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Erarbeitet von
Dr. Alfred Hauff, Vorstandsvorsitzender der Leybold AG,.Hanau,
Professor Dr. Anton Heuberger, Institut für Mikrostrukturforschung der
Fraunhofer-Gesellschaft, Berlin
Professor Dr. Gerhard Krüger, Institut für Telematik, Universität Karlsruhe
Professor Dr. Gottfried Landwehr, Physikalisches Institut, Universität
Würzburg
Professor Dr. Dieter Seitzer, Lehrstuhl für Technische Elektronik, Universität
Erlangen-Nürnberg
Dr. Hans Weinerth, Valvo Unternehmensbereich Bauelemente der Philips GmbH,
Hamburg
im Auftrage
der Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur des Landes
Schleswig-Holstein und
des Ministers für Wirtschaft, Technik und Verkehr des Landes des Schleswig-Holstein
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Grundlegende Voraussetzungen und Anforderungen für
die Etablierung wissenschaftlicher Technik-Studiengänge
- Konzeption der Studiengänge
- Vorschlag für die differenzierte Fächerstruktur der
Technischen Fakultät
- Auf- und Ausbau der Technischen Fakultät, Kostenplan
- Kurzdarstellung der wesentlichen Inhalte der von
den Hochschulstandorten unterbreiteten Konzeptionen
- Bewertung der von den Hochschulstandorten unterbreiteten
Konzeptionen
- Zusammenfassende Bewertung und Votum zur Standortfrage
Empfehlung zur fachlichen Struktur und zur Standortfrage
einer
Technischen Fakultät in Schleswig-Holstein
Die Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur und der Minister
für Wirtschaft, Technik und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein
hatten die Autoren dieser Empfehlung (im folgenden Sachverständigen-Gruppe
genannt) eingeladen, am 25./26. September 1989 aufgrund einer Anhörung
ein Votum zum Fächerspektrum und zum geeigneten Standort des von
der Landesregierung geplanten wissenschaftlichen elektrotechnischen
Studiengangs abzugeben. In der Standortfrage ist ein Votum für Flensburg,
Kiel oder Lübeck zu treffen.
Die hier vorgelegte Empfehlung der Sachverständigen-Gruppe ist die schriftliche
Ausarbeitung der im Zuge des Anhörverfahrens entwickelten Erkenntnisse
Diese beruhen auf einem Fragebogen, der für die Anhörung entwickelt
und allen Beteiligten vorab zugesandt worden ist; ferner auf der
eingehenden Erörterung der Rahmenbedingungen und grundlegenden Voraussetzungen
mit den Vertretern der beiden Ministerien, auf der Auswertung aller
von den interessierten Hochschulen entwickelten schriftlichen Konzeptionen
für einen elektrotechnischen Studiengang, weiter auf den Ergebnissen
der Anhörung von Vertretern der Hochschulen, der Magistrate und
der Industrie- und Handelskammern der jeweiligen Hochschulstandorte
sowie der Vertreter des deutschen Gewerkschaftsbundes und der schleswig-holsteinischen
Unternehmensverbände. Zu den Beratungen wurde als Gast ein Vertreter
der Technischen Universität Hamburg-Harburg hinzugezogen. Die Sachverständigen-Gruppe
ist der einhelligen Auffassung, daß die Etablierung technischer
Lehr- und Forschungskompetenz nur in Form eines einzigen Studiengangs
keine hinreichende Perspektive eröffnet. Vielmehr kann nur der von
Anfang an betriebene konsequente Aufbau einer Technischen Fakultät
mit den Disziplinen/Studiengängen Elektrotechnik, Werkstofftechnologie
und Informatik die vom Land Schleswig-Holstein angestrebten wissenschafts-
und wirtschaftspolitischen Effekte herbeiführen; einbezogen in die
beiden erstgenannten Fächer sind Gerätebau und Fertigungstechnologie.
