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Wir steigen eine Höhe
h die Treppe hoch und haben die potentielle Energie U = m · g
· h gewonnen (g = Erdbeschleuningung, m =
Masse). |
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Genauer gesagt war es mechanische
potentielle Energie; außererdem haben wir ohne nachzudenken den
Nullpunkt der Höhenskala auf die
Ausgangshöhe gelegt. Wir befinden uns jetzt auf dem Potentialniveau oder
kurz auf dem Potential U(h); man sagt
auch wir "haben" dieses
Potential. |
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Der Zuwachs an Potential oder
potentieller Energie kommt von einer Arbeitsleistung = Kraft (F)
mal Weg (r), oder genauer gesagt Integral
Fdr. Nur wenn der Wert des Integrals vom Anfang zum
Endpunkt vom Weg unabhängig ist können wir von einem Potential reden.
Für U = m · g
· h gilt das - die potentielle Energie, die wir nach
Bewältigung des Höhenunterschieds h gewonnen haben,
hängt nicht davon ab, ob die Treppe steil oder flach ist, Kurven hat oder
gerade ist. |
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| U(h) = |
rh
ó
õ
r0 |
F(r) |
· dr |
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Nur wenn das Integral
Fdr vom Anfang zum Endpunkt vom Weg unabhängig ist
können wir von einem Potential reden. Für U = m · g
· h gilt das - die potentielle Energie, die wir nach
Bewältigung des Höhenunterschieds h gewonnen haben,
hängt nicht davon ab, ob die Treppe steil oder flach ist, Kurven hat oder
gerade ist. |
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Dieser Link erklärt
das präzise und mathematisch. Man kann sich das anschauen, muss aber
nicht. |
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Jeder und jedem ist hoffentlich
klar, dass die Formel U = m · g
· h sich nicht direkt aus
obigem Integral ergibt (die Gravitationskraft ist ja proportional zu
(m1·m2)/r2),
sondern nur eine Näherung für kleine h darstellt. Wem
das nicht klar ist sollte unbedingt die erste Aufgabe der
einfachen Fragen
machen |
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Wenn wir ein bißchen
verallgemeinern, haben wir gegen die von der Gravitation stammenden Bindungskräfte zwischen der Erde und einem
Menschen, uns ein bißchen weiter vom Bindungspartner "Erde"
entfernt. Der "Bindungsabstand" hat sich vergrößert. |
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Die von der Gravitation herrührende
Bindungskraft möchte uns eigentlich zum Erdmittelpunkt ziehen. Wir
kämen erst zur Ruhe wenn die Schwerpunkte der beiden Körper den
Abstand Null haben. Das klappt aber nicht, denn sobald wir auf dem
"Boden" stehen verhindert eine sehr starke abstoßende Kraft, die bei einem bestimmten
Abstand r0 zwischen Erdmittelpunkt und
Massenschwerpunkt exakt gleich groß ist wie die anziehende
Gavitationskraft, dass wir weiter Richtung Erdmittelpunkt fallen |
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Zwischen den beiden Körpern Erde -
Studierender stellt sich der Gleichgewichtsabstand r0 =
rErde + rStudi » rErde ein; die Summe aus den
"Radien" der beiden Partner. |
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Wollen wir den Abstand um ein Dr
verringern, müssen wir, wie unten
gezeigt, erheblich mehr Arbeit investieren im Vergleich zu einem +Dr = h im obigen Beispiel. |
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| Aus "Asterix und die Normannen", Copyright Dargaud S.A. und
EHAPA Verlag |
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Wir betrachten jetzt ein NaCl
Molekül; die Bindungspartner sind jetzt die Atome oder besser Ionen. Das
Cl Atom hat sein
überschüssiges Elektron dem Na Atom übergeben, das gerne eins mehr hätte;
beide liegen jetzt als Na+ und Cl-
Ionen vor. |
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Zwischen den Ionen wirkt jetzt nicht
nur die (vollständig vernachlässigbare) Gravitation, sondern die
anziehende Coulombkraft als die
Bindungskraft, die das Molekül zusammenhält. |
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Aber auch hier fallen die Zentren
