| Ingenieurausbildung - ein Schlüssel zur Innovation, und, um den Titel fortzuführen, zur wirtschaftlichen Prosperität und dadurch zu mehr Lebensqualität. Denn Innovation als Selbstzweck ist allenfalls in der Mode zulässig, nicht aber in der Technik, um die es hier geht. Lassen sie mich also mit dem Unterpunkt Ingenieure, Innovation und Lebensqualität beginnen. | ||
| Das ist nun sehr einfach. Auf dem Winterfest der TF 1998 hielt ich eine Rede, bei der ich sinngemäß folgende Aussage machte: | ||
| Die zukünftige Volkswirtschaft in S.-H kann, nach Maßgabe der Anfängerzahlen der CAU, in 5 Jahren über folgenden Nachwuchs verfügen: | ||
| 400 Juristen und 55 Ingenieure | ||
| 255 Soziologen und Politologen und 40 Chemiker | ||
| viele 100 Sprachwissenschaftler aller Ausprägungen und 40 Physiker. | ||
| Es wird dann eine schöne und interessante Herausforderung für die 500 Wirtschaftswissenschaftler, die es auch geben wird, auf dieser Basis das Technologieland Schleswig-Holstein im Hochtechnologieland Deutschland konkurrenzfähig zu halten und für die allseits beliebten und gepriesenen Innovationen zu sorgen, weil die dann von Juristen, Soziologen und Germanisten und, nicht zu vergessen, von den ca. 2000 Pädagogen kommen müssen. | ||
| Die damals avisierte Volkswirtschaft haben wir jetzt; wie gut es uns dabei geht entnimmt man täglich der Zeitung | ||
| Vielleicht ist das etwas unfair, aber was kaum bestritten werden kann, ist doch wohl, dass die Ursache der derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht in der mangelnden Innovationskraft von zu vielen Ingenieuren liegt, sondern eher darin, dass zu viele Nicht-Ingenieure äußerst innovativ waren - auf Gebieten wie kreative Buchhaltung, Aktienpflege, verschmidtste Immobilienroulettes und Finanzdienstleistungen der besonderen Art. | ||
| Lassen Sie uns ein zweites Gedankenexperiment machen: In der Berichterstattung über die immerwährende deutschen Steuerreform stieß ich neulich auf folgende bemerkenswerte Statistik: | ||
| 2/3 der internationalen Fachliteratur zum Thema Steuern ist in deutscher Sprache geschrieben. Mit deutlichem Neid gratuliere ich den Kollegen, die, man darf das wohl unterstellen, vorwiegend in den juristischen, und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten sozialisiert wurden, und die es geschafft haben, die einschlägige internationale Szene zu dominieren. | ||
| Für uns Naturwissenschaftler und Techniker sind die Verhältnisse völlig anders. Nur ein winziger Bruchteil der technischen Literatur ist auf Deutsch geschrieben, und selbst der Bruchteil der von Deutschen geschriebenen Artikel ist sehr weit weg von einer 2/3 Mehrheit. | ||
| Auch dazu stellen wir uns mal vor, wie es uns ginge, wenn die Verhältnisse umgekehrt wären: 2/3 der weltweiten technisch-wissenschaftlichen Literatur kommt aus Deutschland, dafür aber nur ein paar Prozent der Werke zu Steuerfragen. Ob es uns wohl besser oder schlechter ginge? | ||
| Zwei Gedankenexperimente - wie ist der Ausgang? Ich muss nur in die Runde blicken, um autoritär-demokratisch feststellen zu können: | ||
| Die weitaus überwiegende Mehrheit stellt fest: Ein höherer Anteil an Ingenieuren und insbesondere Ingenieurinnen wäre ganz sicherlich besser für unser aller Wohlergehen. | ||
| Obwohl ich das schöne Wort "Innovation" noch gar nicht so richtig ausgelutscht habe, kann ich wohl konstatieren, dass ich das Thema: Ingenieurausbildung - ein Schlüssel zur Innovation und zur Lebensqualität bereits durch die Betrachtung nur der quantitativen Seite der Ingenieurausbildung erschöpfend und abschließend behandelt habe. | ||
| Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. | ||
| Sie schauen etwas verdutzt. Und das zu recht. Denn üblicherweise kann man auch nur in Technik und Naturwissenschaft nur auf Grund der Faktenlage Recht haben und auch bekommen. | ||
