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Um ein Gefühl für die
Bedeutung von Unordnung oder
Entropie zu entwickeln, betrachten wir mal zwei
einfache Beispiele:
- Einen einfachen Kristall aus zwei Atomsorten A und B, bei dem
die Bindungsenergie zwischen allen Beteiligten immer gleich groß ist,
d.h. UAA = UBB =
UAB. Wer das gekünstelt findet, nimmt
zwei verschiedene
Isotope
derselben Atomsorte - es kommt nur darauf an, dass wir A und B
unterscheiden können.
- Einen perfekten Kristall aus einer Atomsorte mit und ohne ein paar
Leerstellen
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Wie das aussieht ist hier
gezeigt: |
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Im ersten Fall könnten die
A und B Atome vollständig regelmäßig, d.h in
perfekter Ordnung die Gitterplätze besetzen
wie links gezeichnet, sie könnten das aber auch "rein
statistisch" in perfekter Unordnung
tun, wie im rechten Bild (für jeden Platz eine Münze werfen; Kopf =
rot, ...). |
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Was werden sie denn tun? Der
1.
Hauptsatz sagt dazu gar nichts. Die innere Energie ist für jede der
beiden Anordnungen dieselbe, auch dann noch, wenn man die Schwingungen um die
Gleichgewichtslage mitnimmt. |
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Die Erfahrung sagt aber ganz klar, dass es
ziemlich unwahrscheinlich ist,
perfekte Ordnung zu finden. Spätestens wenn wir noch zulassen, dass die
Atome sich (per
Diffusion) etwas bewegen
können, wird Ordnung, falls sie jemals existierte, nicht lange aufrecht
erhalten werden können. Die Grundaussage ist also: |
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| Bei gleicher innerer Energie
sind unordentliche Anordnungen der Teilchen des Systems viel wahrscheinlicher
als ordentliche Anordnungen |
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Das ist eigentlich ziemlich trivial: Es gibt
einfach unglaublich viele Möglichkeiten, einen unordentlichen Zustand zu
erwürfeln, und nur eine sehr, sehr unwahrscheinliche Möglichkeit, die
perfekte Ordnung zu erwürfeln. Anders ausgedrückt: Sehr viel Wege
führen vom ordentlichen Ausgangszustand zur Unordnung, aber nur einer von sehr viel Wegen führt vom
unordentlichen Zustand zur Ordnung. |
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Das gilt in noch viel stärkerem
Masse für das erste System - ein Gas - das wir im vorhergehenden
Unterkapitel angeschaut haben. |
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Stellen wir uns zwei Teilchensorten vor
(O2 und N2, blau oder gelb, ...), dann
könnten wir die Teilchen halbwegs ordentlich im gegebenen Volumen
unterbringen, indem wir die blauen eher links, und die gelben eher rechts
halten. Nicht besonders ordentlich, aber definitiv ordentlicher als eine rein
statistisch durchgemischte Anordnung. An den Geschwindigkeiten ändern wir
nichts, also ist die innere Energie immer dieselbe. |
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Das Bild zeigt, wie das aussieht - einfach nur
abstrus. Gibt's nicht; sowas macht Mutter Natur niemals. Zumindest ist es
sehr unwahrscheinlich, dass in einem
gegebenen Volumen (der Hörsaal), sich alle Stickstoffmoleküle hinten
und die Sauerstoffmoleküle alle vorne befinden - und sei es auch nur ganz
kurzzeitig! Direkt verboten ist das aber auch nicht. |
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Wie wahrscheinlich es wäre, ist
leicht auszurechnen: |
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Teile das verfügbare Volumen in soviel
Volumenelemente wie Moleküle (= N). Werfe für jedes
Volumenelement eine Münze: Kopf: O2 geht ins
Volumenelement "vorne", Zahl: N2 geht ins
Volumenelement "hinten". |
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Wie groß ist dieWahscheinlichkeit
w(N), dass für die Volumenelemente 1 ,
2, .... N/2 (mit N so um die
1024) immer nur Zahl geworfen wird? Nun ja.
