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Niels
Bohr postulierte 1913 ein "Axiom", das dazu
führt, daß es einige wenige stabile Bahnen des Elektrons um den
Atomkern gibt, d.h. Bahnen, auf denen das Elektron keine Energie verliert. Zu jeder dieser erlaubten Bahnen gehört eine bestimmte
konstante Gesamtenergie, die sich als Summe der kinetischen und der
potentiellen Energie des Elektrons ausdrücken läßt. |
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Als unmittelbare logische Konsequenz
ergibt sich, daß ein Elektron auf einer der nicht erlaubten und damit
nicht stabilen Bahnen sich sofort auf die energetisch nächst niedrige
erlaubte Bahn begibt, und dabei seine Überschußenergie als
elektromagnetische Welle abstrahlt. |
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Da damit alle Elektronen sich ganz schnell nur
noch auf erlaubten Bahnen befinden, kann Energieabgabe oder Energieaufnahme der
Elektronen eines Atoms nur noch in Quanten
erfolgen, die der Differenz der Energie zweier erlaubten Bahnen
entspricht. |
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Die entscheidende
Frage ist deshalb die Frage nach dem neuen Axiom, dem Auswahlprinzip, dem Kriterium, das erlaubte und
nicht erlaubte Bahnen unterscheidet. |
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Die klassiche Physik liefert dazu keine Aussage; bei Planeten ist z.B. jede Bahn erlaubt. |
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Das Bohrsche Axiom oder
Postulat nimmt als entscheidenden
Größe den Drehimpuls D
des Elektrons, D = m · v · r (mit
m = Masse,
v = Geschwindigkeit und
r = Radius der
Bahn). Nicht mehr alle Drehimpulse sind
erlaubt, sondern nur noch ganz bestimmte. Das Auswahlkriterium oder die
Bohrsche Quantenbedingung,
die Bohr für die
Drehimpulse wählte, heißt |
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| m · v · r |
= |
n · h
2p |
= n ·
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Mit n = 1,
2, 3, 4, ... h =
Plancksches Wirkungsquantum =
6,626 · 1034 Js und
= "h
quer" als Abkürzung für dem sehr häufig auftretenden
Ausdruck h/2p |
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Bohr hat, in anderen Worten, den Drehimpuls gequantelt. Warum er den Drehimpuls,
und nicht z.B. den Radius, eine Energie (kinetische, potentielle, gesamte) oder
den linearen Impuls genommen hat, ist kein Geheimnis, denn nur mit dem Drehimpuls "funktioniert" das
Ganze. Was Bohr wirklich
gemacht hat, ist im übrigen noch ein bißchen komplizierter,
führt dann aber schnurstracks auf die obigen Beziehungen. |
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Die Zahl n ist eine "Quantenzahl". Sie bestimmt letztlich,
daß nur bestimmte Werte des
Drehimpulses vorkommen können. |
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Das Plancksche Wirkungsquantum
(immer mit h abgekürzt) ist
eine der ganz fundamentalen
Naturkonstanten; in ihrer Bedeutung nur vergleichbar der
Lichtgeschwindigkeit c, der Elementarladung e, der
Boltzmannkonstante k und der Gravitationskonstanten G. |
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Das Wirkungsquantum tauchte 1900 zum
erstenmal auf, als Max
Planck es in seinem berühmten Strahlungsgesetz erstmals
einführte. Es hat die Dimension einer "Wirkung", d.h. Arbeit
· Zeit. |
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Mit der Plancksche
Quantenbedingung für den Drehimpuls können wir - zumindest für
ein hypothetisches Atom mit z positiven Ladungen in Kern und nur
einem Elektron - zwei Gleichungen formulieren, deren Lösungen
alles enthalten, was am Wasserstoffatom, am einfach ionisierten He Atom,
usw., leicht beobachtbar ist. Es sind dies: |
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1. Die Bohrsche
Quantenbedingung von oben. |
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1. Das Kräftegleichgewicht (Coulomb- Wechselwirkung
zwischen Atomkern und Elektron = Zentrifugalkraft). |
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Damit haben wir die folgenden zwei
Gleichungen für die zwei Unbekannten v und r. Das
Bild gibt die Modellvorstellung wieder, die wir aber gleich wieder vergessen
wollen, das sie viel zu einfach, um nicht zu sagen schlicht falsch ist. |
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z · e2
4p · e0
· r2 |
= |
m · v2
r |
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Damit lassen sich die folgenden
Größen leicht berechnen (in einer Übung). |
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- Der Radius r für die erlaubten Quantenzahlen
n.