Gerade in der Kombination der drei genannten Fächer liegt - in Einschätzung
der langfristigen technologischen Entwicklung - die Chance, sowohl
den künftigen Bedarf der in Schleswig-Holstein angesiedelten elektrotechnischen
Industrie an wissenschaftlich ausgebildeten Diplom-Ingenieuren und
Forschungstransferleistungen zu entsprechen als auch ein Höchstmaß
an fachlicher Verknüpfung mit dem geplanten Fraunhofer-Institut
für Silicium-Technologie in Itzehoe, aber auch mit der GKSS in Geesthacht
zu gewährleisten.
Die insoweit von der Sachverständigen-Gruppe vollzogene Erweiterung des
ursprünglich von den beiden Ministerien formulierten Auftrags und die
daraus resultierenden modifizierten Fragestellungen waren für die zur
Anhörung erschienenen Vertreter der Hochschulstandorte teilweise neu;
es ist ihnen daher Gelegenheit gegeben worden, ihre Konzeptionen nachträglich
in schriftlicher Form zu ergänzen und ggf. zu erweitern. Die Sachverständigen-Gruppe
hat die vorgelegten Konzeptionen zur Grundlage ihrer vergleichenden Bewertung
und ihres Votums gemacht.
2.1 Bedarf an wissenschaftlich-technischer Kompetenz und an Studienplätzen
in Schleswig-Holstein
Die sich abzeichnende technologische Entwicklung beispielsweise
in Richtung einer immer stärkeren Automation industrieller Planungs-
und Produktionsprozesse sowie eine zunehmend informatikbasierte
Telekommunikation in den verschiedensten Bereichen werden generell
den Bedarf an wissenschaftlich ausgebildeten Ingenieuren weiter
anwachsen lassen. Für Schleswig-Holstein ist bereits jetzt - bedingt
durch das Fehlen einer universitären Ausbildungsstätte im technischen
Bereich - eine erhebliche.Mangelsituation festzustellen, die im
Hinblick auf das große Spektrum technischer Lehr- und Forschungseinrichtungen
in anderen Bundesländern noch vergrößert wird.
Selbst der geplante weitere Ausbau der Technischen Universität Hamburg-Harburg
wird nicht ausreichen, den in der norddeutschen Küstenregion insgesamt
bestehenden Nachholbedarf an Forschungs- und Ausbildungskompetenz
zu decken.
Als Maßzahl für den Bedarf an ingenieurwissenschaftlichen Studienplätzen
(Universität) kann das Verhältnis von Studienplätzen je 1.000 Einwohner
pro Bundesland herangezogen werden. Dabei erreichen die Bundesländer
Niedersachsen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen Spitzenwerte
um 2 Studienplätze je 1.000 Einwohner, in den anderen Bundesländern
ist dieses Verhältnis wesentlich geringer. Daraus läßt sich prinzipiell
ein Bedarf für das Land Schleswig-Holstein ableiten.
Es ist zu beobachten, daß die Absolventen und Absolventinnen technischer
Universitäten im Regelfall ihre berufliche Tätigkeit in der Nähe
des Hochschulstandorts aufnehmen; die Möglichkeiten der Wirtschaft
in solchen Regionen, in denen keine entsprechende Ausbildungsstätte
vorhanden ist, den Bedarf an wissenschaftlich ausgebildeten Ingenieuren
durch "Import" zu decken, sind in hohem Maße eingeschränkt. Die
Sachverständigen-Gruppe sieht sich in dieser Auffassung im übrigen
durch die Ausführungen der Industrie- und Handelskammern, der Unternehmensverbände
und der Gewerkschaften bezüglich der Situation in Schleswig-Holstein
bestätigt.
