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Ein Massenpunkt oder ein Körper ist nur dann im
mechanischen Gleichgewicht, wenn er sich im
gewählten Koordinatensytem nicht mehr bewegt; wenn also alle zeitlichen Ableitungen relevanter
Ortsgrößen (z.B. Koordinaten des Schwerpunkts, Winkel) = Null
sind. |
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Das ist dann, und nur dann der Fall, wenn die Summe aller Kräfte
und Drehmomente = Null ist. |
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Denn solange noch eine Kraft oder ein Drehmoment
auf einen Körper wirkt, wird er sich bewegen; er ist nicht im Gleichgewicht. |
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Der Einwand, daß man auf einen großen
Stein eine kleine Kraft wirken lassen kann ohne daß er sich bewegt, gilt
nicht, denn in der klassischen Mechanik
müssen wir natürlich auch die Reibungskräfte oder die
Reaktionskräfte der Unterlage mitzählen - und dann ist die Summe der
Kräfte wieder Null. |
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Da in den uns interessierenden
Fällen (ohne mechanische Reibung, die es atomar
schlicht nicht gibt), die
Kraft immer durch die
Ableitung des
mechanischen Potentials, d. h. der potentiellen Energie
U(x,y,z) , gegeben ist, muß im mechanischen
Gleichgewicht folgerichtig gelten |
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Dreidimensional
¶U
¶x |
= |
¶U
¶y |
= |
¶U
¶z |
= |
0 |
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Das bedeutet, daß in einer
Darstellung des Potentials über die Koordinaten (x,y,z),
oder, was gleichbedeutend ist, den Ortsvektor r,
Gleichgewicht überall dort vorliegt, wo U(r)
Extremwerte - Maxima oder Minima -
hat. |
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Wenn man sich das mal aufmalt
und kritisch anschaut, kann man noch einige sinnvolle Fallunterscheidungen treffen. |
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Auf ein Koordinatensystem wurde
verzichtet, da dies eine ganz allgemeine Darstellung sein soll. Die blaue Kurve
kennzeichnet den Verlauf eines Potentials im Raum - ganz symbolisch und
allgemein. |
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Und ein Potential ist eine Energie;
dargestellt ist also in diesem allgemeinen Fall eine Energie des Systems, hier ist es die potentielle Energie. |
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Die beiden grünen Massenpunkte (oder, wenn
wir die Darstellung symbolisch nehmen: Systeme), sind erkennbar nicht im Gleichgewicht; sie würden sich in
Pfeilrichtung bewegen. |
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Die roten Punkte sitzen an Stellen,
an denen die Ableitung der Potentialkurve = Null ist, d.h. per
definitionem an Gleichgewichtspositionen.
Wir können aber noch verschiedene
Gleichgewichtsarten unterscheiden, indem wir uns die Frage stellen, was in
einer gegeben Gleichgewichtsposition passieren würde, wenn man ein
bißchen stört. |
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Im tiefsten
Minimum, dem stabilen
Gleichgewicht, passiert im wesentlichen nichts. Eine Auslenkung des
Systems in jede Richtung führt zu Kräften, die das System in die
GG-Lage (ab jetzt kürzen wir Gleichgewicht gelegentlich mit GG ab) zurücktreiben.
Mit ein bißchen Energiedissipation, d.h. Abgabe von Energie
an andere Teilchen des Systems, kommt das System wieder im stabilen GG
zur Ruhe. |
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Das stabile mechanische GG ist also gleichzeitig der
Zustand mit der geringsten potentiellen
Energie. Unser System wird diesen Zustand anstreben; falls es in einem metastabilen Zustand "gefangen" ist, hilft
ein bißchen "Schütteln", d.h. Energiezufuhr; um es auf den
Weg zu schicken. Das ist die alte Aussage, daß Systeme zum Zustand
geringstmöglicher Energie
streben; die wir aber in der weiteren Betrachtung relativieren
müssen. |
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Dasselbe gilt zunächst im Nebenminum des metastabilen Gleichgewichts.
