Most architects think by the inch, talk by the yard, and should be kicked by the foot
Prince Charles

Das angelsächsische Längenmaß

Das angelsächsische Längenmaß (auch angloamerikanisches Längenmaß genannt) ist längst durch das metrische System abgelöst worden - aber die Angelsachsen haben das noch nicht gemerkt, und es ist nach wie vor sehr weit verbreitet.
In den Vereinigten Staaten von Amerika, in England und in den ehemaligen Kolonien des britischen Commonwealth, ist dieses System immer noch im Gebrauch, obwohl es außerordentlich kompliziert und schwerfällig ist.
Das hat natürlich Gründe, einer dieser Gründe ist so total verrückt, daß es sich lohnt, dafür ein eigenes Modul zu haben.
Für jemanden, der das metrische System gewöhnt ist, erscheint das angelsächsische System überaus verwirrend, unlogisch und gewöhnungsbedürftig. Das liegt daran, daß es überaus verwirrend, unlogisch und gewöhnungsbedürftig ist.
Aber was soll's. Flugzeugabstürze, Satellitenversagen, allgemeine Schäden in Milliardenhöhe, verursacht durch mangelnden Durchblick bei Längeneinheiten, haben bisher nicht vermocht, die Angelsachsen von ihrem antiquitierten Maßsystem abzubringen. Wir müssen wohl alle damit leben. Daß es natürlich auch Vorteile hat zeigt obiges Zitat - auf metrisch wär's nicht möglich.
Die Einheit Yard wird nicht nur in der angelsächsischen Wissenschaft verwendet, sondern es ist auch seit Beginn das traditionelle Längenmaß für etliche Sportarten, wie zum Beispiel American Football, Golf oder auch Kricket, um nur ein paar wenige zu nennen.
Nicht jedoch bei den Glasbläsern - das sei als Kuriosität am Rande vermerkt. Die sind auch bei den Angelsachsen "schon immer" metrisch (so wie "unsere" Installateure lange "zöllisch" waren oder sogar noch sind).
Eine Besonderheit des angelsächsischen Systems ist, daß neben den Dezimalfraktionen (z.B. 0,25 in = 2,5"), auch die Zweierbrüche (1/2, 1/4, bis zum 1/32) verwendet werden. Man schreibt statt 0,125" dann 1/8"
Wer jemals versucht hat, z.B. ein Gewinde im angelsächsischen Maßsystem zu produzieren, wundert sich nicht mehr, warum öfter mal was schief geht, sondern eher wie die Amis es trotzdem schafften, einen Mann auf den Mond zu bringen. (Inzwischen bezweifeln ja über 20% der Amis, das sie das tatsächlich getan haben - man gebe mal "moon hoax" in Google ein - aber halt für die falschen Gründe).
 

Umrechnungstabelle

Angelsächsisch Metrisch
1 inch (in, auch ") =

2,54 cm
1 milli inch (mill) = 0,001 in = 0,0254 cm
1 foot (ft, auch ' ) = 12 in = 0,3048 m
1 yard (yd) = 3 ft = 0,9144 m
1 fathom = 2 yd = 1,8288 m
1 rod = 5,5 yd = 5,0292 m
1 chain = 4 rod = 20,1168 m
1 furlong = 10 chain = 201,168 m
1 mile = 80 furlong = 1609,344 m
1 nautical mile = 1 n mile = 1852 m

Beispiel

Ein Mensch ist beispielsweise 1,88 m groß. In Fuß und Inch gerechnet ist dieser Mensch dann circa 6 Fuß und 2 Inch groß. Die korrekte Schreibweise wäre hierfür 6' 2".
Übrigens wird die Größe eines Menschen nie in Yard gerechnet. Die Rechnung in Metern könnte leicht dazu verleiten.
Eine weitere angelsächsische Eigenheit, die bei Umrechnungen gern zu erheblichen Fehlern führt (exakt den Faktor 1000), liegt in der Auslassung der Milliarde beim Zählen.
Nach der "million" (106) folgt gleich die "billion" (109), gefolgt von der "trillion" (1012) und der quatrillion (1015), die der deutschen Billion bzw Trillion entsprechen.
Eine genaue Übersicht gibt es im Link
Die Zahl der Übersetzungsfehler ist Legion, vor allem beim Geld (Staatshaushalt etc.).
Der deutsche oder amerikanische Jounalist wird es fast immer falsch machen. Merken tut es in der Regel keiner, denn ob ein Staatsdefizit $ 1500 billion oder € 1500 Billionen beträgt, ist für die (nach eigener Meinung) gebildeten deutschen (und amerikanischen) Eliten sowieso ungefähr dasselbe: Einfach viel.


Bis kurz vorm Mars war noch alles in Ordnung. Doch dann passierte das Unglück: Statt eine stabile Umlaufbahn einzunehmen, kam der Mars Climate Orbiter dem roten Planeten zu nahe und verglühte in seiner Atmosphäre. Das war im September 1999. Sofort begann eine fieberhafte Suche nach der Ursache für den Fehler. Das Ergebnis war kaum zu glauben: Die beiden NASA-Kontrollzentren in Denver und Pasadena hatten mit unterschiedlichen Maßeinheiten gerechnet: das eine Team in Metern und Kilogramm, das andere in Foot und Pound - über ein Jahrhundert, nachdem sich die USA und 16 andere Staaten darauf geeinigt hatten, künftig nur noch das metrische System zu verwenden - und 40 Jahre, nachdem nahezu weltweit die (auf dem metrischen System beruhenden) SI-Einheiten eingeführt waren.

Ungefähr 1980, mußte eine kanadische Boeing notlanden - was gerade noch im Segelflug gelang - weil der Treibstoffvorratsanzeiger ausgefallen war, und ein Techniker beim letzten Zwischenstop dann mit einem Peilstab den Inhalt der Flügeltanks abgelesen hatte. Der Peilstab war in Litern geeicht, weitergegeben wurde die Zahl aber als Gallons. Mitten im Flug ging der Treibstoff aus - shit happens, wie die Amerikaner sagen, aber notwendig war's nicht. Wie durch ein Wunder konnte der Jet als Segelflugzeug noch ohne Personenschäden landen.


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© H. Föll (MaWi 1 Skript)