- Daraus die potentielle Energie Upot = z
· e2/ 4pe0 ·
r.
- Die Geschwindigkeit v für die erlaubten Quantenzahlen
n.
- Daraus die kinetische Energie Ekin = ½ m ·
v2.
- Und zum Schluß noch die Gesamtenergie EGes =
Ekin + Upot.
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Außerdem folgt ein Prinzip
dieser Vorlesung: |
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Wir lernen hier nicht rechnen, sondern
Materialwissenschaft. Wie man auf die erforderlichen Beziehungen kommt, nachdem
die notwendigen Formeln bekannt sind, überlassen wir i.a. den
Übungen. |
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Betrachten wir jetzt r =
r(n) = rn; für n = 1
ergibt sich der kleinste erlaubte Bahnradius zu |
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r1 = 0,529 ·
108 cm = 0,529 Å. |
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Wir verwenden hier erstmals
einen kleinen Trick zur besseren Übersichtlichkeit: Wir schreiben die
Quantenzahl nicht als Variable, sondern als
Index an die betrachtete Funktion. Letztlich sind die Quantenzahlen ja auch so
was wir eine Art Numerierung der
möglichen Lösungen des Gleichungssystems. |
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Für n = 2 ergibt sich der
vierfache Radius, für n =
3 der neunfache, usw. |
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Die potentielle Energie ist immer doppelt so groß
wie die kinetische Energie (siehe die
Übungsaufgabe); für die Gesamtenergie E ergibt sich
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| En
= |
z2 · e4 · m
8 · e02 ·
h2 |
· |
1
n2 |
= 13,6 · |
z2
n2 |
[eV] |
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Das Minuszeichen berücksichtigt,
daß das Elektron gebunden ist, d.h.
daß Energie in das System hineingesteckt werden muß um das Elektron
abzutrennen, d.h. ins Unendliche zu befördern. |
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Dazu machen wir jetzt die angekündigte
Übung |
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| Übung 2.1-2 |
| Zeige, daß obige und
nachfolgende Beziehungen aus der Bohrschen Quantenbedingung folgen |
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Ein Wasserstoffatom kann also nur
Energien absorbieren und dann wieder abgeben, die der Differenz der Energien
zweier erlaubten Bahnen mit Quantenzahlen n und n'
entsprechen. |
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Die Formel dafür lautet . |
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| DE = |
z2 · e4 · m
8 · e02 ·
h2 |
· |
æ
ç
è |
1
n2 |
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1
n' 2 |
ö
÷
ø |
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Da bei einem angeregten Atom - also
einem Atom, das durch Energiezufuhr von außen sein Elektron nicht auf der
energetisch niedrigsten Bahn hat - beim Sprung des Elektrons von der Bahn mit
der Quantenzahl n' auf die Bahn mit der Quantenzahl
n die Energie als ein "Lichtteilchen", als ein Photon, frei wird, kann man messen, ob das Bohrsche
Modell stimmt. |
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Dazu muß man nur nachschauen, bei welchen
Frequenzen im elektromagnetischen Spektrum Wasserstoff seine Emissionslinien
hat. In anderen Worten: Man vergleicht das Spektrum von Wasserstoff, das
längst vor der Bohrschen Theorie beobachtet und gemessen wurde, mit der
obigen Formel. |
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Dazu braucht man aber noch folgende, aus dem
Planckschen Strahlungsgesetz
stammende Beziehung zwischen Frequenz
n und Energie E(n) eines Photons: |
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| E(Photon) |
= h · n = |
h · c
l |
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Mit
n = Frequenz des Lichtes bzw. Photons, c = Lichtgeschwindigkeit im
Vakuum = 299 792,458 kms1,
l = Wellenlänge. |
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Der nächste entscheidende
Schritt kam 1923 von Prinz (!)
