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Angenommen, in einem (würfelförmigen) Volumen sind
beliebig viele statistisch verteilte gerade Linien (= Versetzungen), die
alle parallel zu den Würfelkanten verlaufen und damit immer an irgendeiner
Oberfläche beginnen und enden. |
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Zeige, daß die
Versetzungsdichte dann durch die Dichte der
Durchstoßpunkte der Versetzungen an den Oberflächen
gegeben ist; d.h. die Flächendichte
der Durchstoßpunkte ist ist direkt korreliert zur Gesamtlänge pro Volumeneinheit. |
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Die erste Frage ist relativ trivial;
das Bild macht das klar: |
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Die Gesamtlänge der Versetzungen ist gleich
der Zahl der Durchstoßpunkte N (nur auf einer Fläche
gezählt) mal Kantenlänge a des Würfels mal
3 um die anderen Flächen zu berücksichtigen. Wir haben also
für die Versetzungsdichte r |
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| r = |
3 · N · a
a3 |
= |
3 · N
a2 |
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Die Flächendichte der Durchstoßpunkte
ist also bis auf den Faktor 3 identisch mit der Versetzungsdichte. |
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Überlege, ob
diese Gleichheit auch noch gilt, wenn die Versetzungen beliebig gekrümmt
laufen dürfen, insbesondere sogar geschlossene Ringe bilden
können? |
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Die Gleichheit Flächendichte =
1/3 Volumendichte gilt in diesem Fall nicht mehr in voller
Allgemeinheit. |
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Das ist leicht zu sehen; man muß sich nur
einige geschlossene Versetzungsringe im Volumen vorstellen. Die
Flächendichte ist dann = 0, die Volumendichte aber nicht. |
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Auch für "krumme" Versetzungen,
deren Länge zwischen den Durchstoßpunkten > a ist,
kann die Beziehung offenkundig nicht völlig korrekt sein. |
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Ändert sich
etwas, wenn wir statt der Dichte der Durchstoßpunkte auf der Oberfläche des makroskopischen Körpers,
die Dichte der Durchstoßpunkte auf einer beliebigen (gedachten) Ebene
durch den Kristall nehmen? |
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Ja, das ist eine neue Situation. Wir
schneiden jetzt z. B. auch einige der vorhandenen Versetzungsringe. |
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Nehmen wir an, die Dichte der Versetzungsringe
ist NRing; ihr mittlerer Radius
rRing. Eine beliebige Ebene schneidet dann
N2/3 der Versetzungsringe (das ist
analog zur
Flächendichte der Atome zu berechnen; der mittlere Abstand ist
N1/3, und rRing <
N1/3 vorausgesetzt). Ein Versetzungring macht im
Prinzip zwei Durchstoßpunkte; die Dichte an Durchstoßpunkten ist
also 2 · N2/3. |
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Die Versetzungsdichte eines Ensembles von Ringen
wäre jedoch r = NRing
· 2 · p · r; die Dichte
der Durchstoßpunkte ist also nicht identisch mit der
Versetzungsdichte. |
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Identität hätten wir nur falls p · r = N1/3, d.h.
falls der halbe Umfang der Ringe etwa identisch ist zum mittleren Abstand. |
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Das ist auch sinnvoll: Sind die
Ringdurchmesser größer als der mittlerer Abstand, bekommen wir mehr
Durchstoßpunkte, sind sie sehr viel kleiner verliert die Angabe einer
Versetzungsdichte als Länge pro cm3 ihren Sinn (sehr
viele sehr kleine Versetzungsringe als kleine Versetzungsdichte zu zählen
ist einfach nicht sinnvoll. |
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Falls wir nicht Versetzungsringe, sondern
beliebig gekurvte Versetzungen betrachten, ist die Lage ähnlich. Die
Dichte der Durchstoßpunkte ist nicht identisch mit der Versetzungsdichte,
kann aber eine gute Näherungs sein, falls die Versetzungen nicht ganz
"pathologisch" durch den Kristall verlaufen. |
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Läßt sich
daraus ein Rezept für die Messung der Versetzungsdichte in einem Kristall
ableiten (Wir unterstellen, daß man die Durchstoßpunkte sichtbar
machen kann? |
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Ja!. Bestimme die Dichte der Duchstoßpunkte
auf mehreren nicht koplanaren Ebenen (z.B. durch mehrfaches Anschleifen und neu
messen). |
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Falls man jedesmal in etwa die gleiche Dichte an
Durchstoßpunkten bekommt, kann man mit einiger Sicherheit annehmen, dass:
- Die Versetzungen homogen verteilt sind
- Die Dichte der Durchstoßpunkte ein gutes Maß für die
tatsächliche Versetzungsdichte ist.
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Wie man die
Durchstoßpunkte
sichtbar machen kann, ist im Hyperskript "Defects"
beschrieben. |
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© H. Föll