 |
Ein Teilchen, oder auch ein ganzes
System von Teilchen, befindet sich im Gleichgewicht, falls sich "nichts" mehr
ändert. |
|
|
|
 |
Bei einem klassischen "System" aus nur
einem Teilchen ("Massenpunkt") herrscht Gleichgewicht, falls sich das
Teilchen im Minimum der potentiellen Energie befindet und jede Bewegung durch
Reibung beendet ist. |
|
|
 |
"Treibende
Kraft" in Richtung Gleichgewicht ist dabei die Minimierung der
Energie. |
|
|
|
|
|
|
 |
Systeme vieler miteinander wechselwirkender mikroskopischer
Teilchen müssen durch geeignete makroskopische (meßbare)
Größen oder Zustandsvariablen
beschrieben werden, die das System hinreichend charakterisieren. |
|
Zustandsvariable sind
beispielsweise:
- Temperatur
- Druck
- Teilchenzahl
|
|
|
 |
Im umfassenden thermodynamischen Gleichgewicht ändern sich
diese Zustandsvariablen nicht mehr. |
|
|
 |
Treibende Kraft in Richtung Gleichgewicht ist
nicht nur die Minimierung der Energie, sondern auch die Maximierung von
"Unordnung". |
|
|
|
|
|
|
 |
Thermisches Gleichgewicht bedingt dieselbe
Temperatur T, mechanisches
Gleichgewicht denselben Druck p überall im System. |
|
Mechanisches und thermisches und chemisches Gleichgewicht
= thermodynamisches Gleichgewicht
|
|
 |
Chemisches Gleichgewicht bedeutet, dass sich die
Teilchenzahlen ni nicht mehr ändern. |
|
|
 |
Beispiele:
- Zwei Gase mischen sich bis die (mittlere) Teilchenzahl überall
dieselbe ist.
- Salz löst sich in Wasser - bis "Sättigung", d.h.
chemisches Gleichgewicht erreicht ist. Die Zahl der gelösten Ionen
ändert sich nicht mehr.
|
|
|
 |
Ein "Teilchen" kann dabei vielerlei
sein, z.B. ein Atom, Ion oder Molekül; aber auch ein Elektron, Photonen,
Phonon, Defektelektron (= "Loch"), usw. |
|
 |
Der Begriff chemisches Gleichgewicht ist deshalb etwas
mißdeutig; besser wäre "Teilchenzahlgleichgewicht". |
|
|
|
|
|
|
|
 |
Was wir brauchen ist ein thermodynamisches Potential F =
F(Zustandsvariablen) in Analogie zum rein mechanischen
Potential. |
|
Gleichgewichtsbedingung für thermodynamisches
Gleichgewicht:
| DF |
= |
¶F
¶n1 |
· Dn1
+ |
¶F
¶n2 |
· Dn2
+ |
¶F
¶n2 |
· Dn3 +
..... |
= 0 |
|
|
|
 |
Thermodynamisches Gleichgewicht liegt dann vor,
falls F ein Minimum hat |
|
|
|
|
|
|
 |
Das Gleichgewicht in einem Systeme
vieler Teilchen ist ein dynamisches
Gleichgewicht. |
|
|
|
 |
Nur makroskopisch ändert sich nichts, mikroskopisch kann es trotzdem große
Änderungen geben, die sich aber (im Mittel) exakt kompensieren. |
|
|
 |
Beispiele:
- Salzauflösung: Zahl der Na+ Ionen die in Lösung
gehen = Zahl der Na+ Ionen, die sich am Kristall binden.
- Girokonto: Abhebungen = Einzahlungen.
- Strom: Elektronenfluß nach rechts = Elektronenfluß nach links.