Die Einführung wissenschaftlich-technischer Studienangebote erscheint
daher als der einzig erfolgversprechende Weg, den künftigen Arbeitskräftebedarf
der schleswig-holsteinischen Wirtschaft zu befriedigen. Dies gilt
auch mit Blick auf den geplanten weiteren Ausbau der Technischen
Universität Hamburg-Harburg: Die dort geplante Erweiterung der Studienplatzkapazität
und die daraus mittelfristig resultierende erhöhte Absolventenzahl
wird tendenziell allenfalls zu einem verbesserten Arbeitskräfteangebot
in der unmittelbaren an Hamburg grenzenden südholsteinischen Wirtschaftsregion
führen, jedoch kaum die erwünschten Auswirkungen auf die übrigen
Landesteile haben. Selbst wenn das gegenwärtige und noch zu erwartende
Studienplatzangebot der TUHH berücksichtigt wird, dürfte in Zukunft
der Bedarf in den Gebieten von Schleswig-Holstein, Hamburg und dem
nördlichen Niedersachsen größer sein als das Angebot. In Schleswig-Holstein
sind deshalb in jedem Falle wissenschaftlich-technische Studiengänge
einzurichten, wenn das Land mit der technologischen Entwicklung
Schritt halten will.
Der Bedarf an einer wissenschaftlichen Ingenieurausbildung läßt sich
auch wie folgt begründen: In der elektrotechnischen Industrie sind
durchschnittlich FH-Ingenieure und wissenschaftlich ausgebildete
Ingenieure im Verhältnis von 3:1 beschäftigt. Umgesetzt auf die
Studienphase bedeutet dies, daß zur "Eigenbedarfsdeckung" des Landes
neben der vorhandenen Angebot an Studienplätzen in den einschlägigen
technischen Fächern der Fachhochschulen auch Studienplätze im wissenschaftlichen
Bereich vorgehalten werden müssen.
Die Nachfrage nach Studienplätzen wird für Schleswig-Holstein als hoch
eingeschätzt. Rund 2.200 Studierende aus Schleswig-Holstein nehmen Studienplätze
in universitären technischen Studiengängen außerhalb des eigenen Bundeslandes
in Anspruch. Ein Angebot entsprechender Studiengänge in Schleswig-Holstein
wird von den "Landeskindern" mit Sicherheit akzeptiert werden. Es ist
davon auszugehen, daß mit der Einrichtung einer Technischen Fakultät in
Schleswig-Holstein die Nachfrage nach Studienplätzen in den Fachhochschulen
nicht beeinträchtigt würde. Ganz im Gegenteil ist auch in diesem Bereich
mit einer erhöhten Nachfrage zu rechnen, so daß auch eine Verstärkung
des Fachhochschulbereiches ins Auge gefaßt werden sollte.
2.2 Anforderungen an Attraktivität und Konkurrenzfähigkeit
Mit der Einrichtung technischer Lehr- und Forschungskapazitäten
auf universitärer Ebene betritt Schleswig-Holstein Neuland. Eine
solche Investition wird nur dann erfolgreich sein, wenn die Konzeption
richtungsweisend ist und in der Fachwelt Anerkennung findet. Wichtig
ist vor allem, hochqualifizierte Wissenschaftler für die neu eingerichteten
Lehrstühle zu gewinnen. Hinsichtlich der späteren Studienabsolventen
geht es darum, eine uneingeschränkte Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt
zu, erreichen. Beides setzt eine gut überlegte hochwertige Planungs-
und Ausbaukonzeption voraus. Unter dem Konkurrenzdruck der etablierten
technischen Universitäten in anderen Bundesländern wird die erforderliche
Attraktivität des schleswig-holsteinischen Vorhabens nur dann zu
erzielen sein, wenn bereits zu Beginn der Gründungsphase der Ansatz
zu einer Technischen Fakultät - also nicht nur die Einführung eines
Studiengangs Elektrotechnik - erkennbar ist.
