 |
Wir wollen's kurz machen und schauen uns gleich
mal das erste Bild an. |
|
|
|
|
|
 |
Von links kommt ein (freies) Elektron in irgendeinem Metall
geflogen, es hat irgendeine konstante Geschwindigkeit vx in
+x-Richtung |
 |
Zur Zeit t1 ändert es abrupt
seine Geschwindigkeit, es fliegt zwar weiterhin in +x Richtung,
aber langsamer. |
 |
Im Laufe der Zeit wiederholt sich das so im Mittel alle
t Sekunden; manchmal läuft es jetzt auch
rückwärts (x-Richtung). |
 |
Das ist schlicht das eindimensionale Bild
eines statistisch herumirrenden Elektrons, also eines "random walk"
Elektrons mit einer mittleren vektoriellen Geschwindigkeit <v> = 0, aber
durchaus beträchtlicher mittlerer skalarer Geschwindigkeit |v|
¹ 0 - so im km/s Bereich |
|
|
|
 |
Was passiert bei t1 und
dann immer wieder nach rund und roh t
Sekunden? Einfach: Das Elektron stößt mit "etwas" zusammen
und fliegt danach mit geändertem Impuls und Energie weiter. |
|
 |
Die Frage ist natürlich: Wer oder was kommt
als Stoßpartner für Elektronen in Frage? Schau'n mer mal:
- Die Atome des Kristalls? Erstmal
nein, denn sie haben die freien Elektronen
abgegeben und sind nicht mehr an ihnen interessiert.
- Die anderen Elektronen? Erstmal nein,
denn die Elektronen gehen sich gegenseitig aus dem Weg. Ein bißchen was
geht zwar immer, aber Elektron - Elektron Stöße sind nicht so
wichtig.
- Defekte im Kristall - falsche Atome,
Versetzungen, Korngrenzen usw.? Ja!
Defekte sind in der
Tat effiziente Stoßpartner!
- Die Temperatur? Ja - bloß: Wie
stößt man sich mit der Temperatur? Nun ja - T ist ein
Maß
für die innere Energie, und die sitzt in den Schwingungen der Atome.
Mit Atomen, die nicht still sitzen, kann sich ein Elektron stoßen.
|
|
 |
In der Tat: Die
thermischen
Vibrationen der Atome (die man in "gequantelter" Form gerne auch
Phononen) nennt,
streuen "per Stoß" die im Kristall herumflitzenden Elektronen.
Das wird offenbar umso heftiger, je heißer der Kristall ist. |
 |
OK - das obige Bild ist jetzt klar. Wir lassen
erstmal alles wie es ist aber schalten jetzt noch ein elektrisches Feld ein, das die Elektronen nach
rechts beschleunigt. Was wir erhalten werden sieht so aus: |
|
|
|
|
|
|
 |
Solange das Elektron friedlich vor sich hin fliegt, wird es
jetzt beschleunigt, d. h. seine Geschwindigkeit in +x-Richtung
steigt linear. Beim Stoß verliert es völlig "das
Gedächtnis", und alles fängt wieder von vorne an |
 |
Die Durchschnittsgeschwindigkeit in +x-Richtung
wird jetzt etwas größer sein als in x-Richtung;
wir haben <v> ¹ 0 =
vDrift.. |
|
|
 |
Allerdings sind das in der Realität so kleine Effekte,
dass sie auf einer maßstabsgetreuen Zeichnung gar nicht auffallen
würden. |
|
|
|
 |
Wir können die Zeichnung jetzt radikal
vereinfachen, indem wir alles was sich zu Null mittelt von vornherein
weglassen. Das sieht dann so aus: |
|
|
|
|
|
|
 |
Was bleibt ist ein gewisser Geschwindigkeitszuwachs zwischen
den Stößen mit dem vektoriellen
Mittelwert vDrift oder vD=
Driftgeschwindigkeit |
 |
Außerdem können wir, wie oben schon angedeutet,
eine mittlere Stoßzeit t
definieren, halt die mittlere Zeit zwischen zwei Stößen. |
|
|
 |
Damit verbunden ist dann automatsich noch eine
mittlere freie Weglänge
l = v · t; mit v =
Gesamtgeschwindigkeit (skalarer Mittelwert)
des Elektrons. |
|
|
|
 |
Was hat das nun alles mit der Leitfähigkeit
und der Beweglichkeit zu tun?