Falls wir aber die Störung zu groß machen, läuft uns das System
davon ins stabile Gleichgewicht. Wir sehen
auch, daß wir ein definiertes Maß an Energie brauchen, um von einem
metastabilen in ein stabiles Gleichgewicht zu kommen. Wir müssen mindestens soviel Energie zuführen, daß
wir den linken Berg erklimmen können. |
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Zwischen den beiden Tälern liegt ein
Maximum. Auch dort ist dU/dx = 0; es ist die Position des
labilen Gleichgewichts. Bei der
geringsten Störung wird das System ins stabile oder metastabile GG
umklappen. |
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In Bereichen, in denen das Potential überall
konstant ist, ist dU/dx überall = Null; bei
jeder Position ist indifferentes
Gleichgewicht gegeben. Bei einer kleinen Störung (immer mit
Energiedispersion gedacht), bleibt das System einfach in der neuen Position
stehen. |
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Wir erkennen sofort, daß diese
Betrachtung komplett übertragbar ist auf das
elektrische Potential und die damit
verbundene elektrostatische Energie sowie
auf eine Kombination beider Energien. Das
elektrostatisches GG ist
also mit der Betrachtung des mechanischen Gleichgewichts gleich
miterledigt. |
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Eine wichtige weitere Erkenntnis kann
damit gewonnen werden: |
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Hat ein System das mechanische
stabile Gleichgewicht erreicht, und ist es von der Außenwelt
abgeschlossen, wird sich nie wieder etwas
ändern. |
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Denn es sind keine Kräfte mehr da und es können auch keine mehr auftreten (es ist
kein Einfluß von außen erlaubt). |
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Wir verallgemeinern diese Erkennnis
probeweise erst einmal und postulieren: |
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Gleichgewicht
in einem System liegt dann vor, wenn sich ohne Eingriff von außen nie
wieder "etwas" ändert. Der
Begriff "Gleichgewicht" soll dabei auch Gleichgewichtsarten umfassen,
die wir erst kennenlernen werden. |
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Systeme im Gleichgewicht sind quasi
"tot"; und das Gleichgewicht ist
das, was ein System anstrebt - darüber kann man mal ein bißchen
nachdenken. |
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Betrachten wir nun nicht ein
Massepünktchen oder ein durch einen Punkt symbolisiertes System, sondern
ein System mit vielen unabhängigen
Massepunkten - ein Gas, eine Flüssigkeit, einen Festkörper - dessen
potentielle Energie überall konstant
ist, erhalten wir für das mechanische
GG folgende Aussage: |
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Im mechanischen
GG eines Systems von Massepunkten in einem konstanten Potential liegt
indifferentes GG vor; als Konsequenz
ist der Druck überall gleich
groß. Schaun' mer mal warum: |
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Bei einem Gas oder einer Flüßigkeit in
einem nicht zu großen Volumen sind die Massenpunkte - die Atome -
überall "gleich gern", denn überall ist
dU/dx = 0 (wenn man von dem im Vergleich zur kinetischen
Energie sehr kleinen Höhenabhängigkeit der potentiellen Energie mal
absieht, die in einem nicht zu großen Volumen keine Rolle spielt). |
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Sofern die Teilchen sich bewegen können -
bei Gasen und Flüssigkeiten also immer
- werden sie dann den Raum mit konstanter
Dichte ausfüllen. |
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Ihre potentielle Energie ist - immer im Mittel - konstant, die Gesamtenergie
sowieso, also muß auch die kinetische Energie (im Mittel) konstant
sein. |
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Wir haben hier gegenüber dem
simplen Bild eines im GG ruhenden Massepunkt eine erste Modifikation des
Begriffes des mechanischen Gleichgewichts: Wír
lassen für das GG auch noch konstante mittlere kinetische Energien
zu. |
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Wir beginnen also (zwangsweise) als wesentliche
Parameter eines Systems vieler Teilchen irgendwelche
Mittelwerte anzuschauen;
wir machen statistische Betrachtungen. |
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Zwangsweise deshalb, weil es weder möglich
ist, den ca. 1023 Teilchen in ein paar Liter Luft einzeln zu
folgen, noch wäre es sinnvoll falls man es könnte. |
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Druck ist
atomistisch nichts anderes,
als die auf eine Gefäßwand ausgeübte Kraft. |
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Diese Kraft kommt von der Impulsänderung der auf die Gefäßwand
aufprallenden Teilchen, und ist damit proportional ist zur Zahl der Teilchen
(gegeben durch die Dichte) die pro Zeiteinheit auf die Wand aufprallen und zu der mittleren kinetischen Energie der
Teilchen. |
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Sowohl Dichte als auch kinetische Energie sind
aber konstant - damit ist auch der Druck konstant. Und dies gilt für
jede "Testfläche", die wir
gedanklich irgendwo im Behälter einbauen. |
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Bei großen Gasvolumina, bei denen das
Gravitationspotential "oben" und "unten" merklich
verschieden ist - z.B. bei der Luftsäule über unseren Köpfen -
stimmt das natürlich nicht mehr: der
Druck nimmt mit der Höhe langsam ab. |
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Eine merkwürdige Frage kommt hoch: Wieso
fallen die Luftmoleküle nicht alle "herunter"? Auch das hat was
mit Unordnung zu tun, wie wir später sehen werden. |
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Wie ist das nun bei Festkörpern, bei Kristallen? Was bedeutet Druck
in einem Kristall? |
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Schauen wir uns das Potential an: |
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Das Potential ist im oberen Teil der
Zeichnung gezeigt, es ist periodisch.
