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Phasendiagramme sind ein
unerschöpfliches Thema; hier wollen wir nur noch einige fundamentale
Fälle für binäre Phasendiagramme kennenlernen. |
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Zunächst erinnern wir uns: Jedes
(binäre) Phasendiagramm ist eine
Art Landkarte im Zusammensetzungs - Temperatur Raum für zwei
Komponenten A und B. Ein Phasendiagramm zeigt uns zwei Dinge: |
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1. Was in einem bestimmten Gebiet vorliegt, d.h. welche
Phase oder Phasen wir bei einer gegebenen Komposition und Temperatur im Gleichgewicht finden werden. |
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Ein Gebiet sind die
einheitlich gekennzeichneten Flächen
im Phasendiagramm. Grundsätzlich kann in einem Gebiet eine reine Phase vorliegen, oder ein Gemisch von
zwei Phasen. |
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Drei Phasen können nicht in einem Gebiet existieren, denn das verbietet die
Phasenregel. Bei
zwei Komponenten C, und drei Phasen P, wird die Zahl der
Freiheitsgrade F = C P + 1 = 0. In Worten:
Drei Phasen können nur an einem Punkt
im Phasendiagramm vorliegen, nicht in einem Gebiet.. |
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Beim Gleichgewicht von drei
Phasen an einem Punkt finden wir deshalb immer eine horizontale Linie; eine
isotherme, auf der die drei Kompositionspunkte der drei Phasen liegen; wir
haben das bei eutektischen Umwandlungen gesehen. |
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Bei zwei Phasen existiert nur noch ein Freiheitsgrad, bei variabler Temperatur ist das
die Zusammensetzung oder Komposition der
zwei Phasen |
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2. Was sich in was umwandelt - bei Temperatur- oder
Kompositionsänderung. Das ist durch die Grenzlinien zwischen 2
Flächen gekennzeichnet. |
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Interessant sind die Umwandlungen als
Folge von Temperaturänderungen; denn das ist für ein gegebenes
Material leicht zu machen. Umwandlungen durch Änderungen der
Zusammensetzung sind für ein gegebenes Material normalerweise gar nicht,
oder nur sehr eingeschränkt möglich. |
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Es gibt zwei grundsätzliche Umwandlungsarten falls man
durch eine kleine Änderung der Temperatur eine Phasentrennlinie
überquert |
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1. Eine Phase wandelt sich in
eine zweite Phase um; wir haben eine "Reaktion" zwischen zwei Phasen. Das ist einfach, aber auch sehr
eingeschränkt, denn alle Teilchenzahlen (der Atommix) müssen erhalten
bleiben. Die Reaktionsgleichung für diesen einfachen Fall ist |
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Ein Beispiel ist die Umwandlung von
fcc Fe in bcc Fe - für reines Eisen. Aber schon mit
minimalem Zusatz von Kohlenstoff (C) klappt das nicht mehr, da die
Löslichkeit von C in bcc Fe sehr viel kleiner ist als in
fcc Fe. Die Phase "fcc Fe + 0,4% C" kann sich nicht in
die Phase bcc Fe + 0,4% C umwandeln, da es diese Phase schlicht nicht
gibt. Bei der Umwandlung würde sich bcc Fe + 0,05% C und
Fe3C bilden müssen - und damit sind mehr als zwei Phasen
beteiligt. |
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2. An der Umwandlungsreaktion
sind drei Phasen beteiligt. Die eutektische
Reaktion ist ein Beispiel; die allgemeine Reaktionsgleichung lautet |
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Für die uns schon bekannte
eutektische Reaktion war a die Flüßigphase L. In diesem
Unterkapitel wollen wir die restlichen prinzipiell möglichen Reaktionen
zwischen drei Phasen kennenlernen. |
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Noch ein (eigentlich
überflüssiges) Wort zur Klarheit: Eine Phase, z.B die Flüßigphase L
oder Mischkristalle, kann ohne weiteres aus beiden Komponenten zusammengesetzt sein; und eine
Mischphase kann nur eine Komponente
enthalten (z.B. eine Mischung zweier Kristallsorten). Man sollte Phasen und
Komponenten nie verwechseln! |
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Im Gegensatz zu der
"harten" Definition von
Phasen bezeichnen wir als "Phase" jetzt das, was in einem
flächigen Gebiet des Phasendiagramms existiert. Eine Mischphase a + b ist in
diesem Sinne nur eine Phase! Etwas
verwirrend, zugegeben, aber praktisch. Im Grunde braucht man nur die Bedingung
"im Prinzip mechanisch
abtrennbar" der harten Definition etwas zu entspannen zu
"mit einfachen Mitteln mechanisch
abtrennbar", und alles ist klar. Denn aus Mischphasen, in denen
z.B. mikrometergroße Körner oder Lamellen aus a im b
"hocken", kann man zwar das a
prinzipiell abtrennen, aber nicht auf
einfache Art und Weise! |
