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Grundsätzlich interessieren wir
uns jetzt für das Verhalten von Wellen in
Kristallen, wobei nur Wellen interessieren, deren Wellenlängen
l = 2p/|k| nicht sehr viel größer
sind als die Gitterkonstante a des Kristalls. Wir gewöhnen
uns schon mal daran, dass wir anstelle der Wellenlänge l zunehmend den Wellenvektor k
der betrachteten Welle verwenden. |
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Damit reden wir nicht über "Licht"
mit Wellenlängen im 1 µm Bereich; auch nicht über
ultraviolettes Licht mit Wellenlängen im 0,x µm Bereich, wohl
aber über Röntgenstrahlung und
"Materiewellen". |
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Warum diese Einschränkung? Weil Wellen mit
zu kleinen Wellenvektoren (und damit zu
großen Wellenlängen) die Periodizität des Kristalls gar nicht
spüren können (wir werden noch
sehen warum). Für diese Wellen ist der Kristall schlicht ein homogenes
Medium; für Lichtwellen z.B. hinreichend charakterisiert durch den
Brechungsindex n = (er)½ oder die
(relative) Dielektrizitätskonstant er. (Elementarformeln wie diese werden
übrigens nicht mehr erklärt!) |
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Wir haben schon viel über
Elektronenwellen gelernt, die als Lösung der Schrödingergleichung
(für das Modell des freien Elektronengases) im Kristall herumlaufen. |
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Jetzt fragen wir uns, was
geschieht, wenn wir Elektronen(wellen) von außen in den Kristall
"hineinschießen". |
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Die Antwort auf diese Frage wurde zuerst
theoretisch gegeben, heute ist sie in jedem
(Durchstrahlungs)elektronenmikroskop
(transmission electron microscope,
TEM) experimentell
implementiert. |
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Schauen wir uns das Prinzip des
TEM ein bißchen genauer an. (im Link gibt es
zusätzliche
Details). |
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In einer "Elektronenkanone" wird ein halbwegs
gebündelter Elektronenstrahl erzeugt. Dazu werden durch
Glühemission aus
einer Kathode Elektronen freigesetzt und elektrostatisch durch eine positiv
geladenen Anode beschleunigt. Mit "Wehnelt Zylindern" oder anderen
elektrostatischen oder magnetischen "Linsen" wird der erzeugte
Elektronenstrahl gebündelt und fokussiert. |
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Das generelle Prinzip wird auch in jeder Fernseh-
oder Monitor-Bildröhre genutzt - entscheidend für die
Wellenlänge der Elektronenstrahlwelle ist die Höhe der
Beschleunigungsspannung Ue; sie bestimmt Energie
Ee, Impuls pe, und
damit auch die Wellenlänge le
des Elektronenstrahls |
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Die Energie Ee ist
natürlich schlicht |
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d.h. die Elektronen im Elektronenstrahl haben
genau (± thermisches Rauschen im 1 eV Bereich) die Energie
in [eV] die der Beschleunigungsspannung entspricht - so war die
Energieeinheit [eV] schließlich definiert. |
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Diesen Elektronenstrahl jagen wir
durch die Probe hindurch (sie muß
dann natürlich sehr dünn sein; siehe unten). |
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Die Wechselwirkung des Elektronenwellenstrahls
mit der Struktur der Probe (inklusive der Defekte in dieser Struktur)
führt zu einer Modulation der Intensität (oder besser
Amplitudenquadrat) des austretenden Strahls an der Unterseite der Probe. |
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Die Intensitätsverteilung wird mit einem
elektronenoptischen System stark vergrößert auf den Bildschirm
projeziert - voilà, das Bild der Struktur! |
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Die Wellenlänge erhalten wir
sofort über die
de Broglie
Beziehung und über die
Beziehung zwischen
Energie und Wellenvektor, die wir vom freien Elektronengas kennen, und die
wir hier mit mehr Berechtigung anwenden dürfen als in einem Kristall. |
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| pe = |
· k |
= |
2p
le |
| Ee = |
2 · k2
2me |
= |
e ·Ue |
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Als Ergebnis
erhalten wir die schlichte (aber auch nicht-relativistische!) Formel |
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Damit sind
Zahlenwerte leicht zu errechnen: |
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| Ue [V]
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le [nm] |
| 10 |
0.388 |
| 1 000 |
0.0388 |
| 10 000 |
0.0123 |
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Gebräuchliche
Elektronenstrahlsysteme verwenden
typische Spannungsbereiche wie folgt: |
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| Cathode Ray Tube (Bildröhre) |
CRT |
U » 20 kV |
| RasterElektronenMikroskop |
REM |
U = (1 - 20) kV |
| TransmissionsElektronenMikroskop |
TEM |
U = (100 - 400) kV |
"High Voltage"
TransmissionsElektronenMikroskop
(diese Mikroskope sind immer als TEM aufgebaut) |
HVTEM |
U » (1 - 3) MV |
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Für übliche Spannungen sind
die Wellenlängen damit immer deutlich kleiner als die
Gitterkonstanten. |
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Neben den Elektronen können zur
Strukturanalyse auch Neutronen,
Photonen (d.h. also
Röntgenstrahlung)
und Atome eingesetzt
werden. |
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Die Wellenlängen ergeben sich nach der
Formel von oben; wir müssen nur die jeweilige Masse und statt e
·Ue die jeweilige Teilchenenergie einsetzen.
