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Vorbemerkung: Hier sind absichtlich keine Links gesetzt. Wer
hier etwas nicht sofort versteht, tut gut daran selbst aktiv zu
suchen! |
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Ohmsches Verhalten bedeutet, dass die Beziehung
zwischen Strom I und elektrischer Spannung U eines
Systems linear ist. |
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Etwas allgemeiner ausgedrückt:
Die "Antwort" (= Wirkung) eines Systems auf eine von außen
kommende "Störung" des Gleichgewichts (= Ursache) is linear.
"Doppelte" Ursache produziert doppelte "Wirkung". Für
Spannungen / Ströme gilt dann das "Ohmsche Gesetz": |
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R ist der Widerstand
des Systems. |
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Probengeometrieunabhängig und
lokal schreibt sich das "Ohmsche Gesetz" für Stromdichte
j und Feldstärke
E wie folgt |
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| j |
= |
s E
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| s |
= |
1
r |
= spez. Leitfähigkeit |
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Dabei ist r der
spezifische Widerstand; s (und r) sind in der allgemeinsten Form (ortsabhängige)
Tensoren 2. Stufe. |
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Falls das System ein homogenes Material ist, sind
r (und r)
Materialparameter oder Material"konstanten". |
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Eine elektrische Stromdichte
je ist immer verursacht durch eine
("mechanische") Stromdichte jT geladener Teilchen; es gilt immer |
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| je |
= |
q · jT |
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q = Ladung
des Teilchens |
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| jT |
= |
Zahl Teilchen N pro
Fläche F und Zeit t |
= |
N
F · t |
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Je nach Vorzeichen der Ladung fliessen
Teilchenströme und elektrische Ströme also in gleicher oder
entgegengesetzter Richtung. |
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Bei "regellos"
umherfliegenden Teiclchen wie z.B in einem Gas, oder hier im
"Elektronengas" in einem Metall, werden im Mittel pro Zeiteinheit
genauso viele Teilchen von links nach rechts wie von rechts nach links durch
eine Referenzfläche fliegen, der Nettostrom ist dann Null obwohl die Teilströme beachtlich sein können. |
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Ströme lassen sich immer wie folgt ausdrücken |
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| Mechanisch |
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Elektrisch |
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| jmech = n · vD |
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jel = q · jmech
= q · n · vD |
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Mit n = Konzentration der Teilchen
vD = Driftgeschwindigkeit = kollektive mittlere
Geschwindigkeit senkrecht zur Referenzfläche, q = Ladung der
Teilchen. |
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Der Unterschied zwischen der individuellen,
ständig nach Betrag und Richtung wechselnden Geschwindigkeit eines Teilchens und der kollektiven Driftgeschwindigkeit erschließt
sich zwanglos aus der Mückenschwarmanalogie. |
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Damit gilt für die elektrische
Stromdichte ohmscher Materialien |
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| j |
= q · n · vD
:= s · E |
für "ohmsche"
Materialien |
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Daraus folgt zwingend, daß für
Materialien, die ohmsches Verhalten zeigen, vD/E eine
Konstante, und zwar eine Materialkonstante,
genannt Beweglichkeit µ, sein
muß. |
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Damit haben wir einen ersten immer gültigen Ausdruck für die spez.
Leitfähigkeit eines (ohmschen) Mateirels: |
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Es bleibt, die Konzentration
n und die Beweglichkeit µ der freien (= beweglichen)
Ladungsträger aus mikroskopischen (= atomaren) Materialbetrachtungen zu
berechnen. |
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Die Konzentration ist zumindest bei Metallen
ziemlich klar (einige Elektronen pro Atom), die schwierige Größe ist
die Beweglichkeit. |
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Aus der Existenz einer konstanten (mittleren) Geschwindigkeit im
elektrischen Feld folgt aber sofort die Existenz einer Art "Reibung",
die auf mikroskopischer Ebene nur durch ständige Stöße der beschleunigten
Ladungsträger mit "Stoßpartnern" dargestellt werden kann.
Stoßpartner sind
- Andere Elektronen (eher unwichtig)
- Defekte im Gitter (wichtig)
- "Phononen", d.h. durch das Gitter laufende elastische Wellen, die
als "Quasi"partikel in der Quantentheorie formalisierten thermischen
Gitterschwingungen (sehr wichtig).