|
|
| |
|
|
|
|
 |
Der 1. Hauptsatz der
Thermodynamik ist der Energieerhaltungssatz
inklusive der Wärme Q als Energieform. |
|
|
|
 |
In differentieller Form besagt er, dass die
Änderung der inneren Energie U des betrachteten Systems
gleich ist der (differentiellen) zugeführten Wärme Q
abzüglich der nach außen geleisteten (differentiellen) Arbeit
W. |
|
|
|
|
|
|
 |
Atomistisch betrachtet bestehen alle
Systeme aus Teilchen; thermodynamische Parameter oder Zustandsvariable wie Druck und Temperatur entstehen aus statistischen Betrachtungen
von Teilcheneigenschaften. |
|
|
|
 |
Die innere Energie ist nichts weiter als die in
den energetischen Freiheitsgraden
f residierende kinetische und potentielle Energie. |
|
|
 |
Freiheitsgrade für kinetische Energie sind
z.B. die Translation, Vibrationen, Rotationen. |
|
|
|
|
|
|
 |
Die Fundamentalformel, die die
Temperatur T auf ein Maß für die innere Energie
U zurückführt lautet: |
|
|
|
|
|
|
|
 |
Führt man bei konstantem Druck nur Wärme dQ zu,
wird trotzdem Arbeit durch die Volumenausdehnung dV
geleistet. |
|
|
|
|
|
|
 |
Da bei Festkörpern i.d.R. die
Bedingung konstanter Druck vorliegt, und die Effekte der Wärmeausdehnug
meist nicht interessieren, führt man als Maß für die innere
Energie eine neue Größe ein, die Enthalpie H. |
|
|
|
 |
Damit gilt sehr einfach dH
= dQ. |
|
| |
|
|
|
 |
Eine erste sehr weitreichende
Konsequenz ergibt sich für die spezifischen Wärmen c
aller Materialien. |
|
| cKrist, mol |
= cp, mol = |
½ · 6 · R = 3R |
|
|
|
 |
Insbesondere für Festkörper / Kristalle
muß gelten, dass sie alle dieselbe
konstante molare spezifische Wärme R
(=Gaskonstante) haben müssen. |
|
|
 |
Experimentell ist das nur für
"hohe" Temperaturen erfüllt. Dieses, in der klassischen Physik
unlösbare Dilemma, wird erst durch die Quantentheorie beseitigt. |
|
| |
|
|
|
 |
Der 1. Hauptsatz verlangt nur
die Erhaltung der Energie, d.h. verbietet ein Perpetuum mobile 1. Art. |
|
|
|
 |
Er verbietet aber z.B. nicht, dass Arbeit nach
außen geleistet wird, indem sich das System abkühlt
(dQ); d.h. erlaubt ein Perpetuum
mobile 2. Art. |
|
|
|
 |
Das ist nicht in Einklang mit dem Experiment -
wir brauchen einen 2. Haupsatz, der ein Perpetuum mobile 2. Art ausschließt. |
|
|
|
|
|
|
|
 |
Naturgesetz: Von allen nach
dem 1. Hauptsatz erlaubten Makrozuständen sind im thermodynamischen Gleichgewicht immer nur die
"unordentlichsten" realisiert.
|
|
F =
U T · S
G = H T · S
|
|
|
 |
Als quantitatives Maß für die
Unordnung in einem System wird die Entropie
S definiert. |
|
|
 |
Naturgesetz: Mit zunehmender Temperatur
nimmt die Unordnung und damit S zu. |
|
 |
Die beiden "Naturgesetze"
lasssen sich durch die Definition von thermodynamischen Potentialen zusammenfassen und
quantifizieren. Gleichgewicht liegt vor, falls das passende Potential ein
Minimum hat. |
|
|
 |
Die freie Energie F beschreibt den
Fall konstanten Volumens. |
|
|
|
 |
Die freie Enthapie G beschreibt den
Fall konstanten Drucks und ist dshalb für Festkörper wichtig. |
|
|
 |
Für spontan (= in Richtung
Gleichgewicht vorwärts in der Zeit)
ablaufende Vorgänge gilt: |
|
| dG(ni, T, ..) = |
S
i |
¶G
¶ni |
· dni + |
¶G
¶T |
· dT + .... <
0 |
|
|
|
 |
Im Gleichgewicht ist dG = 0. |
|
|
 |
Dies ist die einzige Grundgleichung der Physik,
die eine Richtung der Zeit
enthält! |
|
| |
|
|
|
|
 |
Fast immer gelten gleichzeitig
Nebenbedingungen, die berücksichtigt werden müssen. |
|
| NaCl |
Û |
Na+ + Cl
|
|
|
|
| dnNaCl |
= |
dnNa =
dnCl |
|
|
|
 |
Beispiel: Die
Auflösung von Salz in Wasser hat als Nebenbedingung eine Verknüpfung
der Zahl an Na+, Cl und NaCl
Teilchen. |
|
| |
|
|
|
 |
Die partielle Ableitung ¶G/ ¶ni eines thermodyamischen
Potentials nach einer Teilchenzahl heißt das chemische Potential µi des
betreffenden Teilchens Nr. i. |
|
¶G
¶ni |
=
µi = chem. Potential |
|
|
|
 |
Die Gleichgewichtsbedingung mit Hilfe eines
thermodynamischen Potentials erlaubt sofort ein tiefes Verständnis von
temperaturgetriebenen Vorgängen (z,.B. Gefrieren / Schmelzen); auch schon
ohne quantitative Defintion der Entropie. |
|
|
|
|
|
 |
Die Entropie eines Makrozustandes
kann dann als Wahrscheinlichkeit des Vorliegens dieses Makrozustands angesehen
bzw. sogar definiert werden. |
|
|
 |
Makrozustand "geordneter Kristall"
p = 1 |
Makrozustand "ungeordneter Kristall"
p = sehr groß |
|
|
 |
Zur Berechnung der Entropie S
müssen wir "nur" die Zahl der der möglichen
Mikrozustände
pi wissen, mit denen sich der Makrozustand Nr.
