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Das Ohmsche Gesetz sagt bezüglich einer
"Black Box", aus der zwei Drähte hängen, angeschlossen an
eine Spannung U: |
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In anderen Worten: der fließende Strom I
ist proportional zur angelegten Spannung U. Der Widerstand
R ist die Proportionalitätskonstante und beschreibt
elektrisch gesehen vollständig, was auch immer in der Black Box im Detail
abläuft. |
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Das ist natürlich
Kinndergartenniveau. In der elektrischen Materialwissenschaft drehen wir das
Ganze um: Sage mir, was für ein Material / Materialkombination in der
Black Box drin ist, und ich sage dir: |
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- Ob das "Ohmsche Gesetz" überhaupt gilt.
- Wie groß - genau in Ohm - dann der Widerstand R sein
wird, inklusive seiner T-Abhängigkeit usw.
- Was ansonsten passieren wird, wenn man eine Spannung anlegt.
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Wir nähern uns diesem sehr
anspruchsvollem Programm in 3 Schritten: |
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1. Wir schreiben das "Ohmsche
Gesetz" um auf spezifische Größen. |
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2. Wir rechnen mal aus,
wie das zu den
freien Elektronen
in Metallen paßt, und erarbeiten uns dabei die Grundformel für
alle Leitfähigkeiten. |
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3. Wir realisieren, dass eine klassischen
Betrachtung früher oder später direkt in den Abgrund führt, und
retten das Ganze mit Quantentheorie und der
uns bereits bekannten Fermiverteilung. Das bringt uns
dann zwanglos auf Halbleiter. |
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Wie schon
früher
ausführlich begründet, sind Strom I und Spannung
U aus Materialsicht inhaltslose Größen. Wir nehmen
stattdessen Stromdichte j und Feldstärke
E. Damit wird man nicht nur frei von Größe und
Gestalt des Materials, sondern bekommt sogar sehr viel mächtigere Vektorbeziehungen. |
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Damit lautet das
Ohmsche Gesetz: |
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Dass die Gleichung stimmt, leiten wir uns schnell
selbst her: |
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Für einen Quader der Länge
l, der Querschnittsfläche F und dem ohmschen
Widerstand R gilt dabei für die
spezifische Leitfähigkeit
s = 1/r; mit
r = spezifischer Widerstand |
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Wir werden selbstredend den
spez. Widerstand r nie mit der Ladungsdichte
r oder allgemeinen Dichten von irgendetwas,
gerne auch r genannt,
verwechseln. |
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Die (spezifische, aber das lassen wir in Zukunft
weg) Leitfähigkeit hat die Dimension [s] =
W1cm1; der
spez. Widerstand damit [r] = Wcm. Eigentlich sollte man
[s] = W1m1 nehmen, das ist aber eher
ungebräuchlich. Hier muss man aber aufpassen! |
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Ein paar Zahlen dazu, die man wissen sollte: |
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| r (Metall) |
» |
1 µWcm |
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| r (Halbleiter) |
» |
1 Wcm |
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| r (Isolator) |
» |
1 GWcm |
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Bechränken wir uns erstmal auf Metalle und
halten fest: |
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Der elektrische Strom wird von
freien Elektronen getragen.
Sie "fliessen" unter dem Einfluss eines elektrischen Feldes und
transportieren dadurch Ladung. |
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Definieren wir mal die durch die gedache
Querschnittsfläche des Leiters im Bild unten fließenden Ladungen
ganz allgemein: |
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1. Der extern fließende elektrische Strom ist die
Nettozahl der Ladungen die pro Sekunde
durch die Querschnittsfläche fliessen. Ausgedrückt in Stromdichten
haben wir |
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Wieso ist der extern fließende Strom eine
Differenz von Partialströmen? Weil
schon ohne angelegtes elektrisches Feld gewaltige "Ströme" durch
unsere Bezugsebene fließen! |
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Die Elektronen sitzen ja nicht still, sondern rennen im
Kristall herum. Deswegen redet man auch gerne vom "Elektronengas" im Metall. In anderen
Worten: Die freien Elektronen im Metallkristall verhalten sich so wie die
Luftmoleküle im Raum. Sie haben (thermische) Energie und rennen wild durch
die Gegend. So haben wir das
schon mal
gezeichnet. |
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Wir wissen sogar, mit welchen mittleren Geschwindigkeiten sie
das als klassische Teilchen (die sie nicht
sind) tun würden. Wir rechnen das trotzdem aber schnell
nochmals aus |
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Die Elektronen rennen also auch ohne elektrisches Feld mit ziemlich hoher
Geschwindigkeit wild durcheinander. Sie stoßen dabei mit allem
möglichen zusammen, und ändern nach einer durchschnittlichen
Stoßzeit t ihre Geschwindigkeit nach
Betrag und Richtung - aber so, dass sich die Mittelwerte nicht ändern, denn es gilt Energie- und
Impulserhaltung. |
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Zwangsweise werden eine ganze Menge pro Sekunde auch von links
nach rechts durch die Bezugsebene laufen, und ebenso zwangsweise werden genauso
viele von rechts nach links laufen, falls auf beiden Seiten der Bezugsebene
exakt dieselben Verhältnisse vorliegen. |
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Genauso ist es. Ohne zusätzliches
Feld sind die beiden Partialströme entgegegesetzt gleich groß - und
individuell gigantisch viel größer als alles, was wir als
"echten" Strom jemals herausbekommen können. |
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Wenn wir jetzt ein Feld in z. B.