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Das Schlüsselwort jetzt ist
Umwandlung. |
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Phasendiagramme, in denen außer
einem Übergang flüssig - fest keine weiteren Phasenumwandlungen
vorkommen, die also nur aus den minimal erforderlichen zwei Phasen Liquidus und
Solidus bestehen, sind einfach und langweilig. |
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Eine bisher nur indirekt besprochene Umwandlung,
die Bildung einer stöchiometrischen Verbindung, also eine Umwandlung der
Sorte xA + yB ®
AxBy ist ebenfalls einfach und
langweilig. |
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Damit wird ein Phasendiagramm nur in zwei
Unterdiagramme aufgespalten, wie nebenstehend gezeigt: A bis
AxBy, und AxBy bis
B. |
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Ganz so einfach ist es aber meistens
dann doch nicht, wie wir noch sehen werden, da die Verbindung
AxBy möglicherweise erhebliche Mengen andere
Phasen lösen kann, und dann von einem vertikalem Strich im Phasendiagramm
zu einem mehr oder weniger dicken Bereich mutiert. |
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Spannender sind all die Beziehungen
und Umwandlungsreaktionen, an denen drei
Partner beteiligt sind; das ist wie im richtigen Leben. |
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Eine davon haben wir bereits
kennengelernt: Die eutektische Reaktion, bei der zwei Phasen a und
b aus einer dritten Phase, nämlich dem
Liquidus L entstehen. |
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Nochmal, die
eigentlich überflüssige Wiederholung: Die Phase a besteht aus der Komponente A plus gelöster Komponente B; wir bezeichnen
sie als Mischkristall; die
Phase b besteht aus der Komponente B
plus gelöster Komponente A.
Wieviel B oder A jeweils gelöst werden kann sagt uns das
Phasendiagramm. Die Phase L besteht aus A und B in der
jeweiligen Mixtur. Den denkbaren (und vorkommenden) Fall, dass A und
B als Flüßigkeiten nicht, oder nicht vollständig
mischbar sind, betrachten wir hier nicht. |
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Wie all die nachfolgenden
Phasendiagramme aus relativ simplen Betrachtungen des Verhaltens der freien
Enthalpie beim Mischen zweier Substanzen zustandekommen, ist in einem
"Advanced" Modul
noch etwas näher ausgeführt. |
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Die eutektische Reaktion ist nur
eine von vier Möglichkeiten, zwischen drei Phasen eine
Umwandlungsbeziehung zu haben. Wir betrachten zunächst alle 4
Fälle in einer Tabelle |
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Invariante
Reaktion |
Reaktionsgleichung |
Typisches Phasendiagramm
(Ausschnitt) |
| Eutektisch |
L ® a + b
1 Phase ® 2 Phasen |
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| Peritektisch |
L + b ® g
2 Phasen ® 1 Phase |
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| Eutektoid |
g ®
a + b
1 Phase ® 2 Phasen |
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| Peritektoid |
a + g
® b
2 Phasen ® 1 Phase |
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Das war's. Mehr Möglichkeiten
gibt es nicht für Umwandlungen, die beim Abkühlen erfolgen |
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In allen vier Fällen stehen bei
einer bestimmten Temperatur drei Phasen
miteinander im Gleichgewicht. (Bei der peritektoiden Reaktion darf jeder mal
selbst versuchen, ob er sie findet; dabei kann man auch das
komplette Phasendiagramm zu Hilfe
nehmen). |
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Das sind nicht, wie man immer wieder versucht ist zu denken,
die "Phasen", die in den Flächen um den "Punkt" herum
stehen; z.B L + a, L + b, a + b in der eutektischen Reaktion ganz oben. Denn das
alles sind keine reinen Phasen, sondern
Mischphasen; bestehend aus zwei reinen Phasen. |
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Was in der eutektischen Reaktion bei der
eutektischen Temperatur im Gleichgewicht steht sind die Phasen links und rechts
vom horizontalen Strich und die "echte" Phase am "Punkt":
L, a und b. |
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Deswegen haben alle diese invarianten Reaktionen im Phasendiagramm
einen horizontalen Strich - die beteiligten Phasen müssen bei einer Temperatur durch eine
Linie verbunden sein, d.h. in
Beziehung zueinander stehen. Das ist nebenstehend für die eutektische und
peritektische Reaktion hervorgehoben. |
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Was geschieht in den vier Fällen
beim Abkühlen? Das schauen wir uns für einige Fälle etwas
ausführlicher an. |
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Im uns schon bekannten Fall des
Eutektikums haben wir einen Liquidus, d.h.
