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Wir haben
schon gesehen, daß
Versetzungen auf einem Gleitsystem durch Versetzungen anderer Gleitsysteme in
ihrer Bewegung behindert werden können. |
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Dies gilt ganz allgemein:
Versetzungen sind Quellen lokaler elastischer Spannungen und sie reagieren auf
Spannungen - das heißt sie "sehen" sich. Egal ob sie sich
abstoßen oder anziehen - sie tun sich schwer aneinander vorbei zu
kommen. |
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Kristalle mit hoher Versetzungsdichte müssen
demzufolge eine höhere
Fließspannung RP haben als Kristalle mit
niedrigen Versetzungsdichten. |
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Das ist leicht zu überprüfen: Wir
verformen eine Probe bis zu einem bestimmten Punkt und nehmen sie dann als
neue Probe. Von der ursprünglichen
Probe wissen wir schließlich auch nicht, was damit vorher schon alles
passiert ist. |
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Die Verformungskurven, die wir
erhalten werden, sehen etwa so aus: |
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Es klappt also: Proben, die viel Versetzungen
enthalten, sind "härter" als welche mit nur wenig
Versetzungen. |
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Aber Verformungsverfestigung ist
tückisch. Sie hängt nicht nur von allen möglichen Parametern ab,
sondern kann sich im Laufe der Zeit g a n z l a n g s a m
ändern - hier liegt eine der Ursachen für mechanische
Alterungsprozesse. |
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Theorien müssen sich auf mehr oder weniger
einfache Modelle beziehen - hier wird in der harten Forschung viel getan (und
viel gestritten). |
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Der allgemeinste und stark
vereinfachte Ansatz gibt für die notwendige Spannung tVV um Versetzungsbewegung in Anwesenheit
anderer Versetzungen aufrecht zu erhalten |
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| tVV » 0,2 · G · b ·
(rV)½ |
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Mit G = Schermodul, b
= Burgervektor; rV ist die
Versetzungsdichte. |
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Verformungsverfestigung ist uns allen geläufig.
Wer hat nicht schon eine Büroklammer so lange hin-und-her gebogen, bis sie
bricht. |
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Das ist das obige Experiment - nur daß wir
nicht ziehen, sondern biegen, also mehrachsige Spannungen bemühen. |
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Die Vorgänge bei sehr hohen
Versetzungsdichten werden maßlos kompliziert - früher oder
später erfolgt der Bruch. |
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Bisher haben wir nicht
berücksichtigt, daß nahezu alle reale Strukturmaterialien
Polykristalle sind. Die Frage ist
also: Wie überträgt sich die Verformung in einem Korn auf das
Nachbarkorn? |
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Können Versetzungen durch mehrere
Körner durchlaufen? Im Prinzip nicht! Die Zeichnung zeigt warum |
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Der Wechsel von einer Gleitebene zu
einer anderen über die Korngrenze hinweg ist nicht möglich. Was
allenfalls geschieht ist, daß eine Versetzung an der Korngenze absorbiert
wird, und eine neue Versetzung auf der anderen Seite emittiert wird |
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Verformung erfolgt jetzt so, daß jedes Korn
für sich auf die in seinen
Gleitsystemen vorliegende Spannung reagiert: d.h. jedes Korn verformt sich - im
Prinzip - individuell. |
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Da die Körner bald nicht mehr zusammenpassen
würden, treten an den Korngrenzen große Spannungen auf, die sich den
äußeren Spannungen überlagern und zusätzlich Verformung
bewirken, die den Zusammenhalt der Körner ermöglicht. |
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Letztlich sind Korngrenzen sowohl
sehr effektive Hindernisse für Versetzungen, als auch effektive Quellen.
In jedem Fall wird eine zusätzliche Spannung tKG benötigt, um Verformung des ganzen
Kristalls zu gewährleisten. |
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In einer simplen Näherung, der
Hall - Petsch -
Beziehung, gilt . |
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Mit kKG = Materialkonstante und
<d> =
mittlere Korngröße. |
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Ein feinkörniges Material ist also
"härter" als ein grobkörniges. |
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Die Spannungs - Dehnungskurven von
Polykristallen sehen naturgemäß ganz anders aus als die von
Einkristallen. |
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Der Beginn der plastischen Verformung ist nicht
sauber definiert - die kritische Fließspannung ist in einigen
"günstig" orientierten Körnern früher erreicht als in
anderen. |
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Die Versetzungsbewegung ist durch Korngrenzen von
Anfang an behindert - es gibt keinen "weichen"
Bereich I wie bei Einkristallen. Wir
erhalten die typischen Verformungsdiagramme realer
Materialien. |
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© H. Föll (MaWi 1 Skript)