinheit hineinfließt
(= j(x)/dx) minus dem was bei x +
dx hinausfließt (= j(x +
dx)/dx). |
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Warum die Division durch dx? Weil
wir aus der Flächendichte
(cm2) die zugehörige Volumendichte
(cm3) machen müssen! Wer das nicht unmittelbar
nachvollziehen kann, sollte dringend den Link betätigen! |
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Damit erhalten wir |
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dc(x,t)
dt |
= |
j(x) j(x +dx)
dx |
= |
dj(x)
dx |
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Setzen wir das 1. Ficksche
Gesetz ein und erweitern gleich auf drei Dimensionen, erhalten wir das 2. Ficksche Gesetz |
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¶c
¶t |
= D · |
æ
ç
è |
¶2c
¶x2 |
+ |
¶2c
¶y2 |
+ |
¶2c
¶z2 |
ö
÷
ø |
= D · Dc |
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In
Worten: Die zeitliche Änderung der Konzentration der
diffundierenden Spezies ist proportional zur zweiten Ableitung der Konzentration nach dem Ort;
der Diffusionskoeffizent ist auch hier die
Proportionalitätskonstante. |
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Die Bedeutung der Fickschen Gesetze,
insbesondere des zweiten, kann kaum unterschätzt werden. Die gesamte
Halbleiterelektronik, zum Beispiel, wie auch die Ionik, lebt von elektrischen
Strömen, die sich immer aus zwei Komponenten zusammensetzen: |
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"Elektrische Ströme" oder
Feldströme jel mit
einem elektrischem Feld
Eel als treibender Kraft. Das
zugehörige Gesetz ist das ohmsche Gesetz jel =
Eel/r; r ist der spezifische Widerstand. |
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Diffusionströme, mit einem Konzentrationsgradient als treibender Kraft.
Für sie gilt das Ficksche Gesetz. |
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Denn, um das
nochmals zu wiederholen: Die Fickschen Gesetze
gelten auch für geladene Teilchen. Der
Diffusionstrom ist dann automatisch auch ein
elektrischer
Strom. |
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Allerdings wird ein Konzentrationsgradient
geladener Teilchen alleine zwar einen
elektrischen Diffusionstrom treiben - aber nicht sehr lange. Denn ungleich
verteilte Ladungen bewirken ein elektrisches Feld, und der damit verbundene
elektrische Strom wird dem Diffusionstrom entgegenwirken bis sich ein
dynamisches Gleichgewicht nach der jetzt
bekannten Melodie jFeld =
jDiff einstellt. |
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Das ist, wenn man so will, die Grundgleichung der
Halbleiterelektronik. Aber damit beschäftigen wir uns ausführlich in
Matwiss II. |
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Das 2. Ficksche Gesetz scheint
zunächst etwas erstaunliches zu behaupten: |
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Für eine Teilchenkonzentration, die sich
linear mit den Koordinaten ändert,
bleibt die lokale Konzentration konstant
(die zweiten Ableitungen von c sind Null), und das, obwohl nach
dem 1. Fickschen Gesetz ein konstanter
Teilchenstrom fließt! Wie kann das sein? |
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Die Antwort auf diese Frage gibt uns Gelegenheit
zu einer kleinen Nachdenkübung. |
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Übung 6.2-2
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| Konstanter Strom ohne
Änderung der Konzentration |
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Das 2. Ficksche Gesetz scheint
eine relativ harmlose partielle Differentialgleichung
2. Ordnung zu sein. Es erlaubt, für beliebige
Ausgangskonzentrationen eines diffusionsfähigen Teilchens und bekanntem
Diffusionskoeffizient, die Konzentrationsverteilung für jeden beliebigen
Zeitpunkt zu errechnen. |
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Dabei haben wir kaum einengende
Voraussetzungen gemacht. Vorausgesetzt haben wir nur Kontinuität (keine Erzeugung und Vernichtung
von Teilchen) und, indirekt, einen konstanten Diffusionskoeffizienten, der
insbesondere nicht von der Konzentration abhängt. |
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Aber im Rahmen dieser Voraussetzungen gilt das
2. Ficksche Gesetz immer - und das
nicht nur für die Diffusion von Atomen in Kristallen. Es findet
beispielsweise Anwendung für folgende Fälle |
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- Diffusion von Atomen und Molekülen in amorphen Stoffen wie Glas und
Kunsstoffe.
- Diffusion von Atomen und Molekülen in Flüßigkeiten und
Gasen.
- Diffusion von geladenen Teilchen. z.B. Ionen in Kristallen und
Flüßigkeiten, oder Elektronen in Kristallen.
- Diffusion von thermischen Neutronen in Materialien (für Zeiten die
klein sind verglichen mit ihrer Lebensdauer).
- Diffusion von Photonen aus dem Inneren der Sonne nach außen.
