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Die klassische Formel für die spezifische
Leitfähigkeit war: |
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| s = |
n · e2
m |
· |
l
2(v0 + vD) |
» |
n · e2 · l
2m · v0 |
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Das Problem war, daß nur viel zu kleine Werte für die mittlere freie
Weglänge l zu vernünftigen Zahlenwerten für
s führten. |
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Wie löst sich jetzt das Problem?
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Ganz einfach: Die klassische thermische mittlere Geschwindigkeit
v0 des freien Elektronengases,
klassisch definiert durch |
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| v02 |
= |
æ
ç
è |
3kT
m |
ö
÷
ø |
1/2 |
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muß durch die wirkliche mittlere Geschwindigkeit ersetzt werden.
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Im Link kann man sich das noch
illustriert anschauen |
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Das Pauli Prinzip
verlangte ja, daß auch die Energieniveaus bei hohen Energien besetzt
werden müssen, und da die Energie unseres freien Elektronengas
rein kinetisch ist, heißt
das, daß die mittlere Geschwindigkeit der Elektronen hoch ist. |
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Wir können das auch daran sehen daß
wir formal ja eine sehr hohe Temperatur
für das Elektronengas ansetzen müßten, nämlich die
Fermitemperatur TF = EF/k, um die
klassischen Formeln benutzen zu können. |
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Wie groß ist die quantenmechanische
mittlere Geschwindigkeit v0q? Das ist jetzt nicht
schwer zu "raten", wir nehmen als Größenordnung einfach
die halbe "Fermigeschwindigkeit" |
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| v0q = 1/2 ·
vF = |
æ
ç
è |
EF
2me |
ö
÷
ø |
1/2 |
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Wieder eine Näherung "nach
Gefühl" - aber damit haben wir ja bereits
gute Erfahrungen gemacht. Wir haben
damit auch die sogenannte Fermi-Geschwindigkeit
vF definiert, einfach über EF = ½
me(vF)2. Und als Mittelwert der
Geschwindigkeit aller Elektronen nehmen wir die
Hälfte der Fermi-Geschwindigkeit; das kann nicht ganz daneben
liegen. |
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Für die
Leitfähigkeit erhalten wir damit |
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Da
vF sehr viel größer ist als
v0(klassisch), erhält man jetzt die richtige
Größenordnung für die mittlere freie Weglänge: Bei
Metallen liegt sie im Bereich von l »
102 nm. |
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Müßten wir jetzt nicht
auch noch die Dichte der Elektronen auf die effektive Dichte im
Aufweichungsintervall der Fermiverteilung reduzieren? |
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Nein! Denn
alle Elektronen tragen zur
Leitfähigkeit bei. Die meisten können zwar keine Energie aufnehmen,
aber sie stehen ja nicht still, sondern laufen in Richtung ihres Wellenvektors
durch den Kristall. |
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Damit trägt jedes Elektron zum Stromfluß bei. Allerdings
wird es zu den meisten Elektronen, die in k-Richtung fliegen,
welche geben, die in entgegengesetzte Richtung laufen, d.h. der Nettostrom wird
klein (und ohne äußere Spannung = 0) sein. Aber diesen Effekt
haben wir in der Formel bereits berücksichtigt als wir die
Driftgeschwindigkeit, und nicht die
aktuelle Geschwindigkeit des Elektronenensembles in der Beschreibung der
Leitfähigkeit verwendeten. |
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Wir haben eigentlich zwei grundlegende Formeln für die
Leitfähigkeit erhalten, und in beiden Formeln muß sich die
Temperatur- und Defektabhängigkeit widerspiegeln. Die beiden Formeln
waren: |
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| 1. |
s = |
S
i |
qi · ni ·
µi |
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| 2. |
s = |
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ni · e2 · l
me · vF |
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In der ersten Gleichung schauen wir auf summarische Eigenschaften von Teilchen einer Sorte
i mit der Ladung qi, nämlich auf die
Konzentration ni und die Beweglichkeit
µi. In einer Erweiterung der früheren Formel steht
jetzt noch ein Summenzeichen - damit erfassen wir die Möglichkeit,
daß verschiedene Teilchensorten sich
am Stromfluß beteiligen. |
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Die Verschiedenheit kann sich auf
alle drei Größen beziehen. In einem (flüssigen) Elektrolyten
wird man z.B immer mindestens zwei verschiedene Ionensorten haben, die sich in
allen drei Größen unterscheiden können; aber auch Elektronen
mit z.B. verschiedenen Beweglichkeiten müssen wir als verschiedene
Teilchen auffassen. |
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Im allgemeinen müssen wir damit
rechnen, daß die Konzentration und die Beweglichkeit von Defekten und der
Temperatur beeinflußt werden; damit haben wir einen ersten Ansatz zur
Beschreibung von s(T, Defekten). In der
Praxis nutzt man das auch - indem man gemessene n(T, Defekten)
und µ(T, Defekten) angibt. |
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In der Theorie ist es schwieriger. Im
Moment wissen wir nicht so recht, wie ni und
µi von T und Defekten abhängen.
