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Mit dem Modell des freien
Elektrongases und der Fermiverteilung haben wir bereits ausreichende
Kenntnisse, um einige erste Rätsel der klassischen Festköperphysik
lösen zu können. |
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Das erste Rätsel ist die
Wärmekapazität
des freien Elektronengases. Es ist war nicht besonders prickelnd - nicht mal
für hard-core Materialwissenschaftler - aber am einfachsten zu lösen.
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Außerdem zeigt es sehr schön,
daß selbst die einfachsten Probleme auf zwar triviale, aber trotzdem sehr
lästige mathematische Schwierigkeiten stoßen. Hier lernen wir dann,
wie man damit zurecht kommt. |
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Aber jetzt zur
Wärmekapazität des freien Elektronengases. Zunächst mal
müssen wir definieren, was damit gemeint ist: |
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Führt man einem (festen)
Körper eine kleine Wärmemenge DQ zu, so kommt es zu einer (kleinen)
Temperaturerhöhung DT. |
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Für kleine DT gilt immer eine lineare Beziehung: |
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Dabei ist m = Masse des
Körpers, c = spezifischeWärme oder
Wärmekapazität des Materials
(massenbezogen) |
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Die (massenbezogene) spezifische Wärme
c des Materials ist also die Energie (in Joule), die man einem
kg des Materials zuführen muß, um es um ein Grad Kelvin zu
erwärmen. Als Definition von c haben wir |
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Die Einheit ist [c] = J / (kg ·
K) |
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Spezifische Wärmen als
Materialparameter sind natürlich nur sinnvoll, wenn sie auf eine bestimmt
Menge des Materials bezogen werden. In der obigen Definition war das die Masse,
wir können aber als Bezugsgröße auch
ein Mol
der Substanz nehmen. Dann erhalten wir die molare Wärmekapazität
C aus |
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Dabei ist n = Anzahl der Mole in
der Substanz, und C die molare
Wärmekapazität |
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Molare Wärmekapazitäten sind besonders
gut geeignet für Vergleiche zwischen simplen Materialien, aber nicht so
gut für reale Materialien. Wieviel kg hat ein Mol Beton? Oder
Styropor? |
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Die zugeführte Wärmemenge
führt zunächst zu einer Erhöhung der
inneren
Energie (oder, bei konstantem Druck, Enthalpie) des Festkörpers. Dies geschieht auf
zwei unabhängige Weisen: |
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Die zugeführte Wärmeenergie erhöht
die mittlere Amplitude der Gitterschwingung, d.h. der mittleren
Amplitude aller vibrierenden Atome. Dieser Mechanismus ist bei allen
Temperaturen und für alle Festkörper von Bedeutung: Metalle,
Isolatoren, Halbleiter,....; amorphe und kristalline Materialien. |
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Bei Materialien mit freien Elektronen, d.h. bei
Metallen, können auch die freien Elektronen Energie aufnehmen. Dabei
erhöht sich ihre mittlere kinetische
Energie. |
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Experimentell findet man, daß
in Metallen bei tiefen Temperaturen der Beitrag der Elektronen den des Gitters
überwiegt, während er bei höheren Temperaturen
vernachlässigt werden kann. |
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Die Wärmekapazität eines
Festkörpers läßt sich mit Hilfe der inneren Energie berechnen -
wir haben das
schon mal gemacht. |
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Pro Atom des Festkörpers
ist die Wärmemenge, die in Form von Gitterschwingungen aufgenommen wird
= 3kT (denn die
Zahl der
Freiheitsgrade ist f = 6). Dementsprechend ist die innere
Energie des Festkörpers auf Grund von Gitterschwingungen pro Mol: |
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| UGitter = AV · 6
· ½ kT = 3AV · kT |
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Dabei ist AV die
Avogadrokonstante, d.h.