Attraktivität und Konkurrenzfähigkeit bestimmen die folgenden Anforderungen:
- Keine Beschränkung auf den Studiengang Elektrotechnik
In dem Gutachten der Sachverständigenkommission "Wissenschaftlich-technische
Einrichtungen" vom Januar 1988 wurde lediglich ein wissenschaftlicher
Studiengang Elektrotechnik in Schleswig-Holstein empfohlen. Nach Auffassung
der Sachverständigen-Gruppe reicht dies nicht aus, die Anforderungen,
die sich heute und künftig aus der technologischen Entwicklung ergeben,
zu erfüllen: Elektrotechnik ist zukunftsorientiert nur im Verbund mit
anderen technischen und informationswissenschaftlichen Disziplinen zu
etablieren. Ein isolierter
Studiengang Elektrotechnik könnte nur relativ traditionell ausgerichtet
sein. Diese Perspektive wäre unter dem Aspekt eines angestrebten
Innovationsschubes für die regionale elektrotechnische Industrie
und im Hinblick auf eine Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut
für Silicium-Technologie unbefriedigend.
- Verbundsystem der Fächer/Studiengänge Elektrotechnik - Werkstofftechnologie
- Informatik
Innerhalb eines - durch die Finanzierbarkeit bedingten - engen Rahmens
sollten die Disziplinen Elektrotechnik, Werkstofftechnologie und
Informatik mit den jeweiligen Studiengängen einen Verbund bilden;
einbezogen in die beiden erstgenannten Fächer sind der Gerätebau
und die Fertigungstechnologie. In der Kombination dieser Fächer
und Studiengänge zeichnen sich auch langfristig die größten Chancen
ab, im wissenschaftlichen und technologischen Wettbewerb konkurrieren
zu können, und damit zugleich dem fachlich-qualitativen Bedarf der
schleswig-holsteinischen Industrie an Ingenieuren und an Forschungstransfer
zu entsprechen. Im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut
für Silicium-Technologie in Itzehoe würden ebenfalls in dieser Fächerkombination
die besten Voraussetzungen dafür geschaffen, Forschungen an den
Schnittstellen von Mikroelektronik, Informatik und Mechanik zu betreiben.
- Keine Nischenbildung in Hinblick auf das Fächerspektrum der Technischen
Universität Hamburg-Harburg
Es sollte nicht der Versuch unternommen werden, technisch-wissenschaftliche
Kompetenz in Schleswig-Holstein unter dem Aspekt zu etablieren,
fachliche Nischen in dem relativ großen elektrotechnischen Fächerangebot
an der Technischen Universität Hamburg-Harburg auszufüllen. "Nischenbildung"
wäre äußerst riskant, da die damit verbundene hochgradige Spezialisierung
wissenschaftlich leicht in eine Sackgasse führen könnte.
Wie bereits ausgeführt, kann die Technische Universität Hamburg-Harburg
im Endausbau nicht den schleswig-holsteinischen Bedarf an technikorientierter
Forschung und wissenschaftlich ausgebildeten Ingenieuren decken.
In Schleswig-Holstein muß ein eigenständiges und nicht zu eng angelegtes
Fächerspektrum geschaffen werden. Dies ist auch Voraussetzung für
eine Profilbildung der Technischen Fakultät (gerade in der wissenschaftlichen
Konkurrenz mit der TUHH) und bietet andererseits eine Reihe von
Ansätzen für wissenschaftliche Kooperation mit Harburg, die sich
wegen der regionalen Nachbarschaft anbietet.
- Gründung einer Technischen Fakultät
Die organisatorische Umsetzung des vorgeschlagenen Verbundes von drei
aufeinander bezogenen Fächern/Studiengängen sollte im Wege der Gründung
einer Technischen Fakultät an einer bestehenden Universität erfolgen.