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In jedem Fall stellt sich die Frage,
mit welchem atomarem Mechanismus die Teilchen sich bewegen bzw. was die
elementaren Sprünge sind, und wie diese atomar-mikroskopischen Mechanismen mit der makroskopisch-phänomenologischen Beschreibung
der Fickschen Gesetze zusammenhängen. |
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Während für Kristalle diese Fragen
hinreichend gut beantwortet sind, gehören sie auf vielen Gebieten der
Materialwissenschaft zur vorderen Front der Forschung. Wie diffundieren
beipielsweise Atome in Quasikristallen? Welche Mechanismen
gibt es in amorphen
Materialien (die ja keine atomaren Fehlstellen im engeren Sinne
besitzen können)? |
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Jetzt aber zu Lösungen des 2.
Fickschen Gesetzes. Betrachten wir einen besonders einfachen
eindimensionalen Fall: Wir haben einen perfekten Fe - Kristall, auf
dessen einer Oberfläche (bei x = 0) unbeschränkt
C - Atome mit der Konzentration c0 zur
Verfügung stehen. |
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Wir wollen wissen, wie sich im Laufe
der Zeit die C - Konzentration c(x) im Fe
aufbaut; gegeben sei der Diffusionskoeffizient D von C in
Fe. |
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Damit haben wir alle notwendigen
Angaben, um die Differentialgleichung für diesen Fall lösen zu
können. |
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Wir haben wieder ein rein mathematisches Problem und finden, vielleicht
etwas überraschend: Es gibt keine "einfachen" Lösungen des 2.
Fickschen Gesetzes; weder für unser Beispiel noch für andere
"einfachen" Fälle. |
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Sofern überhaupt analytische Lösungen
existieren, basieren sie immer auf Funktionen, die aus der Statistik bekannt sind, z.B. Gauß -
Verteilungen oder "Fehlerfunktionen". |
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Die Lösung unseres Problems
lautet beispielsweise. |
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| c(x) = c0
c0 · erf |
æ
ç
è |
x
(D · t)1/2 |
ö
÷
ø |
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Der Ausdruck "erf " steht dabei für "Errorfunction" oder Gaussche
Fehlerfunktion; eine tabellierte
Funktion mit folgender Definition: |
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| erf (x) = |
2
p1/2 |
· |
x
ó
õ
0 |
exp x' 2 · dx' |
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Wie diese
Lösungen ungefähr aussehen, ist hier gezeigt: |
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Wir erhalten ein
Diffusionsprofil, d.h. eine definierte
Tiefenabhängigkeit der Konzentration der diffudierenden Spezies |
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Nicht besonders spektakulär, und genau
so,wie man es wohl auch erwartet hätte. |
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Daß bei der Lösung der
Diffusionsgleichungen, wie die
Fickschen Gesetze auch genannt werden, typische Funktionen der Statistik
auftreten, ist eigentlich für uns nicht überraschend, denn wir haben
schließlich rein statistische Bewegungen der Teilchen als
Grundprozeß. |
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Herr Fick
wußte das aber noch nicht; der hat nur beschrieben was er (makroskopisch)
gesehen hat. |
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Um etwas vertrauter mit Lösungen
der Fickschen Gleichungen zu werden, machen wir eine Übung |
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Das 1. Ficksche Gesetz war ein
Postulat, eine Annahme, die nicht in voller
Strenge aus den seinerzeit bekannten Grundgesetzen der Physik ableitbar war.
Wie auch, wenn man bedenkt, daß Atome, Kristalle, Leerstellen usw. noch
nicht erfunden
waren. |
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Wie sieht das heute aus? Kann man
die Fickschen Gesetze aus den atomaren Diffusionsmechanismen herleiten, und
damit auch die Brücke zwischen der klassisch-phänomenologischen
Beschreibung des Verhaltens vieler Teilchen und den individuell-statistischen
Sprüngen einzelner Teilchen schlagen? |
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Man kann.
Kein Geringerer als Albert
Einstein hat diese Brücke (mit)gebaut; wir werden sie im
nächsten Unterkapitel kennenlernen. |
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Bevor wir und das anschauen,
realisieren wir aber erstmal, dass die obige Formel uns die Möglichkeit
bietet, Diffusionskoeffizienten zu messen; d.h. die Frage anzugehen, die wir
uns im vorhergehenden Unterkapitel
gestellt haben. |
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Wir müssen "nur" das
Diffusionsprofil messen, und an
die für das Problem geltende Lösung der Fickschen Gleichungen
anfitten. Damit ist ein einem Satz ein nicht ganz kleiner Teil dessen
beschrieben, was Materialwissenschaftler (z. B. in Diplom- und Doktorarbeiten)
so tun. Mehr dazu im Link.
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© H. Föll (MaWi 1 Skript)