oder Ladungsschwerpunkte der Ionen
nicht aufeinander, sondern arrangieren sich ebenfalls in einem
Gleichgewichtsabstand r0 = r1 +
r2; die ri sind die jeweiligen
Ionenradien, die jetzt aber ungefähr
gleich groß sind. |
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Wollen wir die beiden Ionen
auseinanderbringen, d.h. den Abstand r = ¥ einstellen, müssen wir dazu die Arbeit
U leisten; es gilt (mit q = Ladungen der Ionen,
e = Elementarladung = 1,602 · 1019 C , e0 = electrische Suszeptibilität des
Vakuums = 8,854 · 10 12 As/Vm): |
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| U¥ = |
¥
ó
õ
r0 |
q1 · q2
4p · e0
· r 2 |
· dr |
= |
e2
4p · e0
· r0 |
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Wir haben damit die gesamte Arbeit
ausgerechnet, die man braucht um die beiden Ionen gegen die Coulombkraft
vollständig zu trennen. |
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Wer auch nur
das geringste Problem mit dieser Gleichung hat, tut gut daran, die Fragen und
Übungen zu diesem Modul sehr sorgfältig durchzuarbeiten. Wir
konzentrieren uns in dieser Vorlesung auf das grundsätzliche
Verständnis, und nicht auf's "Rechnen". |
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Wenn wir das
Integral für einen beliebigen Abstand r >
r0 ausrechnen, ist das die zu leistende Arbeit um den
Abstand von r0 auf r zu erhöhen.
Das ist wie oben bei der Gravitation dann die potentielle Energie oder das
Bindungspotential der anziehenden
Coulombkräfte im Abstand r. Zeichnen wir einen schematischen
Graphen, sieht das so aus wie im Bild unten links gezeigt. |
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| Anziehendes Coulombpotential |
Anziehendes
Coulombpotential
und zugehörige Kraft |
Anziehendes Coulombpotential
und abstossendes Potential |
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Jetzt betrachten wir
mal das inverse Problem: Der
Potentialverlauf zwischen zwei wechselwirkenden Körpern sei von Gott oder
seinem Stellvertreter auf Erden (für Studis ist das der Professor oder die
Professorin) gegeben, wie in der Kurve im obigen Bild links. Wir interessieren
uns jetzt für die zugehörige Kraft F zwischen den
Körpern. |
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Wie das geht sollte
klar sein; wir haben |
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| F = |
dU(r)
d r |
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F = |
grad[U(r)] |
=
U(r) |
also
| Fx = |
¶U
¶x |
, |
Fy = |
¶U
¶y |
, |
Fz = |
¶U
¶z |
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Im rechten und unteren Teil der
Gleichung sind wir dreidimensional geworden; alles
was wir tun müssen ist F und r
als Vektoren zu schreiben. (Geht nur mit Unterstrich in HTML). |
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Wenn man also eine Potentialkurve hat
wie im Bild oben links gegeben, kann man durch (graphisches) Differenzieren
sofort eine Kraftkurve (schematisch) einzeichnen; das ist im mittleren Bild gezeigt. |
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Wir betrachten jetzt den Fall, dass
die beiden Ionen sich wieder lieb haben und möglichst dicht aufeinander
hängen wollen. |
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Das geht aber nicht so einfach.
Kommen sie sich zu nahe, beginnt eine sehr stark abstoßende Kraft zu
wirken, die mit betragsmäßig größer werdendem Dr zu kleineren Abständen erfahrungsgemäß sehr schnell (= mit hoher
Potenz von Dr) gößer wird.
Man kann zwei Körper = 2 Atome nicht ineinanderschieben! |
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Diese abstoßende Kraft ist im
Übrigen dieselbe, die die Gravitation daran hindert, uns zum
Erdmittelpunkt zu ziehen. |
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Wie lautet die
Formel für die abstoßende Kraft mit der wir dann das
Abstoßungspotential berechnen können? Die Antwort auf diese Frage
ist symptomatisch für die Materialwissenschaft: |
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Es gibt oft keine einfachen Formeln für einfache
Tatbestände.