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Damit lassen sich zwei neue, eng
verwandte Parameter einführen: |
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Die mittlere Zeit 2t zwischen zwei Stößen und die mittlere
freie Weglänge l = 2t ·
(v0 + vD) die das Teilchen zwischen 2
Stößen zurücklegt. Dabei ist v0 der Betrag
der mittleren Geschwindigkeit eines Teilchens (der individuellen Mücke im
Mückenschwarm). |
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Aus dem Newtonschen Grundgesetz F =
q · E = m · dv/dt := m ·
vD/t folgt sofort |
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| vD |
= |
E · e · t
m |
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| µ |
= |
vD
E |
|
= |
e · t
m |
= |
e · D
kT |
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| s |
= |
n · e2 · t
m |
= |
n · e2 · l
2 · m · (v0 + vD) |
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Damit ist die elektrische Leitfähigkeit auf
sehr elementare Materialeigenschaften zurückgeführt: Konzentrationen
von Ladungsträgern und ihre Bewegung von Stoß zu Stoß. |
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Die Größe Beweglichkeit
µ ist damit ein Maß für die erreichbare
Driftgeschwindigkeit vD, die mittlere Stoßzeit t, die mittlere freie Weglänge l
und, unter Zuhilfenahme der Einstein-Smoluchowski
Beziehung µ = (D · e) /
(kT) auch der Diffusionskonstanten D (in obigen
Gleichungen schon eingearbeitet). |
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Damit ist die Beweglichkeit ein zentraler
Materialparameter! |
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Wie groß ist die mittlere
Stoßzeit oder die mittlere freie Weglänge? |
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Das erstere können wir nicht wissen, aber
für die mittlere freie Weglänge haben wir ein Gefühl: Sie
muß auf jeden Fall deutlich größer sein als typische
Atomdurchmesser oder Gitterkonstanten. Wir können jetzt gemessene s Werte nehmen, und sehen was für mittlere freie
Weglängen sich ergeben. Allerdings brauchen wir dazu noch
v0. |
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Für klassische Teilchen im thermischen Gleichgewicht
gilt immer, daß jeder Freiheitsgrad die Energie ½kT
aufnimmt, wir haben also |
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| E = Ekin = ½ m ·
v02 = 3/2 kT |
| v0 = |
= |
æ
ç
è |
3 kT
m |
ö
÷
ø |
1/2 |
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Damit ergibt sich für das
kleinstmögliche lmin; d.h. für
vD = 0 |
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Das ist viel zu klein! Da wir keinen Fehler
gemacht haben gibt es nur eine logische Schlußfolgerung: Die klassische
Physik kann das Phänomen der Leitfähigkeit grundsätzlich
nicht beschreiben - wir brauchen Quantentheorie! |
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Das ergibt sich auch aus Messungen
zum Hall-Effekt, die unabweisbar zeigen, daß sich in manchen Metallen
unter bestimmten Voraussetzungen positive
Ladungsträger bewegen. |
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Der Hall-Effekt beschreibt die leicht zu
verstehende Tatsache, daß fließende (= Strom tragende)
Ladungsträger in einem Magnetfeld abgelenkt werden und damit Spannungen
senkrecht zur Stromrichtung induzieren. |
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In der optimalen Geometrie (stromverursachendes
elektrisches Feld Ex und Magnetfeld
Bz senkrecht zueinander) wird eine Hall-Spannung in
y-Richtung induziert, das zugehörige elektrische Feld
Ey steht senkrecht auf den beiden anderen. Es gilt
(für negativ geladene Ladungsträger) |
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| Ey |
= |
µ · Ex ·
Bz = µ ·
(jx/s) ·
Bz = RHall · Bz
· jx |
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| RHall |
= ± |
µ
s |
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Der Hall-Effekt erlaubt bei bekanntem (da leicht
meßbarem) s die Beweglichkeiten
µ beliebiger Materialien zu messen. Außerdem steckt im
Vorzeichen der Hall-Spannung das Vorzeichen der Ladungen die den Strom
verursachen. Aus vielen Messungen folgt ebenfalls: |
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Die klassische Physik kann das Phänomen der
Leitfähigkeit grundsätzlich nicht
beschreiben - wir brauchen Quantentheorie! |
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© H. Föll (MaWi 2 Skript)