Für die Fermentation des Bakteriums Streptococcus thermophilus wurde ein mathematisches Modell entwickelt, das das Bakterienwachstum während des Prozessverlaufes sowie die Aufnahme des Substrates Lactose und die Ausscheidung des Stoffwechselproduktes Lactat beschreibt. Berücksichtigt wird zusätzlich die Veränderung des Prozessverlaufes bei unterschiedlichen pH-Werten des Mediums.
Mathematische Modelle biotechnologischer Systeme sind häufig hochgradig nichtlinear und beinhalten eine große Anzahl unbekannter Parameter. So besteht das Fermentationsmodell von Streptococcus thermophilus aus drei nichtlinearen Differentialgleichungen, in denen es 13 unbekannte Parameter zu schätzen gilt.
Methoden der nichtlinearen Optimierung scheitern oftmals an dieser Aufgabe. Ihr großer Nachteil ist, dass ein Anfangswert für die gesuchten Parameter benötigt wird, um zu verhindern, dass der Algorithmus ein nur lokales Optimum findet. Genetische Algorithmen dagegen finden aufgrund des randomisierten Suchalgorithmus häufig eine globale Lösung des Optimierungsproblems und bieten dabei eine hohe Robustheit auch bei Nichlinearitäten in der Zielfunktion.
Die Genetischen Algorithmen lösen das gestellte Problem, indem eine Anfangsmenge möglicher Lösungen aufgestellt wird, die mit Hilfe der Prinzipien der Evolution, wie Selektion, Crossover, Mutation und Überleben des Besten, schließlich zu einer optimalen Lösung führen.
Für das vorliegende Problem der Parameteridentifizierung im Fermentationsmodell des Bakteriums Streptococcus thermophilus konnten Genetische Algorithmen unter Verwendung der Matlab Toolbox „Genetic Algorithms and Direct Search“ erfolgreich eingesetzt werden.
|