Unsere Potentialtöpfe vom
Kapitel 2.2 und
Kapitel 2.3
überlagern sich, wie dort schon besprochen. |
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Die Atome üben durch Bindungen Kräfte
auf ihre Nachbarn aus, können also nicht ganz unabhängig voneinander
in ihren Potentialtöpfen vibrieren. |
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Das kann man besser sehen, wenn man statt
Potentialtöpfen symbolische "Federn" zwischen den Atomen
einführt wie im unteren Teil der Zeichnung gemacht. |
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Die Atome werden alle irgendwie um
das Potentialminimum schwingen, d.h. kinetische Energie besitzen, aber im Mittel sich alle im Potentialminimum
aufhalten. |
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Die Kraft pro
Fläche - das ist der Druck - den Atome auf ihre Nachbarn
ausüben, ist also im Gleichgewicht
überall gleich groß; wie oben behauptet. Denn nur dann können
die Atome im Mittel im Potentialminimum
sitzen. |
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Unter Normalbedingungen (Atmosphärendruck),
wird der Kristall solange zusammengedrückt - die Bindungsabstände
werden minimal kleiner - bis Druckausgleich erfolgt, d.h. im Kristallinnern der
Druck gleichgroß ist wie der äußere Druck. |
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Wir verschärfen damit die
Aussage von oben noch etwas uind merken uns:
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Mechanisches Gleichgewicht in
einem System vieler Teilchen ist gleichbedeutend mit überall gleichem,
d.h. konstantem Druck. |
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Mechanische Systeme in Ruhe sind aber
zu einfach, um die Welt im Großen zu verstehen. Wir müssen auf jeden
Fall noch Bewegung mitnehmen, und das auch
noch bei Systemen die aus vielen
Massenpunkten, d.h. aus Atomen oder Molekülen bestehen. |
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Da wir aber nicht die individuellen Schicksale
vieler Massepunkte verfolgen wollen (oder können), müssen wir jetzt
geeignete Mittelwerte einführen, die
das Systen hinreichend beschreiben. |
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Damit betrachten wir die Temperatur eines Systems - wir müssen
jetzt das thermische Gleichgewicht
definieren und einführen. |
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Nehmen wir es als Erfahrungstatsache, daß
abgeschlossene Systeme (ohne
Energieabgabe an die "Außenwelt", oder Energiezufuhr von der
"Außenwelt") im thermischen
GG nach ausreichend langer Zeit überall dieselbe Temperatur haben. (Manchmal nennt man
diesen Satz den "0. Hauptsatz
der Thermodynamik"). |
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Bringt man zwei Körper mit der Temperatur
T1 bzw. T2 in
"thermischen" Kontakt, wird sich die Temperatur allmählich
ausgleichen; nach genügend langer Zeit hat der Körper die Temperatur
T3, die zwischen T1und
T2 liegen wird. |
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Da Temperatur,
wie wir wissen, nur ein
Maß für die mittlere ungeordnete kinetische
Energie der Atome oder Moleküle eines Gases, einer
Flüßigkeit oder eines festen Körpers ist, heißt das,
daß die die mittlere Geschwindigkeit,
mit der sich die Teilchen in einem Gas oder
einer Flüßigkeit bewegen (oder um eine Achse rotieren, oder in einem
Festkörper um ihre Gleichgewichtspositionen schwingen), überall
(im Mittel) konstant ist. |
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Das "ungeordnet" ist zwar trivial, aber wichtig.
