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Unter Ermüdung verstehen wir
Änderungen der Materialeigenschaften, die durch ständig
wechselnde kleine Belastungen (z.B.
Vibrationen und Schwingungen) verursacht werden, und die im Extremfall einen
plötzlichen und oft katastrophalen Bruch verursachen. |
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Entscheidend (und zunächst unverständlich) ist
dabei, daß Ermüdung auch eintreten kann, falls die Amplituden der
Schwingungen, und damit auch die im Material auftretenden Spannungen, weit
unterhalb der Fließgrenze bleiben, so
daß eigentlich nur elastische
Verformung vorliegen sollte. |
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Wenn trotzdem plastische
Verformung stattfindet, ist klar, daß wir eine Abhängigkeit des
Ermüdungsphänomens von der Frequenz und der Amplitude der
Wechselbelastung erwarten müssen. Damit ist schon im einfachsten Fall
einer Dauerbelastung mit konstanter Frequenz und Amplitude komplexes Verhalten
zu erwarten, das selbstverständlich auch noch vom Gefüge des
gegebenen Materials abhängen wird. |
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Schwanken Frequenz und Amplitude auch noch im Laufe der Zeit,
wird die Sache vollends unübersichtlich, da sich die Effekte nicht einfach
addieren lassen. |
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Wenn ein Material das jahrelang gehalten hat und
von dem wir sicher sind, daß es ursprünglich keine Mikrorisse
enthielt, durch Ermüdung ohne Vorwarnung und ohne große plastische
Verformung plötzlich bricht, müssen wir davon ausgehen, daß
sich im Laufe der Zeit Mikrorisse gebildet haben, die l a n g s a m
gewachsen sind, bis dann einer die für die vorliegende
Belastung definierte kritische Größe erreicht hat. |
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Damit müssen wir primär nach Mechanismen suchen, die
zur Bildung und langsamen Wachstum von Mikrorissen bei
Wechselbelastung (und nur bei Wechselbelastung) führen. |
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Leider gibt es keine einfache Antwort. Was man beobachtet, wenn man in
Ermüdungsexperimenten eine Probe zyklisch verformt, ist eine mit der Zahl
der Zyklen kontinuierlich abnehmende maximale Zugfestigkeit oder Bruchspannung
RM (das war der
Wert des
Maximums in der Spannungs-Dehnungskurve). Trägt man für eine
gegebene Amplitude der Schwingungsbelastung RM gegen
die Zyklenzahl auf, erhält man die sogenannte Wöhler -
Kurve. Sie sieht typischerweise so aus: |
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Der Mechanismus der Ermüdung ist
äußerst komplex und längst nicht im Detail verstanden.. Es
lassen sich jedoch zwei fundamentale Mechanismen prinzipiell unterscheiden:
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1. Irreversible
Vorgänge bei der Vor- und Rückwärtsbewegung von Versetzungen,
die im Laufe der Lastwechsel zu fundamentalen Änderungen der
Versetzungsanordnung führen. |
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2. Durch diese spezielle Versetzungsanordnung entstehen
Mikrorisse, meist auf der Oberfläche des Materials, die solange wachsen,
bis die kritische Rißlänge an einer Stelle erreicht ist und das
Material bricht. |
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Schauen wir uns diese beiden Mechansismen in einem
extrem vereinfachten und idealisierten Modell kurz an. |
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Überlegen wir uns zunächst, wie die Versetzungen
beim ersten Spannungszyklus am Maximum der Amplitude vorliegen. Da wir
unterhalb der Fließgrenze arbeiten, sind sie an Hindernissen verankert
und bewegen sich nicht. |
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Wechselt die Belastung jetzt von Zug nach Druck, will die
Versetzung zurücklaufen, und das kann sie auch. Denn die Ausscheidungen,
an denen sie bei Zugbelastung festhängt, blockieren die
Rückwärtsbewegung nicht. Sie
läuft jetzt soweit zurück, bis sie an anderen Auscheidungen wieder
festhängt. |
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Für den Fall einer einzigen Versetzung sieht das bei
Verankerung an Ausscheidungen beipielsweise so aus: |
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© H. Föll (MaWi 1 Skript)