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Wir schauen uns nochmals die
Eigenschaftsliste
etwas genauer an, die schon in Kapitel 1.1
erwähnt
wurde. Die dort angesprochenen mechanischen Eigenschaften kann man noch etwas
genauer fassen, z.B. mit den Stichworten: |
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Elastizität; bei einem Schwert zum Beispiel
beschreiben wir damit wie weit es sich biegen läßt ohne zu brechen
oder sich zu "verbiegen". |
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Druckfestigkeit; d.h. bei welchem Druck
"passiert was" - in der Regel Verformung oder Bruch. |
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Zugfestigkeit; ; d.h. bei welchem Zug "passiert
was" Das ist nicht dasselbe wie Druckfestigkeit; Beton, z.B., hat keine
große Zugfestigkeit, wohl aber eine hohe Druckfestigkeit. |
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Biegefestigkeit - irgendwie mit der
"Elastizität" gekoppelt |
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Kriechfestigkeit; d.h. der Grad an l a n g s a m e r
Verformung bei konstanter Last. Schrauben an Billigfahrrädern, z.B., sind
nicht sehr kriechfest; sie werden l a n g s a m länger. Nach einiger Zeit
sind sie lose, ohne daß die Mutter
sich gedreht hat. |
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Duktilität , d.h. die
"Schmiedbarkeit" oder plastische Verformbarkeit. Glas hat praktisch
keine Duktilität, Weicheisen oder Camembert eine hohe. |
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Bruchfestigkeit. Einerseits ist intuitiv klar was
gemeint ist, anderseits wird es schwer sein, eine saubere quantitative
Definition zu finden. |
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Verschleißfestigkeit, d.h. Materialabtrag
beim Gebrauch durch "Reibung". |
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Wechselverformungsfestigkeit; d.h. das Vermögen
wechselnder Belastung, z.B. Vibrationen, zu widerstehen. |
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Ermüdungsfestigkeit; d.h. die Fähigkeit,
der berüchtigten Materialermüdung, die häufig in
den Zeitungen erwähnt wird, widerstehen zu können. Das hat auch was
mit der Wechselverformungsfestigkeit und Kriechfestigkeit zu tun. |
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Alle diese und noch viel mehr
mechanische Eigenschaften kann man für ein gegebenes Material messen und darüberhinaus
noch als Funktion der Temperatur anschauen. Trotzdem hat man damit ein Material
in Bezug auf seine mechanischen Egenschaften noch lange nicht vollständig
charakterisiert. Warum das so ist, überlegen wir uns mal am Beispiel eines
Schmieds; wer die Oper "Siegfried" von Richard
Wagner kennt, denkt
an das Schmieden von Siegfrieds Schwert. |
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Siegfried schmilzt das Metall (richtiger: die Legierung) und
gießt es dann in die Schwertform.
Das stimmt aber gar nicht!
Trotzdem tun wir mal so - heute ginge es. |
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Für einen Chemiker ist die Sache damit
gelaufen. Das Material des Schwerts ist eindeutig gegeben; bei Wagner (dort
wird es "Stahl" genannt, ein Begriff den Siegfried eher nicht kannte)
wäre es viel Eisen mit ein bißchen absichtlich zugemischtem
Kohlenstoff und noch ein ganz klein wenig (unabsichtlich) von diesem und jenem,
d.h. von Verunreinigungen. |
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Die mechanischen Eigenschaften des frisch
gegossenen Schwertes (nach dem Abkühlen) sind meßbar und definiert.
Siegfried weiß aber (auf Grund der weitergegebenen Erfahrung der
Schmiede), daß es zum Drachentöten so nicht taugt - es würde
beim ersten Hieb zerspringen da es ziemlich spröde ist. |
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Also macht er das, was jeder Schmied tut: Er
paßt auf, daß das frisch gegossene Schwert nicht zu schnell und
nicht zu langsam abkühlt, dann macht er es wieder heiß, klopft mit
dem Hammer darauf rum, hält es zischend ins kalte Wasser (oder Öl?),
klopft noch ein bißchen drauf rum, macht es vielleicht nochmal
heiß, usw. Kurz gesagt: er schmiedet sein Werkstück. |
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Wenn er fertig ist, hat sich die Zusammensetzung
des Schwerts überhaupt nicht geändert, es ist chemisch genau das, was
es vorher war. |
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Aber die Eigenschaften sind andere: es ist nicht
mehr spröde, sondern elastisch und fest. Es bricht nicht so leicht,
trotzdem kann man kräftig draufhauen, ohne daß es gleich eine
Scharte hat. |
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Die Frage ist also: Was hat sich
durch das Schmieden geändert, so daß zwar die Eigenschaften sich
stark verbessert haben, aber nicht die chemische Zusammensetzung? |
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Die Antwort ist: Das Gefüge, d.h. die exakte Anordnung der beteiligten
Atome im Material. Sind die Kohlenstoffatome beispielsweise statistisch im
Eisen verteilt, oder bilden sie kleine Agglomerate, die im Eisen stecken?
Kugelförmige oder plättchenförmige oder ? - förmige
Agglomerate? All das und noch viel mehr spielt eine Rolle für die exakten
mechanischen Eigenschaften eines Materials. |
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Es ist in diesem Zusammenhang ganz
interessant zu wissen, daß die Menschheit erst seit ca. 1930
versteht, was beim Schmieden passiert, obwohl sie die Schmiedekunst seit
einigen tausend Jahren kennt. |
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Die Elektrizität wurde vergleichweise
ruck-zuck verstanden: Zwischen Voltas Experimenten mit Froschschenkeln etc. und
den allumfassenden Maxwell-Gleichungen liegen keine 100
Jahre. |
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Sind
Materialwissenschaftler also
dümmer als Elektrotechniker? |
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© H. Föll (MaWi 1 Skript)