Dabei wäre eine eigene Fakultät nicht ein längerfristig anzustrebendes
Ziel, sondern bereits in der Aufbauphase der technischen Studiengänge
und Fächer müßte diese organisatorische Einheit bestehen. Nur mit
einer relativen Selbständigkeit der Fakultät innerhalb einer Universität
würde die Entwicklung eines attraktiven Ausbaukonzeptes und seine
erfolgreiche Durchsetzung gewährleistet; jede andere Konstruktion
innerhalb einer bestehenden Universität würde die Gefahr bergen,
daß der zu entwickelnde technische Lehr- und Forschungsbereich unter
den Druck konkurrierender Ausbau- und Ressourcenwünsche der anderen
etablierten Fächer geriete. Die Allokation technischer Fächer an
einer der bestehenden schleswig-holsteinischen Hochschulen ist eine
Aufgabe, die einen Entwicklungsfreiraum voraussetzt, um sowohl ein
in der bundesdeutschen Hochschullandschaft konkurrenzfähiges Forschungs-
und Studienkonzept verwirklichen als auch den auf gut zehn Jahre
zu bemessenden Zeitraum für den Aus- und Aufbau voll funktionsfähiger
technischer Disziplinen in kontinuierlicher Entwicklung durchlaufen
zu können. Als "Anhängsel" einer bestehenden großen Fakultät würde
sich dies nicht verwirklichen lassen.
Erforderlich sind die mögliches frühzeitige Ernennung eines Gründungsdekans
und die Berufung von mindestens drei Gründungs-Professoren (aus
jeweils einer der vorgeschlagenen drei Hauptdisziplinen). Von diesen
Experten ist dann die weitere konzeptionelle Ausarbeitung der Fächerstruktur
und der Studiengänge zu leisten.
Diese Gründungsmitglieder der Technischen Fakultät sollten zugleich Ausschreibungs-
und Berufungsverfahren für die weiteren zu besetzenden Professorenstellen
vorbereiten. Hinsichtlich der einzusetzenden Berufungskommissionen
muß bei den jeweiligen Hochschulen die unbedingte Bereitschaft vorhanden
sein, zur Sicherung der - bei den Mitgliedern der Hochschulen überwiegend
nicht vorhandenen - fachlichen Kompetenz für technische Disziplinen
auch externe Mitglieder zu benennen.
- Aufbaukonzeption langfristig anlegen
Der Aufbau einer technischen Fakultät ist auch bei der vorgeschlagenen
begrenzten Zahl einzurichtender Disziplinen ein auf mindestens zehn
Jahre zu veranschlagender Prozeß. Diese Aussage beruht auf den Erfahrungen,
die mit der Einrichtung technischer Fakultäten an den Universitäten
Erlangen - Nürnberg und Saarbrücken gemacht worden sind oder noch
gemacht werden.
Der Aufbau sollte nicht mit der Absicht begonnen werden, schnelle "Erfolge"
zu erzielen, wie etwa die kurzfristige Aufnahme des Studienbetriebs und
einen daraus resultierenden baldigen "output" von Ingenieuren. Kurzfristigkeit
wäre nur um den Preis nicht ausgereifter Studiengangskonzeptionen, einer
fachlich nicht genügend fundierten Vertretung von Fächern und unter Inkaufnahme
einer Reihe organisatorischer und technischer Provisorien zu erreichen.
Alles dies sind Gründe, die geeignet wären, die verständliche Absicht
einer möglichst zügigen Gründung eher in Mißkredit zu bringen als zu fördern.
Realistisch, weil nur so konzeptionell, organisatorisch und ressourcenmäßig
abzusichern, ist eine zehnjährige Aufbauphase, die
1990 mit der Gründung der Technischen Fakultät und der Einsetzung/Berufung
von vier Gründungsmitgliedern beginnt,
1992 die Aufnahme der ersten Studienanfänger vorsieht,
bis 2000 den stufenweisen Fach- und Ressourcenaufbau entsprechend dem
Studienfortschritt der ersten Studierendengeneration bis zur vollen geplanten
Funktionsfähigkeit vorsieht.