Für ni werden wir das (für Halbleiter) noch
detailliert behandeln; für die µi ist es (in der
Theorie) immer schwierig. |
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Die zweite Gleichung (die natürlich völlig
äquivalent zur ersten ist) macht die Theorie etwas einfacher; in der
Praxis ist sie eher ungebräuchlich. |
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Sie sagt uns, wie die
Leitfähigkeit von dem Verhalten eines einzelnen "gemittelten"
Ladungsträgers abhängt (meistens, aber nicht notwendigerweise, ein
Elektron). Die Empfindlichkeit auf T und Defekte steckt jetzt in
n (wie zuvor) und in l. |
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Falls wir uns erst mal nur auf
Metalle beschränken, wird die Konzentration n der freien
Elektronen ziemlich konstant sein - sie ist nur durch die Art des Metalls und
der Bindung bedingt. Interessant ist also die Beweglichkeit µ
oder alternativ die mittlere freie
Weglänge l - und zu l haben wir ein
unmittelbareres Verhältnis als zu µ. |
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Da die mittlere freie Weglänge
einfach der mittlerer Abstand zwischen zwei Stößen war, müssen
wir uns jetzt damit beschäftigen, wie die Stoßerei von Temperatur
und Defekten abhängt - in anderen Worten, wie sich die Temperatur auf die
Stoßpartner auswirkt. |
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Die möglichen Stoßpartner
haben wir schon mal aufgelistet,
wichtig waren nur die Phononen als wirkliche,
teilchengewordene Gitterschwingungen, und
Defekte, wie Fremdatome,
Leerstellen oder Versetzungen. |
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Damit haben wir schon ein erstes
wichtiges Unterscheidungskriterium: |
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Extrinsische Defekte sind fest gegeben - ihre
Konzentration hängt nicht von der Temperatur ab. Sie werden die mittlere
freie Weglänge selbstverständlich stark beeinflussen, aber
primär über ihre vorgegebene Konzentration. |
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Intrinsische Defekte, d.h. in allen Metallen
ausschließlich die Leerstellen, spielen
nur bei sehr hohen Temperaturen eine (kleine) Rolle, und selbst dann ist ihre
Konzentration in realen Materialien viel kleiner als die aller anderen Defekten
- wir wollen sie hier schlicht
"vergessen". |
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Phononen, d.h. Gitterschwingungen enthalten die
thermisch Energie des Gitters. Bei 0 K gibt es keine Gitterschwingungen
und damit auch keine Phononen, mit zunehmender Temperatur wird es dafür
mehr und mehr Phononen geben müssen - hier muß die wesentliche
Temperaturabhängigkeit der Leitfähigkeit bzw. des spezifischen
Widerstandes stecken. |
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Wir können also
frohgemut den folgende
einfachen Ansatz machen (traditionell, weil am einfachsten, für den
spezifischen Widerstand r = 1/s und nicht für s). |
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Dabei sei
rP = spez. Widerstand verursacht
durch Stöße mit Gitterschwingungen (Phononen).
rD = spez. Widerstand verursacht
durch Stöße mit Gitterdefekten. |
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Lange bevor man das so einfache
postulieren konnte, war genau dieses Verhalten schon experimentell beobachtet
worden, es hat sogar einen Namen und heißt Matthiesen-Regel.