w(N) ist nicht exakt Null, aber schon sehr, sehr
klein. |
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Ordentliche O2 / N2
Molekülverteilung im Hörsaal
Eher unwahrscheinlich (Dem 2. Hauptsatz sei Dank) |
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Wiederum ist offenbar von allen
möglichen Anordnungen mit gleicher innerer Energie die mit der
größten Unordnung am wahrscheinlichsten. Schlicht und ergreifend
deswegen, weil es nur wenig Möglichkeiten gibt, eine ordentliche
Verteilung zu "würfeln", aber sehr viele Möglichkeiten
für Unordnung. |
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Jetzt schauen wir das Bild des
Kristall mit Leerstellen an. Relativ zum perfekten Kristall links hat derselbe
Kristall mit drei Leerstellen eine höhere innere Energie - wir mussten
dreimal die
Bildungsenergie einer
Leerstelle, also 3EVF, hineinstecken,
um die Leerstellen zu machen. |
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Trotzdem werden wir bei höheren
Temperaturen den Kristall voller Leerstellen finden - mit einer Konzentration
cV =
exp(EVF/kT)
wie
bereits gehabt. Mit diesen Leerstellen ist der Kristall definitiv
unordentlicher als mit keinen, und sein Grad an Unordnung nimmt mit steigender
Leerstellenkonzentration, also mit steigender Temperatur, zu. Leerstellen sind
in dieser Betrachtung "unaufgeräumte" Atome. |
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Das ist ein deutlicher Hinweis
darauf, dass das System "Kristall" nicht unbedingt nur den Zustand
mit der kleinstmöglichen Energie und gleichzeitig
größtmöglichen Unordnung anstrebt, sondern bereit ist, für
mehr Unordnung mit etwas mehr Energie "zu bezahlen". Je höher
die Temperaturen, umso mehr "wert" scheint Unordnung zu sein. |
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Wenn wir ein bißchen
nachdenken, ist das ein generelles Prinzip: mit zunehmender Temperatur steigt
die Unordnung von so ziemlich allem, und
die Energie. Es scheint auf die richtige Balance anzukommen. |
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Bei einer bestimmten Temperatur, die
wir Schmelzpunkt Tm nennen, wird das Ganze sogar
"makroskopisch" sichtbar: |
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Eine Schmelze ist definitiv eine sehr viel
unordentlichere Anordnung von Atomen, als ein Kristall mit Defekten. Es braucht
aber nicht ganz wenig Energie (die "Schmelzwärme"), um bei
Tm aus einem festen Phase eine flüssige zu machen - trotzdem
schmelzen die Kristalle! |
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Offenbar ist das System "großer Haufen
Atome" aber bereit, am Schmelzpunkt diesen "Energiepreis" zu
bezahlen. Der große Gewinn an Unordnung bei der Schmelzpunktstemperatur
wiegt die Energieinvestition offenbar auf - es lohnt sich, bei
Tm diese Investition zu machen. Bei kleineren
Temperaturen lohnt es sich nicht, deshalb bleibt der Kristall fest. |
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Auch wenn das ein bißchen merkwürdig
erscheint. Der Zugewinn an Unordnung, oder wie wir das jetzt nennen wollen:
Entropie, ist der einzige Grund dafür, dass Materialien
schmelzen. |
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Das Prinzip, nach
dem ein System "entscheidet", was es tut ist also: Finde die optimale Balance zwischen minimaler Energie und
maximaler Unordung. |
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Das zwar ein interessantes aber nutzloses
Prinzip solange wir es nur in Prosa aufstellen. Als Ingenieure wollen wir Dinge
berechnen, und dazu müssen wir wohl oder übel die Unordnung messen und mit einer Zahl versehen. Wir wollen nicht
mehr nur sagen "mein Zimmer ist heute viel ordentlicher als gestern"
sondern "mein Zimmer hat heute eine Unordnung von 17 verglichen mit
den gestrigen 132". Dazu müssen wir die Entropie quantitativ definieren |
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Für eine "gemessene"
Unordnung benutzen wir nur noch den Begriff Entropie
S, mit der
Maßeinheit eV/K (K = Grad Kelvin). |
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Wie mißt man den Grad an Ordnung oder Unordnung in
einem System? Eine schwere Frage für die immer noch überwiegend
männlichen Ingenieure, obwohl ihre Mütter mit hoher Wahrscheinlicheit
sehr oft versucht haben, ihnen beizubringen, was Ordnung ist. Eigentlich ist es ganz einfach: |
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Ordnung heißt:
Jedes Ding ist an seinem Platz.
