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Es ist nützlich, sich vor
Aneignung dieses Kapitels noch einmal die Grundsätze der Quantentheorie
ins Gedächtnis zu rufen. Das wird zwar in dieser Einleitung auch gemacht,
aber ausführlicher findet sich das ganze in einem
"Basic" Modul. |
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Wir betrachten zunächst als
Wiederholung (vergleiche
MatWiss
I) das Verhalten von Elektronen bei einzelnen Atomen. Es zeigte sich,
daß die Elektronen wegen des
Pauli-Prinzips
auf verschiedene
Orbitale
mit verschiedenen Energien verteilt sind. |
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Das Bild unten zeigt die
Potentialtopfdarstellung
eines Na-Atoms. Wer Probleme hat, dieses Bild zu interpretieren, sollte
dringend die entsprechende Module von
MaWi 1
nacharbeiten! |
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Bei der Annäherung von zwei
Atomen (z.B. H-Atome des H2-Moleküls) gibt es
eine Aufspaltung der Atom-Energieniveaus in jeweils zwei Einzelniveaus. |
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Das muß ganz allgemein so sein, denn
Atomverbünde - ob zweiatomige Moleküle, große Moleküle
oder Kristalle - haben immer nur Orbitale, oder besser
Zustände für
Elektronen, die alle zur Lösung einer Schrödingergleichung gehören. Falls
die Atomzustände nicht aufspalten würden, gäbe es sehr schnell
keinen Platz mehr für die Elektronen, die im Atom einen bestimmten Zustand
bevölkern, denn nach dem Pauli-Prinzip können sie nicht alle im
selben Zustand sein. |
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Das ist sofort evident für einen
Festkörper: In einem Festkörper haben sich N (mit
N » 1022) Atome soweit
angenähert, daß sich jedes Energieniveau des Einzelatoms, das im
Prinzip allen Elektronen des gesamten Kristalls "zugänglich"
ist, in N Sub-Niveaus aufspalten
muß. Dies gilt also insbesondere für die Energie-Orbitale der
äußeren Elektronen, weil sich deren Wellenfunktionen stark überlappen. |
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In dieser qualitativen Betrachtung scheint ein
Stück Willkür zu stecken - tut es auch. Aber jede Willkür
verschwindet sofort, wenn man die Schrödingergleichung wirklich löst
(die "Willkür" steckt dann in den verwendeten
Näherungen). |
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Das Prinzip der Bildung von
Energiebändern aus bestimmten
Atomorbitalen (bei Na-Beispiel aus dem 3s-Orbital) ist aber im
graphischen Potentialtopfmodell problemlos nachzuvollziehen; es ist unten
abermals gezeigt. |
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Die Energie-Subniveaus liegen energetisch sehr
dicht und werden auch als Energieband
bezeichnet. |
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Es gibt in dem 3s1 Band genau
doppelt soviel Plätze wie Elektronen, da jedes Atom ein Energie(sub)niveau
mit zwei Plätzen beisteuert. |
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Die Aufspaltung der 2p6,
2s2 und 1s2 Niveaus ist so gering, dass wir
in diesem Bild keine Bänder einzeichnen, sondern einfach die Atomniveaus
beibehalten. Letztlich sind bei jeder Bindung ja auch nur die
äußeren Elektronen betroffen. |
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Energiebänder in
Festkörpern haben einige allgemeine Eigenschaften, die wir kurz
aufzählen wollen, bevor wir sie im Detail herleiten und
interpretieren: |
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Die Energieniveaus des Festkörpers liegen
energetisch niedriger als bei den
isolierten Atomen. Das muß einfach so sein, denn sonst gäbe es
keinen Grund, daß die Atome "zusammenhalten". Die durch die
Bildung des Festkörpers gewonnene Energie stimmt im wesentlichen mit der
Bindungsenergie (pro Atom ca. 1eV)
überein. |
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Nicht alle Energiezustände in den
Bändern müssen mit Elektronen besetzt sein. So ist z.B. beim
Na das 2p-Band voll besetzt, das 3s-Band aber nur halb mit
Elektronen gefüllt; die höheren Bänder sind vollständig
leer - siehe unten. |
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Bei einigen Materialien (Isolatoren, Halbleiter)
stellt man im Bänderschema innerhalb eines gegebenen Bands
Energielücken (engl: "gap")
fest, d.h. Energiebereiche, in denen keine
Energiezustände für Elektronen existieren. |
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Die Besetzung der Energiezustände mit
Elektronen ist bei endlicher Temperatur nicht für alle Zustände
gleich wahrscheinlich. Die Besetzungswahrscheinlichkeit der Niveaus mit
Elektronen regelt nicht mehr die
Boltzmannverteilung,
die nur für "klassische" Teilchen gilt, sondern die
Fermi-Dirac
Statistik; die wir uns noch erarbeiten
müssen. |
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Die Thematik der
kommenden Kapitel ist damit vorgegeben. Insbesondere interessieren wir uns
für folgende Themen: |
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Wie genau kommen die Bänder zustanden? Wie
entstehen Energielücken? |
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Wie groß sind die beteiligten Energien?
