Stellungnahme des Wissenschaftsrates zum Aufbau
der Technischen Fakultät, 1992
(Die Wiedergabe der Stellungnahme erfolgt ohne Gewähr
nach besten Wissen und Gewissen!)
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Wissenschaftsrat
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Drs. 1003/93
Berlin, 22.1.1993 1
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Stellungnahme zur Errichtung ingenieurwissenschaftlicher
Fakultäten an den Universitäten Freiburg und Kiel sowie
technisch orientierter Studiengänge an der Universität
Mannheim und der Medizinischen Universität zu Lübeck
.....
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| C. Schleswig-Holstein
|
68 |
| I. Kiel |
68 |
| 1. Ausgangslage |
68 |
|
a.
b.
|
(1)
(2)
(3)
(1)
(2)
(3)
(4)
(5)
|
Ausbaustand der Christian-Albrechts-Universität
zu Kiel (CAU)
Studienanfänger-, Studenten- und Absolventenzahlen
Forschung
Personalausstattung
Ausbauplanung für die Technische Fakultät
Struktur der Technischen Fakultät
Forschung
Studium und Lehre
Personal- und Sachausstattung
Unterbringung und Infrastruktur
|
68
68
69
71
73
73
74
76
78
79
|
| 2. Stellungnahme |
81 |
|
a.
b.
c.
d.
e.
f. |
|
Ziele der Ausbauplanung des Landes
Forschung
Studium und Lehre
Personal- und Sachausstattung
Unterbringung
Kosten |
81
81
84
87
90
91 |
| 3. Zusammenfassende
Empfehlung |
92 |
| II. Lübeck |
93 |
1. Ausgangslage
......
Verzeichnis der von den Ländern vorgelegten Unterlagen
|
93
..
114 |
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Vorbemerkung
Das Land Schleswig-Holstein hat im März 1990 den Wissenschaftsrat
von den Absichten zur Errichtung einer Technischen Fakultät
an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel informiert und
den Wissenschaftsrat um beratende Unterstützung gebeten. Im
Verlauf der Konkretisierung der Ausbauplanungen des Landes ist 1991
auch ein Konzept zum Aufbau medizintechnischer Studiengänge
an der Medizinischen Universität Lübeck vorgelegt worden.
Danach ist für Kiel die Errichtung einer Technischen Fakultät
mit den Studiengängen Ingenieur-Informatik, Elektrotechnik
und Materialwissenschaft vorgesehen. An der Medizinischen Universität
Lübeck soll ein Studiengang Informatik mit den Vertiefungsrichtungen
Medizinische Informatik und Medizintechnik eingerichtet werden.
Im Mai 1991 hat das Land Baden-Württemberg den Wissenschaftsrat
um eine Begutachtung der Planungen zur Einrichtung von Technischen
Fakultäten an den Universitäten Freiburg und Mannheim
gebeten. Danach sollen in Freiburg die Studiengänge Mikrosystemtechnik
und Informatik eingerichtet werden. Für Mannheim sahen die
Planungen neben ein weiteren Ausbau der vorhandenen Informatik den
Aufbau der Informationstechnik vor. Mit Schreiben vom 28. Oktober
1992 teilt das Land mit, daß auch den Beratungen mit der Arbeitsgruppe
des Wissenschaftsrates nunmehr für Mannheim zunächst der
Aufbau des Fachgebiets Technische Informatik mit einem grundständigen
Studiengang innerhalb der bestehenden Fakultät Mathematik und
Informatik vorgesehen sei, ohne daß die Absicht, langfristig
eine Fakultät für Informationstechnik zu erreichen, aufgegeben
werde.
Zur Vorbereitung einer gemeinsamen Stellungnahme zu diesen Ausbauplanungen
hat der Wissenschaftsrat im Juli 1991 eine Arbeitsgruppe eingesetzt,
die am 1. und 2. November 1991 in Kiel und Lübeck sowie am
28. und 29. Januar 1992 in Mannheim und Freiburg die Planungen mit
Vertretern der Hochschulen und des jeweiligen Landes erörtert
hat. Der Arbeitsgruppe gehörten auch Sachverständige an,
die nicht Mitglieder des Wissenschaftsrates sind. Ihnen ist der
Wissenschaftsrat zu besonderem Dank verpflichtet.
Der Wissenschaftsrat hat die Stellungnahme am 22. Januar 1993 verabschiedet.
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A. Einleitung
Universitäten und Fachhochschulen bilden zusammen ein differenziertes
Hochschulsystem, dessen weiterer Ausbau aus qualitativen und quantitativen
Gründen notwendig ist. wenngleich dabei nach Auffassung des
Wissenschaftsrates den Fachhochschulen eindeutig Vorrang gebührt,
sieht er es auch weiterhin für funktional unabdingbar an, daß
den Universitäten die Möglichkeit erhalten bleibt, den
Prozeß der begonnenen Schwerpunktsetzungen fortzuführen
und neue Schwerpunktsetzungen in Angriff zu nehmen.
Entwicklungen in der Wissenschaft und in der industriellen Praxis
.zeigen, daß den Überschneidungsbereichen zwischen Natur-
und Ingenieurwissenschaften wachsende Bedeutung zukommt, der die
Hochschulen in der Regel durch Neustrukturierung der Lehre und Forschung
in ihren Fachbereichen und Fakultäten Rechnung tragen müssen.
In besonders zu begründenden Fällen kann darüber
hinaus ein Bedarf zur Abrundung und Neuprofilierung einer Hochschule
durch die Institutionalisierung neuer Fachgebiete bestehen, wie
es mit der Einrichtung neuer Technischer Fakultäten bzw. Fakultäten
für Angewandte Wissenschaften verbunden ist. Ziel solcher Neugründungen
sollte daher nicht der Ausbau ingenieurwissenschaftlicher Ausbildungskapazitäten
im Sinne einer Steigerung der Studentenzahlen im universitären
Bereich sein; allerdings .sind sie geeignet, die räumliche
Überlastung bestehender Fakultäten zu mildern und damit
die Ausbildungssituation insgesamt zu verbessern. Zugleich ermöglichen
sie einen Abbau regionaler Defizite in Forschung und Lehre.
- 9 -
I. Allgemeine Gesichtspunkte zum Ausbau in den
Ingenieurwissenschaften
1. Qualitative Aspekte
Die wissenschaftlichen Entwicklungen in vielen Fachdisziplinen
einerseits und die sich verändernden Anforderungen zur Entwicklung
neuer Produkte und Verfahren in der Industrie andererseits lassen
erkennen, daß ein großes Innovationspotential insbesondere
an den Schnittstellen von Natur- und Ingenieurwissenschaften, aber
auch zwischen der Medizin, den Geistes- und Sozialwissenschaften
und den Ingenieurwissenschaften vorhanden ist.
Aus dem fachübergreifenden Zusammenwirken der Ingenieurwissenschaften
und der mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundlagenfächer
sind neue Fragestellungen entstanden, die nicht nur die Forschung
stimulieren, sondern auch ihren Niederschlag in neuen Studienschwerpunkten
und Vertiefungsrichtungen sowie in neukonzipierten Studiengängen
finden können. So haben sich gerade in den klassischen naturwissenschaftlichen
Fachgebieten der Physik, Chemie und Biologie Ansätze der Grundlagenforschung
dynamisch zu Fragestellungen ingenieurwissenschaftlicher Forschung
weiterentwickelt. Sie haben in neuen Fachrichtungen wie Informationstechnik,
Mikrosystemtechnik, Robotik, Materialwissenschaft und Bioverfahrenstechnik
ihren Ausdruck gefunden, deren gegenwärtiger Entwicklungsstand
weiteren Forschungsbedarf begründet.
Die gerade in diesen innovativen Forschungsfeldern notwendige Zusammenarbeit
zwischen den Fachdisziplinen an etablierten, großen Universitäten
wird bisweilen durch organisatorisch-institutionelle Barrieren erschwert,
die sich an
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traditionellen Fächergrenzen bilden. Deshalb gelingt es vielfach
nicht, die notwendige "kritische Masse" für ein neues
Forschungsgebiet zu konzentrieren.1) Gerade aber
für die Universität als wesentlichem Träger der Grundlagenforschung
gehört es zum konstitutiven Auftrag, immer wieder neue Felder
der Forschung zu etablieren und davon ausgehend die Studieninhalte
und Prüfungsordnungen fachlich neu zu gestalten.
Komplementär zu bestehenden Technischen Universitäten
können in Einzelfällen neue Forschungsfelder und darauf
aufbauende Studiengänge besonders flexibel auch an bislang
klassisch ausgerichteten Universitäten etabliert werden. Nicht
immer bedarf es dazu der Errichtung einer neuen Technischen Fakultät
bzw. Fakultät für Angewandte Wissenschaften. Solche Hochschulen
können mit forschungs- und wissenschaftspolitisch gewollten,
technikorientierten Schwerpunktsetzungen in .Forschung und Ausbildung
ein neues Profil gewinnen.2) Gerade für
kleinere Hochschulen, die sich aus fachlich einseitig strukturierten
Vorgängereinrichtungen entwickelt haben, eröffnet sich
hier eine Perspektive, um, ausgehend von vorhandenen Schwerpunkten,
ihr Fächerspektrum strukturell zu erweitern und dadurch ihre
Attraktivität für Wissenschaftler und Studenten zu sichern
und zu steigern.