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Ein Beispiel zeigt das folgende Bild,
die drei Kurven stehen für verschiedene Verunreingungs- bzw.
Defektkonzentrationen. |
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Man erkennt, daß der
spezifische Widerstands bei » 0 K, der
"Restwiderstand", ein indirektes
Maß für die Qualität im Sinne von Defektfreiheit eines
Materials ist. |
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Man kann das Verhältnis zum
(nicht mehr defektdominierten) Widerstand bei Raumtemperatur bilden; das
resultierende "Restwiderstandsverhältnis"
ist dann ein gutes Qualititätsmaß und wird auch viel benutzt, |
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Bei "höheren"
Temperaturen (in obigen Beispiel so ab T ³ 20 K) findet man eine lineare
Temperaturabhängigkeit des spezifischen Widerstandes, d.h. |
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Der Faktor a heißt "Temperaturkoeffizient oder
Temperaturbeiwert, typische Werte sind:
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| Material |
a
[10 3 K 1] |
| Ag |
3,8 |
| Al |
3,9 |
| Au |
3,4 |
| Cu |
3,9 |
| Ni |
6,0 |
| Na |
4,0 |
| Pb |
3,9 |
| W |
4,5 |
Konstantan
(Cu-Ni-Legierung) |
0,0 |
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Die elementaren Metalle unterscheiden sich also
nicht so sehr - das würden wir auch
"gefühlsmäßig" so erwarten. |
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Als Faustregel erkennt man für metallische
Elemente |
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Das ist viel! Für den Glühfaden einer
Glühbirne (aus W), die so bei T » 2500 0C "brennt, hätte man
nach dieser Faustregel eine Widerstandsänderung von 1000 % zu
erwarten, d.h. der Widerstand sollte sich verzehnfachen. In Wahrheit steigt er
sogar um einen Faktor 19, oder andersherum ausgedrückt: Im Moment
des Einschaltens fließt der 19-fache Strom relativ zum
Dauerstrom! |
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Das Beispiel "Konstantan", (das hier als Extremfall
stellvertretend für Legierungen steht), zeigt aber auch, daß sich in
der Temperaturabhängigkeit des spezifischen Widerstands von
"gemischten" Materialien noch einige Dinge verstecken, die wir an
dieser Stelle noch nicht verstehen. |
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In "reinen" Elementmetallen
ist der temperaturunabhängige Defektwiderstand rD klein, denn wir haben wenig Defekte. In
allen "Mixturen", d.h. Legierungen, gilt das nicht mehr. |
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Die Legierung
AxBy können wir zunächst für den
Fall x >> y so interpretieren, daß sich im
"Wirtskristall" A jetzt viele atomare Defekte der Sorte
B mit der Konzentration cD = y/(x + y) %
befinden. Wie ist dann der Widerstand? Auch dafür gibt es eine
"Regel", die Nordheim Regel: |
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| r = |
me · vF
ne · e2 |
· |
cD
a |
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Mit ne =
Elektronenkonzentration, cD = Defekt-Konzentration
(in Atomprozent) und a = Gitterparameter des Metalles
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Das ist eine sehr traurige Regel,
denn sie besagt, daß unser normales Wundermittel zur Verbesserung von
Materialeigenschaften für die Leitfähigkeit nicht wirkt: Einführung und Manipulation von
Defekten in jeder denkbaren Abwandlung macht den spez. Widerstand immer nur
schlechter! |
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Es gibt keine Möglichkeit, unter den Wert von sehr
perfektem Silber zu kommen! (Wir schließen dabei die Supraleiter
natürlich aus). |
© H. Föll (MaWi 2 Skript)