Aber:
Es gibt manchmal sehr einfache Formeln oder Graphiken für sehr komplexe
Situationen. |
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Zur Berechnung der abstoßenden
Kraft zwischen Atomen / Ionen braucht man die Quantentheorie. Es gibt dann i.d.R. keine
einfachen Formeln mehr, oft gibt es überhaupt keine
"hinschreibbaren" (= analytische) Formeln mehr. Das heißt aber
nicht, dass die zugrundeliegenden
Phänomene schwierig sind! |
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Wir behelfen uns hier schlicht damit,
dass wir das abstoßende Potential so hinzeichnen wie es ungefähr
aussehen muss. Das ist im rechten Teil des obigen Bildes getan. |
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Die Kraftkurve dazu denken wir uns (bzw. machen
das in der Übung); damit werden auch die Vorzeichen klar. |
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Jetzt kommt der entscheidende
Schritt: Potentiale darf man einfach (vorzeichenrichtig) addieren. da sie vom
Weg unabhängig sind. Wir tun das mal (graphisch) und bekommen für das
gesamte Bindungspotential von Na+
Cl (und qualitativ auch für jedes andere
Ionenpaar) die unten gezeigte Kurve. |
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| Bindungspotentialkurve
für Ionen |
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Wir haben eine
Potentialkurve mit einem Minimum bei
U0. In einem solchen Fall reden wir immer von einem
Potentialtopf! |
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Wir können
U0, den Wert des Bindungspotentials im Minimum,
mit Fug und Recht auch die Bindungsenergie
der Ionen nennen. Um die Ionen zu trennen
(Abstand auf "Unendlich erhöhen) muss man den Betrag von
U0 aufbringen (Achtung!
U0 ist eine negative Zahl; Bindungsenergien gibt man
aber gern als positive Zahl an). |
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U0 ist allerdings noch
nicht die Bindungsenergie des NaCl Moleküls. Warum? Darüber sollte man erst
mal selbst nachdenken.
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Wir machen jetzt eine leicht zu
verstehende Verallgemeinerung mit weitreichenden Folgen. |
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1. Wir nehmen viele Ionen in einer Fläche und nicht nur zwei
wie oben. Falls NaCl eine atomare Schicht bilden würde, sähe
das z.B. (halbwegs massstabsgetreu) wie folgt aus: |
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| Massstabsrichtige NaCl Schicht |
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Wenn wir jetzt für das zentrale
Na+ Ion die Arbeit ausrechnen um es (nach "oben" )
zu entfernen, müssen wir "einfach" nur alle Coulombkräfte
aufaddieren als Funktion des jeweiligen Abstandes (durch die Kreise markiert)
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Wir haben eine Folge von anziehenden
und abstoßenden Kräften. Falls wir den zweidimensionalen Kristall
gleich ins Unendliche ausdehnen (schwierig zu zeichnen) bekommen wir eine
unendliche Reihe, die aufzusummieren wäre. Das ist mathematisch sehr
anspruchsvoll, aber es geht. |
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Was wir erhalten ist ein Potenial das
graphisch genauso aussieht wie das im entsprechenden Bild für zwei Ionen gezeigte. Nur die Zahlen an den Achsen
würden sich etwas ändern. Da wir schlauerweise keine eingezeichnet
haben, ändert sich erstmal gar nichts. |
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2. Wir gehen
noch einen Schritt weiter. Wir nehmen viele Ionen, aber jetzt sogar dreidimensional angeordnet - halt den realen
NaCl Kristall. |
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Es ist jetzt nicht so klar, wie wir ein Ion
entfernen. Das muss uns aber keine Sorgen machen, denn das zugehörige
Potential ist vom Weg unabhängig. |
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Die Berechnung wäre ähnlich wie oben,
nur wird die unendliche Folge von abstoßenden und anziehenden
Kräften, über die integriert werden muss, noch komplizierter; mehr
dazu im Link |
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Wir müssen das aber gar nicht selber tun -
Herr Madelung (und
viele nach ihm) haben es schon für uns getan. Das Ergebnis ist trotz sehr