1) Wissenschaftsrat: Empfehlungen des Wissenschaftsrates
zu den Perspektiven der Hochschulen in den 90er Jahren, Köln
1988, S. 67.
2) Wissenschaftsrat: Empfehlungen zum künftigen
Hochschulausbau vom Juli 1989; in: Empfehlungen und Stellungnahmen
1989, Köln 1990, S. 11-31.
Seit den 60er Jahren zeichnet sich eine strukturelle Entwicklung
ab, die durch zwei Richtungen charakterisiert ist: Im Zuge der Umwandlung
Technischer Hochschulen zu Technischen Universitäten wurden
dort Geistes- und Sozialwissenschaftliche Fakultäten neu errichtet.
Dabei spielte die klassische Universitätsidee ebenso eine Rolle
wie aktuelle wirtschaftliche, kulturelle und hochschulpolitische
Veränderungen. Zur gleichen Zeit wurde beispielsweise in Erlangen-Nürnberg
aus einer klassischen Universität heraus eine Technische Fakultät
entwickelt. Damit sollte die Zugehörigkeit des technisch-wissenschaftlichen
Denkens zur Ganzheit des geistigen Lebens dokumentiert werden, wie
es bei der Konstituierung dieser Fakultät 1966 hieß.
Diesem Beispiel sind inzwischen einige andere Universitäten
gefolgt. Beide Entwicklungsrichtungen tragen dazu bei, die Ingenieurwissenschaften
wie die traditionellen Wissenschaften und die Künste als Kulturleistungen
zu verstehen und gleichberechtigt in den Kreis der universitären
Disziplinen aufzunehmen. Sie haben zugleich mitbewirkt, daß
sich die im 19. Jahrhundert herausgebildete und strukturell verfestigte
Trennung zwischen den Hochschultypen Technische Hochschule und Universität
abschwächte, ohne Differenzierungen und Profilbildungen der
einzelnen Hochschule zu behindern. Dieser Prozeß ist keineswegs
abgeschlossen, sondern findet vor dem Hintergrund gesellschaftlicher
und wirtschaftlicher Veränderungen seine Fortsetzung. Die gerade
in den letzten Jahren in Deutschland besonders nachdrücklich
geführte Diskussion über eine gesellschaftliche Orientierung
durch und die Akzeptanz von Wissenschaft und Technik zeigt, daß
der Dialog zwischen den Natur-, Ingenieur- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften
verstärkt werden sollte. Dies sollte jedoch nur in Ausnahmefällen
zur Neugründung von Technischen Fakultäten oder technisch
orientierten Fächern Anlaß geben. Außerdem setzen
die knappen Ressourcen hier enge Grenzen, die eine qualitative Weiterentwicklung
- 12 -
traditionell ausgerichteter Hochschulen durch Errichtung neuer
Fakultäten nur für wenige erlauben.
2. Quantitative Aspekte
An den Hochschulen der elf alten Länder der Bundesrepublik
Deutschland standen zum Wintersemester 1991/92 für die Ingenieurwissenschaften
insgesamt rund 158.000 Studienplätze zur Verfügung, deren
Anzahl sich durch bereits begonnene Ausbauvorhaben auf rund 165.000
Studienplätze in den nächsten Jahren erhöhen könnte.
Die Hälfte dieser Studienplätze entfällt gegenwärtig
mit 80.000 auf die Fachhochschulen, die ihren Anteil im Rahmen der
bereits begonnenen Vorhaben auf rund 85.000 Studienplätze erhöhen
werden. Nach den von den Ländern vorgelegten Ausbauplanungen
für die Fachhochschulen sollen die ingenieurwissenschaftlichen
Studienplätze bis zum Ende des Jahrzehnts auf etwa 95.000 zunehmen.
Ein darüber hinausgehender Ausbau ist nach Ansicht des Wissenschaftsrates
dringend erforderlich.
In den ingenieurwissenschaftlichen Fachrichtungen waren im Wintersemester
1991/92 rund 352.000 Studenten eingeschrieben, davon 196.000 an
Fachhochschulen. Die Zahl der Studienanfänger betrug rund 63.000,
von denen 38.000 das Studium an einer Fachhochschule begannen; dies
entspricht einem Anteil von knapp 61% der Studienanfänger.
Im Jahre 1989 erhielten rund 11.000 Absolventen ein Universitäts-
und rund 22.000 ein Fachhochschuldiplom.
Bezogen auf die Anzahl der Studienanfänger bestand im Wintersemester
1991/92 in den Ingenieurwissenschaften an Universitäten eine
Raumauslastung von 141%, bezogen auf die Anzahl der eingeschriebenen
Studenten von 184%. Für die Fachhochschulen betrugen die entsprechenden
Werte 167% bzw. 247%. Dabei ist zu berücksichtigen, daß
an den Fachhoch
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schulen in den Ingenieurwissenschaften nahezu flächendeckend
Zulassungsbeschränkungen bestehen. Die hohe Raumauslastung,
verbunden mit einem nicht optimalen Verhältnis zwischen Studenten
und Stellen für wissenschaftliches Personal, trägt mit
zu den langen Studienzeiten in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen
bei. Im Interesse des Erhaltes der Qualität und einer Steigerung
der Effektivität der ingenieurwissenschaftlichen Hochschulausbildung
ist es geboten, die hohe Raumauslastung durch Ausbaumaßnahmen
zu reduzieren.
Der Wissenschaftsrat hat 1982 die im Vergleich mit der Gesamtstudentenzahl
unterproportionale Entwicklung der Studienanfängerzahl im Bereich
der Ingenieurwissenschaften während der 60er und 70er Jahre
zum Anlaß für eine Stellungnahme zur Lage in den ingenieur-
und naturwissenschaftlichen Berufen genommen. Lag der Ingenieuranteil
unter den Studienanfängern 1980 noch bei 19,9%, so ist er bis
zum Jahr 1990 auf 23,5% angestiegen. Die absolute Zahl der Studienanfänger
hat sich im gleichen Zeitraum um rund 26.400 auf 65.300 erhöht.
Im Jahre 1980 nahmen 40% der Studienanfänger ihr Ingenieurstudium
an der Universität auf, im Jahre 1990 waren es 42,5%.
Während die Daten zu Studiengängen und Studenten für
die mittelfristige Beurteilung der Absolventenentwicklung eine verläßliche
Grundlage darstellen, sind Aussagen zum künftigen Bedarf mit
großer Unsicherheit behaftet.1) Dies findet
auch Ausdruck in der Zurückhaltung, mit der die wenigen verfügbaren
Bedarfsprognosen ihre Ergebnisse darlegen. Sie stützen sich
auf unterschiedliche Modelle des Konjunktur-
1) Hierauf hat der Wissenschaftsrat in seinen
Empfehlungen zu Umfang und Struktur des Tertiären Bereichs
hingewiesen, Köln 1976, S. 51f.
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verlaufs und gehen von breiter angelegten Tätigkeitsprofilen
aus. Im Ergebnis unterstreichen sie den bereits in der Vergangenheit
beobachteten Trend einer zunehmenden Akademisierung der Arbeitsplatzstruktur
und halten es in den kommenden zwei Jahrzehnten für wahrscheinlich,
daß im Bereich produktionsorientierter Tätigkeiten mit
Aufgaben der Steuerung, Bedienung und Wartung von Maschinen und
Anlagen ein Anstieg der Zahl der Arbeitsplätze für Hochschulabsolventen
eintreten wird. Ein noch ausgeprägterer Anstieg könnte
sich danach im Bereich der sekundären Dienstleistungen mit
Tätigkeiten in Forschung, Entwicklung und Planung sowie bei
Management-, Organisations- und Dispositionsaufgaben abzeichnen.1)
Während gegenwärtig insgesamt für den Bereich der
ingenieurwissenschaftlichen Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt
ein in etwa ausgeglichenes Verhältnis zwischen Absolventenzahlen
und Nachfrage - immer wieder kurzfristig beeinflußt von konjunkturellen
Schwankungen - kennzeichnend ist, liegen für den Bedarf an
Ingenieuren für einen längerfristigen Entwicklungszeitraum
keine gesonderten Prognosedaten vor. Die künftige Entwicklung
der Absolventenzahlen in den neuen Ländern entzieht sich ebenso
wie die Entwicklung der Bedarfsstruktur des Arbeitsmarktes einer
mittelfristig belastbaren Einschätzung.
1) P. Hofer, I. Weidig, H. Wolff (Prognos AG
):Arbeitslandschaft bis 2010 nach Umfang und Tätigkeitsprofilen.
Gutachten im Auftrag des Instituts für Arbeitmarkt und Berufsforschung
der Bundesanstalt für Arbeit, ins Beiträge zur Arbeits-
und Berufsforschung 131.1,2, Nürnberg 1989; Tessaring, M.:
Tendenzen des Qualifikationsbedarfs in der Bundesrepublik Deutschland
bis zum Jahre 2010. Implikationen der IAB/Prognos-Projektion 1989
für die Qualifikationsstruktur der Arbeitsplätze in Westdeutschland,
in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Strukturforschung, 1/1991,
S. 45-62.
II. Orientierungshilfen
Von diesen allgemeinen Überlegungen ausgehend, hat der Wissenschaftsrat
für die Beurteilung der Planungen der Länder zur Weiterentwicklung
einzelner Universitäten durch Errichtung Technischer Fakultäten
bzw. Fakultäten für Angewandte Wissenschaften Orientierungshilfen
entwickelt, die die grundlegenden Bedingungen beschreiben, unter
denen der Aufbau solcher neuen Einrichtungen empfohlen werden kann.