Welche Faktoren bestimmen die Zahlenwerte? |
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Wie genau sind die einzelnen Zustände in
einem Band verteilt? Wie groß ist die "Zustandsdichte", d.h. die Zahl der
individuellen Niveaus in einem Band in einem gegeben Energieintervall bei der
Energie E? |
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Welche Niveaus werden von den vorhanden
Elektronen auch bevölkert oder anders gefragt, wie groß ist die
Besetzungswahrscheinlichkeit für einen bestimmten Platz? Was genau
bedeutet die bereits angesprochene Fermi-Dirac Statistik? |
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Diese Fragen lassen sich leicht
veranschaulichen. Wir betrachten dazu den Übergang vom
Studierendengas, in dem N
Studierende (aus Sicht des Professors alle ununterscheidbar) in der Lobby wild
und völlig ungeordnet durcheinanderlaufen, zum Studierendenfestkörper. |
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Der Studierendenfestkörper ist durch den Hörsaal
vorgegeben, der definierte Energieniveaus hat (= Höhe der Sitzreihe
in einem gestuften Hörsaal) mit einer bestimmten (und im allgemeinen
verschiedenen) Zahl von Plätzen pro Energieniveau (= Zahl der
Sitzplätze in einer Reihe). Das sind die durch die Art des Kristall
vorgebenen Energiewerte (= Stufung) plus der Zustandsdichte (= Zahl der
Plätze pro Stufe). |
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Es gibt eine definierte Zahl von Plätzen bei
definierten; d.h. mit einem Index n numerierbaren (potentiellen)
Energien En. Viele, aber nicht alle Plätze sind
mit Studierenden besetzt. Welcher Verteilungsfunktion die Studis folgen
d.h. mit welcher Wahrscheinlichkeit Plätze bei der Energie
En besetzt werden, ist aber nicht so klar. Wir
können nicht unbedingt davon ausgehen, daß die Studis die (freie)
Energie minimieren, denn dann müßten sie die vorhandenen Plätze
von "unten" kommend lückenlos auffüllen und die
"oberen" Plätze freilassen |
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Bei der derzeitigen Entwicklung der Architektur
ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Parameter Energieniveaus
En und Zahl der Plätze bei
En als Funktion einer Koordinate ziemlich beliebig
werden (im Gegensatz zu dem altmodischen Hörsaal, in dem die Abstände
der Stufen i.d.R. konstant sind (d.h. En+1
En = const, und pro Stufe gleichviel (oder stetig
ansteigende) Platzzahlen vorliegen). Im allgemeinen wird es aber immer diskrete
Energiewerte geben, mit einer beliebigen, aber gegebenen Zahl von Plätzen
pro Energiewert. |
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Die Verteilung der Studierenden auf die
vorhandenen Plätze entspricht dann der Verteilung der Elektronen in einem
Band. Und genausowenig wie Studis die vorhandenen Plätze von unten an
vollständig auffüllen, tun das die Elektronen - das wäre zu
ordentlich. Wir ahnen damit schon, daß die Entropie wieder eine wichtig Rolle spielen
wird. |
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© H. Föll (MaWi 2 Skript)