3. Konzeption der Studiengänge
Die vorgeschlagene Einführung der Disziplinen
- Elektrotechnik
- Werkstofftechnologie
- Informatik
sollte mit darauf bezogenen grundständigen Studiengängen korrespondieren.
Es bietet sich an, folgende Studiengänge einzurichten:
Diplomingenieur Fachrichtung Elektrotechnik
Diplomingenieur Fachrichtung Werkstofftechnologie
Diplom-Informatiker.
Unter Berücksichtigung der in den einzelnen Studiengängen gesetzten Schwerpunkte
ist eine Vernetzung mit Fachelementen der jeweils anderen Studiengänge
anzustreben. Hier ist insbesondere die Verbindung mit Gerätebau
und Fertigungstechnologie zu nennen.
Zur Struktur der Studiengänge (Grund- und Hauptstudium, Praxisphase,
Gesamtumfang an Semesterwochenstunden) wird auf die entsprechenden
Empfehlungen (soweit vorhanden) der zuständigen überregionalen Studienreformkommissionen
Bezug genommen.
Ein Vorschlag zur differenzierten Fächerstruktur in den drei Studiengängen,
getrennt nach Grundlagenfächern und Spezialfächern, ist in Abschnitt
4 dargestellt.
Mit der Neugründung einer technischen Fakultät und der erstmaligen Einrichtung
technischer Studiengänge sind besondere Gestaltungsmöglichkeiten gegeben,
die auch im Hinblick auf die Integration nicht-technischer und nicht-naturwissenschaftlicher
Ausbildungsinhalte zu nutzen sind.
Es besteht zwar an den Technischen Universitäten seit längerem die Praxis,
sogenannte nicht-technische Fächer, wie z.B. Arbeitswissenschaft,
Betriebswirtschaftslehre, Arbeits- und Patentrecht in die technischen
Studiengänge einzubeziehen, doch handelt es sich dabei weitgehend
um unmittelbar anwendungsorientierte Fächer, die auf das spätere
Berufsfeld des Ingenieurs abzielen. Darüber hinaus erscheint aber
wegen der gesellschaftlichen Verantwortung des Ingenieurs die Vermittlung
breiter gefaßter Grundlagen, wie Wissenschaftstheorie, Wissenschaftsgeschichte
Wissenschafts- und Berufsethik als ein wichtiger Bestandteil der
Ausbildung. Das stundenmäßige Volumen, das im Rahmen des gesamten
Lerndeputats der Studierenden hierfür vorgesehen werden kann, wäre
nicht hoch: Lehrveranstaltungen im Umfang von zwei bis vier Semesterwochenstunden
pro Semester würden es ermöglichen, philosophische, sozialwissenschaftliche,
geschichtliche sowie kunst- und kulturwissenschaftliche Inhalte
angemessen zu vermitteln.
Für die drei vorgeschlagenen Studiengänge wird eine jährliche Studienanfänger-Aufnahmekapazität
von je l00 Studienanfängern, also insgesamt 300 Studienanfängern in der
Endstufe des Ausbaus für angemessen gehalten. Bei dieser Größenordnung,
die bei einer 9-semestrigen Studienzeit (incl. Diplomarbeit) zu einer
Gesamtzahl von rd. 1.350 Studierenden führen wird, ist durch die Zahl
der vorgesehenen Lehrstühle (s.Abschnitt 4) das Lehrangebot für die Studierenden
gewährleistet.
Im folgenden wird ein Vorschlag zur fachlichen Binnendifferenzierung
der Disziplinen Elektrotechnik, Werkstofftechnologie und Informatik
sowie der technischen und nicht-technischen Grundlagenfächer unterbreitet.