Ebensowenig wie die ausgeführten Punkte erschöpfend sein
können, müssen sie alle zugleich und mit höchster
Ausprägung im Sinne einer reinen Summenbildung erfüllt
werden. Sie leiten vielmehr die Beurteilung, die in der Stellungnahme
zu einem abwägenden Gesamtbild zusammengeführt wird:
- Die Ausbauplanungen müssen innovativen Forschungseinrichtungen
und Studiengängen gewidmet sein: Die Planungen einzelner
Länder zum Ausbau bestehender Hochschulen durch die Errichtung
Technischer Fakultäten oder Fakultäten für Angewandte
Wissenschaften müssen konzeptionell erkennen lassen, daß
sie der Einrichtung innovativer Forschungsrichtungen und Studiengänge
gewidmet sind. Es kann deshalb nicht darum gehen, neue Technische
Fakultäten aufzubauen, deren Fächerspektrum überwiegend
bereits an bestehenden Universitäten zu finden ist.
- Forschung und Lehre sollen auf vorhandenen Grundlagen aufbauen
und in die vorhandene Fächerstruktur der Hochschule eingebettet
sein: Forschung und Lehre der geplanten neuen Einrichtung sollten
auf bereits vorhandenen fachlichen Schwerpunkten und Grundlagenfächern
aufbauen und dem Gebot der Durchlässigkeit verpflichtet sein.
Um die notwendige Verbindung zwischen den bestehenden Disziplinen
und den neu einzurichtenden Fächern der Ingenieurwissenschaften
zu gewährleisten, sollte die neue Fa-
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kultät in die Fächerstruktur und die Forschungsschwerpunkte
sowohl der eigenen Hochschule als auch der Hochschulen und der außeruniversitären
Forschungseinrichtungen der Region eingebettet sein und sie zugleich
ergänzen und abrunden. Unter diesen Bedingungen kann von den
neuen Initiativen Signalwirkung auf die großen Technischen
Universitäten ausgehen, deren historisch gewachsenes, disziplinäres
Selbstverständnis nicht selten zu Verkrustungen führt,
die notwendigen fachübergreifenden Erneuerungsprozessen entgegenstehen
können.
- Die Studiengänge sollten eine breitangelegte Grundlagenausbildung
vermitteln und sich in der Vielfalt ihrer Vertiefungsrichtungen
an zukunftsorientierten Gebieten ausrichten: Sowohl für die
Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses als auch mit Blick
auf die Anforderungen der beruflichen Praxis sollten die angestrebten
neuen Studiengänge eine breitangelegte Grundlagenausbildung
vermitteln; denn angesichts der schnellen Entwicklungen in der
Forschung und in der durch Technik geprägten Produktion verliert
eine enge Spezialisierung im Studium bereits nach sehr kurzer
Zeit ihren Wert. Ausgerichtet an zukunftsorientierten Gebieten,
sollte im Rahmen des Hauptstudiums eine ausreichende Vielfalt
an Vertiefungsfächern - orientiert auf das Studienziel -
angeboten werden. Durch regelmäßige Überprüfung
des Studienangebots muß den sich verändernden Forschungsthemen
Rechnung getragen werden.
- Die bauliche, personelle und sächliche Grundausstattung
muß ausreichend sein. In den Ingenieurwissenschaften besitzen
Drittmittel für Forschung und Entwicklung, in die die Studenten
während des Hauptstudiums im Rahmen des forschenden Lernens
einbezogen werden, erhebliche Bedeutung. Gerade vor dem Hintergrund
der sich verschärft ab
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zeichnenden Grenzen des Drittmittelaufkommens von seiten staatlicher
Stellen und Industriefirmen wird es beim Aufbau neuer ingenieurwissenschaftlicher
Einrichtungen von Anfang an darauf ankommen, daß die personelle,
sächliche und bauliche Grundausstattung ausreichend dimensioniert
ist, um die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der
neuen Einrichtung zum frühestmöglichen Zeitpunkt und auf
Dauer zu gewährleisten.
Unter strukturellen Aspekten ist auch auf die besondere Bedeutung
hinzuweisen; die die Ingenieurwissenschaften für die Wirtschaft
einer Region besitzen. Mit ihrer angewandten Grundlagenforschung
nehmen sie Ergebnisse der Naturwissenschaften auf und schlagen eine
Brücke zur Entwicklung in der industriellen Praxis. Sie können
zu einem wesentlichen Innovationspotential einer Region werden,
indem sie die Ergebnisse der universitären Forschung bereitstellen
und qualifiziertes Personal mit breiten Grundlagenkenntnissen ausbilden,
das gerade auch für mittlere und kleinere Unternehmen ohne
eigene Forschungskapazität von großer Bedeutung ist.
Dies gilt in gleicher Weise für die Verfügbarkeit von
Laboreinrichtungen, in denen Forschungsprojekte mit externen Partnern
durchgeführt werden können.
Die Orientierungshilfen sind auch geeignet, den Universitäten
der neuen Länder Rahmenbedingungen für ihre Weiterentwicklungsmöglichkeiten
anzugeben. Nachdem der Wissenschaftsrat bei seinen Empfehlungen
zu den Ingenieurwissenschaften an den Universitäten und Technischen
Hochschulen der neuen Länder der Konsolidierung und der fachlichen
Verbreiterung der bereits angebotenen Studiengänge Vorrang
eingeräumt hat, bieten die Orientierungshilfen nun Anhaltspunkte,
wie nach der notwendigen Konsolidierungsphase organische Schwerpunktentwicklungen
konzeptionell angelegt sein können.
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C. Schleswig-Holstein
I. Kiel
1. Ausgangslage
a. Ausbaustand der Christian-Albrechts-Universität
(CAU) zu Kiel
Die Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel wurde 1665
gegründet und gliedert sich heute unter Einschluß der
neugegründeten Technischen Fakultät in acht Fakultäten,
ferner in Fakultätseinrichtungen (Institute, Seminare, Abteilungen),
gemeinsame Einrichtungen mehrerer Fakultäten, zentrale Einrichtungen
und neugegliederte Einrichtungen (An-Institute). Insgesamt bietet
die CAU 120 grundständige Studiengänge an. Ihr stehen
in den Studien- und Zentralbereichen 146.633 m2 netto Hauptnutzfläche
zur Verfügung.
(1) Studienanfänger-, Studenten- und Absolventenzahlen
Die Zahl der Studienanfänger stieg von 3.260 im Studienjahr
1985/86 auf 4.500 im Studienjahr 1990/91 an. Die Gesamtzahl der
Studenten an der CAU erhöhte sich von 17.220 im Wintersemester
1985/86 um 1.740 (10,1%) auf 18.960 im Wintersemester 1990/91.
Im Zeitraum von 1985/86 bis 1988/89 nahm die Zahl der insgesamt
an der Hochschule erfolgreich abgelegten Prüfungen (ohne Promotionen)
von 1.460 um 165 bzw. 11,3% auf 1.625 zu. Den größte
Zuwachs verzeichnet die Absolventengruppe mit den Abschlüssen
Diplom/Magister/Kirchliche Prüfung (+ 24%); auch die Zahl der
bestandenen Staatsexamina ohne Lehramt stieg (um + 14%), während
Abschlüsse mit der Befähigung zum Lehramt um 29% zurückgingen.
Dies korreliert mit
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der zu Beginn der 80er Jahre bundesweit abnehmenden Studienanfängerzahl
in den Lehramtsstudiengängen.
(2) Forschung
Die laufende Sach- und Investitionsmittelausstattung im Rahmen
des Grundhaushalts ist seit 1986 kontinuierlich von 14,4 Millionen
DM um 5,4 auf 19,8 Millionen DM im Jahre 1990 angestiegen. Diese
Beträge schließen nicht die Hochschulmedizin, spezielle
Maßnahme- und Titelgruppen sowie Zentralmittel des Landes
und Sonderprogramme ein.
In der Zeit von 1985/86 bis 1989/90 sind an der Hochschule 1.932
Promotionen erfolgreich abgeschlossen worden, was einem jährlichen
Durchschnitt von 386 Promotionen entspricht. Von der Gesamtzahl
der Promotionen wurden 491 (25,4%) von Frauen erstellt, was durchschnittlich
98 pro Jahr ausmacht. Die Promotionsstatistik bezieht sowohl Promotionen
ohne vorausgesetzte Abschlußprüfung als auch solche nach
vorausgegangener Abschlußprüfung ein.
Im gleichen Zeitraum schloß die Universität 146 Habilitationsverfahren
ab; das entspricht 29 Habilitationen pro Jahr. Mit zwölf Habilitationen
betrug der Frauenanteil rund 8%.
Das Durchschnittsalter der Absolventen zum Zeitpunkt der Promotion
lag zwischen 1985/86 und 1989/90 konstant bei 32 Jahren, das zum
Zeitpunkt der Habilitation bei 41 Jahren.
Zwischen 1986 und 1990 sind im Rahmen des Heisenberg-Programms
der DFG insgesamt 20 Stipendiaten gefördert worden. Seit Beginn
des Postdoktoranden-Programms im Jahre 1985 sind - unter Berücksichtigung
der ersten Hälfte des Jahres
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1991 - von der Hochschule 48 Anträge auf Förderung gestellt
worden. Davon wurden 32 von der DFG bewilligt, vier vom Antragsteller
zurückgezogen, zehn von der DFG abgelehnt, zwei befanden sich
im Herbst 1991 noch im Begutachtungsverfahren.