| In den sogenannten Kulturwissenschaften - ich nenne sie sogenannt, weil, dort der Glaube tief verwurzelt ist, es gäbe Kultur ohne Naturwissenschaft und Technik - in den sogenannten Kulturwissenschaften erfordert der Brauch, dass man nicht nur die Fakten sprechen lässt, sondern man spricht selber, und das nicht zu kurz. Und man lässt andere für sich sprechen - vorausgesetzt sie teilen die eigene richtige Meinung. | ||
| Da der Begriff "Festrede" nun doch eher aus dem Wörterbuch der sogenannten Kulturwissenschaften stammt, will ich mich diesem Brauch auch nicht verschließen und formuliere also die bisherigen Fakten als These. Sie lautet: | ||
| Die zunehmende Geringschätzung von Naturwissenschaft, und Technik, verbunden mit einer parallel laufenden Überschätzung von Teilen der Geisteswissenschaften, schlägt sich in der Quantität der Ingenieurausbildung nieder. | ||
| Ich habe das sehr zurückhaltend formuliert, mein erster Zeuge, Herr Peter Glotz, Vor- und Querdenker der SPD, den man wohl nicht unbedingt der Techniksympathisantenszene zurechnen würde, sagt das viel drastischer. | ||
| Die Überschrift seines kürzlich erschienenen Artikels in der Zeitschrift "Forschung und Lehre" lautet: "Der Hass auf die Naturwissenschaften". | ||
| "Wer wundert sich noch", so Herr Glotz, "über die Überlegenheit junger Japaner, Finnen oder Schweden in der Mathematik", wenn man nachvollzieht, dass "ganze Kavalkaden von jungen Leuten ins Schulsystem, in Universitätspositionen oder in Schlüsselpositionen der Medien eingesickert sind", die "weit entfernt von der westlich rationalistischen Tradition" von unseren "postmodernen, poststrukturalistischen, sozialkonstruktivistischen und relativistischen Meisterdenkern" "mit blühendem Unsinn" hochgezogen wurden. | ||
| Nochmals: Das ist von Peter Glotz, Vor- und Querdenker - fast hätte ich jetzt "einziger Denker" der SPD gesagt, das ist nicht von mir - aber ich muss zugeben, ich hätte es selbst kaum besser formulieren können. | ||
| Aber nun genug gescherzt - falls jemand glauben sollte, das Ganze sei irgendwie lustig. Schauen wir uns die Realitäten nochmals an. | ||
| Was ich bisher sagte unterstellt ja schlicht und ergreifend, dass im Verhältnis der Gesellschaft zu ihrer technischen Intelligenz nicht alles zum Besten steht. Das äußert sich in vielen Stufen, quer durch die Gesellschaft, direkt und undirekt, aber immer mit negativem Vorzeichen. | ||
| Lassen sie mich schlaglichtartig nur einige Punkte herausgreifen. | ||
| 1. Beachten Sie mal die Berufsbezeichnungen in den Feuilletons der deutschen Tageszeitungen. Es wird streng unterschieden zwischen Tüftlern und Denkern - und zwar immer und zuverlässig. Die Tüftler, die Leute die irgendwie für den im Grunde akulturellen materialistisch-technischen Kram sorgen, das sind wir. Die Denker, das sind, um wieder Peter Glotz zu zitieren, die Leute, "die auf den Kulturseiten der feinsten Zeitungen blühenden Unsinn verkünden". | ||
| 2. Fragen Sie sich mal selbst, wann ihnen in einem deutschen Film zum letzten Mal ein Naturwissenschaftler oder Ingenieur als der Held oder die Heldin begegnet ist. Wir haben eine Lola, die rennt, um im Kleinkriminellenmilieu schnell Geld zu besorgen, wobei jede Methode zulässig ist, solange es sich nicht um ehrliche Arbeit handelt. Wir haben Lieblinge in Kreuzberg, die juristische Heldentaten vollbringen, und coole Typen die in der schönen Serie Gute Zeiten - Schlechte Zeiten, irgendwie, und das auch nur vage, was mit Medien oder Mode zu tun haben, aber überwiegend, soweit ich das mit meiner überaus begrenzten und nur durch unvermeidliches Passivfernsehen bedingten Erfahrung postulieren kann, keiner sonderlich geregelten Tätigkeit nachgehen. In amerikanischen Filmen ist das anders. Wir müssen noch nicht mal Startrek bemühen, nehmen sie, "Independence Day", "Jurassic Park" oder "A beautiful mind" - wir finden häufig Wissenschaftler, Techniker oder technisch begabte Kinder, die in Deutschland generell Streber heißen, als positive Rollenmodelle. Damit jetzt kein Irrtum aufkommt: ich bewerte hier nicht die cineastischen Qualitäten, sondern nur die vermittelten Rollenmodelle. | ||