AV = 6.022 · 1023 mol 1 |
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Die molare
Wärmekapazität auf Grund von Gitterschwingungen ist daher |
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| CGitter = |
dUGitter
dT |
= 3k · AV = 3R |
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denn das Produkt k · AV
ist per definitionem die allgemeine
Gaskonstante R = 8.314 J · K1 ·
mol1. |
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Das ist ein ziemlich
"heißes" Ergebnis! Das darin ausgedrückte
"Gesetz" hat auch einen Namen, es heißt "Dulong-Petitsche Regel". Es hat macht zwei
weitreichende Vorhersagen: |
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1. Alle Festkörper haben dieselbe molare Wärmekapazität. |
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2. Die molare Wärmekapazität ist
konstant; sie hängt insbesondere
nicht von der Temperatur ab. |
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Das kann doch wohl nicht stimmen! Nun - im Zweifel
gilt das Experiment. Im Link findet man
einige Daten dazu. |
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Aber Stimmigkeit hin oder her - wir
haben jetzt den klassischen Beitrag des
Gitters und wollen als nächstes den klassischen Beitrag der freien Elektronen zur
Wärmekapazität bestimmen. |
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Klassisch,
d.h. ohne Berücksichtigung der Quantenmechanik und insbesondere auch ohne
Berücksichtigung des Pauli Prinzips,
würde man bei Metallen einen hohen Beitrag zur Wärmekapazität
erwarten, da die freien Elektronen viel Energie aufnehmen können. |
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Da die freien Elektronen nur kinetische Energie
besitzen, ist die innere Energie pro Elektron nur halb so groß wie die
Energie pro Atom auf Grund von Gitterschwingungen. Bei einer klassischen
Betrachtung wäre also die innere Energie der freien Elektronen bezogen auf
ein Mol: |
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Mit NA
= Zahl der Elektronen pro Mol. |
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Nehmen wir der Einfachheit halber an,
daß pro Atom des Metalls ein freies
Elektron vorhanden ist (einwertige Metalle), erhalten wir |
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Die klassische molare Wärmekapazität der
Elektronen ist also Ce = 3/2 · R; immerhin halb
so groß wie die des Gitters. |
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Demnach wäre bei klassischer
Betrachtungsweise die gesamte molare
Wärmekapazität eines (einwertigen) Metalls |
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| C = Ce +
CGitter = 9/2 · R |
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Das ist schlicht und ergreifend
falsch. Die molare Wärmekapazität
aller Metalle liegt bei hoher Temperatur
dicht bei 3R, bei tiefen Temperaturen ist sie immer
nur kleiner. Sie kommt
niemals auch nur in die Nähe von 4,5R |
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In klassischer Betrachtungsweise ist das Problem
nicht reparabel; es gehört zu den
fundamentalen "Stolpersteinen" am
Anfang des 20. Jahrhunderts, die erst durch die Quantentheorie beseitigt
wurden. |
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Der Grund liegt im Pauli-Prinzip. Denn wie wir vom Modell des
freien Elektronengases wissen, sitzen die meisten unserer Elektronen auf
vollbesetzten Zuständen oder anders ausgedrückt, auf Plätzen im
k-Raum bei denen alle Nachbarplätze besetzt sind. Das sieht
man am besten wenn man sich Zustandsdichte mal Fermiverteilung anschaut,
d.h. die Dichte der
Elektronen über der Energie. |
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Wenn ein Elektron
Energie aufnehmen will, muß es dazu auf einen anderen Platz bei einer
höheren Energie "springen". Falls es aber bei dieser
höheren Energie keine freien Plätze gibt, kann der Sprung nicht
erfolgen - so einfach ist das! |
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In der Graphik oben gilt dies für alle
Elektronen die bei Energien etwa unterhalb des gelben Bereiches sitzen. Sie
müßten schon sehr große Energien absorbieren, um auf die
freien Plätze im schraffierten Bereich oder jenseits davon zu gelangen.