Louis de Broglie. Diesem französischem
Physiker ließen die Bohrschen Quantenzahlen keine Ruhe. |
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In der klassischen Physik kannte man
ähnliches nur von Eigenschwingungen; z.B. kann eine
schwingende Saite der Länge l nur Wellenlängen
erzeugen, die mit l/2n; n = 1,2,3,...,
beschrieben werden können; d.h. die Saitenlänge ist immer ein
ganzzahliges Vielfaches der Wellenlängen der Saitenschwingungen. War hier
eine Analogie verborgen, die ausbaufähig war? Hatte das Elektron - ein
Teilchen wohlgemerkt - etwa auch
Eigenschaften, die man sonst nur Wellen
zuschrieb? |
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Auf der anderen Seite wußte de Broglie auch
- oder besser, er glaubte es - daß unbestrittene Wellen, insbesondere die
Lichtwellen, sich gelegentlich wie Teilchen benehmen. Damit hatte
Albert Einstein 1905 den
photoelektrischen
Effekt erklärt (dafür, nicht für die
Relativitätstheorie, hat er dann den Nobelpreis bekommen!). Geglaubt hat
ihm das aber niemand so richtig; erst 1923, als Arthur
Compton den nach ihm
benannten Compton-Effekt entdeckte, der die
Teilcheneigenschaften von Wellen überzeugend demonstrierte, gewöhnte
man sich allmählich an diesen Gedanken. |
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Wenn Wellen sich manchmal wie
Teilchen benehmen, oder besser ausgedrückt, immer auch
Teilcheneigenschaften haben, dann könnte die umgedrehte Aussage vielleicht
ja auch richtig sein: Teilchen haben auch
Welleneigenschaften! (Achtung! Dies ist eine andere Aussage als der oft
gehörte Spruch: "Teilchen sind
Wellen"). 1923 formulierte de Broglie diesen Gedanken in
mathematischer Strenge. Die weltbewegende Gleichung dazu lautet |
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Mit p = Impuls des
Teilchens, h = Plancksches Wirkungsquantum,
l = Wellenlänge |
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In Worten sagt die de Broglie
Beziehung, daß ein Teilchen mit dem Impuls p die
Wellenlänge l = h/p hat, wenn man
seine Welleneigenschaften betrachtet. Die Gleichung
sagt nicht, daß ein Teilchen eine Welle ist! |
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Wie kommt man auf die de Broglie
Beziehung? Nur mit Hilfe radikaler Gedanken und der
Relativitätstheorie.
Wir wollen uns hier aber nicht mit der Ableitung beschäftigen, sondern
feststellen, daß die de Broglieschen Materiewellen, obgleich ein radikaler Bruch mit
der klassischen Physik (und eine unlösbare Anforderung an das
Vorstellungsvermögen), zwanglos eine elegante Erklärung des Bohrschen
Quantenpostulats liefern. |
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Denn projeziert man eine Welle mit der richtigen
Wellenlänge auf eine der erlaubten Bohrschen Bahnen, sieht man, daß
sie genau paßt, d.h. es gilt die Beziehung |
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| 2 · p · r =
Umfang der Elektronenbahn = n · ln |
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Dabei muß man etwas aufpassen! l ist an den Impuls gekoppelt und hat deshalb für
jedes n einen anderen Zahlenwert. |
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Man erhält daraus sofort mvr = nh/2p - das ist die Bohrsche Quantenbedingung! |
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Wir wollen uns dies mal bildlich verdeutlichen und die 3
ersten Bohrschen Bahnen mit Radius 1, 4, 9 (durchgezogene
Linien) und entprechende stehende Wellen mit 1, 2, 3 Wellenlängen
(gestrichelt) maßstäblich
zeichnen. Das sieht ungefähr so aus: |
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Die entscheidenden Frage ist,
was da eigentlich "wellt". Die