Es gibt nur einen Platz für jedes
Ding. |
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Man denke an das perfekt aufgeräumte Zimmer,
und man erkennt, daß einerseits die Definition ganz sinnvoll ist,
andererseits perfekte Ordnung auch hier einen eher unwahrscheinlichen Zustand darstellt. |
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Im Umkehrschluß bedeutet dies: Es gibt nur
eine einzige Möglichkeit, perfekte Ordnung einzustellen! Im aufgeräumten
Zimmer ist jedes Ding an seinem Platz, im perfekten Kristall ist jedes Atom
an seinem Platz. |
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Es gibt aber viele Möglichkeiten, ein unordentliches Zimmer,
einen unordentlichen Schreibtisch oder einen unordentlichen Kristall zu
produzieren. Es gibt sehr viele
Möglichkeiten, 10 dreckige Socken auf die vorhandenen Plätze
in Zimmer zu verstreuen - einer auf dem Schreibtisch, einer unter dem Bett,
einer hinter der Tür, usw. - aber nur einen
einzigen richtigen Platz. (Hinweis für die Männer: Den
Wäschekorb). |
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Es gibt also viele grundsätzlich äquivalente
Möglichkeiten, Unordnung in einem Zimmer (oder in einem Kristall) zu
erzeugen. Diesen Ansatz über die Möglichkeiten kann man
verallgemeinern und quantifizieren |
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Quantifizieren wir mal das
Sockenbeispiel: Wir haben n Socken und N
Plätze, auf die wir Socken verteilen können. Damit kann man anfangen
zu rechnen. |
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Makroskopisch
sind n und N die beiden einzigen Größen, die das
Zimmer-Sockensystem (ZS) charakterisieren. Jedes mögliche Wertepaar
von n und N definiert damit einen spezifischen
makroskopischen Unordnungszustand, kurz einen Makrozustand (n, N) des
ZS-Systems. |
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Aber zu jedem möglichen Makrozustand gibt es
viele Mikrozustände oder
Realisierungsmöglichkeiten, zum Beispiel: |
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Zu dem ZS Makrozustand (5,23)
gehört folgende Mikrozustände
- Socken Nr. 1 auf Platz 1,
Socken Nr. 2 auf Platz 2, ,,,
- Socken Nr. 3 auf Platz 1,
Socken Nr. 5 auf Platz 2, ,,,
- usw. - aber nicht ad infinitum!