Oberhalb des gelben Bereiches gibt es zwar viele freie Plätze, aber keine
Elektronen mehr. |
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Im Klartext heißt das: Nur die Elektronen
im gelben Bereich, d.h. in der "Aufweichungszone" der Fermiverteilung
sind überhaupt thermisch anregbar. Da bei "normalen"
Temperaturen diese Aufweichungszone sehr klein ist (« 4 kT «
1/10 eV bei Raumtemperatur), sind die meisten Elektronen des Metals
energetisch "nicht ansprechbar" - und können damit auch nicht
zur Wärmekapazität beitragen. |
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Qualitativ ist der
"fehlende" Beitrag der Elektronen zur spezifischen Wärme also
leicht verstehbar. Jetzt wollen wir aber mal sehen, ob wir das ganze auch
quantitativ durchziehen können. |
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Wir betrachten zunächst im
"Schnellverfahren" eine extrem simple Näherung. |
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Nur die Elektronen können thermisch angeregt werden, d.h. Energie aufnehmen
(oder abgeben), die Energien in der Nähe der Fermi-Energie besitzen; denn
nur dort sind genügend freie Elektronenzustände vorhanden. Alle
anderen Elektronen (der größte Teil) sind sozusagen
"eingefroren". |
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In der Gleichung für
Ce dürfen wir daher nur die thermisch anregbaren Elektronen
berücksichtigen, d.h. wir müssen die eigentliche Anzahl der
Elektronen Ne durch eine effektive Anzahl Neff
ersetzen. |
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Wie groß ist
Neff? Betrachten wir die Dichte der besetzen
Zustände in obiger Graphik, können
wir näherungsweise - nach "Gefühl" - sofort schreiben |
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Wir haben der Einfachheit halber das
Aufweichungsintervall statt mit 4kT nur mit kT
eingebracht, schließlich sind bei weitem nicht alle Zustände im
Aufweichungsintervall besetzt. |
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Die Zustandsdichte bei der
Fermienergie kennen wir auch schon,
sie ist |
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Damit erhalten wir für die effektive Anzahl
der Elektronen in der gemachten Näherung |
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Die innere Energie des
Elektronengases ist jetzt |
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| Ue »
Neff · 3/2 kT = |
9Ne
4EF |
· (kT)2 |
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Und damit ergibt sich für die molare
Wärmekapazität des freien Elektronengases |
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| Ce » |
9NA
2EF |
· k2T |
= 9/2 R · |
kT
EF |
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Wobei wir mit NA statt
Ne jetzt wieder
ausdrücken, daß wir jetzt die Zahl der Eektronen
pro mol meinen. |
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Wir haben also - bis auf einen Faktor
3 - das alte klassische Ergebnis, aber multipliziert mit
kT/EF « 1. Die Wärmekapazität
des freien Elektronengases in quantenmechanischer Betrachtung ist also: |
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1. Erheblich kleiner als bei klassischer
Betrachtung. |
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2. Nicht mehr konstant, sondern linear mit
der Temperatur ansteigend. |
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3. Sehr gut zu experimentellen Ergebnissen
passend. |
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Cool. Aber - wir haben ziemlich
heftig "nach Gefühl" genähert. Was sagt die korrekte
Rechnung dazu? Damit wollen wir uns jetzt ein wenig beschäftigen. |
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Was folgt muss
man nicht "können", aber der Rechengang zeigt doch sehr
schöne einige (mathematische) Spezifika des Rechnens mit
Fermiverteilungen, die in vielen anderen Zusammenhängen in ähnlicher
Form auftauchen werde, |
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Es lohnt sich deshalb
schon, das Ganze zumindest der Spur nach mal zu verfolgen. |
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Die gesamte Energie(dichte), die im
freien Elektronengas steckt ist
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| E = |
¥
ó
õ
0 |
E · D(E) · f(E,T) ·
dE |
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Bei Integralen dieser Art, ist es immer
zweckmäßig, als Variable (E
EF) zu benutzen, denn das steht immer im Exponent der
Fermi Verteilung. Wir machen also eine Umschreibung wie folgt: |
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| E |
= |
¥
ó
õ
0 |
(E EF) · D(E)
· f(E,T) · dE |
+ EF · |
¥
ó
õ
0 |
D(E) · f(E,T) · dE |
| |
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|
|
= |
¥
ó
õ
0 |
(E EF) · D(E)
·f(E,T) · dE |
+ |
|
Ne · EF |
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Denn das 2. Integral
ergibt genau die Gesamtzahl der
Elektronen Ne |
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Für die Wärmekapazität
erhalten wir jetzt |
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| C = |
dE
dT |
= |
¥
ó
õ
0 |
(E EF) · D(E) |
df(E,T)
dT |
· dE |
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Fertig. Es ist eine Differentiation auszuführen
und ein bestimmtes Integral auszurechnen - das ist "nur" noch
Mathematik, denn die beteiligten Funktionen kennen wir. |
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Aber ganz so einfach ist es nicht. Wer will, kann
sich ja mal daran versuchen. Wir knacken den Ausdruck indem wir wieder
Näherungen machen - aber jetzt weniger "nach Gefühl",
sondern mathematisch wohlbegründet. |
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Zunächst stellen wir fest,
daß die Ableitung der Fermiverteilung nach der Temperatur
nur im Aufweichungsinterval ¹ 0 ist.