1990 wurde von der CAU ein Antrag auf Einrichtung eines Graduiertenkollegs
gestellt und bewilligt. Im Rahmen der Antragsrunde 1991 wurden vier
weitere Kollegs beantragt, über die noch nicht entschieden
wurde.
Der Umfang der eingeworbenen Drittmittel stieg von 45,4 Millionen
DM im Jahr 1986 auf 90,4 Millionen DM im Jahr 1989 an. 199D war
ein Rückgang der eingeworbenen Drittmittel auf 86,8 Millionen
DM; zu verzeichnen.
Der Umfang der von der DFG bewilligten Mittel einschließlich
Medizin variierte: Sie betrugen von 1986 bis 1990 zwischen 22,8
und 26,9 Millionen DM. Beim BMFT warb die Hochschule 1986 13,1 Millionen
DM ein; die BMFT-Mittel stiegen auf 35 Millionen DM im Jahr 1990
an. Bereits 1981 stellte das BMFT mit 24,4 Millionen DM mehr Mittel
zur Verfügung, als die DFG mit 24,1 Millionen DM bewilligte.
Die derzeit fakultätsübergreifenden Forschungsschwerpunkte
an der CAU liegen in folgenden acht Bereichen (in Klammern der Betrag
der eingeworbenen Drittmittel in Millionen DM für das Jahr
1990): Meeresforschung (36,4), Polarforschung (ca. 3,0), Umweltforschung
einschließlich Westküsten- und Wattenmeerforschung (16,6),
Medizinische Grundlagen und Klinische Forschung (10,7), Skandinavien-,
Ostseeraum- und Landesforschung (3,5), Wirtschaftswissenschaften
(13,0), Orientalistik (0,3), Astrophysik/Astro-Teilchenphysik (2,1).
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In diesem Zusammenhang ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit
zwischen geistes- und mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern
hervorzuheben, wie sie besonders stark in den Bereichen Meeres-
und Umweltforschung, aber auch in der medizinischen Forschung sowie
in der Ostseeraum- bzw. Skandinavienforschung praktiziert wird.
An der Universität arbeiten derzeit drei natur- und agrarwissenschaftliche
Sonderforschungsbereiche (SFB), die insgesamt von der DFG eine Ausstattung
im Umfang von 1,3 Millionen DM für das Jahr 1991 bewilligt
bekamen. An dem SFB 192 "Optimierung pflanzenbaulicher Produktionssysteme
im Hinblick auf Leistung und ökologische Effekte" (seit
1991) ist auch der Bereich Verfahrenstechnik der neugegründeten
Technischen Fakultät beteiligt. Bin weiterer SFB ist im medizinisch-naturwissenschaftlichen
Bereich zu Beginn des Jahres 1992 geplant. Darüber hinaus beteiligen
sich als 20 Forschergruppen aus verschiedenen Instituten der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen,
Agrarwissenschaftlichen und Medizinischen Fakultäten an dem
Großprojekt Ökosystemforschung Bornhöveder Seenkette".
Das BMFT bewilligte der Universität Kiel hierfür im Jahr
1991 5,6 Millionen DM.
(3) Personalausstattung
Der Hochschule stehen im Jahre 1991 insgesamt 1.911 Stellen für
Studien- und Zentralbereiche - ohne Hochschulmedizin - zur Verfügung.
Davon entfallen 981 auf wissenschaftliches, 936 auf nichtwissenschaftliches
Personal. Die Stellen für wissenschaftliches Personal beinhalten
193 C4- und 84 C3-Professorenstellen, ferner 32 C2-Dozentenstellen
auf Dauer sowie 382 C1- und C2-Stellen für wissenschaftliche
Nachwuchskräfte auf Zeit, darüber hinaus 299 wissenschaftliche
Mitarbeiter auf Dauer und Lehrkräfte für besondere Aufgaben,
die in der Regel befristet eingestellt oder abgeordnet werden.
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Gegenüber 1986 mit insgesamt 1.177 Stellen ist in den vergangenen
Jahren die Stellenzahl um 140 gestiegen. Davon entfällt ein
Zuwachs von 14 Stellen auf C4-Professuren, von acht Stellen auf
C3-Professuren und von elf Stellen auf C2-Dozenten auf Dauer. Die
Anzahl der Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs (C1/C2
auf Zeit) sank hingegen um acht auf 382 Stellen. Die Zahl der Stellen
für wissenschaftliche Mitarbeiter auf Dauer und Lehrkräfte
für besondere Aufgaben wurde um 17 aufgestockt, so daß
sich für wissenschaftliches Personal insgesamt ein Zuwachs
von 102 Stellen ergab. Die Zahl der Stellen für nichtwissenschaftliches
Personal wurde seit 1986 um 37 erhöht.
Die Zahl der in den Studienbereichen und Zentralbereichen aus Drittmitteln
finanzierten wissenschaftlichen Mitarbeiter ist seit 1986 von 311
auf 511 gestiegen. Demgegenüber verlief die Entwicklung bei
den aus Drittmitteln finanzierten Stellen für nichtwissenschaftliches
Personal uneinheitlich. Insgesamt stieg die Zahl des aus Drittmitteln
finanzierten Personals an der CAU von 677 im Jahre 1986 auf 880
im Jahr 1990 an.
Im Zeitraum von 1991 bis 1995 werden an der Universität Kiel
insgesamt 33 C4- und 12 C3-Stellen (16%) altersbedingt frei, von
1996 bis zum Jahr 2000 40 C4- und 24 C3-Stellen (23%), von 2001
bis 2005 48 C4- und 11 C3-Stellen (23%).
In dem zehnjährigen Zeitraum 1981 bis 1990 wurden insgesamt
110 Berufungsverfahren auf C4-/C3-Professuren erfolgreich abgeschlossen,
von denen 18 auf die Medizinische Fakultät und 12 auf die sogenannten
An-Institute entfallen. Das Durchschnittsalter der Berufenen (ohne
An-Institute) betrug 43 Jahre, bei den An-lnstituten 48 Jahrs. Von
110 Berufungen entfielen acht (ohne Medizin, dort waren es fünf)
auf Hausberufungen. Dies entspricht einem Anteil von 11,8% bzw.
ohne Medizin von 7,3%.
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Im gleichen Zeitraum wurden 87 Rufe an C4-/C3-Professoren der Kieler
Universität gerichtet, von denen 34 angenommen wurden und 53
abgewendet werden konnten. Die Annahmequote beträgt damit 39%.
Von den 82 Rufen an Kieler Nachwuchswissenschaftler wurden 77 angenommen.
b. Ausbauplanung für die Technischen Fakultät
(1) Struktur der Technischen Fakultät
Im November 1990 wurde vom Land der Gründungsausschuß
für die Technische Fakultät berufen. Bislang wurden an
der CAU keine ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge angeboten,
jedoch sind alle mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundlagenfächer
vertreten. Das geplante ingenieurwissenschaftliche Studienangebot
soll durch klassisch orientierte Studiengänge - wie die Elektrotechnik
bzw. die Informatik - und neue, innovative Studiengänge - wie
die Materialwissenschaft bzw. die Ingenieurinformatik - geprägt
sein. Dieses Fächerprofil soll dadurch besonders akzentuiert
werden, daß Elektrotechnik, Informatik und Materialwissenschaft
in einer Fakultät vereint sind .und sich in enger Kooperation
entwickeln können.
Die bereits im Aufbau befindliche neue Technische Fakultät
soll insgesamt 25 Lehrstuhleinheiten umfassen. Davon entfallen auf
die Informatik und die Elektrotechnik jeweils 10 und die Materialwissenschaft
5 Lehrstuhleinheiten. Das bereits vorhandene Institut für Informatik
und Praktische Mathematik, das den grundständigen Studiengang
Diplom-Informatik trägt und dazu über 7 Lehrstühle
mit Unterbau verfügt, wird aus der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen
Fakultät herausgelöst und in die neue Technische Fakultät
integriert. Zugleich kommen 3 Lehrstuhleinheiten neu hinzu, die
den Schwerpunkten Künstliche Intelligenz, ausfallsi-
- 74 -
chere Systeme und graphische Systeme gewidmet sind. Die Lehrstuhleinheiten
der Elektrotechnik sind den drei Bereichen Allgemeine Elektrotechnik,
Nachrichtentechnik und Energietechnik zugeordnet. Von den bereits
ausgesprochenen drei Berufungen ist das Verfahren in einem Falle
bereits abgeschlossen. Im Bereich der Materialwissenschaft ist der
Lehrstuhl für Allgemeine Materialwissenschaft bereits besetzt.
(2) Forschung
Anfang März 1992 trat in Kiel der laut Satzung der Technischen
Fakultät vorgesehene wissenschaftliche Beirat zu seiner konstituierenden
Sitzung zusammen. Er besteht aus Vertretern der lokalen Wirtschaft
und der umliegenden Wissenschaftsinstitutionen. Dabei wurden zwei
Arbeitsgruppen für die Bereiche Ingenieur-Informatik"
und "Materialwissenschaft" eingerichtet. Sie haben die
Aufgabe, Studienpläne und Forschungsschwerpunkte zu empfehlen.
Außerdem wirken Mitglieder des Beirats in den Berufungskommissionen
mit.