eine Schmelze, die genau die "richtige" Zusammensetzung hat und bei
(im Prinzip minimalster) Unterschreitung der eutektischen Temperatur komplett
in eine Mischphase aus a + b erstarrt. |
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Und nochmals: Dabei sind die reinen Phasen
a oder b
aber bitte nicht mit den Ausgangsstoffen
A oder B zu verwechseln; sie sind viel mehr die möglichen
Mischkristalle oder "solid
solutions", die bei der betrachten Temperatur existieren (und die wir
nicht mit "Mischphasen"
verwechseln wollen!). |
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Wieviel a und
b dannn vorliegt, sagt uns das
Hebelgesetz. |
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In anderen Worten: Die a - Phase ist die Zutat A (also eine bestimmte
Atom- oder Molekülsorte), die eine bestimmte Menge an B gelöst
hat. Das können nur einige ppm oder etliche Prozent sein - wieviel
genau sagt das Phasendiagramm, wenn man im reinen a Gebiet nachschaut. Für die b Phase gilt entsprechend dasselbe. |
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Im uns neuen Fall des
Peritektikums (das ist wie immer griechisch,
und heißt "das darum herum gebaute" ???) ist die Sache ein
wenig komplizierter: |
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In Worten haben wir jetzt:
"Flüßig" + "Fest 1" ® "Fest 2" (statt:
"Flüßig" ® "Fest
1" + "Fest 2"). |
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Die schlichte Änderung der eutektische
Reaktionsgleichung
L ® a
+ b
in die Form
L + a ® b,
kann aber etwas irreführend sein (und eigentlich müßte es ja
auch L a ® b heißen). |
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Um das zu sehen, muß man sich nur mal den
Fall betrachten, dass die Mischkristallphasen a und b fast reines
A oder B sind, d.h. die Löslichkeit von A in B
und andersherum ist praktisch = 0. |
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Eine Reaktionsgleichung der Art L +
a ®
b wäre dann gleichbedeutend mit
L + A ® B -
und das geht nicht! |
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L enthält sowohl A als auch
B; und man kann durch Zugabe von mehr A zu L schlicht und
ergreifend nicht reines B erzeugen. |
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Deswegen schreiben wir L +
a ®
g und lassen zunächst
mal offen was genau g sein soll. |
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Denn für g
ist vieles möglich. Aus L + a kann b entstehen -
falls genügend A in b
löslich ist. |
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g kann aber
auch eine Verbindung des Typs AxBy (mit noch
gelöstem A und/oder B sein), und schlußendlich kann
g auch noch (etwas unpräzise) für
eine Mischphase a + b stehen. |
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Was geschieht beim Abkühlen
eines Peritektikums? Bei der peritektischen Temperatur haben wir die die Phasen
a, g und L
ins Gleichgewicht zu setzen. |
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Betrachten wir zunächst die
Zusammensetzung C1, d.h wir kühlen ab entlang der
roten Linie. |
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Kurz oberhalb der peritektischen Temperatur
enthält die L + a Mischphase feste
a Bröckchen mit einem relative hohen
A-Anteil (linker blau-roter Punkt), die in einer L-Phase
schwimmen, die einen hohen B Anteil besitzt (rechter blau-roter Punkt).