Für Neutronen und Atome erwarten wir aufgrund der sehr viel höheren
Masse (ungefähr Faktor 2 000) eine entsprechend kleinere
Wellenlänge. |
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Soweit es die Welleneigenschaften der
Teilchen betrifft, sind zunächst alle Teilchen "gleich" - wir
haben immer für die (Momentaufnahme) jeder ebenen Welle immer die Formel |
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Neben der in k
"versteckten" Wellenlänge, unterscheiden sich die diversen
Teilchenwellen aber grundsätzlich in der Art ihrer Wechselwirkung mit Materie. Und zwar
insbesondere in einer Art von Wechselwirkung die uns hier weniger interessiert,
nämlich in der Absorption. Wir
haben folgendes Verhalten: |
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Röntgenstrahlung durchdringt auch dickere
Proben (z.B. Ihren Körper); einige mm sind immer drin. Schwere
Atome absorbieren stärker als leichte, und energiereiche Strahlung kommt
weiter. Röntgenanlagen sind relativ billig, so um 100.000.
Fast jeder Arzt hat eine Röntgenanlage, und jedes
materialwissenschaftliche Institut hat mehrere. |
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Neutronenstrahlen; üblicherweise aus einem
Kernreakor "abgezapft", können sehr durchdringend sein, wiederum
sind leichte Elemente tendenziell weniger absorbierend. Allerdings können
hier kernphysikalische Spezialphänomene zuschlagen - bestimmte
Isotope
können sehr stark absorbierend wirken (das ist z.B wichtig für die
Steuerung eines Kernreaktors). In manchen Fällen kann man viele cm
eines Materials durchstrahlen. Neutronenstrahlen sind naturgemäß
extrem teuer; in Deutschland gibt es < 6 Einrichtungen an denen
"Neutronenstreuung" möglich ist. |
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Elektronenstrahlen werden in allen Materialien sehr
stark absorbiert, sie kommen nicht weit - Größenordnung
µm. Die Präparate für TEM müssen
dementsprechend sehr dünn sein - einige µm für
HVTEM und ca. 10 nm für höchste Auflösung. |
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Die Wechselwirkung von Welle und
Materie bietet 3 grundsätzlich verschiedene Arten von
Informationsbeschaffung über das Material: |
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1. Messung der lokalen Dicke/Materiedichte über die
Absorption. Das macht der Arzt in der Schattenprojektion des Körpers mit
Röntgenstrahlen - nicht weiter spannend. |
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2. Strukturbestimmung mittels
Beugungsphänomenen. Das entscheidende Stichwort ist
Interferenz - zwischen
Welle und periodischem Objekt. Dies ist die eigentliche Domäne der
Strukturbestimmung mit Wellen. |
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3. Direkte Strukturabbildung. Das ist die Domäne der
Elektronenmikroskopie, in der man ein Bild der Struktur enthält. Hinter
dem "Bild" steckt aber wiederum die Beugung der Wellen. |
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Die im folgenden abgeleiteten
Beziehungen zur Strukturbestimmung vernachlässigen die Absorption und
gelten für alle Wellen; sie sind
jedoch insbesondere nützlich für Elektronen- und
Röntgenstrahlen. |
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© H. Föll (MaWi 2 Skript)