Die Verbindung verschiedener Fächer über gemeinsame Forschung
ist ein Anliegen der CAU, das sie mit fakultätsinternen und
-externen Kooperationen verfolgt:
Bei Kooperation zwischen Elektrotechnik und Informatik soll in
den Bereichen Rechnerstrukturen, Computerengineering, Betriebssysteme
und Schaltungsentwurf, VLSI-Strukturen, Halbleitertechnik sowie
Kommunikationstechnologie erfolgen.
Bei der Verwendung von Bauteilen greift die Elektrotechnik grundsätzlich
auf das Know how der Materialwissenschaftler zurück. Probleme
der dauerhaften Verbindung unterschiedlicher Materialien sind Forschungsgebiete
u.a. des Lehrstuhls Materialverbunde. Der Lehrstuhl Halbleitertechnik
ist von
- 75 -
der Definition seiner Forschungsschwerpunkte und den von ihm behandelten
Materialien her von vornherein eng mit materialwissenschaftlichen
Themen verbunden. Ähnliches gilt für den Lehrstuhl Photonik,
der optische und optoelektronische Bauelemente entwickelt. Die Forschungsthemen
des vierten vom Gründungsausschuß empfohlenen Lehrstuhls
Materialwissenschaft sind so ausgewählt, daß sich auch
hier ergänzende Forschungsaufgaben entwickeln können.
Korrespondierende Fragestellungen der Materialwissenschaft zum
einen und der Festkörperphysik, der Festkörperchemie,
der Kristallographie und der Mineralogie zum anderen sollen fakultätsübergreifend
zu gemeinsamen Forschungsprojekten führen.
Im Bereich Informatik bestehen bereits zahlreiche Kooperationsbeziehungen
zwischen der Universität und der Industrie, die noch weiter
ausgebaut werden sollen. Auch Forschungsaufträge aus der Industrie
für den ersten materialwissenschaftlichen Lehrstuhl liegen
bereits vor.
Am Institut für Siliziumtechnologie (ISiT) der Fraunhofer-Gesellschaft
in Itzehoe sollen die Grundlagen für zukünftige Technologieverfahren
hochintegrierter Siliziumbauelemente und Siliziummikrosysteme erforscht
und erprobt werden. Zwischen der FhG und der Technischen Fakultät
wurden die Forschungsprogramme und die gemeinsamen Interessen bereits
abgestimmt. Das Ergebnis dieser Absprachen soll in einem Kooperationsabkommen
zwischen der Hochschule, dem Land und der FhG festgehalten werden.
In diesem Vertrag, der durch Einzelvereinbarungen für Projekte
zu ergänzen und präzisieren sein wird, soll die Zusammenarbeit
in Forschung und Lehre sowie die personelle Verflechtung grundsätzlich
geregelt werden.
- 76 -
Als weitere Kooperationspartner sind die GKSS in Geesthacht, GEOMAR
in Kiel und die Technische Universität Hamburg-Harburg vorgesehen.
Unter Federführung der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen.
Fakultät hat die Universität Kiel die Errichtung eines
Graduiertenkollegs mit dem Thema Theorie und Anwendungen der
Informationsverarbeitung in neuronalen Netzen" beantragt. Beteiligt
sind Professoren der Physik, der Informatik, der Praktischen Mathematik
und der Technischen Fakultät.
Verschiedene regionale Industrieunternehmen haben sich bereit erklärt,
zur Unterstützung des Aufbaus Mittel für eine Stiftungsprofessur
zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus liegt das Angebot
für eine VEBA-Stiftungsprofessur vor. Im Zuge des industriellen
Interesses an Forschungszusammenarbeit sind Stipendien für
anstehende Dissertationen in Aussicht gestellt worden.
(3) Studium und Lehre
Das von der Gründungskommission ausgearbeitete Konzept zur
fachlichen Struktur und zur Ausgestaltung der Studiengänge
der Technischen Fakultät ist so ausgelegt, daß der hier
ausgebildete Ingenieur über die tradierten Grenzen etablierter
Fachrichtungen hinaus Kompetenzen erwirbt, um sich rasch verändernden
Herausforderungen der technischen Entwicklung flexibel anpassen
zu können. Die Studiengänge der neuen Fakultät sollen
fachlich eng verzahnt werden, nur einem weitgehend gemeinsamen Grundstudium
aufbauen und auch im Hauptstudium gemeinsame Studienanteile aufweisen.
- 77 -
a) Grundstudium
Der Studienplan der Elektrotechnik, Materialwissenschaft und Ingenieur-Informatik
sieht bis zum Vordiplom ein Lehrangebot vor, das für alle drei
Studiengänge zu 80% identisch ist. Darüber hinaus sind
für Elektrotechnik und Materialwissenschaft sowie Informatik
unterschiedliche Vertiefungsveranstaltungen vorgesehen. Auf diese
Weise ist ein Wechsel innerhalb der einzelnen Disziplinen ohne großen
Zeitverlust (max. 12 SWS) auch noch nach dem Vordiplom möglich
und zugleich wird eine allzu frühe Spezialisierung vermieden.
Das gemeinsame Basispraktikum (6 SWS) soll dazu dienen, den Studierenden
an exemplarischen Experimenten eine praktische Ausbildung anzubieten
und die typische Vorgehensweise bei der Lösung von Ingenieurproblemen
zu üben; dabei kommt dem intensiven Einsatz von Rechnern besondere
Bedeutung zu.
Durch die Aufnahme von insgesamt 10 SWS an nicht-technischen Wahlfächern
soll der angehende Ingenieur seinen Kompetenzrahmen erweitern und
sich mit Problemstellungen anderer Disziplinen vertraut machen,
um auf die zunehmende Komplexität seiner Aufgabenstellungen
vorbereitet zu werden.
Der seit Einrichtung des Studiengangs Diplom-Informatiker im wesentlichen
unveränderte Studienplan soll noch im Jahr 1992 durch eine
Neufassung abgelöst werden, die dem erweiterten Lehrangebot
insbesondere im Bereich der Technischen Informatik Rechnung trägt.
Dieser Studiengang, der gleichfalls in die Technische Fakultät
integriert werden soll, unterscheidet sich im Grundstudium erheblich
von den drei anderen Studiengängen durch seine Konzentration
auf die klassischen Kernbereiche der Informatik.
- 78 -
b) Hauptstudium
Vorerst sollen nur im Studiengang Elektrotechnik Vertiefungen im
Hauptstudium angeboten werden, die sich an den üblichen Vertiefungsrichtungen
Allgemeine Elektrotechnik, Nachrichtentechnik und Festkörperelektronik
(Mikroelektronik) orientieren. Neue und innovative Vertiefungsrichtungen,
vor allem in Verbindung mit den beiden anderen Studiengängen,
werden derzeit beraten, wie beispielsweise Mikrosystemtechnik (als
Querschnittsgebiet der Mikroelektronik, der Informatik und der Materialwissenschaft)
und Umwelttechnik (vor allem in Verbindung mit Fachrichtungen außerhalb
der Fakultät). Weitere Vertiefungen sollen sich mit der Konkretisierung
der Forschungsrichtungen der noch zu berufenden Professoren ergeben.
Auch im Hauptstudium sind Lehrveranstaltungen in nicht-technischem
Umfang von sechs SWS vorgesehen.
(4) Personal- und Sachausstattung
Das Land geht von der folgenden durchschnittlichen personellen
Ausstattung einer Lehrstuhleinheit aus: 1 C4-Professur, 1 C3-Professur,
4 Wissenschaftlerstellen (C2, C1, BAT Ia-IIa) und 4 Stellen für
Verwaltung und Technik (BAT III-VIb). Im Einzelfall kann davon abgewichen
werden, beispielsweise um besonders wichtige Lehrstühle besser
auszustatten. Auch die Anzahl der C3-Professuren soll offengehalten
werden. Es soll den Vorstellungen der jeweiligen Lehrstuhlinhaber
überlassen bleiben, z.B. eine C3-Stelle in eine entsprechende
Angestellten-Stelle umzuwandeln.
Für den Fachbereich Elektrotechnik sind zehn, den Fachbereich
Materialwissenschaft fünf und den Fachbereich Informatik zehn
Lehrstuhleinheiten vorgesehen. Der vorhandene Fachbereich Informatik
mit sieben besetzten Lehrstühlen,
- 79 -
der zur Zeit in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät
beheimatet ist, soll in die Technische Fakultät integriert
werden. Sie sollen vor allem bei den wissenschaftlichen Mitarbeiterplätzen
auf den Ausstattungsstand gebracht werden wie die neueinzurichtenden
Professuren, um sie in die Lage zu versetzen, die zukünftigen
Aufgaben bei der Gestaltung des Studiengangs Ingenieur-Informatik
zu bewältigen. Fünf Professuren (zweimal C4 und dreimal
C3) sollen innerhalb von fünf Jahren umgewidmet werden aus
den Bereichen Angewandte Physik, Völkerkunde, Pharmazeutische
Biologie und Zoologie sowie eine Poolstelle ohne feste Widmung.
Von den insgesamt für die neue Fakultät geplanten 25 Lehrstühlen
werden zwölf aus dem Bestand der Hochschule bereitgestellt.
Für die erheblichen Lehrexporte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen
Fakultät sollen ihr vorerst zehn Stellen zugesprochen werden.
Für die Infrastruktur der neuen Fakultät sind insgesamt
30 Stellen vorgesehen, davon entfallen 13 auf Werkstätten und
Zentrale Dienste, 5 auf die Bibliothek und 3 auf eine zentrale Rechnerabteilung.