Gibt man allen Atomen eines Körpers, z.B eines Autos, zusätzlich zu
ihrer ungeordneten (Vibrations)bewegung noch eine Geschwindigliet die für
alle Atome nach Betrag und Richtung identisch ist, wird das Auto deswegen nicht
heißer - es fährt nur und steht nicht still. |
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Wir nehmen diese Aussage als
Bedingung für das thermische
Gleichgewicht. Wie beim mechanischen Gleichgewicht interpretieren wir
das thermische Gleichgewicht so, daß es von sich selbst überlassenen
Systemen immer angestrebt wird. |
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Diese Aussage folgt nicht direkt aus dem
mechanischen Gleichgewicht. Es kann sehr wohl der Druck überall konstant
sein und die Temperatur ist verschieden, oder auch umgekehrt. |
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Wir schließen
daraus: Sich selbst überlassene Systeme streben mechanisches und thermisches Gleichgewicht an. |
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Wir nehmen nun das bisher Gelernte
und wenden es auf ein Gas mit zwei
Teilchensorten an. |
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Nehmen wir an, wir haben H2 und
O2 zusammengebracht indem wir ein Ventil zwischen zwei
Gasbehältern öffnen, die vor dem Öffnen den Druck
pO und pH sowie die
Temperaturen TO und TH
hatten. Elektrische Felder sollen nicht vorliegen. |
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Es wird sich mechanisches und thermisches Gleichgewicht einstellen, d.h. Druck und
Temperatur werden sich ausgleichen und über kurz oder lang überall
konstant sein. |
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Aber ist dieser Zustand ein stabiles
"globales" Gleichgewicht im Sinne
der früheren Definition? Gibt es jetzt keine Möglichkeit mehr, daß sich
irgendetwas ändert? |
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Aber ja doch! Ein bißchen Energiezufuhr (eine
kleine Störung) genügt um einen großen
Knall auszulösen; denn wir haben Knallgas hergestellt. |
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Eine Menge Energie geht "nach
außen", die dem System jetzt fehlt - d.h. es hat einen energetisch
viel tieferen Platz gefunden; es konnte in einer geeigneten Potentialdarstellung noch sehr viel
tiefer sinken. |
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Denn es konnte noch eine
chemische Reaktion
stattfinden; und erst nachdem aus Knallgas Wasser entstanden ist, wird sich
nichts mehr ändern; erst dann ist "globales" Gleichgewicht
erreicht. |
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Wir müssen also eine weitere
Gleichgewichtsart einführen, das chemische Gleichgewicht, um alle
Änderungsmöglichkeiten unseres Systems abzudecken. |
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Der Begriff "chemisch" muß in diesem Zusammenhang
nicht stören; wir werden jetzt keine Chemie treiben. Der Begriff ist
historisch entstanden, besser wäre eigentlich der Ausdruck "Teilchenzahlengleichgewicht"; denn was sich
ändert sind die Zahlen der Teilchen - in unserem Beispiel der
H2, O2 und H2O
Moleküle. |
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Aber auch wenn sich zum Beispiel die Zahl der
Elektronen in einem mikroelektronischen Bauelement ändert, ist das
chemische Gleichgewicht gefragt -
Elektronen sind Teilchen, und es heißt nun mal so. |
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Wenn wir Wasser unter 0oC
abkühlen, ändern sich auch die
Teilchenzahlen: Aus H2O Teilchen in der Dampfphase werden H2O Teilchen in
der Festphase - im Sinne der
Gleichgewichtsthermodynamik sind das verschiedene Teilchen. |
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Das chemische Gleichgewicht ist also
das wirklich interessante Gleichgewicht. Denn der Weg eines Systems ins
chemische Gleichgewicht enthält die nichtrivialen Systemänderungen, die
Möglichkeiten, über Änderungen von Teilchenzahlen die Eigenschaften von Materialien zu beeinflussen. Es
enthält weiterhin auch praktisch alle Materialänderungen, die man mit
dem Stichwort "Altern" beschreibt. |
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Grund genug, um sich das chemische Gleichgewicht
im nächsten Kapitel genauer anzuschauen. |
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© H. Föll (MaWi 1 Skript)