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In einem ferromagnetischen Material zeigen nach
bisheriger Erkenntnis alle magnetischen Moment in dieselbe Richtung. Damit
wäre das Material ein sehr starker Dauermagnet. |
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Ein Stück Eisen oder Nickel, das nur so rumliegt (d. h.
sich halbwegs im thermodynamischen Gleichgewicht befindet), ist aber in der
Regel gar nicht aktiv "magnetisch", d. h. kein Dauermagnet. Es reagiert zwar passiv auf
Magnetfelder, die man irgendwie gemacht hat, hat aber selbst kein Magnetfeld um sich rum. |
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Wir müssen wir uns offenbar fragen: Warum tarnt sich ein ferromagnetisches Material wie
Eisen und scheint nach außen unmagnetisch zu sein? Und wie schafft es ein ferromagnetisches Material, mit
hochgradiger Ordnung der magnetischen Momente im Innern, nach außen
völlig unmagnetisch zu erscheinen? |
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Das Warum ist einfach: Ein
Stück Eisen oder Nickel, das im thermodynamischen Gleichgewicht nur so
rumliegt, hat per definitionem seine freie
Energie G minimiert. Offenbar gehört zu diesem Minimum zwar
ein hoher Grad an Ordnung bei den magnetischen Momenten, aber kein externes Magnetfeld. |
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Das kann man noch einfach verstehen: Ein Magnetfeld
enhält, wie jedes Feld, eine Menge potentielle Energie. Ein schlaues
magnetisches Material kann also den Energieterm U im Ausdruck
G = U TS deutlich kleiner machen, wenn es
sein externes Magnetfeld irgendwie "abschaltet". |
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Fragt sich jetzt nur wie?
Die naheliegende Antwort, dass die Ausrichtung der magnetischen Momente
verloren geht, ist für Ferro- etc.- Magnetica falsch! Das würde zwar die Unordnung und damit
die Entropie S massiv erhöhen, aber bei den paar
magnetischen Werkstoffen offenbar zuviel Energie U kosten.
Deswegen gibt es nur einige wenige magnetischen Werkstoffe (bei fast allen
gewinnt eben dochr die Entropie), aber bei denen gehört die Ausrichtung
der magnetischen Momente dann unabdingbar zum Gleichgewicht. |
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Die korrekte Antwort auf das "Wie" ist:
Es werden Defekte in der ansonsten
perfekten Ausrichtung eingeführt, mit denen das Material dann so in
magnetische Domänen eingeteilt
werden kann, dass die Energie des Magnetfelds (und noch ein paar andere
Energien) minimiert werden. |
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Das nachfolgende Bild macht das
generelle Konzept klar. |
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Links ist ein Material mit perfekter Ausrichtung
der magnetischen Dipole im gesamten Volumen gezeigt. Es wäre ein starker
Magnet mit einem entsprechenden großen magnetischen Feld im
Außenraum. |
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Recht sehen wir dasselbe Material aber jetzt mit
magnetischen
Domänen. Die Feldlinien
können sich im Inneren schließen; das externe Feld ist klein. |
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Ganz rechts ist im Grund dieselbe Anordnung, nur
mit mehr Domänen. Damit könnte man das externe Restfeld noch
stärker reduzieren. |
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Was wird's sein? Nun ja, oben haben wir behauptet,
dass Defekte in der ansonsten perfekten
Ausrichtung eingeführt werden. Wo sind sie denn? |
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Klar - zwischen den Domänen müssen
Domänenwände sein, in denen sich
die Magnetisierung von der einen zur anderen Richtung ändert. Es gibt
davon zwei Sorten; wichtig ist vor allem die Blochwand. Die Neélwand spielt im wesentlichen nur bei
dünnen Schichten eine Rolle |
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In Worten: Bei einer Blochwand dreht die
Magnetisierungsrichtung aus der Ebene der M-Vektoren heraus, bei einer
Neélwand dreht sie in dieser Ebene. |
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Klar ist auch: Eine Domänenwand ist ein
zweidimensionaler Defekt in der Orientierung magnetischen Momente und besitzt
deshalb Energie (eV/cm2). |
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Mit mehr Domänen und damit
größeren Domänenwandflächen und damit größerer
gesamter Domänenwandenergie
könnte der Kristall zwar sein externes Magnetfeld immer mehr veringern,
aber er muss auch den Preis in Form von Domänenwandenergie bezahlen. Bei
irgendeiner Struktur gibt es ein Optimum - eben das Minimum der freien
Energie! |
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Wenn man dann noch berücksichtigt, dass
weitere Energiebeiträge auftauchen, können sehr komplexe
Domänenstrukturen resultieren, die wir
nur sehr schwer berechnen können. Die neben der Energie des externen Felds
wichtigsten Energiebeiträge sind: |
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"Leichte
Richtung". Die Orientierung der Dipole in einem Kristall
möchte immer in der "leichten Richtung"
liegen - z. B. <100> in Fe oder <111> in
Ni. Kann sie das nicht, braucht's zusätzliche Energie. Damit wird
die Domänenstruktur in Polykristallen nicht ganz einfach sein
können. |
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In Richtung der Magnetisierung ändert der
Kristall im allgemeinen auch noch seine Dimensionen - er wird i.a. kürzer,
da die Bindung durch die magnetische Interaktion "verstärkt"
wird. Magnetisierung verusacht also Dehnung, und diesen Effekt nennt man
Magnetostriktion. Damit kommt bei
ausgerichteten Momenten auch eine
elastische Energie
ins Spiel. Als wichtiger Effekt reagiert damit die Magnetisierung auf
Verformung und "spürt" das Verzerrungsfeld um Defekte. |
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Magnetostriktion ist nicht nur wichtig zum
Verständnis der Domäneneigenschaften sondern auch in der Technik.