Wie groß das Verhältnis zwischen a
und L genau ist, sagt uns das
Hebelgesetz. |
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Kurz unterhalb der peritektischen Temperatur
finden wir jetzt eine a + b Mischphase; unser g aus der peritektischen Reaktionsgleichung. |
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Diese Mischphase bildet sich, indem die a Bröckchen wachsen oder schrumpfen, bis der a - Anteil stimmt für das was g braucht; der Rest erstarrt zu b. Beim weiteren Abkühlen verschieben sich die
relativen Anteile noch etwas, das ist aber nicht anders als zuvor. |
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Falls wir beim Erstarren zu viel a haben, wird eine Änderung nur über Diffusionsprozesse möglich sein -
und das sind l a n g s a m e Prozesse. |
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Spannender ist die Zusammensetzung
C2; hier geschieht die eigentliche peritektische
Umwandlung. |
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Kurz oberhalb der peritektischen Temperatur haben
wir die gleiche Zusammensetzung der L + a
Mischphase wie zuvor, nur die relativen Anteile sind anders - wir haben weniger
a. |
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Kurz unterhalb der peritektischen Temperatur
finden wir jetzt aber eine neue Mischphase
- bestehend aus L + b, in der eine feste
Phase b schwimmt. Die a Phase ist verschwunden! |
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Wie soll das geschehen? Es gibt nur
eine Möglichkeit: |
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Die a-Phase
kann nur verschwinden, indem sie sich in b
umwandelt: Dazu muß A heraus- und B
hineindiffundieren. |
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Um die sich umwandelnden a- Bröckchen wird sich gleichzeitig reines
b bilden - und durch diese Schicht muß
A und B dann hindurchdiffundieren. |
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Irgendwann erstarrt dann die restliche Schmelze
mehr oder weniger dicht bei der richtigen b -
Zusammensetzung. |
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Wie auch immer das im Einzelnen
abläuft, die Rate der Umwandlung
hängt an der Diffusion im festen Zustand - und das ist ein langsamer
Prozess wie wir im nächsten Kapitel lernen werden. Nur falls wir sehr
lange knapp unterhalb der peritektischen Temperatur warten, und dann sehr
langsam abkühlen, werden wir überhaupt den im Phasendiagramm
ausgewiesenen Gleichgewichtszustand erreichen. |
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Unter normalen Umständen erwarten wir, dass
noch Reste der a - Teilchen zu finden sind,
die von einer Hülle aus b überzogen
sein werden. |
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Ein solches Gefüge ist dann der
"Fingerabdruck" einer peritektischen Reaktion. Real sieht das
beispielsweise im Cu - Sn System so aus
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Der Rest ist
verhältnismäßig einfach |
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Ist einer der drei Partner keine
Flüßigkeit, sondern eine feste Phase, reden wir von eutektoider und peritektoider Umwandlung, wie in der Übersicht
dargestellt. |
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Der Haupunterschied ist im wesentlichen, dass
alle notwendigen Änderungen nur noch über Diffusion im festen Zustand
ablaufen können - Atome müssen durch die vorhandenen Kristalle
wandern oder diffundieren, um die
notwendigen Änderungen der lokalen Konzentration zu bewerkstelligen. |
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Das sind grundsätzlich l a
n g s a m e Prozesse, die mit abnehmender Temperatur exponentiell noch
langsamer werden. |
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Damit können wir grundsätzlich
erwarten, dass die Abkühlgeschwindigkeit eine große Rolle
spielt; und daß beim "Anlassen", d.h. wieder erhitzen, noch so
manches passieren kann. |
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Denn das Phasendiagramm gibt grundsätzlich
immer nur die Gleichgewichtstruktur an, und Gleichgewicht erreicht man bei
langsamen Prozessen nur, indem mam sehr lange wartet. Beim Wiedererwärmen
laufen dann die durch zu schnelles Abkühlen vorzeitig "eingefrorenen"
Diffusionsprozesse weiter, und das Gefüge ändert sich. |
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Eutektoide und peritektoide
Reaktionen sind keine Kuriosität am Rande, sondern in der Praxis sehr
wichtig. |
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Stahl - d.h. Fe mit 0.1
% - ca. 1,5 % C "lebt" von einer eutektoiden Reaktion. Sie ist zentral für die
gesamte Stahltechnologie. Nur deshalb kann man soviele verschiedene Stahlsorten
durch alle Arten von Abkühl- und Anlaßprozesse erzeugen. |
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Wir sehen: Peritektische,
peritektoide und eutektoide Reaktionen nur für Gleichgewicht zu diskutieren ist nicht sehr
sinnvoll. Ihre Existenz ist viel mehr der Schlüssel zu einem
Großteil der "Gefügemanipulationstechnologie", d.h. zu
einem essentiellen Teil der Materialwissenschaft und -technik |
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Wir werden uns also erst der Kinetik, der
Lehre vom Weg ins Gleichgewicht zu widmen haben, bevor wir Phasendiagramme
richtig nutzen können. |
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© H. Föll