|
|
|
 |
Wir schreiben einfach mal das
Newtonsche Grundgesetz für ein friedlich seines Weges ziehendes Elektron
hin: |
|
|
|
|
|
| m · |
dv
dt |
= m · |
Dv
Dt |
= m · |
vD
t |
= F = q · E =
e · E |
|
|
|
|
|
|
 |
Das dv/ dt haben
wir einfach durch den mittleren Zugewinn an Geschwindigkeit =
vD in der Zeitdifferenz t
ausgedrückt. Das darf man, solange alles linear ist. Wir erhalten damit
die angegebene Gleichung für die Driftgeschwindigkeit
vD |
|
 |
Diese Gleichung für
vD setzen wir jetzt in die Gleichung für die Stromdichte
j ein, die wir schon
kennen (j = n · e · vD),
darüber hinaus benutzen wir unsere
Mastergleichung (j =
s · E) für die
Leitfähigkeit s und erhalten |
|
|
|
|
|
| j |
= |
n · e · |
E · e · t
m |
= |
n · e · |
e · t
m |
· E |
| |
|
|
|
:= |
s |
|
| |
|
|
|
= |
n · e ·
µ |
|
|
| Damit folgt zwingend: |
| µ |
= |
e · t
m |
|
t |
= |
s · m
e2 · n |
|
|
|
|
|
|
 |
Die Beweglichkeit µ ist also
letztlich nichts anderes als die Stoßzeit t in Verkleidung. Da Stoßzeit und mittlere freie
Weglänge l linear gekoppelt sind, können wir auch
sagen, dass die Beweglichkeit direkt mit l skaliert. |
 |
Das ist eine ganz schlechte Nachricht für
ET&IT Ingenieure! |
|
 |
Bei Raumtemperatur gibt es selbst
in einem perfekten Kristall noch die unvermeidbaren Stöße mit den
"Phononen", den thermischen Gitterschwingungen. Damit kann die
Beweglichkeit auch im perfekten Kristall (bei RT) nie beliebig
groß werden. Die Ladungsträgerdichte ist schlicht durch das Material
gegeben - rund und roh ein bis maximal einige wenige Elektronen pro (Metall)
Atom - und damit liegt s = q ·
n · µ für den perfekten Kristall erst mal
fest. |
|
 |
Ist dieser Wert für ein gegebenes Material
nicht gut genug, versagt der übliche Trick der Materialwissenschaftler:
Werf noch dieses oder jenes rein (mach Legierungen). Denn was immer man tut,
man erzeugt Defekte, und jeder Defekt wird
die Beweglichkeit bestenfalls gar nicht ändern, aber im Zweifel immer nur kleiner machen! Damit geht die
Leitfähigkeit relativ zum perfekten Kristall immer nur runter! |
|
 |
Leider sind auch die besten Leitfähigkeiten
von Materialien wie Cu oder Ag nicht gut genug für moderne
ET&IT Produkte wie Mikrochips oder Solarzellen. Um trotzdem
erfolgreich zu sein, braucht's jede Menge Gehirnschmalz (und sehr viel
Geld). |
 |
Im Grunde können wir jetzt anfangen zu
rechnen. Das tun wir auch mal - in einer Übungsaufgabe |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
Es lohnt sich. die Aufgaben mal anzuschauen.
Insbesondere den Teil über die mittlere freie Weglänge, denn: |
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
Was haben wir falsch gemacht? |
|
 |
Wir haben klassisch gerechnet und die mittlere
Geschwindigkeit eines Elektrons aus dem
Gleichverteilungssatz,
d.h. aus mvx2 = kT bestimmt. Das
darf man
nicht! |
|
 |
Für ein typisches Metall mit einer Leitfähigkeit im
mWcm Bereich erhält man klassisch mittlere freien Weglängen im
Å Bereich oder sogar kleiner - und das
ist Unsinn! |
 |
Die möglichen Stoßpartner für
Elektronen (z. B. Defekte) müssen sehr
viel weiter auseinanderliegen als Atomdurchmesser; wir liegen um mindesten
einen Faktor 100 bis 1000 daneben! |
|
 |
Wir haben aber klassisch
gesehen nichts falsch gemacht. Alle Formeln stimmen - auch dann noch wenn
mehrere Nobelpreisträger das beliebig verkomplizieren. Klassisch ist hier nichts zu retten. |
|
 |
Quantenmechanisch schon.
Wir haben nur zu berücksichtigen, dass Elektronen
Fermionen sind und dem
Pauli Prinzip
unterliegen! In anderen Worten: |
|
|
|
|
|
Der
Gleichverteilungssatz gilt nicht
für Fermionen! |
|
|
|
|
|
 |
Das haben wir übrigens schon gelernt: mit diesem
Link mal
nachsehen. |
 |
Im nächsten Modul schauen wir uns die Lage
dann mal "richtig" an. |
|
|
|
|
|
|
|
© H. Föll