| Die Konsequenz ist dann auch sehr graphisch darstellbar: | ||
| Auf die beiden internationalen Studiengänge, die die technische Fakultät seit 2 bzw 1 Jahr anbietet, haben sich für das laufende Wintersemester mehr als 1000 Ausländer beworben. Formal beworben, mit viel Aufwand und viel Papier, nicht etwa nur angefragt. Das sind etwa doppelt so viele Bewerbungen aus dem Ausland - in einem Jahr - als alle deutsche Bewerbungen der letzten 10 Jahre für alle Ingenieurstudiengänge der Fakultät zusammen! | ||
| Auch die neueste OECD Studie stellt fest: Deutschland hat zu wenig Studierende. Ob das so stimmt darf man bezweifeln - aber dass wir zuwenig Studierende in einigen Fächern, und eher zuviel in anderen haben, kann man nicht bezweifeln | ||
| Es gibt aber auch positive Meldungen; und damit komme ich zur zweiten Hauptpunkt, zur Qualität der Ingenieurausbildung: | ||
| Mitte Nov brachte die FAZ eine kleine Meldung: Deutschland steigt auf - nämlich 3 Plätze in der Rangliste der wettbewerbsfähigsten Nationen - von Platz 17 auf Platz 14, um genau zu sein. Aber, so beeilt sich der Nachrichtendienst hinzuzufügen, nicht etwa wegen der Verbesserungen der politischen Rahmenbedingungen - ganz im Gegenteil - sondern wegen des technologischen Fortschritts, der Innovationskraft der deutschen Unternehmen. | ||
| Technischer Fortschritt gleich Innovation gleich besser Platzierung im Wettbewerb- wir sind wieder mal, oder immer noch, beim Thema. Offenbar, wenn wir diese Meldung ein klein wenig strapazieren, kann die deutsche Ingenieursausbildung qualitativ nicht ganz schlecht sein; international kann sie noch ganz gut mithalten. | ||
| Damit könnte ich jetzt ein uns alle sehr befriedigendes Fazit ziehen: An der mangelnde Quantität, die schlecht ist, an den zu geringen Anfängerzahlen, daran sind die anderen schuld. Für die Qualität, die gut ist, sind wir selbst verantwortlich. Don't worry, be happy. Das Leben ist schön. | ||
| Da ich nun aber Wissenschaftler und weder Jurist noch Politiker bin, kann und will ich nicht nur die jeweils eigene Sache preisen, sondern muss, es ist nahezu zwanghaft, auch den eigenen Laden mal kritisch anschauen. | ||
| Die Frage ist doch offensichtlich und ganz einfach: Machen wir, die in die Gesellschaft eingebetteten Ingenieure, die Ingenieurfakultäten der Hochschulen, die Ingenieurverbände und Lobbyisten, vielleicht auch etwas falsch? | ||
| Schimpfen wir auf gesellschaftliche Prozesse, die das Bild des Ingenieurs nicht mehr richtig wahrnehmen und uns die Anfängerzahlen versauen, während wir vielleicht einfach nur kein attraktives Ausbildungsangebot haben? Wissen wir denn nicht am besten, dass sich am Markt keinesfalls immer das beste Produkt durchsetzt, sondern eben das marktfähigste? | ||
| Die Antwort aus der Sicht der mehr wirtschaftlich orientierten Ingenieure kann nur lauten: Ja natürlich macht ihr was falsch - wer kein kundenorientiertes Angebot hat, wird halt keine Kunden finden. Und wer fordert, dass die Kaufgewohnheiten der Kunden so zu ändern sind, dass sie auf sein Angebot passen, wird sich im Wettbewerb nicht lange halten - auch dann nicht, wenn er, wie geschehen, kräftig Werbung treibt. | ||
| Die Antwort aus der Sicht der an den Hochschulen arbeitenden Wissenschaftler sieht aber ganz anders aus. Dort wird man argumentieren, dass Maxwellgleichungen und Fouriertransformationen, Halbleiterphysik und Hochfrequenztechnik, Abtasttheoreme und Turingmaschinen, Quantentheorie und Thermodynamik, seit vielen Jahrzehnten unverändert sind und unverändert weiter gelehrt müssen, und dass Ingenieur nur sein kann, wer eine nicht zu kleine Auswahl dieser und anderer Themenkreise hinreichend beherrscht. Mehr noch: Ingenieur kann nur sein, wer all diese Grundlagen beherrscht und noch einen Gutteil dessen, was erst in den letzten Jahrzehnten dazukam. | ||
