Eröffnungsrede der historischen Vorlesungen von Friedrich Schiller in Jena. Zuerst erschienen im deutschen Merkur, November 1780.


Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?

(Eine akademische Antrittsrede.)

     Erfreuend und ehrenvoll ist mir der Auftrag, meine h. HH., an Ihrer Seite künftig ein Feld zu durchwandern, das dem denkenden Betrachter so viele Gegenstände des Unterrichts, dem thätigen Weltmann so herrliche Muster zur Nachahmung, dem Philosophen so wichtige Aufschlüsse und jedem ohne Unterschied so reiche Quellen des edelsten Vergnügens eröffnet ­- das große weite Feld der allgemeinen Geschichte.   Der Anblick so vieler vortrefflichen jungen Männer, die eine edle Wißbegierde um mich her versammelt, und in deren Mitte schon manches wirksame Genie für das kommende Zeitalter aufblüht, macht mir meine Pflicht zum großen Vergnügen, läßt mich aber auch die Strenge und Wichtigkeit derselben in ihrem ganzen Umfang empfinden.   Je größer das Geschenk ist, das ich Ihnen zu übergeben habe -- und was hat der Mensch dem Menschen Größeres zu geben als Wahrheit? -- desto mehr muß ich Sorge tragen, daß sich der Werth desselben unter meiner Hand nicht verringere.   Je lebendiger und reiner Ihr Geist in dieser glücklichen Epoche seiner Wirkens empfängt, und je rascher sich Ihre jugendlichen Gefühle entflammen, desto mehr Aufforderung für mich, zu verhüten, daß sich dieser Enthusiasmus, den die Wahrheit allein das Recht hat zu erwecken, an Betrug und Täuschung nicht unwürdig verschwende.

    
(Anstatt weiter den Frakturtext abzutippen, den ich aus irgend einem Buch kopiert habe, verweise ich lieber auf einen fertigen Text – zum Weiterlesen bitte hier klicken:  http://gutenberg.spiegel.de/schiller/universl/universl.htm)