fast zwanghaft sich einstellende Vorstellung, daß da irgendwas - ein
Kügelchen zum Beispiel - sich entlang der gewellten Linie bewegt ist
genauso falsch, wie die Vorstellung,
daß sich überhaupt etwas kleineres als die gesamte gezeichnete
Materiewelle bewegt. Das Elektron ist die
"Welle"! Die gesamte
Welle, nicht nur ein im Kreis laufendes Teil davon! |
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Akzeptiert man für einen Moment
das Materiewellenpostulat, kann man sofort eine Reihe von Fragen stellen und
Vorhersagen machen, die ziemlich fremdartig erscheinen; z.B. |
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Das wesentliche Spezifikum bei
Wellen ist, daß sie Interferenzeffekte ermöglichen:
Zwei Wellen können sich gegenseitig verstärken oder - wenn ihre Phase um
180o verschoben ist - komplett auslöschen. Damit zusammen hängt das
Phänomen der Beugung - Wellen laufen
gelegentlich um die Ecke. |
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Frage 1 also:
Sieht man Beugungs- und Interenzeffekte auch bei Teilchen? |
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Frage 2: Wo
ist eigentlich das Teilchen lokalisiert? Eine Welle ist
notwendigerweise ausgedehnt, sie kann an
einem mathematischen Punkt nicht definiert werden (oder nur wenn man
akzeptiert, daß dann die Wellenlänge (und damit der Impuls nach de
Broglie) einen beliebigen Wert haben kann). |
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Wellen beziehen sich auf "etwas", das
dann eine Amplitude hat, die sich n
mal pro Sekunde vom Maximum zum Minimum und zurück ändert. Bei
Schallwellen ist dieses "etwas" der Luftdruck, bei
elektromagnetischen Wellen das elektrische und magnetische Feld, bei
Wasserwellen die Höhe über "Normalnull" oder die
Geschwindigkeit der Wasser"teilchen". |
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Damit kommen wir zu Frage 3: Was ist dieses "etwas" , das sich mit irgendeiner Amplitude
periodisch ändert, bei Materiewellen? |
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Fragen ist einfach (und die
Domäne der sog. "Geisteswissenschaften"); antworten ist schwer
(und die Domäne der Naturwissenschaften). |
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Aber manche Fragen kann man gar nicht
beantworten, denn sie sind falsch gestellt. Hier ein paar Beispiele, als
Antworten sind nur "Ja" oder "Nein" zugelassen;:
- Schlagen sie ihre Freudin immer noch?
- Diese Aussage ist falsch. Stimmt das?
- Sind Elektronen nur dann grün, wenn sie nicht gelb sind?
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Diese Fragen beziehen sich auf ein nicht
existierendes Umfeld oder sind selbstrekursiv; Ja - Nein Antworten sind
sinnlos. |
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Unsere Frage
3 von oben ist ebenfalls nicht direkt beantwortbar. Eine Antwort,
die im Rahmen der Gedankenwelt der klassischen Physik bleibt, gibt es nicht. Im
Rahmen der klassischen Physik, die wir nur um die de Broglie Gleichung
erweitern, ist die Frage sinnlos. |
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Wir sollten uns aber daran gewöhnen,
daß die Nichtbeantwortbarkeit von sinnlosen Fragen auch dann kein Problem
darstellt, wenn viele sogenannte "Denker" die Sinnlosigkeit mancher
Fragen nicht erkennen. Eine Antwort erhält man dann eben nur, wenn man das
alte System verläßt und etwas "Neues" denkt. Und genau das
werden wir im folgenden tun. |
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Heisenbergsche Unschärferelation
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Bevor wir zu den Antworten kommen,
vergegenwärtigen wir uns das Umfeld der Fragen: |