Diese Stellen sind vom Land noch nicht etatisiert.
Pro Lehrstuhleinheit ist eine Sachmittelausstattung - unter Einschluß
der Mittel für Hilfskräfte und Lehraufträge - in
Höhe von etwa 250.000 DM pro Jahr geplant.
Für die Berufungsplanung insbesondere der Fächer Physik
und Mathematik ist vorgesehen, die zur Neubesetzung anstehenden
Professuren auf die Anforderungen der Technischen Fakultät
auszurichten.
(5) Unterbringung und Infrastruktur
Nach der Programmplanung des Landes besteht für 25 Lehrstuhleinheiten
und einer Gesamtzahl von 1.395 Studierenden
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(incl. des vorhandenen Studiengangs Diplom-Informatik) ein Flächenbedarf
von ca. 18.000 m2 Hauptnutzfläche. Eine Mitbenutzung vorhandener
Flächen der Universität ist bei dem bestehenden Raummangel
nicht möglich.
Das vom Land angekaufte Gelände der Firma Linotype-Hell (Grundstücksgröße
24.171 m2, Nutzfläche der vorhandenen Gebäude 13.433 m2)
soll für die kommenden sieben bis zehn Jahre nach Renovierungen
und teilweiser Sanierung für die Unterbringung der Technischen
Fakultät genutzt werden. Die geplanten Baumaßnahmen auf
dem Hell-Gelände sollen so konzipiert werden, daß längerfristig
eine Nutzung auch durch andere Einrichtungen der Universität
oder der Fachhochschule gewährleistet werden kann.
Einige Institute der Elektrotechnik und der Materialwissenschaft
benötigen Speziallabors mit hohen technischen Anforderungen.
Der Bau von Reinsträumen ist nicht vorgesehen, da das Fraunhofer-Institut
für Siliziumtechnologie solche Einrichtungen zur Mitnutzung
bereitstellt. Das Land prüft den darüber hinausgehenden
Bedarf - insbesondere der Materialwissenschaft - an Speziallabors
für den Standort Campus, an dem die Technische Fakultät
interdisziplinäre Arbeiten gemeinsam mit der Physik und anderen
Naturwissenschaften durchführen kann.
- 81 -
2. Stellungnahme
a. Ziele der Ausbauplanung des Landes
Die Ausbauplanungen des Landes für die Christian-Albrechts-Universität
Kiel sind Bestandteil eines übergreifenden Ausbaukonzepts,
das im Landeshochschulplan festgelegt ist und im Zusammenhang mit
den Bemühungen des Landes steht, die technisch-wissenschaftliche
Infrastruktur auszubauen. Für eine Realisierung des Gesamtprogramms
ist ein Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren vorgesehen. Mit
den Ausbauplanungen für die Universität Kiel verfolgt
das Land das Ziel, das auf Universitätsebene vorhandene regionale
Defizit im Bereich der Ingenieurwissenschaften abzubauen. zugleich
ist beabsichtigt, der Universität Entwicklungsperspektiven
zu eröffnen, die nachhaltig auf die mathematisch-naturwissenschaftliche
Fakultät zurückwirken sollen.
b. Forschung
Mit der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, insbesondere
mit den Grundlagenfächern Mathematik, Physik, Chemie und Kristallographie,
verfügt die Universität über eine breite fachliche
Grundlage für künftige Forschungsaktivitäten in der
neuen Technischen Fakultät. Es bestehen zahlreiche Anknüpfungspunkte
für gemeinsame Fragestellungen mit den Ingenieurwissenschaften,
die gerade an den Schnittstellen zwischen Natur- und Ingenieurwissenschaften
Innovationspotential versprechen. In diesem Zusammenhang ist es
bereits in der Aufbauphase gelungen ist, einen Stiftungslehrstuhl
einzuwerben. Anstehende Neuberufungen bzw. personelle Verstärkungen
im Zusammenhang mit der Errichtung der Technischen Fakultät
geben die Möglichkeit, dieses Potential zu erweitern.
- 82 -
Mit dem geplanten Ausbau der Informatik wird eine tragfähige
Grundlage für Forschungsaktivitäten geschaffen, die eine
Zusammenarbeit vor allem mit der Elektrotechnik in der neuen Technischen
Fakultät stärken können. Dazu empfiehlt der Wissenschaftsrat
in Anknüpfung an seine Empfehlungen zur Informatik an den Hochschulen
die Einrichtung von gemeinsamen Arbeitsgruppen, in die auch außeruniversitäre
Forschungseinrichtungen und Institute anderer Hochschulen themenbezogen
eingebunden werden sollten.
Während im Bereich der Mathematik u.a. ein neuer Forschungsschwerpunkt
Scientific Computing" auf Hochleistungsrechnern konzipiert
wird, plant die Physik eine Neustrukturierung ihrer Forschungsfelder
und eine daran orientiert Berufungspolitik. Ein der Deutschen Forschungsgemeinschaft
zur Begutachtung vorgelegter Antrag zur Errichtung eines Graduiertenkollegs
Theorie und Anwendungen der Informationsverarbeitung in neuronalen
Netzen" geht von Instituten der Physik, Informatik und Praktische
Mathematik aus und bezieht die bereits berufenen Vertreter der Elektrotechnik
und Materialwissenschaft der Technischen Fakultät ein. Der
Wissenschaftsrat sieht in diesen Aktivitäten Ansätze für
eine Einbindung der Technischen Fakultät in die vorhandenen
Fächer. Diese notwendige Entwicklung könnte jedoch dadurch
beeinträchtigt werden, daß die Mathematik-Lehrstühle
gegenwärtig sowohl im Mathematischem Seminar als auch im Institut
für Informatik und Praktische Mathematik angesiedelt sind.
Die künftige Integration des Instituts für Informatik
und Praktische Mathematik in die geplante Technische Fakultät,
die der Wissenschaftsrat befürwortet, wird zu einer weiteren
organisatorischen und dann auch räumlichen Trennung führen,
wenn das Institut für Informatik und Praktische Mathematik
in der Aufbauphase der neuen Fakultät im Hell-Gelände
untergebracht wird. Vor diesem Hintergrund begrüßt der
Wissenschaftsrat die vom Land ge-
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plante Verstärkung der Mathematik im Rahmen der geplanten
Technischen Fakultät und empfiehlt, die vorgesehene Professur
für Numerische Mathematik entsprechend ihrer Bedeutung von
C3- auf C4-Niveau anzuheben. Zugleich bittet er das Land, das Mathematische
Seminar in seiner Absicht, sich thematisch stärker auf die
künftigen Notwendigkeiten der Technischen Fakultät einzustellen,
weiterhin zu unterstützen. Für das künftige Forschungsprofil
der neuen Fakultät wird es von großer Bedeutung sein,
in welchem Ausmaß gemeinsame Fragestellungen mit dem Grundlagenfach
Mathematik entwickelt werden können.
Die geplante Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie
(ISiT) in Itzehoe, die sich auf Siliziumsysteme, anwendungsspezifische
Technologievarianten sowie Einzelprozesse und Fertigungstechniken
vor allem auf dem Gebiet der Mikrosystemtechnik erstrecken wird,
läßt Synergieeffekte erwarten. In diese Zusammenarbeit
soll auch die Anwenderindustrie einbezogen werden mit dem Ziel,
Baustein-Prototypen herzustellen, um frühe Entwicklungen neuer
Systeme und Produkte zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang
begrüßt der Wissenschaftsrat gemeinsame Berufungen von
Universität und ISiT sowie die gemeinsame Nutzung räumlicher
und apparativer Ressourcen, wie aus den vorgelegten Entwürfen
der Kooperationsverträge hervorgeht; so wird die Materialwissenschaft
der Universität in Itzehoe Rein- und Reinsträume mitnutzen
können. Für die Vertragsgestaltung empfiehlt der Wissenschaftsrat
dem Land, eine solche Mitnutzung in gewissem Umfang auch projektunabhängig
sicherzustellen. Für experimentelle Forschungsarbeit und Ausbildungszwecke
wird es gleichwohl notwendig sein, auch in Kiel in begrenztem Umfang
hochinstallierte Arbeitsplätze einzurichten. Umfang und Qualität
werden u.a. davon abhängig sein, inwieweit die Kapazitäten
des ISiT durch Aufnahme weiterer Kooperationspartner ausgelastet
werden. Der Wis-
- 84 -
senschaftsrat bittet das Land um frühzeitige Abklärung
dieser Frage und einen Bericht darüber bei Anmeldung des ersten
Vorhabens für die Materialwissenschaft zum Rahmenplan.