Der Vorschlag dient dazu, qualitativ und quantitativ die erforderlichen
Lehrstühle zu bestimmen. Die Sachverständigen-Gruppe betrachtet
dies als eine aus heutiger Sicht der wissenschaftlichen Entwicklung
zu formulierende Empfehlung. Selbstverständlich wird damit keine
Festschreibung der Fächerstruktur beabsichtigt, es muß auf jeden
Fall die Möglichkeit erhalten bleiben, daß die zu gründende Technische
Fakultät im Verlauf ihres Aufbaues dieses Fächerspektrum noch modifizieren
kann.
Die fachliche Differenzierung der Technischen Fakultät ist organisiert
in einem sogenannten Schicht-Modell, wobei
die erste Schicht
die Spezialfächer in den Disziplinen Elektrotechnik, Werkstofftechnologie
und Informatik umfaßt,
die zweite Schicht
ie für die Disziplinen der ersten Schicht relevanten technischen
Grundlagenfächer, insbesondere in ihrer Querschnittsfunktion im
Bereich des Gerätebaues und der Fertigungstechnologie enthält, und
die dritte Schicht
die mathematischen, naturwissenschaftlichen und sonstigen Grundlagenfächer
der wissenschaftlichen Ingenieurausbildung darstellen.
Schichtmodell
für Technische Fakultät
(27 Lehrstühle)
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Informatik
(5 Lehrstühle)
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Elektrotechnik
(6 Lehrstühle)
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Werkstoff-Technologie
(4 Lehrstühle)
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Software-Technik
Betriebssysteme/Archiktur
Ingenieur-Datenbanken
Kognitive Systeme
Theoretische Informatik |
Leistungselektronik
Energie-Umwandlung
Elektr. Energietechnik
Nachrichtentechnik/Signalverarbeitung
Theoretische E.-Technik
Meß-u.Regelungstechnik/Systemtheorie
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Metalle/Metall. Sonderwerkstoffe
Kunststoffe
Glas/Keramik
Verbundwerkstoffe |
Gemeinsame technische Grundlagen
(6 Lehrstühle)
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Rechnergestützer
Schaltungsentwurf
Informatikbasierte
Kommunikationssysteme
(Telematik)
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Fertigungstechnologie
HL-Technologie
Werkstoffe der E.-Technik
Feinwerktechnik
|
Nat. Wiss. Grundlagen (6 Lehrstühle)
|
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Mathematik, Physik, Chemie
Nichttechnische Fach
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Der Aufbau der Technischen Fakultät ist ein Prozeß, der - die Fakultätsgründung
bereits im Jahr 1990 vorausgesetzt - in 10 Jahresschritten bis 2000
abgeschlossen werden sollte.
Bei dem Ziel, bis dahin in den drei Disziplinen/Studiengängen 27 Lehrstühle
einzurichten und damit die Ausbildungskapazität für insgesamt 300
Studienanfänger jährlich zu schaffen, ist ein stringenter Ausbauplan
zu verfolgen. Dieser stellt sich hinsichtlich des Bedarfs an Stellen
und Sachmitteln sowie der erforderlichen Bau- und Geräteinvestitionen
wie folgt dar:
Berechnungsgrundlagen
- Personalkosten pro Lehrstuhl
(Die Ausstattung ist als eine durchschnittliche zu verstehen, die
von Einzelfach zu Einzelfach variieren kann)
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1 Professor C 4
1 Professor C 3
4 Wiss. Assistenten A 13
4 sonstiges Personal (technisches Personal und Schreibkräfte)
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10 Stellen = DM 700.000 p.a. (Kostenstand l989) |
- Sachmittel (laufende Ausgaben)
mindestens DM 250.000 p.a. je Lehrstuhl
- Investitionen
Nach den Flächen- und Kostenrichtwerten des Wissenschaftsrates ergibt
sich bei künftig 1.350 Studierenden (300 Studienanfänger/Jahr x
4,5 Jahre Verweildauer) ein Gesamtflächenbedarf von 20.250 bis 24.300
qm (15 bis 18 qm pro Studienplatz) mit einem Investitionsvolumen
von DM 119.5 Mio - DM 138 Mio DM (DM 5.900 pro qm).