Dazu gibt es einen extra Modul
im Link. |
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Domänenstrukturen zu berechnen ist damit sehr schwer. Das Material selbst
aber hat keine Probleme damit, alle Beiträge zu berücksichtigen - es
macht halt schlicht die Struktur mit der kleinsten freien Energie! Das sieht
dann beispielsweise so aus: |
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Oben links ist ein Ni Einkristall; die
Magnetisierungsrichtungen sind eingezeichnet. Das ist nicht so furchtbar
verschieden von unserem Prinzipbildchen. |
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Daneben ist "Trafoeisen", d. h.
Fe mit ca. 3 % Si (hauptsächlich zur Verringerung der
Leitfähigkeit). Man erkennt Körner des Polykristalls mit
Domänen, die einen "Spagat" machen zwischen Orientierung in eine
leichte Richtung und möglichst kleinem Feld. |
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Unten links ist eine amorphe GdCo Legierung
gezeigt. Leichte Richtungern kann's nicht geben, das Domänenmuster ist
recht hübsch. |
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Unten rechts zwei Körner des Materials aus
dem die (derzeit) stärksten Permanentmagnete gemacht werden:
"NdFeB" (Eisen - Neodym - Bor) oder genauer gesagt
Nd2Fe14B. Sieht ziemlich komplex aus, ist aber nur
ein Ausdruck der freien Energieminimierung. Neodym (Nd) gehört zu
den seltenen Erden
im Periodensystem; eine Materialgruppe, die derzeit (2011) häufiger in den
Schlagzeilen der Medien zu finden ist, da China 95% der Weltproduktion
kontrolliert und ohne seltene Erden die gesamte "High-Tech"
Produktion In Deutschland und anderen führenden Staaten sofort komplett
zusammenbricht. |
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Was passiert jetzt, wenn wir an ein
magnetisches Material mit einer Gleichgewichtsdomänenstruktur ein
magnetisches Feld anlegen? |
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Die Domänen, deren
Magnetisierung halbwegs in Feldrichtung zeigen, gewinnen Energie; der Rest wird
energetisch mehr oder weniger ungünstig. |
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Die Minimierung der freien Energie
verlangt jetzt, dass die günstig orientierten Domänen
größer werden, die ungünstig orientierten dafür
kleiner. |
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Für große Felder erwarten
wir, dass im wesentlichen nur noch eine Domäne mit Magnetisierung in
Feldrichtung vorliegt. |
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Das kann im einfachsten Fall nur so
aussehen: |
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| ® Anwachsendes Feld in roter Pfeilrichtung
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Wie das Ganze real aussieht ist unten
gezeigt. |
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Wir haben jetzt eine wesentliche
Erkenntnis: |
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Offenbar müssen sich die
Domänenwände bewegen, damit was
passieren kann! Damit stellen sich folgende Fragen (mit angedeuteten
Antworten):
- Lassen sich Domänenwände einfach verschieben - oder von was
hängt's ab? (Þ
Kristallgitterdefekte!).
- Wie schnell geht das verschieben? Steckt möglicherweise hier die
Frequenzabhängigkeit der Ferromagnete? (Þ Nicht sehr schnell; und Ja!