Die Liste hört irgendwann auf, sie läuft von 1., 2.,
3., bis zu einer Zahl p, die wir mit hinreichend viel
Kombinatorik
Kenntnissen ausrechnen können. |
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Nehmen wir jetzt Leerstellen statt Socken, und einen Kristall statt einem Zimmer, dann ist der Makrozustand durch die Zahl n der
Leerstellen und die Zahl N der verfügbaren Plätze im
Kristall gegeben. |
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Die makroskopischen Eigenschaften des Kristalls
hängen nur vom diesem Makrozustand ab,
d.h. von der Konzentration der Leerstellen,
cV = n/N der Leerstellen. Welcher der
vielen möglichen Mikrozustände zu
einer gegebenen Konzentration realisiert ist, spielt, wie es sein muß,
keine Rolle. |
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Schauen wir uns mal
qualitativ an, was für Möglichkeiten wir haben, um Leerstellen im
Kristall anzuordnen: |
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Zum Makrozustand i = 0:
"Alle Atome auf ihren
Plätzen"; d.h es gibt keine Leerstellen, oder (n, N) = (0,
N) gibt es nur einen
Mikrozustand, eben alle Atome auf ihren Plätzen - perfekte Ordnung! |
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Zum Makrozustand i = 1:
"Eine Leerstelle irgendwo"; oder
(n, N) = (1, N) gibt es genau p1 = N Mikrozustände,
die Leerstelle kann auf jedem der N Plätze sitzen. |
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Zum Makrozustand i = 2:
"Zwei Leerstellen irgendwo"; oder
(n, N) = (2, N) gibt es erstmal auf jeden Fall mehr als N Möglichkeiten, d. h.
p2 > p1; wieviel
genau werden wir noch ausrechnen. |
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Und so weiter. Für drei Leerstellen gibt es mehr Mikrozustände als
für zwei - die Zahl der Mikrozustände pi
steigt jedenfalls mit n = i. Gleichzeitig wird der
Kristall immer unordentlicher, so wie ein Zimmer mit 30 verstreuten
Socken noch unordentlicher ist, als eines
mit nur 5. |
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Wir erkennen: |
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Die Zahl
pi der möglichen Mikrozustände zum
Makrozustand Nr. i
ist ein quantitatives Maß für den Grad der
Unordnung dieses Zustands. |
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Damit können
wir jetzt die Entropie quantitativ definieren: Das ist die berühmte
Formel von Boltzmann; die wir hier in leicht vereinfachter
Form benutzen: |
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Die Größe k ist die mit Recht
so genannte Boltzmannkonstante.
Boltzmannkonstante und Entropieformel haben ungefähr den gleichen
"Rang" wie Lichtgeschwindigkeit c und E =
mc2 oder Plancksche Konstante h und E = hn. |
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Die schlechte Nachricht ist aber: Die obige
Entropieformel ist schwierig in der Anwendung. Man muss tief in die
Kombinatorik einsteigen und vorher sich noch klar darüber werden, was
genau man "kombiniert"? Wie groß ist die Entropie von
n Photonen in einem Spiegelkasten? Sehr schwer zu beantworten -
Planck hat beim jahrelangen Nachdenken über diese Frage seine
Strahlungsformel gefunden! |
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Die gute
Nachricht ist: Meistens muss man die Formel gar nicht so, wie sie dasteht,
verwenden. Herr Boltzmann und Kollegen haben eine universelle
"Abkürzung" gefunden, die das Ganze ziemlich einfach macht.
Bevor wir das aber im nächsten Kapitel kennenlernen, gehen wir zur
Übung erst einmal "in die Vollen" und x-en das
Lerstellenbeispiel von oben durch. |
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Wir betrachten
n Leerstellen in einem Kristall bestehend aus N
Atomen und berechnen jetzt die Entropie S(n). |
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Mit der Entropieformel S =
k · ln (pi) von Boltzmann ist das leicht (haha)
möglich. |
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Die Frage ist zunächst, wieviel
Mikrozustände
pi es zum Makrozustand "i = n
Leerstellen verteilt auf N Plätze" gibt. Es kann
natürlich immer nur eine Leerstelle
auf einem Platz sitzen. Die Zahl der Mikrozustände ergibt dann das
pi für die Formel. |
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Das ist eine Standardaufgabe aus
der elementaren Kombinatorik.