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Das sieht man nicht sofort. Was man sofort sieht
ist, dass die Ableitung nach der Energie
nur um EF herum von Null verschieden ist. |
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Denn wenn man in dem den Graph der
Fermiverteilung aber statt der Energie
E den Ausdruck 1/T als Abszisse nimmt, bleibt der Graph
bleibt unverändert, und wir haben |
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df(E, T)
dT |
= |
df(E,T)
d(1/T) |
· |
d(1/T)
dT |
= |
df(E,T)
d(1/T) |
· |
1
T2 |
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Die Ableitung
df(E,T)/dT ist also tatsächlich nur im
Aufweichungsintervall von Null verschieden. |
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Damit wird auch das
Integral überall = 0; außer im Energiebereich um die
Fermienergie. Wiederum können wir dann näherungsweise
D(E) durch D(EF) ersetzen und
erhalten |
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| C »
D(EF) · |
¥
ó
õ
0 |
(E EF) · |
d
dT |
æ
ç
è |
1
exp ( (E EF)/kT) + 1 |
ö
÷
ø |
dE |
|
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Auch jetzt ist das Integral nicht
ganz einfach zu knacken - aber es geht. Nach länglicher und ziemlich
mühsamer Rechnung ergibt sich schlicht der Wert (p2k2T)/3. |
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Das ist bei Integralen dieser
Art - sogenannten Fermiintegralen häufiger der Fall: Nach immer
mühsamer Rechnung ergibt sich für den numerischen Faktor oft ein Wert
nahe 1 - z.B. (p/3)½.
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Wir erhalten damit als Endergebnis (wieder mit D(EF) =
3NA/2EF) |
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| Ce »
|
p2
2 |
· |
NA
EF |
· k2T |
= |
p2R
2 |
· |
kT
EF |
= |
p2
2 |
· R · |
T
TF |
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wobei wir die Fermi-Temperatur TF,
definiert über
kTF = EF verwendet haben. |
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Wenn wir dem Elektronengas eine
"interne" Temperatur so zuordnen, daß die klassische
Betrachtung wieder gilt, sehen wir einen simplen Zusammenhang: |
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Die Fermi-Temperatur ist genau
die Temperatur, die ein klassisches Elektronengas haben müßte, damit
es die freie Energie enthält, die das "richtige" Elektronengas
hat. Sie liegt - bedingt durch das Pauli Prinzip - sehr viel höher als
übliche Temperaturen. |
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Für
typische Fermi-Energien im eV-Bereich erhält man Fermi-Temperaturen
im Bereich von 104 K. Bei Raumtemperatur (T
» 300 K) ergibt sich daher ein
verschwindend geringer Beitrag der Elektronen zur Wärmekapazität
eines Festkörpers. |
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Die ganze, hier gar nicht detailliert
ausgeführte Rechnerei, ersetzt also lediglich den Faktor 9 durch
p2 - unsere
"gefühlsmäßige" Näherung war also ganz gut. |
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Es lohnt sich, alle drei Ergebnisse
nochmals zu vergleichen und die Unterschiede zu diskutieren. Wir hatten |
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| Ce(QT, "Gefühl")
|
» |
9
2 |
· R · |
T
TF |
| Ce(QT,
"korrekt") |
» |
p2
2 |
· R · |
T
TF |
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Der Faktor T/TF
kann auch so interpretiert werden, daß das Elektronengas bereits eine
extrem hohe Temperatur hat, und ein bißchen Energiezufuhr daran kaum was
ändert. |
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Eine letzte Bemerkung ist von
Interesse: Wie groß ist der Fehler, den wir durch die
Konstantsetzung der Zustandsdichte im Integral
gemacht haben? |
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Die Antwort ist "Who cares"? Denn bei Verwendung der
Zustandsdichte des freien Elektronengases machen wir durch diese Näherung
zwar sicherlich einen (kleinen) Fehler - aber der Fehler den wir machen weil
wir die unrealistische Zustandsdichte des freien Elektronengases nehmen und
nicht die Zustandsdichte des realen Materials ist viel größer! |
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Im übrigen ist die Verwendung der Formel
für die Zustandsdichte bei der Fermienergie nicht so schlecht! Denn diese
Ausdruck ist allgemeiner als die Zustandsdichte des freien Elektronengases - er
gilt auch noch bei Zustandsdichten, die in ihrer genauer Form stark von der des
freien Elektronengases abweichen. Das sollte man sich mal selbst klar
machen. |
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Experimentell ist die
quantenmechanische Behandlung der Wärmekapazität fester Stoffe
glänzend bestätigt. |
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Der elektronische Antreil ist nur bei extrem
tiefen Temperaturen, bei denen der Gitterbeitrag praktisch = 0 ist,
vorhanden und folgt dann genau der obigen Formel. |
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© H. Föll (MaWi 2 Skript)