Psychologie und Materialwissenschaft

Diese Seite ist als Anregung gedacht. Nachfolgend ein paar Beispiele aus meiner Wahrnehmung und Erinnerung. Alle Lernenden und Gelegenheitsbesucher sind eingeladen, am Aufbau dieser Seite mitzuwirken. Kommentare zu den Beispielen und eigene Beiträge sind willkommen.
Beiträge an: H. Föll
 
Der Gebrauchswert eines Materials bemißt sich manchmal nicht nach seinen "objektiven" Eigenschaften, sondern nach seinem emotionalem oder psychologischem Wert für Menschen. Beispiele sind
Edelsteine; insbesondere der Diamant. Künstliche Rubine oder andere Edelsteine, die man relativ leicht im Labor herstellen kann, haben keinen "Wert".
Eine bestimmte nichtrostende Stahlsorte, obwohl viel billiger als Edelstahl, konnte sich am Markt nie durchsetzen. Ihre Rostfreiheit beruht auf einer passivierenden Oxidschicht - wie beim Aluminium. Nur, im gegensatz zu Al, ist die Oxidschicht nicht farblos sondern rostrot - der Stahl sieht aus wie komplett verrostet. Erklärungen helfen nicht; niemand kauft das Zeug.
Etwas subtiler ist die Psychologie bei den Halbleitern. Die Silizium Gemeinde (aus Si macht man Chips; aber es leuchtet nicht) und die Galliumarsenid Gemeinde (aus GaAs macht man Optoelektronik, z.B. Leuchtdioden und Laser und Chips - aber nur ganz einfache und trotzdem teure) sind recht säuberlich getrennte Gruppen - man bekennt sich zu dem einem Material oder zu dem anderen. Die Si - Fanatiker habe beispielsweise den schönen Spruch geprägt "GaAs ist das Material der Zukunft und wird es auch bleiben".
Magnesium hat ein schlechtes "Image" - es brennt! Aber Al brennt auch; selbst Eisenpulver brennt ganz gut. Es muß nur ein bißchen heißer sein. Nur gab es mit Mg einige spektakuläre Unfälle in früheren Jahren. Als Resultat macht Audi schwer Werbung mit seiner Al-Karosserie, während Daimler-Benz eher schamhaft verschweigt, daß in den Sportwagen beträchtliche Mengen Mg eingebaut sind!
Verpackungskunsstoffe müssen eingefärbt werden - insbesondere die "recycelten". Niemand kauft Produkte in den grau-grünen Originalfarben - obwohl sie umweltschonender wären.
 

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© H. Föll (MaWi 1 Skript)