Gottseidank?

Gottseidank? Welchem Gott danken wir für das (noch) vorhandene Nichtgleichgewicht im Universum im allgemeinen und auf der Erde im besonderen?
Müssen wir überhaupt einem Gott (oder einer Göttin) danken? Wir kommen hier schneller in ein Grenzgebiet zwischen Naturwissenschaft und Religion, als man vermuten würde.
In der "harten" Wissenschaft sind zum Thema "Universum" zur Zeit folgende Punkte allgemein akzeptiert:
Das (für uns sichtbare) Universum hat einen Anfang. Es entstand praktisch punktförmig im "Big Bang" vor ca. 15 Milliarden Jahren; seitdem dehnt es sich aus.
Und zwar dehnt sich nicht die Materie in einem schon vorhandenen Raum aus, sondern der Raum als solcher. (Wie man sich das vorstellen soll weiß nur Einstein seelig et al.). Vielleicht wird das Universum sich irgendwann wieder zusammenziehen, vielleicht auch nicht. Die letztere Version gilt derzeit als wahrscheinlicher, aber das letzte Wort zu diesem Thema ist noch nicht gesprochen.
Das Universum entstand mit wenig Entropie, es war zunächst recht ordentlich. Im Laufe der Zeit wird es unordentlicher. Der "Lauf" der Zeit ist überhaupt nur durch den 2. Hauptsatz definiert, durch den Weg von der Ordnung zur Unordnung.
Die wesentlichen Konstanten des Universums, wie z.B. die Dimensionalität (d.h. die 4 Dimensionen des Raum-Zeit Kontinuums), die Gravitationskonstante, die Lichtgeschwindigkeit, die Eigenschaften der Elementarteilchen, usw., sind alle so, daß im Laufe von einigen Milliarden Jahren komplexe biologische Systeme entstehen konnten. Selbst kleine Änderungen in den Zahlenwerten der universellen Konstanten hätten die Evolution von Lebewesen unmöglich gemacht.
Außerdem verstecken sich im Universum noch bisher unbekannte Elemtentarrteilchen in Form der "schwarzen Materie" und darüber hinaus noch die völlig unklare "dunkle Energie". Anders ausgedrückt: Im Universum ist der Teufel los!
Akzeptiert man diese Prämissen, hat man die Wahl zwischen 4 extremen Ansichten (und natürlich, gegeben eine gewisse Irrationalität des menschlichen Denkens, ihrer Kombinationen).
1. Ein wie auch immer gearteter Schöpfer hat das Universum gezielt mit den gewünschten Eigenschaften "designed".
2. Universen entstehen laufend mit allen möglichen Eigenschaften aus dem Nichts. Wir leben in einem von ¥ vielen Universen (alle zusammen heißen "Multiversum"), in dem zufällig alles "stimmt". Ein ziemlich verschwenderischer Umgang mit Universen.
3. Es gibt noch nicht gefundene oder verstandene Prinzipien, die die Existenz von Universen mit anderen Eigenschaften als des unseren logisch unmöglich machen. Das heißt, die Zahlenwerte der wichtigen Konstanten folgen aus den Prinzipien der (noch nicht existierenden) TOE, der "Theory of Everything". Insbesondere viele theoretische Physiker hoffen, in der 11-dimensionalen "M-Theory" (früher "String-Theorie") genannt, den Ansatz einer TOE gefunden zu haben. Aber es gibt auch andere Kandidaten - z.B. die Hypothese, dass auch der Raun und die Zeit gequantelt sind.
4. Es ist alles irgendwie ganz anders.
Das Nette an diesen 4 Hypothesen ist, daß sie zur Zeit allesamt weder beweis- noch widerlegbar sind. Jeder darf hier glauben.
Im angelsächischen Sprachraum ist es fast Mode geworden, daß mehr oder weniger berühmte Naturwissenschaftler über diese "letzten Fragen" philosophieren und Bücher schreiben. Auch der "Scientific American" hat oft Artikel zum Thema. Einige lesenswerte Bücher sind z.B.
Atkins, Peter W.; Creation Revisited.

Atkins versucht, wie fast alle naturwissenschaftliche Autoren, jeden göttlichen Einfluß bei der "Schöpfung" zu verneinen. Er argumentiert, daß auf dem Boden der bekannten universellen Naturgesetze, das Universum, so wir wie es kennen, zwangsweise entstehen mußte.
Hawkings, Stephen; Eine kleine Geschichte der Zeit.
Allgemein bekannter Bestseller. Was Hawkings aber eigentlich sagt, ist nicht so ganz klar.
Penrose, Roger; siehe die Bemerkungen in der R. Penrose gewidmeten Seite.
Barrows, John .D. und Tipler, Frank J.; The Anthropic Cosmological Universe.
Die "Bibel" zu dem Thema: Die Naturkonstanten haben genau die "richtigen" Werte und wie sich das begründet.
 

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© H. Föll (MaWi 1 Skript)