x Richtung (von rechts nach links) einschalten, werden alle
Elektronen etwas gegen die Feldrichtung beschleunigt (nach rechts) und bekommen
zu ihrer jeweiligen thermischen Geschwindigkeit noch ein Dvx überlagert. |
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Nur dieses Dvx sorgt jetzt für einen Nettostrom,
denn es macht den Partialstrom von links nach rechts jetzt etwas
größer als den rückfließenden Strom von rechts nach
links. |
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Wir nennen Dvx die Driftgeschwindigkeit der Elektronen; nur
auf sie kommt es an. Die Driftgeschwindigkeit ist im Vergleich zur mittleren
thermischen Geschwndigkeit sehr, sehr klein. |
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Da die Driftgeschwindigkeit aber den
Nettoeffekt direkt beschreibt, können
wir sie nehmen um jetzt auszurechnen, wie groß die Stromdichte bei einer
gegebenen Zahl von Elektronen und Driftgeschwindigkeit ist. |
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Wir haben: Stromdichte j = Zahl N
der Elektronen mit der Ladung q = e C, die während der Zeit
t durch die Querschnittsfläche F
fließen, oder |
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Die Zahl N ist blöd, wir nehmen
lieber die Dichte n = N/V. |
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Dazu müssen wir das passende Volumen V =
F · l so definieren, dass es gerade die richtig Zahl
N an Ladungsträgern enthält. Das heißt, die
Länge l muss so gewählt werden, dass alle Elektronen,
die maximal l von der Bezugsebene weg waren, während der
Zeit t noch durchfliessen können. |
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Das ist nun leicht. Wir müssen nur
ansetzen: |
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Fertig: Einsetzen (und, zwecks größerere
Allgemeinheit, Ersetzen von e für Elektronen durch
q = irgendeine Ladung) ergibt: |
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| j |
= |
q · N
F · t |
= |
q · n · V
F · t |
= |
q · n · F · l
F · t |
= |
q · n · F · vD · t
F · t |
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Das ist in exzessivem Detail gezeigt, denn es ist
wichtig! Was rauskommt ist einfach: |
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Das ist eine sehr allgemeine, sehr einfache, und
sehr wichtige Gleichung. Sie koppelt eine elektrische Stromdichte mit einem aus
welchen Gründen auch immer mechanisch
fließenden Teilchenstrom. |
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Alles was wir jetzt noch tun müssen, ist diese Gleichung
mit dem Ohmschen Gesetz von oben zu
vergleichen. Wir erhalten |
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Als Konsequenz ergibt sich für die
Leitfähigkeit s |
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| s |
= |
q · n · vD
E |
:= |
constant |
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Falls das Ohmsche Gesetz gelten soll, muss s eine
Konstante sein, und das bedeutet dann: notwendigerweise: |
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Das ist eine weitere sehr einfache, aber
weitreichende Gleichung. Sie sagt etwas aus über Ursache (elektrisches
Feld) und Wirkung. (Driftgeschwindigkeit); insbesondere dass trotz konstanter Kraft (F = q
· E) auf die Teilchen, und damit konstanter Beschleunigung
(a = F/m), die im Mittel erreichte
Geschwindigkeit (= vD) konstant sein muss. Sonst gibt es kein Ohmsches Gesetz! |
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Sowas gibt es klassisch eigentlich nur, wenn
Reibung vorliegt. Wir schauen uns das auch
gleich noch genauer an. |
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Die Bedingung
vD/E = constant muss für alle Materialien, die
ohmsches Verhalten zeigen, erfüllt
sein. Das sind eine ganze Menge, deswegen geben wir dieser Größe
einen eigenen Namen: |
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Die Beweglichkeit
µ der
Ladungsträger hat die Einheit [µ] = (m/s)/(V/m) = m2/V
· s. |
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Die Beweglichkeit ist ein sehr wichtiger
Materialparameter! Die moderne Mikroelektronik, Optoelektronik, Solarik usw.
dreht sich immer auch um die Beweglichkeit; oft ist es der überragende
Materialparameter für moderne Anwendungen! |
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Mit der Beweglichkeit können
wir jetzt die allgemeinste Gleichung oder
Grundgleichung für die
Leitfähigkeit angeben: |
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In Worten: Die spez. Leitfähigkeit eines
beliebigen Materials ist einfach das Produkt aus der Konzentration
n der beweglichen Ladungsträger, ihrer Ladung
q, und ihrer Beweglichkeit µ. |
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Sollte überall und zu jeder Zeit
in Bezug auf das elektrische Feld gelten: n = const. und
µ = const. - dann, und nur dann, gilt das
Ohmsche Gesetz. Sonst wird's
komplizierter. |
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Um die Frage 2 von
oben jetzt abzuhaken, müssen wir nur noch (haha) die
Ladungsträgerkonzentrationen und die Beweglichkeit berechnen. Und das nur
aus der Kenntnis der Kristallstruktur und der Defekte in dem Kristall. |
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Das ist nicht so ganz einfach - aber
es geht! Zu bedenken ist, dass s über
einen extrem großen Bereich variiert - und das muss man erst mal in der
Theorie nachvollziehen können! |
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Um mit den neuen Begriffen aber erstmal etwas
vertraut zu werden, machen wir eine Übungsaufgabe. |
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© H. Föll