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Das Grundprinzip ist zunächst, daß nur
in der Welt des Allerkleinsten - bei uns das Elektron - die Welleneigenschaften
der Materie überhaupt zum Tragen kommen. Bei größeren Objekten
sind die Welleneigenschaften zwar auch da, aber wirken sich nicht aus, da sie
sich in winzigsten Dimensionen abspielen. |
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Schauen wir uns jetzt die obigen Fragen genauer
an: |
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Zur ersten
Frage: Würde man Beugungsexperimente mit Atomen machen - an irgendeinem Analogon zu einem
optischen Gitter - würde man in der Tat Interferenzeffekte sehen. |
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Wir müssen aber nicht den Konjunktiv
bemühen - man hat die Experimente
gemacht und die Beugungseffekte gesehen! Allerdings sind bei Atomen die
Beugungsmaxima und Minima so dicht beieinander, daß man schon sehr genau
hinsehen muß, um den Effekt zu bemerken. |
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Mit Elektronen ist es einfacher - ihre
Wellenlänge ist wegen der kleineren Masse größer. Die Herren
Davisson und
Germer haben das
1927 erstmals demonstriert und dafür den Nobelpreis bekommen - ein
Beispiel für Elektronenbeugung am Gitter eines Kristalls findet sich im Link. |
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Unheimlich und ungewohnt ist dabei, daß das
Elektron als Welle nicht etwa mit anderen Elektronen, die
"vorbeigeflogen" kommen interferiert, sondern mit sich selbst! Wer sich hier etwas tiefer
informieren will, aber nicht den mathematischen und gedanklichen Ballast der
theoretischen Physik erträgt, dem sei
Feynmans Büchlein
"QED"
wärmsten empfohlen! |
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Die zweite
Frage hat es in sich: Man kann es drehen und wenden wie man will -
man kann nicht gleichzeitig über den
exakten Ort eines Teilchens reden und
über seine Wellenlänge, oder,
nach de Broglie damit gleichbedeutend, seinen Impuls. |
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Entweder kennt man eine
Bestimmungsgröße exakt - dann weiß man nichts über die
andere, oder man kennt beide nur so ungefähr. Dies führt sofort zur
berühmten Heisenbergschen
Unschärferelation,
die es wert ist, groß aufgeschrieben zu werden |
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Dabei ist Dx die "Ortsunschärfe", also das Intervall
auf der x-Achse auf der sich das Teilchen irgendwo befindet, und
Dpx ist die entsprechende
"Impulsunschärfe" in
x-Richtung. |
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Auch die Heisenbergsche
Unschärferelation verhindert, nebenbei bemerkt, daß ein Elektron
sich in den Kern stürzen kann. Denn dann wäre seine
Ortsunschärfe durch den Kerndurchmesser gegeben; die resultierende
Impulsunschärfe ist so groß, daß es sofort wieder
herausfliegen würde! |
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Die dritte
Frage, was denn da "wellt", oder genauer gesagt, was denn
eine Amplitude besitzt, ist vielleicht die schwierigste. Denn die Antwort
darauf trägt nicht nur die klassische Physik endgültig zu Grabe (mit
Wellen hätte sie noch so halbwegs leben können), sondern stellte und
stellt die Philosophie vor noch immer
unbewältigte Herausforderungen. |
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Denn eine Antwort ist nur
möglich wenn wir ein neues
Paradigma
einführen, eine neue Weltanschauung,
etwas gänzlich Unerhörtes, etwas universell Neues: |
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Das Universum kann prinzipiell nur
statistisch beschrieben werden.
Es gibt nur noch Wahrscheinlichkeiten,
keine Gewißheit mehr.
