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RP sinkt
erst deutlich, steigt dann in zwei "Wellen" an, um dann langsam
wieder zu sinken (man beachte die logarithmische Zeitskala). Was geschieht? |
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Das Phasendiagramm sagt uns,
daß im thermodynamischen Gleichgewicht bei 150 oC die
Phase a (= Al + ca. 0,1 % Cu) und
Q (= CuAl2) nebeneinander
vorliegen. Da wir sehr viel mehr Al als Cu haben, erwarten wir
CuAl2-Ausscheidungen in einer (Al + 0,1 % Cu)
Matrix. |
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Wir starten aber mit atomar verteiltem Cu. Was wir an der
RP(t) Kurve ablesen können, ist der
Weg ins
Gleichgewicht, die Kinetik der
CuAl2-Ausscheidungsbildung und die Wirkung des sich
ändernden Gefüges auf RP. |
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Wie sich die Ausscheidungen bilden,
können wir nicht ohne weiteres wissen. Hier kommt sie
Analytik ins Spiel;
insbesondere die Durchstrahlungselektronenmikroskopie (TEM) und diverse
Röntgenmethoden. |
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Nach dem RP
Test untersuchen wir die Probe auf ihre exakte Mikrostruktur. Das Experiment
ist jetzt eine Doktorarbeit - falls wir in der Lage sind, die gesamte Theorie
noch anzuhängen, und damit die experimentellen Befunde zu
erklären. |
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Was ist nun geschehen? Das ist - im
großen ganzen - gar nicht schwer zu verstehen: |
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Wir starten mit atomar gelösten
Fremdatomen in relativ hoher Konzentration - wir erwarten damit
ausgeprägte Mischkristallhärtung (engl."Solution
hardening") und damit ein erhebliches größeres
RP als in reinem Al zu Beginn der Messung. |
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Ausscheidungsbildung heißt
unumstößlich, daß Cu Atome durch das Al Gitter
diffundieren
müssen, so daß sie sich gegenseitig finden können. Jede
einzelne Ausscheidung beginnt als "Zweier-Cluster" von 2 Cu
Atomen, wird zum Dreierpack - usw. |
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Diese Kleinstagglomerate werden beim
Versetzungspinning kaum wirkungsvoller sein können als einzelne Atome -
aber ihre Konzentration ist nur die Hälfte bzw. 1/3 der atomaren
Cu Konzentration. RP wird dadurch zunächst
nur kleiner werden können. |
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Mit langsam größer
werdenden Ausscheidungen kommt eine Trendwende. |
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Die Ausscheidungen haben eine
Größe erreicht, mit der sie Versetzungen immer massiver behindern
können, irgendwann sind sie trotz geringerer Dichte effektiver als die
atomar gelösten Cu Atome - RP steigt
wieder an. |
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Warten wir zu lange, werden
große Ausscheidungen auf Kosten der kleineren wachsen (man nennt das
"Ostwald
Reifung"). Dadurch verringert sich die
Dichte, RP nimmt wieder ab und erreicht, falls wir
lange genug warten, den intrinsichen Wert - das Cu ist jetzt völlig
wirkungslos. |
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Das ist alles richtig, erkärt
aber nicht die "Wellen" und die genaue Gestalt der Kurve. Um das zu
verstehen müssen wir die Details der
Ausscheidungsbildung studieren. |
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Die erste Agglomeratsform, die sich bildet, ist
etwas spezielles: Sogenannte Gunnier-Preston Zonen (immer abgekürzt
als"GP-zones". |
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Das sind, wie links gezeigt, winzige (Durchmesser
im 10 nm Bereich) Cu-Scheibchen in der Al Matrix, die das
Gitter kräftig verspannen und Versetzungen ganz effektiv festhalten
können. |
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Sie sind verantwortlich für den
Wiederanstieg von RP und für die erste
"Welle" in der Kurve. |
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Mit den GP-Zonen haben wir
aber noch kein Gleichgewichts CuAl2. Die Bildung dieser
(großen) Ausscheidungen läuft, etwas überraschend, in drei Stufen: |
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Zunächst bilden sich aus einigen
GP-zones erste CuAl2 Auscheidungen mit einer
spezifischen Gitterstuktur, die zwar relativ gut ins Al Gitter
paßt - aber nicht die Gleichwichtstruktur von CuAl2
ist. Diese Q'' genannte Phase wächst auf
Kosten der GP-zones, die sich auflösen und das benötigte
Cu freisetzen. |
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Gleichzeitig beginnt an Versetzungen
und Korngrenzen die Nukleation des "richtigen"
CuAl2, allerdings ist der wachsende Kristall noch ganz
spezifisch in das Al Gitter eingebaut und stark verspannt. Diese
Q' Phase wächst langsam auf Kosten der
Q'' Phase, die schließlich komplett
verschwindet. |
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Und das ganze nocheinmal!
CuAl2, aber jetzt mit beliebiger Orientierung zum
Wirtsgitter, beginnt an Korngrenzen und an den Ecken der Q' Phase zu wachsen - jetzt relativ kugelförmig,
da ohne Beziehung zum Al Gitter. Das ist die eigentliche Q Phase. Die Q'
Phase verschwindet wieder. |
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Warum geht die
CuAl2 Ausscheidungskinetik einen derart komplizierten Weg?
Weil die Oberflächenergie der
Phasengrenze CuAl2 - Al bei kleinen Ausscheidungen minimiert
werden muß! Sonst ist
keine Keimbildung
möglich. |
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Die diversen Q Phasen unterscheiden sich nicht sehr in ihrem
"Festhaltevermögen" für Versetzungen. Da ihre
Größe kontinuierlich zunimmt, wird der mittlere Abstand
größer, und RP sinkt kontinuierlich. |
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Das RP(t)
Diagramm zeigt diese Stufen der Ausscheidungsbildung schematisch. Ebenfalls
eingezeichnet sind die äußeren Spannungen, die man bräuchte um
diejeweils vorliegenden Ausscheidungen zu schneiden, bzw. mit dem
Orowan Prozeß zu
umgehen. |
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Es gibt ein deutliches Maximum bei
einer Spannung, die etwa dreimal höher
liegt als die ca. 130 MPa intrinsische Festigkeit des Materials. Das ist
ein beachtlicher Faktor! |
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Was würde passieren, wenn wir
die Temperung bei ca. 40 oC durchführen oder unser auf
maximale Festigkeit optimiertes Produkt in den Tropen längere Zeit
verwenden wollen? Vermutlich genau dasselbe - nur wird es entsprechend
länger dauern. Wieviel länger, können wir versuchen
abzuschätzen: |
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Der zeitbestimmende Prozeß ist
wahrscheinlich die Diffusion von Cu in Al. Wir können in
etwa davon ausgehen, daß dieselben Zustände erreicht sind, falls die
Cu Atome dieselben mittleren Distanzen zurückgelegt haben, d.h.
dieselben Diffusionslängen
L aufweisen. |
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Die Diffusionlänge
war
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Wir haben also für gleiche
Alterung |
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L(T1)
L(T2) |
= 1 = |
D(T1) · t1
D(T2) · t2 |
= |
t1 .
exp(HM/kT1)
t2 .
exp(HM/kT2) |
= |
t1
t2 |
· exp |
HM
k |
(1/T2 1/T1) |
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Der entscheidende Parameter ist also
die
Wanderungsenergie
des Cu Atoms in der Al Matrix. Hier wird hoffentlich deutlich,
warum Bildungs- und Wanderungsenergien so fundamental wichtige
Größen sind. |
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© H. Föll