Der Wissenschaftsrat begrüßt die Einsetzung eines Beirats
für den Aufbau der Technischen Fakultät zur Unterstützung
des Gründungsdekans, dem externe Vertreter aus Wissenschaft
und Wirtschaft angehören. Er sieht darin einen wichtigen Beitrag
zur notwendigen weiteren Konkretisierung des Forschungsprogramms,
wie die bereits erfolgte Bildung von Arbeitsgruppen des Beirats
für Materialwissenschaft und für Ingenieur-Informatik
anzeigt. Die Mitwirkung von Mitgliedern des Beirats in den Berufungskommissionen
wird die Umsetzung seiner Empfehlungen unterstützen. Für
die Forschungsprogramme erwartet der Wissenschaftsrat eine wirksame
Abstimmung zwischen der Technischen Fakultät der CAU mit den
Universitäten Rostock und Hamburg sowie der Technischen Universität
Hamburg-Harburg unter Einbeziehung der regionalen außeruniversitären
Forschungseinrichtungen.
c. Studium und Lehre
Ein Charakteristikum der geplanten Studiengänge Ingenieur-Informatik,
Elektrotechnik und Materialwissenschaft ist ein zu etwa 80% gemeinsames
Grundstudium. Diese Konzeption ist ebenso neu wie das vorgesehene
gemeinsame Basis-Praktikum im Umfang von sechs Semesterwochenstunden
im Grundstudium. Hier sollen die typischen Vorgehensweisen bei der
Lösung von Ingenieurproblemen unter intensiver Nutzung von
Rechnern vertieft werden. Der Wissenschaftsrat begrüßt
diese enge Verzahnung der drei Studiengänge, die nicht nur
eine umfassende Grundlagenausbildung gewährleisten soll, sondern
zugleich den Studenten bis zum Vordiplom die Möglichkeit eines
Fachwechsels ohne größeren Zeitverlust offen läßt.
- 85 -
Mit den vorgesehenen vier Semesterwochenstunden für nicht-technische
Wahlfächer im Grundstudium und sechs Semesterwochenstunden
im Hauptstudium, die aus dem breiten Fächerangebot der Universität
frei gewählt werden können, wird zwar der Notwendigkeit
Rechnung getragen, in verstärktem Maße die Denkweisen
und Ergebnisse der Geistes- und Sozialwissenschaften in das Ingenieurstudium
einzubeziehen, doch bittet der Wissenschaftsrat bei der Erarbeitung
der Studienordnungen zu prüfen, inwieweit diese Anteile konkret
im Studienplan verankert und ob sie mit Leistungsnachweisen in die
Diplom-Prüfung einbezogen werden können.
Nach dem gegenwärtigen Planungsstand können die Studiengänge
Materialwissenschaft und Ingenieur-Informatik, die zum Wintersemester
1992/93 bzw. zum Wintersemester 1993/94 beginnen sollen, im Bereich
des Hauptstudiums noch nicht weiter konkretisiert sein. Für
den Studiengang Elektrotechnik, der mit 40 Studienanfängern
zum Wintersemester 1991/92 die Ausbildung aufgenommen hat, werden
nach dem Vordiplom die klassischen Vertiefungsrichtungen Allgemeine
Elektrotechnik, Nachrichtentechnik und Festkörper-Elektrotechnik
(Mikroelektronik) angeboten. Für die Festlegung der Inhalte
des Hauptstudiums empfiehlt der Wissenschaftsrat eine Orientierung
an den Forschungsschwerpunkten der Technischen Fakultät. Bei
der Konkretisierung der Vertiefungsrichtungen der anderen beiden
Studiengänge sollten die neuen Möglichkeiten Niederschlag
finden, die sich aus der organisatorischen Zusammenfassung von Informatik,
Materialwissenschaft und Elektrotechnik in einer Fakultät und
ihrer Zusammenarbeit ergeben können.
Im Bereich der Informatik ist mit Blick auf die fachlichen Möglichkeiten
der neuen Technischen Fakultät die Diplom-Prüfungsordnung
für den Abschluß Diplom-Informatiker überarbeitet
worden. Der neue Studiengang mit dem Abschluß Di-
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plom-Ingenieur der Informatik (Ingenieur-Informatiker) weist zwar
in begrenztem Umfang fachlich begründete Überschneidungen
mit dem Studiengang Diplom-Informatiker auf, stellt in den Mittelpunkt
seiner Ausbildung jedoch Fragen der Konstruktion von Rechnersystemen
und ihrer Komponenten. Dazu sind breite Kenntnisse der technologischen
Möglichkeiten, die die Elektrotechnik und die Materialwissenschaften
bieten, unerläßliche Voraussetzungen. Mit der Einrichtung
des Studiengangs Ingenieur-Informatik greift das Land die Empfehlung
des Wissenschaftsrates auf, verstärkt Studiengänge einzurichten,
die Elektrotechnik und Informatik verbinden. Dabei sollte besonderer
Wert auf das Denken in Gesamtentwürfen von Systemen, insbesondere
flexible wechselseitige Anpassungen von Hard- und Software, gelegt
werden.1) Die neugeschaffenen Professuren orientieren
sich an dieser Aufgabenstellung; nach ihrer Besetzung ist ein entsprechender
Studienplan auszuarbeiten.
Wie bei der Forschung besteht auch im Bereich von Studium und Lehre
die Notwendigkeit, das Grundlagenfach Mathematik an die Anforderungen
der Studiengänge der geplanten Technischen Fakultät heranzuführen.
Nach den Planungen des Landes soll dies durch einen personellen
Ausbau des Mathematischen Seminars und eine Verstärkung der
Praktischen Mathematik im Rahmen der Technischen Fakultät stattfinden.
Für den Erfolg einer solchen Lösung ist die Bereitschaft
des Mathematischen Seminars von ausschlaggebender Bedeutung, sich
auf technikbezogene Fragestellungen auch in der Lehre einzulassen.
Denn nach Auffassung des Wissenschaftsrates ist der Lehrexport in
die Technische Fakultät keineswegs Aufgabe
1) Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Informatik
an den Hochschulen, Köln 1989, S. 60.
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einiger Servicestellen, sondern obliegt dem Mathematischen Seminar
insgesamt. Die organisatorische Verantwortung für die Erbringung
der Lehrleistungen sollte fest an einen Lehrstuhl des Seminars gebunden
werden. Dies gilt auch für den Lehrexport aus der Physik, der
Chemie und der Kristallographie. Er bittet in diesem Zusammenhang
das Land zu prüfen, ob es für den Aufbau der geplanten
Technischen Fakultät nicht förderlicher sein könnte,
das Lehrangebot in Mathematik durch einen entsprechenden Ausbau
des Instituts für Informatik und Praktische Mathematik innerhalb
der Technischen Fakultät selbst sicherzustellen. Er bittet
das Land, über das Ergebnis der Prüfung mit den Anmeldungen
zum 24. Rahmenplan zu berichten.
Der Wissenschaftsrat hält den schrittweisen Aufbau der geplanten
Studienanfängerkapazitäten von 120 für den Studiengang
Elektrotechnik, 120 für beide Informatikstudiengänge sowie
60 für den Studiengang Materialwissenschaft für angemessen.
Unter den Bedingungen in Kiel ist es sinnvoll, zunächst mit
dem Studiengang Elektrotechnik zu beginnen, den Studiengang Materialwissenschaft
zum Wintersemester 1992/93 folgen zu lassen und schließlich
ab Wintersemester 1993/94 die Ingenieur-Informatik anzubieten-.
Diese schrittweise Aufnahme des Studienbetriebs ist jedoch nur realisierbar,
wenn zuvor zeitversetzt der notwendige personelle und räumliche
Ausbau stattfindet. Dies gilt insbesondere für den Studiengang
Materialwissenschaft, der entsprechend der Planung nur begonnen
werden kann, wenn zusätzliche Lehrleistungen aus den Grundlagenfächern
bereitgestellt werden können.
d. Personal- und Sachausstattung
Die vom Land geplanten inhaltlichen Ausrichtungen der Lehrstuhleinheiten
entsprechen den gesteckten Ausbauzielen in
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Forschung und Lehre. Sie sind im Zusammenwirken mit dem Beirat
für die Einleitung von Berufungsverfahren weiter zu konkretisieren,
wobei jedoch die jetzt vorgesehenen Schwerpunkte die Ausgangslage
bilden sollten. Eine Konkretisierung der Berufungsplanunq ist insbesondere
für den Bereich der Materialwissenschaften notwendig, um im
Bereich Forschung eine stärkere thematische Konzentration und
Profilierung zu erreichen.
Die vom Land vorgesehene durchschnittliche Personalausstattung
pro Lehrstuhleinheit von einer C4- und einer C3-Professur sowie
vier Wissenschaftler-Stellen (C2, C1, BAT Ia bis IIa) und vier Stellen
für Verwaltung und Technik (BAT III bis VIb) betrachtet der
Wissenschaftsrat als gerade noch ausreichend. Sie darf keinesfalls
unterschritten werden. Aus diesem Grund empfiehlt er dringend, die
bislang vom Land noch nicht bewilligten 30 Infrastrukturstellen
zusätzlich zu den für die Lehrstuhleinheiten vorgesehenen
Stellen einzurichten, weil eine ausreichende Infrastruktur für
die Arbeit der Technischen Fakultät eine wesentliche Voraussetzung
darstellt.
Der Wissenschaftsrat unterstützt die geplanten Umwidmungen
von zwei C4- und drei C3-Stellen innerhalb von fünf Jahren,
die das Engagement der vorhandenen sieben Fakultäten der CAU
für die Technische Fakultät unterstreichen. Er bittet
das Land zu prüfen, ob bei der Berufungsplanung der Universität
mittelfristig weitere Umwidmungsmaßnahmen möglich sind.
Die drei neuen Studiengänge bedürfen zu ihrer Durchführung
der Unterstützung durch Lehrimport aus der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen
Fakultät, die dazu über keine freien Kapazitäten
in ausreichendem Umfang verfügt. Ein solcher Lehrexport bildet
zugleich eine weitere Klammer zwischen
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den beteiligten Fakultäten. Nach den Plänen des Landes
sollen dafür zehn zusätzliche Stellen zur Verfügung
gestellt werden, die hauptsächlich der Mathematik zufallen.