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Das heißt: Bei immer
absolut gleichen Voraussetzungen eines physikalischen Experiments (zumindest
gedanklich immer machbar) - sei das Experiment die Schöpfung des
Universums oder der Durchgang eines Elektrons durch eine dünne Folie -
wird damit der Ausgang des Experiments bei jeder Wiederholung prinzipiell anders aussehen - nur statistische
Aussagen über z.B. Mittelwerte sind möglich! Wer hier tiefer
einsteigen will, sei auf eine wachsende Liste
populärwissenschaftlicher
Bücher namhafter Autoren - meistens Nobelpreisträger -
verwiesen. |
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Erste Reaktion: Das ist doch Schwachsinn! Die
Physik lebt doch davon, dass der Ausgang von Experimenten auf x
Stellen hinter dem Komma vorhersagbar ist - jedesmal;
siehe oben! |
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Erste Antwort: Schon wahr. Aber auch der Ausgang
"rein statistischer" Experimente ist oft mit extremer Genauigkeit
vorhersagbar: Beispiel: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, mit
1.000.000 Würfeln die Zahl 1.000.000 oder 6.000.000
zu würfeln? Einfach: 1/ 61.000.000; oder
0.00000.., d.h. eine Zahl mit ziemlich viel bekannten Stellen hinter dem
Komma. |
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Jetzt zur Antwort auf Frage 3: |
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Was da "wellt" ist nicht eine Art
Kügelchen, das einer Berg-und-Talbahn folgt, sondern etwas viel
abstrakteres, etwas neues, etwas in der klassischen Physik nicht vorhandenes -
wir nennen es mal Wafu. |
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Wer sich dazu jetzt nichts vorstellen
kann, liegt genau richtig. |
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Denn das menschliche Gehirn hat zunächst nur
Modelle für all das parat, was seinen
Sinnen direkt zugänglich war. Im Laufe der Zeit entwickelt sich das ein
wenig (falls man übt), und man kann sich auch Sachen vorstellen, die den
Sinnen nicht direkt zugänglich sind. Sich ein Magnetfeld oder eine
elektromagnetische Welle vorzustellen fällt uns heutzutage erheblich leichter als den
Zeitgenossen Maxwells. |
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Was sollen wir uns unter einem
Wafu vorstellen. Erst mal gar nichts. Wir
werden uns aber diesen Begriff so allmählich erarbeiten, indem wir uns mit
den Eigenschaften beschäftigen, die das Wafu haben muß, damit alles
"paßt". |
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Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass wir
wirklich etwas neues brauchen - das Wafu - und dass wir aufpassen müssen,
dass die Bezeichnung des "Neuen" in uns keine Assoziationen weckt,
die irreführend sein könnten. Hätten wir das Wafu z.B.
"Pizza" genannt, oder "Energo", könnten wir uns kaum
gegen Assoziationen wehren, die unser Gehirn uns aufdrängt, und die mit
der Sache nichts zu tun haben. |
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Um ein solches
Mißverständnis zu vermeiden, habe ich jetzt ein wenig
geschummelt! |
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Im Deutschen heißt es gar nicht
"Wafu", sondern
Wellenfunktion. |
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Das ist dummerweiser ein Wort, das einen gewissen
Sinn zu haben scheint. Aber wir betrachten den Terminus Wellenfunktion jetzt erstmal als einen
Buchstabenstring ohne erkennbare Bedeutung, so wie das nur zu diesem Zweck
eingeführte Wave Function - und damit haben wir auch schon das
englische Äquivalent (das aber nie in der Abkürzung Wafu verwendet
wird!!!). |
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Die Wellenfunktion ist der Zentralbegriff der
Quantentheorie. Kennt man die Wellenfunktion eines Systems, kennt man Alles, was man über das System überhaupt
wissen kann - und diese Wissen wird statistischen Charakter haben! |
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Und um Frage
3 jetzt zu beantworten: Es ist die Wellenfunktion, immer mit dem Symbol
y dargestellt, die da "wellt" - was
immer das bedeuten mag. |
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Die bisher vorhandenen Mosaiksteine
hat schließlich 1926 Erwin Schrödinger (und Heisenberg und
andere) zu einer endgültigen Fassung der Quantentheorie zusammengesetzt, indem er die
"Schrödingergleichung"
aufstellte - eine Gleichung für die Wellenfunktion, die der Physik ein
neues, oder eigentlich erstmals ein richtiges Fundament gab. |
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Alle hatten dasselbe "erfunden" - nur in sehr
verschiedener mathematischer Form dargestellt. Die Schrödingersche Version
ist die einfachste; wir werden nur sie betrachten - im nächsten
Unterkapitel. |
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© H. Föll (MaWi 1 Skript)