| Man sollte nicht vergessen, dass es zum Beispiel vor dreißig Jahren noch keine Mikroelektronik gab, vor 20 keine PCs, und vor 10 Jahren noch keine Handies und kein richtiges Internet. Machen wir doch mal in einem weiteren Gedankenexperiment einen Aldi PC auf und schauen nach, was wir darinnen finden: | ||
| So wir Augen haben zu sehen, finden wir Maxwellgleichungen und Fouriertransformationen, Halbleiterphysik und Hochfrequenztechnik, Abtasttheoreme und Turingmaschinen, Quantentheorie und Thermodynamik und noch viel, viel mehr - nämlich die Innovationen der letzten paar Jahre. In Summe sorgen sie dafür, dass ein Ingenieur, der, sagen wir mal, 1970 fertig und per Zeitreise ins Jahr 2002 versetzt wurde, mit dem was er findet, nichts, aber auch gar nichts anfangen könnte. | ||
| Auch gegen diese Sichtweise kann man vom Prinzip her nicht viel einwenden, allerdings sehen wir das Problem: In immer kürzerer, da staatlich reglementierter Studienzeit, versuchen wir immer mehr Wissen der nicht ganz leicht verdaulichen Art in die jungen Köpfe unserer Kunden zu stopfen - kein Wunder, dass die Nachfrage sinkt. Insbesondere dann, wenn der noch ungefüllte Kopf auch noch Probleme sieht, oder auch nur erwartet, dass die Füllung, die wir ihm bieten, gar nicht ausreichen könnte, um sich und seine Familie angemessen und nachhaltig zu ernähren. | ||
| Nun hat die jeweilige wirtschaftliche Lage, die Misere des naturwissenschaftlichen Unterrichts in den Gymnasien - soeben konnte wir lesen, dass Physik jetzt Hassfach Nr. 1 geworden ist - die steigende Wissenschafts- und Technologiefeindlichkeit der Gesellschaft, und so weiter und so fort, zweifellos großen, und für uns Ingenieure negativen Einfluss auf die Studienfachauswahl. | ||
| Persönlich bin aber überzeugt davon, dass der tiefere Grund, gleichsam der Metagrund, sich auf einen einzigen Punkt bringen lässt. | ||
| Das Ingenieurstudium ist heutzutage zu schwer. | ||
| Schwer ist es zweifellos, ich glaube nicht, dass man sich darüber streiten mag. Ob es zu schwer ist, hängt natürlich vom Standpunkt ab. Immerhin gibt es ja noch eine zwar zu kleine, aber nicht absolut kleine Zahl von Studierenden, die es packen, sogar glänzend packen - heute werden wir 2 davon ehren. Allerdings packen es praktisch nur Männer. Und auch nur ein nicht allzu großer Teil der Anfänger. | ||
| Nur ein konkretes Beispiel dazu. Der Lesekopf ihrer 60 Gbyte Festplatte basiert auf einem rein quantenmechanischen Effekt, dem sogenannten Gigantomagnetowiderstand, den vor 10 Jahren niemand, noch nicht mal die Professoren der theoretischen Physik kannten. Heute ist er Allgemeingut - auch wenn die Allgemeinheit das nicht weiß - und die sogenannte Spinelektronik Objekt großer internationaler Konferenzen. | ||
| Nach meinen eigenen Beobachtungen wird die Studienfachwahl zunehmend nicht mehr positiv gemacht indem man - und frau - sich überlegt was man möchte, was einen interessiert, was Spaß bringen könnten, sondern die Auswahl erfolgt negativ. Man hakt ab was man sich nicht zutraut, was zu lange dauert, zu riskant ist, als schwierig gilt, und so weiter - was dann noch bleibt studiert man. Die Elektrotechnik taucht in dieser Negativliste dann eher selten auf. | ||
| Das Diplom, der erste mögliche Abschluss eines schweren Ingenieurstudiums, so ahnt es der prospektive Kunde im dunklen Drange sich ein Studienfach zu wählen, das Diplom ist zu weit weg, der Gipfel ist sehr weit oben und auf dem Weg dorthin, so fühlt man, lauern Gefahren die man kennt - Mathe, Physik, viele Prüfungen und so weiter - und sehr leicht verliert man den Gipfel völlig aus dem Blickfeld. Vielleicht ahnt man sogar, dass es gar keinen Gipfel gibt - egal wie schnell man klettert, es geht immer bergauf - nach dem Diplom dann im Berufsleben. Dass aber auch intellektuelles Bergsteigen Spaß machen kann, das weiß oder glaubt man nicht. Also macht man lieber etwas einfacheres. | ||