In diesem Zusammenhang bedauert der Wissenschaftsrat, daß
nach 1988 allein acht vormals befristet angestellte Wissenschaftler
des Mathematischen Seminars in Dauerstellen überführt
worden sind; auch in den Fächern Physik, Chemie und Kristallographie
sind solche Überleitungen erfolgt. Von ihrer fachlichen Ausrichtung
her sind sie für Lehrexport in die Technische Fakultät
nicht unbedingt geeignet, so daß aus dieser Situation heraus
eine Bereitstellung zusätzlicher Stellen für wissenschaftliche
Mitarbeiter unvermeidlich ist.
Der Wissenschaftsrat bittet das Land zu prüfen, ob insgesamt
zehn Stellen für Serviceleistungen ausreichend sind, und gibt
zu erwägen, sie auf 10 zusätzliche Stellen aufzustocken,
wie es bereits der Gründungsausschuß empfohlen hatte,
um der übergeordneten Notwendigkeit einer breiten Grundlagenausbildung
der Ingenieur-Studenten angemessen Rechnung zu tragen.
Die nach den Planungen vorgesehene Sachmittelausstattung pro Lehrstuhleinheit
- unter Einschluß der Mittel für Hilfskräfte und
Lehraufträge - in Höhe von etwa 250.000 DM pro Jahr für
eine Lehrstuhleinheit ist äußerst knapp bemessen. Gerade
in der Aufbauphase hält es der Wissenschaftsrat für notwendig,
die neuen Einrichtungen in die Lage zu versetzen, sich schnell eine
Position und ein Profil aufzubauen, von denen aus sie sich erfolgreich
um Drittmittel bewerben können. Deshalb bittet der Wissenschaftsrat
daß Land, diesen Mittelansatz zu erhöhen.
- 90 -
e. Unterbringung
Das vom Land für Hochschulzwecke erworbene Hell-Gelände
ist mit den vorhandenen Gebäuden geeignet, in der Aufbauphase
einige Bereiche der neuen Technischen Fakultät zu beherbergen.
Der Zustand der Gebäude und ihr Zuschnitt erlauben es jedoch
nicht, hier eine längerfristige Unterbringung der Technischen
Fakultät ins Auge zu fassen. Vor diesem Hintergrund sollte
von Ausbaumaßnahmen an diesem Standort für die Technische
Fakultät von vornherein abgesehen werden; empfohlen werden
können lediglich nutzungsneutrale Installationen und Infrastrukturmaßnahmen
sowie die Beschaffung beweglicher Geräte. Zur Durchführung
der Lehre sollten allerdings Semesterräume in beschränktem
Umfang eingerichtet werden.
Die fachliche Notwendigkeit zur Einbindung der geplanten Technischen
Fakultät in die Grundlagenfãcher, die in erheblicher
Entfernung auf dem Stammgelände untergebracht sind, sowie die
baulich begrenzten Möglichkeiten des Hell-Geländes machen
es nach Auffassung des Wissenschaftsrates unumgänglich, für
die Technische Fakultät einen Neubau zu errichten. Dazu stehen
auf dem Campus-Gelände in ausreichendem Maße freie Flächen
zur Verfügung. Das Land wird gebeten, entsprechende Planungen
einzuleiten und darüber mit den Anmeldungen zum 24. Rahmenplan
einen Zwischenbericht zu geben.
Die für die Materialwissenschaft notwendigen experimentellen
Einrichtungen erfordern eine aufwendige Infrastruktur und sind mit
hohen Investitionen verbunden. Der Wissenschaftsrat bittet deshalb
das Land, Laboreinrichtungen für diesen Bereich auf dem Campus-Gelände
einzurichten und dazu die Planungen unmittelbar einzuleiten, um
zum frühestmöglichen Zeitpunkt dort experimentelle Arbeitsmöglichkeiten
- 91 -
bereitzustellen. Nur durch Schaffung eines attraktiven Umfelds,
zu dem auch die enge räumliche Verbindung zu den Grundlaqenfächern
gehört, wird es dem Land angesichts der Konkurrenzsituation
in den Ingenieurwissenschaften gelingen, Professoren für den
Aufbau der Technischen Fakultät zu gewinnen.
Vor diesem Hintergrund sollten notwendige Hörsaalkapazitäten
für die Technische Fakultät von Anfang an auf dem Campus
errichtet werden. Zur Vermeidung von Nachteilen für die Studenten
durch die Unterbringung der neuen Fakultät an zwei Standorten
in einer Übergangsphase sollten alle an der Lehre Beteiligten
ihre Veranstaltungen räumlich und zeitlich flexibel anbieten
und nach Möglichkeit tageweise Veranstaltungsblöcke an
einem Standort einrichten.
Im Bibliotheksbereich wird durch die räumliche und organisatorische
Verlagerung des Instituts für Informatik und Praktische Mathematik
auf das Hell-Gelände die Anbindung an die gemeinsamen mit dem
Mathematischen Seminar genutzte Bibliothek erheblich beeinträchtigt.
Das Land wird gebeten, geeignete Maßnahmen zur Milderung der
negativen Effekte zu ergreifen. Dazu kann eine Verlagerung von Teilen
der Bibliothek ins Hell-Gelände ebenso gehören wie die
Einrichtung eines regelmäßigen Pendeldienstes zum Hell-Gelände.
f. Kosten
Ausgehend von einem Flächenbedarf von rund 16.000 m2, schätzt
das Land für den auf etwa zehn Jahre angelegten Aufbau der
Technischen Fakultät den Investitionsbedarf auf insgesamt rund
175 Millionen DM. Davon entfallen rund 100 Millionen DM auf Grunderwerb
und Baukosten sowie 23 Millionen DM auf die Ersteinrichtung des
Gebäudes entsprechend den Ersteinrichtungskennwerten des Rahmenplans.
14 Million-
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nen DM sind für die Beschaffung von Großgeräten
im Zuge der Berufungsverfahren vorgesehen. Zur Verstärkung
der Rechnerkapazität, Ausstattung der Werkstätten und
für Beschaffungen im Bibliotheksbereich sind rund 30 Millionen
DM vorgesehen.
Das Land hat in diesem Zusammenhang erklärt, daß dieser
Investitionsbedarf in der Finanzplanung, soweit wie heute zu überblicken
ist, berücksichtigt sei, und betont, daß durch diese
Investitionen der Fachhochschulausbau nicht beeinträchtigt
werde. Der Wissenschaftsrat hält angesichts des frühen
Planungsstandes die geschätzten Investitionskosten für
angemessen, weist jedoch darauf hin, daß erfahrungsgemäß
im Zuge der Konkretisierung der Baumaßnahmen gerade im ingenieurwissenschaftlichen
Bereich die Kostenrichtwerte keinen ausreichenden Investitionsrahmen
darstellen. Zudem hat sich durch den Erwerb des Hell-Geländes
nach Abschluß der Programmplanung und der darauf fußenden
Kostenschätzung eine neue Situation ergeben, die in den Finanzplanungen
des Landes Berücksichtigung finden muß. Der Wissenschaftsrat
bittet deshalb das Land, zum frühestmöglichen Zeitpunkt
die Kostenschätzung zu aktualisieren und sie finanzpolitisch
abzusichern. Er behält sich vor, bei der ersten Anmeldung einer
Neubaumaßnahme zum Rahmenplan diese Frage erneut aufzugreifen.
3. Zusammenfassende Empfehlung
Der Wissenschaftsrat stimmt den Ausbauplanungen des Landes zur
Errichtung einer Technischen Fakultät an der Universität
Kiel zu und empfiehlt den Ausbau der Informatik sowie die Errichtung
der neuen Fachbereiche für Elektrotechnik und für Materialwissenschaft.
Er erwartet vom Aufbau der Materialwissenschaft ebenso innovative
Effekte wie durch
- 93 -
die institutionelle Zusammenfassung der drei Fächer Informatik,
Elektrotechnik und Materialwissenschaft in einer Fakultät.
Die Integration der drei geplanten Studiengänge vor allem im
Bereich des Grundstudiums ist in dieser Form neu und könnte
in die Reformbestrebungen im Bereich der Ingenieurausbildung einfließen.
Zudem ist der Ausbau geeignet, ein regionales Defizit in Forschung
und Lehre im Bereich der Ingenieurwissenschaften auf Universitätsebene
abzubauen. Der Wissenschaftsrat verbindet seine Empfehlung mit einer
Reihe von Prüfaufträgen, die insbesondere den Bereich
der Mathematik und weitere Umwidmungsmaßnahmen im Stellenbereich
betreffen. Ferner erwartet er, daß nach einer kurzen Übergangszeit
die gesamte neue Fakultät nur dem Campusgelände untergebracht
wird. Die Ausbauempfehlung ist mit der Erklärung des Landes
verbunden, daß durch die notwendigen Investitionen für
die Technische Fakultät der vorgesehene Ausbau der Fachhochschulen
nicht beeinträchtigt werden wird. Auch sollen dadurch die anderen
notwendigen Bauvorhaben, insbesondere für die medizinischen
Einrichtungen in Lübeck und Kiel, nicht ins Hintertreffen geraten.
Der Wissenschaftsrat weist daher darauf hin, daß für
einzelne Bauvorhaben keine Priorität zur Aufnahme in den Rahmenplan
gegeben ist; sie müssen sich vielmehr in übergeordnete
Prioritätensetzungen beim Hochschulbau einordnen.
(übernommen 26.8.98)
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