trickreicher Mathematik verblüffend einfach: |
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Coulombpotential für ein
Ion des Na+ - Cl Moleküls |
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U(r) = |
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A'
|r| |
| |
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Coulombpotential für ein
Ion des Na+ - Cl- Kristalls |
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U(r) =
|
aM · |
A'
|r| |
|
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Die Konstante A' ist
uns von der Übung her
bekannt (??), der Faktor aM
heißt Madelungkonstante. |
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Der exakte Wert der Madelungkonstanten hängt
natürlich von den Ionensorten und den damit verknüpften
Bindungslängen sowie der dreidimensionalen Anordnung ab. Für
Na+ - Cl haben wir zum Beispiel aM = 1.748. Im Allgemeinen liegt die
Madelungkonstante zwischen ca. 1.5 und 4.5; genaue Werte gibt's
im Link. |
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Das bedeutet erstmal, dass ein Ion im Kristall
aM mal fester gebunden ist als im Molekül. |
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3. Was uns für das
anziehende Potential recht war, muss auch für das abstoßende
Potential gelten. Versuchen wir, ein Ion in einem NaCl Kristall dichter
auf einen Nachbar zu drücken, wird die abstoßene Kraft mit
abnehmendem Abstand sehr schnell anwachsen; das zugehörige
"abstossende" Potential Uab sieht
schematisch aber nicht anders aus als oben gezeigt. |
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Um eine halbwegs passende Formel zu
haben beschreiben wir es als Uab » B/rm. Wir haben damit
zwei noch unbestimmte Konstanten B und m
eingeführt, über die wir noch nichts wissen, außer dass
m >>1 sein sollte. |
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Damit haben wir für das Bindungspotential
des Na+ - Cl und damit auch für alle
Ionenbindungen die (ungefähre) Formel |
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| Uion(r) =
|
B
rm |
aM · |
A
r |
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In dieser Allgemeinheit gilt das außerdem
nicht nur für Na+Cl, sondern für
alle Ionen in allen Ionenkristallen. |
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Bevor wir weiter verallgemeinern,
müssen wir noch schnell die Frage klären, warum wir betont haben,
dass wir über das Bindungspotential des Na+ -
Cl reden, und nicht über Kochsalz, NaCl. |
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Einfach: Bevor wir Na+ und
Cl haben, müssen wir erst mal Na und
Cl ionisieren. Das geht
nicht ganz ohne Energie. Zwar hat das Na Atom ein Elektron "zu
viel", und ein Cl Atom ein Elektron "zu wenig", aber
einfach so wird das Na Atom sein überschüssiges Elektron nicht
hergeben, und das Cl Atom auch nicht eines anlagern. Die enge Bindung
zwischen A und B beginnt sozusagen mit einem Flirt, in dem
erstmal eine kleine Aufmerksamkeit (ein Elektron) überreicht wird. Nur
wenn der prospektive Partner das Geschenk annimmt (= bindet), geht's
weiter. |
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Wir beschreiben die Ionisation
deshalb durch die einfachen Beziehungen: |
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| Na |
+ |
5,14 eV |
Û |
Na+ |
+ |
e |
| Cl |
|
3,61 eV |
Û |
Cl |
|
e |
| |
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| Besser formuliert. |
| Cl |
+ |
3,61 eV |
Û |
Cl |
+ |
e |
| |
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| Gesamtbilanz |
| Na + Cl + 1.43 eV |
Û |
Na+ |
+ |
Cl |
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Damit haben wir auch schon zwei
Kennzahlen von Atomen kennengelernt: |
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Die Ionisationsenergie I =
Energie, die es braucht um einem Atom ein Elektron abzutrennen:
AAtom + I =
A+Ion |
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Nebenbei haben wir noch unsere
Hauptmaßeinheit für Energien definiert: das Elektronenvolt [eV]. Dazu machen wir
eine extrem einfache schnelle Übuung: |
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Die Elektronenaffinität A
definiert nach Aion + A =