- Geht das vorwärts und rückwärts genau gleich - oder gibt es
Hystereseeffekte? (Þ Nein; und Ja!)
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Den ersten Punkt müssen wir noch
etwas genauer betrachten. Über die schon mal kurz erwähnte Magnetostriktion spüren Domänenwände
Defekte im Kristall und bleiben dann gerne
daran hängen. Sie werden, so sagt man, "gepinnt", d. h. wie mit
einer Nadel (pin) lokal festgesteckt. Zum Losreissen braucht's dann
zusätzliche Kraft = höheres externes Magnetfeld. |
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Ok - wir gehen nicht in die Details,
aber Domänenwände verschieben ist ein relativ mühsames
Geschäft. Es geht weder besonders schnell noch besonders einfach, und die
Konsequenzen sind weitreichend. |
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Die
Frequenzabhängigkeit
der magnetischen Suszeptibilität hängt nur von der Geschwindigkeit
ab, mit der sich die Domänenwände verschieben lassen; sie ist
generell recht schlecht. Schon im MHz Bereich wird's i. a. schwierig;
nur in kleinen Spezialstrukturen ist vielleicht noch mal 1 GHz drin.
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Bei der
Optik geht schon lange gar nichts
mehr. Deshalb schreibt man immer auch nur n = (er)½ und nicht, wie es
eigentlich richtig wäre, n = (er · mr)½, denn mr ist bei diesen Frequenzne schon
längst = 1 |
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Alles wird ziemlich nichtlinear und
wir erhalten Hystereseeffekte. Wir
ausgeprägt sie sind, hängt von der Defektstruktur im Material
ab. |
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Wir brauchen keine "komplexe
magnetische Funktion" (obwohl man eine definieren könnte und das
durchaus für spezielle Fälle auch tut). Magnetische Verluste kommen
insbesondere auch nicht von einem Imaginärteil, sondern vom
Hystereseeffekt. |
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Schauen wir uns nun eine
Magnetisierungskurve an; für ein nach außen zunächst noch
unmagnetisches Material. Es sieht etwa so aus: |
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Komplette Hystereseschleife mit Definition von
Remanenz und Koerzitivkraft. |
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Für kleine externe Magnetfelder
beulen sich die an irgendwelchen Defekten gepinnten Domänenwände nur
etwas in die richtigen Richtungen aus. Die Magnetisierung M (oder
der Fluss B) nimmt ungefähr linear mit dem Feld zu. |
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Für größere
Feldstärken reissen sich die am höchsten belasteten
Domänenwände los und laufen durch den Kristall, bis sie am
nächsten Defekt wieder gepinnt werden. Schaltet man das Feld jetzt ab,
sind sie am neuen Platz gepinnt. Die ganze Chose ist also nicht reversibel, der
Ausgangszustand wird nicht wieder erreicht. |
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Bei sehr großen Magnetfeldern
gibt es irgenwann nur noch eine
Domäne; die Magnetisierungsrichtung in der Domäne ist aber immer noch
in eine leichte Richtung des Kristall und
nicht exakt in Richtung des angelegten Feldes. |
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Bei sehr hohem Feld drehen sich die
Moment schließlich auch noch in Feldrichtung, und damit ist
Sättigung erreicht. Mehr geht nicht. Ein Bild dazu gibt's in einer
Übungsaufgabe |
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Dreht man des Feld wieder
zurück, folgt die Magnetisierung einer Hysteresescheifle, die durch die
Zahlenwerte von Remanenz und
Koerzitivkraft halbwegs beschrieben
wird. |
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Man kann sich jetzt fragen, warum das
Material nach Abschalten des Magnetfeldes nicht immer seine Domänen wieder
so justiert, dass das externe Feld Null ist - das braucht's doch zum Minimum
der freien Energie? |
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Freilich. Aber es braucht manchmal
auch ein bißchen Energie, um diesen Zustand einzustellen. In andern
Worten: Unsere hartmagnetischen Werkstoffe
mit ausgeprägter Hysterese bleiben erstmal in einem metastabilen Zustand
hängen. Um ins absolute Minimum zu gelangen, muss man entweder sehr lange
warten, oder etwas Energie zuführen. |
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Bevor wir uns aber den Begriffen
"hartmagnetisch" und
"weichmagnetisch" näher
zuwenden, schauen wir uns schnell noch die Thematik "magnetische Verluste" näher an. |
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Zeit für eine Übung |
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© H. Föll (MaWi für ET&T - Script)