i realisieren läßt. |
|
|
 |
Beispiel: n Leerstellen in Kristall
mit N Atomen definiert Makrozustand. Zahl Anordnungsmöglichkeiten =
Zahl Mikrozustände. |
|
|
|
|
|
|
 |
Die Entropie ist dann durch die
nebenstehende "Boltzmannformel" definiert. |
|
|
|
 |
Man kann statt pi auch
dieWahrscheinlichkeit
wi = pi / Spi
eines Zustandes nehmen, das verschiebt jedoch nur den unbestimmten Nullpunkt
der Skala. |
|
|
|
|
|
|
 |
Ein Phasendiagramm gibt für
jeden Punkt im Temperatur - Zusammensetzungsdiagramm an, welche Phase oder
Phasen im Gleichgewicht vorliegen |
|
|
|
 |
Zwischen der Zahl der Komponenten C
(hier Pb und Sn), die Zahl der Phasen P die
vorliegen, und der Zahl F der Freiheitsgrade (hier Temperatur und
Komposition) die möglich sind besteht eine fundamentale Beziehung, die
Gibbsche Phasenregel |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
Für ein binäres Phasendiagramm (d.h. C =
2) und zwei Freiheitsgrade f
= 2 gibt es dann nur eine mögliche
Phase. |
|
| |
|
|
|
|
 |
Zwei-Phasen
Gebiete oder Mischphasen im
Phasendiagramm bestehen deshalb immer aus Phasen fester Komposition: a + b, L +
a, oder L + b). |
|
|
|
 |
Die beiden Kompositionen ergeben sich aus den
Schnittpunkten der Isotherme mit den das
Mischphasengebiet begrenzenden Linien. |
|
|
 |
Der jeweilige Anteil fa und fb der beiden Phasen ergibt sich aus dem Hebelgesetz |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
Phasendiagramme erhält man durch
Vergleich der freien Enthalpien möglicher konkurrierende Phasen. |
|
|
|
 |
Qualitativ relativ einfach, quantitativ aber
schwer. |
|
|
 |
Unmittelbare Konsequenz: Es gibt keine einfachen
Phasendiagramme - Mischphasen sind häufig. |
|
 |
Bei Eutektika gibt es einen Punkt (T, C, d.h. f =
0), in dem drei Phasen (L = flüssig + feste a und b) im
Gleichgewicht stehen |
|
|
 |
Im obersten Bild gibt der Punkt
"E" die eutektische Komposition, die waagrechte Linie die
eutektische Temperatur. |
|
|
 |
Die zugehörige invariante Reaktion (invariant =
keineFreiheitsgrade) lautet |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
Weiter invariante Reaktionen führen zu
peritektischen, eutektoiden und peritektoiden Typen von Phasendiagrammen. |
|
|
|
|
|
|
 |
Bei gegebener Komposition und
Phasendiagramm lassen sich weitreichende Schlüsse auf das zu erwartende
Gefüge ziehen. |
|
|
|
 |
Insbesondere wird unmittelbar klar, daß
eine homogene einphasige Schmelze nach dem Erstarren i.a. keine homogene
Zusammensetzung mehr haben wird. |
|
|
 |
Ausnahme: Invariante Reaktion, d.h. eutektische
Komposition. |
|
 |
Bei vermeintlich einfachen Techniken
wie Gießen, Schweißen oder Kristallziehen, laufen in Wahrheit
komplexe Vorgänge ab. |
|
|
 |
Die unmittlbare Anwendungen dieser Verfahren ist
oft nicht möglich oder bedarf erheblicher "Tricks". |
|
| |
|
|
|
|
© H. Föll