AAtom. Man kann das als Energie sehen, die frei wird wenn
ein neutrales Atom ein Elektron bindet, oder als die
"Ionisationsenergie", die Abtrennenergie, für das negativ
geladene Ion. |
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Hier treffen wir auch zum ersten Mal auf den
1. Hauptsatz der
Materialwissenschaft : |
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Mit Gewalt kann man alles kaputtmachen
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Man kann mit Gewalt - d.h. mit hinreichend viel
Ionisationsenergie jedem Atom ein Elektron
wegnehmen. Man kann aber Atome, die kein zusätzliches Elektron haben
möchten, nicht zwingen eines zu binden. |
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In anderen Worten: Die Ionisationsenergie ist
immer eine positive Zahl; die
Elektronenaffinität kann in Prinzip aber auch negativ werden. Das
würde bedeuten, dass man Energie gewinnt (und nicht hineinstecken muss) um
einem negativ geladenem Ion sein Elektron wegzunehmen, oder schlicht, dass das
Elektron sofort "von allein abfällt". Da es in diesem Fall keine
negativ geladenen Ionen geben kann, ist die Angabe einer
Elektronenaffinität in diesen Fällen (z. B. für alle Alkali und
Erdalkali Elemente (warum???)) sinnlos. Mehr dazu in
diesem
Link. |
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Von dem Bindungspotential
U0 der Ionen,
wie oben angegeben, müssen wir also noch
die Bilanz der Energien abziehen, die man zunächst braucht um aus Atomen
Ionen zu machen. |
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Das verschiebt aber nur den Nullpunkt der
entsprechenden Potentialkurven - den wir schlauerweise nirgendwo eingezeichnet
haben. Auch die Formel können wir beibehalten solange wir keine
Zahlenwerte angeben. |
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Damit haben wir "eigentlich" die
Bindung reiner Ionenkristalle schon abgehandelt. Wir werden uns das aber noch
ein bißchen näher ansehen. Vorher machen wir aber noch den
nächsten Schritt in Richtung Verallgemeinerung: |
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4. Was für die Anziehung,
also die Bindungskräfte zwischen zwei Ionen gilt, läßt sich
jetzt auf jeden Fall von Bindung
verallgemeinern. |
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Was immer die Anziehung bewirkt und zur Bindung
führt - z. B. für die Cl-Atome im Cl2 Gas -
muss ein Potential Uan haben, das mit kleiner
werdendem Abstand "runter" geht, also schematisch immer noch wie im
Bild oben links aussieht. Solche Kurven kann
man in Näherung immer durch einen
Ausdruck in der Form Uan =
A/rn beschreiben, mit n = 1 für
Ionen, und n irgendeine Zahl > 1 für andere
Bindungen. Die Madelungkonstante steckt im Zweifel in der Konstanten
A (jetzt ohne Strich). |
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Damit haben wir ein ganz
allgemeines
Bindungspotential UBindg definiert |
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| UBindg = |
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A
r n |
+ |
B
r m |
| |
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Anziehend |
|
Abstossend |
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Cui bono - Wem nützt's? Nun, wie
wir sehen werden, haben wir mit dem allgemeinen Bindungspotential eine Menge
erreicht:
- Wir haben einige wesentliche Eigenschaften der Kristalle (wenn nicht gar aller
feste Stoffe), die wir im Folgenden kennenlernen werden, damit im Grunde schon
"erschlagen".
- Wir haben einen guten Grund uns jetzt schon nach der Rolle der Temperatur
T zu fragen (die bisher gar nicht vorkam), und dabei einige erste
Antworten zu finden.
- Wir haben den Schlüssel zur Struktur der Festkörper (Kristall,
welcher Kristalltyp?, ...) .
- Wir haben einen generellen Ansatz zur Behandlung materialwissenschaftlicher
Fragen gefunden, der ausbaufähig sein wird.
- Wir haben gleich zu Beginn verstanden, dass es um's Prinzip geht, und dass
trotz komplizierter Mathematik einfache Ergebnisse herauskommen können.
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Diese Punkte werden wir im folgenden
aufgreifen und vertiefen. |
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© H. Föll (MaWi für ET&T - Script)