| Ich beschimpfe hier im übrigen nicht die jungen Leute - das sind nämlich immer noch unsere Kinder, und falls sie den Spaß am Bergsteigen verloren haben sollten, haben wir sie zu dem erzogen was sie sind. | ||
| Zwei absolut unvereinbare Ansichten also, zwei Thesen zur Ingenieurausbildung: Kundenorientierung einerseits gegen eine unverrückbare absolute Definition des Produkts Ingenieurausbildung anderseits | ||
| Schreiten wir zur Synthese: Es ist eigentlich einfach: Das Angebot muss gestaffelt werden! Es muss einfach möglich werden, den Gipfel auch in Etappen zu erreichen. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Promotion zwar als Krönung, aber auch als relativ normaler Abschluss eines erfolgreichen wissenschaftlichen Studiums gesehen wird, und nicht nur als Quasi-habilitation des wissenschaftlichen Nachwuchses im engeren Sinne. Dazu gehören Zwischenstufen - ob man die als Bachelor oder Master bezeichnet, ist unerheblich. Dazu gehört auch noch das herkömmliche Diplom, aber nicht mehr nur als Alles oder Nichts Abschluss, sondern als bewusst gewählte Stufe, die auf verschiedene Weisen erreichbar ist und die nicht mehr die einzige ist, die einen Abschluss garantiert. | ||
| Dazu gehört auch eine Neubestimmung der Position von Universität und Fachhochschule. Wir können es uns einfach nicht mehr leisten, möglichst beziehungslos nebeneinander herzuleben und zu -lehren; wir sollten zumindest endlich damit beginnen, gemeinsam Lobbyarbeit zu betrieben. | ||
| Wie soll das in der Praxis geschehen? Wir haben ja schon zwei Sorten Diplome, zwei Sorten Bachelor und zwei Sorten Master; mit der Promotion zusammen also 7 mögliche Abschlüsse in z.B. der Elektrotechnik der Universitäten und Fachhochschulen. Bleiben hier noch Wünsche offen? | ||
| Ich denke schon. Die Übernahme von Teilen des angelsächsischen Systems, die dann parallel zum Althergebrachten laufen, und zur Vorsicht in ein Verordnungskorsett geschnürt werden, das dann Flexibilität an der richtigen Stelle verbietet - zum Beispiel einen Übergang vom Diplom zum Masterstudiengang - aber dafür an der falschen Stelle verordnet - zum Beispiel bei der unqualifizierten Zulassung von Bachelorn oder bei der bedingungslosen Promotionsfähigkeit der Master - ein solches System kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. | ||
| Es wir Zeit Schluß zu machen, sonst kommt noch jemand auf den Gedanken mich zu fragen, was genau denn jetzt zu machen sei. Ich kann dann zwar sagen, dass die Materialwissenschaft der Technischen Fakultät ein, wie ich glaube, besseres und sehr innovatives System schon mal vorgeschlagen hat - aber durchgesetzt hat nur in Teile davon. | ||
| Hätte unser System in der Praxis funktioniert? Wer weiß. Das ist wie bei technischen Innovationen auch: Wie gut die Innovation im Wettbewerb ist, sagt uns nicht die Theorie, sondern der Wettbewerber. | ||
| Meine Damen und Herren, liebe Preisträger. Ich will sie jetzt weder mit detaillierten Überlegung zur Theorie der gestuften Abschlüsse langweilen, noch mit, die Thematik überfliegenden Satzgebilde mit Worten wie Flexibilität, Synergien, Interdisziplinarität, Transfakultativ, Praxisorientierung, Technologietransfer, lebenslanges Lernen, Informationsgesellschaft und so weiter, die jetzt eigentlich fällig wären, sondern aufhören und einfach nur festhalten: | ||
| Die Ingenieurausbildung war und ist nicht nur der Schlüssel zu echten, das heißt nachhaltigen Innovationen und wird das weiterhin sein; sondern sie braucht auch selbst Innovationen. Da diese Innovationen von den dazu eigentlich berufenen Pädagogen, Didaktikern, Gremien und Kultusministerkonferenzen nicht mehr erwartet werden könne, werden wir es eben selbst tun müssen. Und ich bin sicher, dass wir auch dieser Aufgabe gewachsen sein werden. | ||
| Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. | ||
© H. Föll