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Was gibt es an Volumendefekten, d.h.
dreidimensionalen Defekten? Das kann man sich nun leicht vorstellen: |
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1. Löcher oder
Hohlräume - man sagt dazu aber auf gut Englisch immer "Voids",
denn das Wort "Löcher" ist
in der Materialwissenschaft schon vergeben (für fehlende Elektronen in
Halbleitern). |
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So ein Hohlraum im Kristall kann sehr klein sein
(Durchmesser im nm Gebiet) oder auch ziemlich groß (Durchmesser im
µm, wenn nicht gar mm Gebiet). |
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Vielleicht ist der Hohlraum mit Vakuum,
vielleicht aber auch mit einem Gas unter mehr oder weniger großem Druck
gefüllt. |
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So ein Void kann eher
kugelförmig sein oder länglich. Oft hat es eine geometrische Form,
die der Kristallstruktur angepaßt ist (z.B. ein Oktaeder). Dann werden
offenbar Oberflächenergien minimiert. Ist das Void sehr flach, nennen wir
es Mikroriß (und betrachten es dann wieder
al zweidimensionalen Defekt), vor allem wenn es bis zur Kristalloberfläche
reicht. Beispiele für ein hübsches kleines Void und Mikrorisse zeigen
die elektronenmikroskopischen
Aufnahmen im Link |
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Voids entstehen z.B. direkt bei der Herstellung,
insbesondere beim Sintern von Keramiken (d.h.
"Zusammenbacken" kleiner Keramikkriställchen zu einem
großen Körper), durch die Zusammenballung vieler Leerstellen, durch
den Aufstau vieler Versetzungen (das gibt dann Mikrorisse), durch die
Agglomeration von ins Gitter (als extrinsische atomare Defekte) eingebaute
Gasatome (vor allem Wasserstoff; führt ebenfalls zu Mikrorissen) und
insbesondere durch Bestrahlung eines Kristalls mit Teilchen aller Art. |
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Voids sind zwar wichtige Defekte, aber bei weitem
nicht so wichtig wie: |
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2. Ausscheidungen, oder Präzipitate (engl. "precipitate") |
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Ausscheidungen sind einfach vollständig in die Matrix des Wirtskristalls eingebettete
andere Phasen, sozusagen mit Festkörpern (gelegentlich auch
Flüßigkeiten) gefüllte Voids. Wie Voids kommen auch
Ausscheidungen in allen Größen und Formen vor, auch dazu sind einige
elektronenmikroskopische
Bilder im Link. |
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In der Regel unterstellt man mit dem Wort
"Ausscheidung", daß sie sich im Kristall erst gebildet hat,
z.B. durch Diffusion und Agglomeration von Fremdatomen beim Abkühlen. In
anderen Worten: direkt nach dem Erstarren einer Schmelze sind Ausscheidungen
noch nicht vorhanden. |
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In den Kristall eingebettete Teilchen, die schon
immer da waren (weil sie z. B. schon in der
Metallschmelze herumschwammen und beim Erstarren einfach in das Kristallgitter
eingebaut wurden), heißen eher Dispersionspartikel. |
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Ausscheidungen können also wachsen und
schrumpfen - je nachdem, ob die beteiligten Atome zur Ausscheidung hin- oder
von ihr wegdiffundieren. |
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Einige Beispiele:
- SiO2 Partikel im Si
- CuAl2 im Al
- C (Graphit) im Gußeisen
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Ausscheidungen spielen bei vielen
Materialeigenschaften eine sehr wichtige und positive Rolle. Auf ihnen beruhen
praktisch alle hochfesten Metallegierungen; wir werden das in Kap. 8 noch
näher kennenlernen. |
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Auscheidungen können aber auch sehr
schädlich sein: Einige wenige winzig kleine NiSi2
Ausscheidungen im Si einer integrierten Schaltung sind tödlich.
Könnte man bestimmte Frematome im Magnesium davon abhalten, sich beim
Abkühlen eines Mg-Gußstücks auszuscheiden, wäre
Mg viel korrosionsresistenter als wir es kennen. |
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Mehr muß hier nicht dargestellt werden.
Wesentlich interessanter als eine Zoologie der verschiedensten
Ausscheidungstypen ist ihre Wachstumsdynamik: Wie und warum wachsen und
schrumpfen sie? Dazu müssen wir uns im nächsten Unterkapitel die
Beziehungen zwischen den verschiedenen Defekttypen ansehen. |
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© H. Föll (MaWi 1 Skript)