Die Formel dazu ist leicht herleitbar; wir betrachten dazu eine Tabelle der
Möglichkeiten beginnend bei n = 0. |
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| n (= i) |
pn = |
Kommentar |
| 0 |
1 |
Es gibt genau eine Möglichkeit keine Leerstelle zu haben: Alle Atome auf ihren
Plätzen. |
| 1 |
N |
Es gibt N Plätze für die
1. Leerstelle und damit N Mikrozustände. |
| 2 |
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Es gibt N Plätze für die
1. Leerstelle und noch N 1 Plätze für die
2. Leerstelle.
Vertauschen bringt jedoch nichts neues -
die Anordnungen sind ununterscheidbar. Wir
müssen also noch durch 2 dividieren |
| 3 |
N · (N 1)
· (N 2)
2 · 3 |
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Vertauschen aller 3 Leerstellen bringt
nichts neues, da die möglichen Anordnungen alle ununterscheidbar sind, wir
müssen deshalb durch 6 = 2 · 3 dividieren |
| ... |
... |
usw. |
| n |
N · (N 1)
· (N 2) · .... · (N (n +
1))
1 · 2 · 3 · ... · n |
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Wir haben ein offenkundiges Bildungsgesetz.
Der Nenner ist per definitionem n! gesprochen "Enn
Fakultät" |
| n |
N · (N
1) · (N 2) · .... · (N
(n + 1))
n! |
· |
(N
n)!
(N n)! |
|
Kleiner Trick:
Wir erweitern mit (N n)! und erhalten |
| n |
N!
n! · (N n)! |
= |
æ
è |
N
n |
ö
ø |
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Das ist eine so häufige Formel, dass sie
einen eigenen Namen und Symbol hat:
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Wir krönen diese Kapitel mit
einer noch einfachen Variante des 2. Haupsatzes der
Thermodynamik: |
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Im thermodynamischen Gleichgewicht hat ein System eine möglichst
große Entropie
und
Die Entropie eines abgeschlossenen Systems wird nie von alleine kleiner
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Der erste Satz ist klar, der zweite
Satz hat es in sich und muß erklärt werden. |
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Der 2. Hauptsatz definiert
irreversible Prozesse: Denn ein
Prozeß, bei dem die Entropie zunimmt
kann offenbar geschehen, der Rückwärtsprozeß jedoch nicht. Die
Konsequenz daraus ist: |
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Der 2.
Hauptsatz definiert eine Richtung der
Zeitachse: Auf
der Zeitachse kann man sich nur in Richtung
höherer Entropie bewegen. Der
2. Hauptsatz ist im übrigen das einzige Naturgesetz oder Axiom, das eine
Zeitrichtung kennt. Wenn man bedenkt, wie fundamental es für uns ist,
daß die Zeit immer nur in eine
Richtung fließt, ist das schon sehr erstaunlich! |
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Der 2. Hauptsatz definiert
den Wärmetod des Universums:
Irgendwann wird universelles Gleichgewicht
im wahrsten Sinne des Wortes, und damit maximale Unordnung erreicht sein.
Nichts wird sich mehr ändern - das Universum hat den Wärmetod
erlitten. |
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Man sieht: Der 2. Haupsatz hat
erheblichen Tiefgang. Wir können das hier aber nur ganz oberflächlich
ausloten. Zum Schluss noch eine weitere Formulierung des 2. Haupsatzes,
die man oft antrifft: |
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Was ist ein Perpetuum Mobile
2. Art! Das beim 1. Hauptsatz
erwähnte, war
dann wohl ein Perpetuum Mobile der 1. Art. |
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So ist es. Ein Perpetuum Mobile
1. Art generiert Arbeit = Energie aus Nichts - das gibt's nicht. |
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Ein Perpetuum Mobile 2. Art
würde Arbeit generieren, indem es aus einem Wärmereservoir (z. B. die
Weltmeere) Wärme = Energie entnimmt und in mechanische Arbeit umwandelt;
das Meer muss sich dabei irgendwie abkühlen (dabei bleibt zwar die
Gesamtenergie erhalten, aber die Entropie sinkt). |
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Gibt's nicht. Leider. |
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Man kann das auch so formulieren:
- 1. Haupsatz: You can't win.
- 2. Haupsatz: You can't even break even.
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© H. Föll (MaWi für ET&T - Script)