Für die Geräteausstattung sind nach den Richtwerten Kosten von 730,--
bis 1.030,-- DM je qm Nutzfläche zugrunde zu legen, was bei einem
Mittelwert von 880,-- DM Gesamtkosten von 17 8 bis 21 4 Mio DM verursacht.
Der Umfang der erforderlichen Geräte-Erstausstattung variiert von
Fach zu Fach stark. In der Informatik ist es besonders wichtig,
alle 4 bis 6 Jahre aufgrund der schnellen Entwicklung den Gerätebestand
"umschlagen" zu können.
Die Aufnahme des Studienbetriebs sollte zum WS 1992/93 erfolgen;
entsprechend dem Studienfortschritt wird die Zahl der Lehrstühle
von Jahr zu Jahr erhöht.
Für den Studienbeginn ist außerdem die Bezugsfertigkeit eines vorwiegend
mit Laboreinrichtungen ausgestatteten Neubaues erforderlich, der als l.
Bauabschnitt innerhalb der gesamten Investition ca. 50% des Baukostenvolumens
in Anspruch nehmen wird.
Danach ergibt sich folgender Aufbauplan:
| Jahr |
Stellen |
lfd. Sachmittel pro Jahr |
Investitionen |
| 1990 |
4 C 4
(Gründungsdekan 3 Professoren) |
DM 0,5 Mio
(Ansatz ermäßigt, da noch kein voller Betrieb) |
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| 1991 |
36 Stellen
(4 x Lehrstuhlausstattung der 1990 eingerichteten Professuren) |
+ DM 1,0 Mio |
l.Bauabschnitt 1991 - 1993
Baumaßnahmen
DM 60-69 Mio
Erstausstattung
DM 8,9-10,7 Mio |
| 1992 |
25,5 Stellen
(davon 2-3 C 4) |
+ DM, 0,64 Mio |
| 1993 |
25,5 Stellen
(davon 2-3 C 4) |
|
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| 1994 |
25,5 Stellen
(davon 2-3 C 4) |
|
2. Bauabschnitt1994 - 2000
Baumaßnahmen
DM 60-69 Mio
Erstausstattung
DM 8,9-10,7 Mio
|
1995
bis
2000 |
jährlich
+25,5 Stellen |
jährlich
+ DM 0,64 Mio |
| Der volle Ausbaustand ist erreicht mit: |
|
|
270 Stellen = DM 18,9 Mio p.a. |
DM 6,7p.a. Mio p.a. |
DM 137,.3 bis 159,4 Mio (davon 50 % Anteil des Bundes
im Rahmen der Hochschulbauförderung) |
Vorbemerkung :
Die in den Konzeptionen enthaltenen Berechnungen zum Personal-, Sachmittel-
und Investitionsbedarf sind im folgenden nicht dargestellt, da sie auf
methodisch unterschiedlichen Berechnungswesen beruhen und deshalb nicht
vergleichbar sind.
6.1 Hochschulstandort Flensburg
Es handelt sich um einen Vorschlag des Magistrats der Stadt Flensburg,
der in Abstimmung mit der FH Flensburg erstellt worden ist.
Studienkonzept
Als erste Entwicklungsstufe eines wissenschaftlichen Studiengangs Elektrotechnik
sei das Konzept eines Aufbaustudiengangs zu verwirklichen, weil
viele Fachhochschulabsolventen einen solchen wissenschaftlichen
Zusatzabschluß anstreben. Unabhängig davon könne aber sofort oder
später das Vollstudium angeboten werden. Zur inhaltlichen Ausgestaltung
sei eine Anlehnung an das Gutachten der Sachverständigenkommission
"Wissenschaftlich-Technische Einrichtungen" vom Januar 1988 vorgesehen.
Es sei dabei eine sofortige gezielte Ausrichtung auf Elektrotechnik
möglich, weil Kompromisse mit einer schon bestehenden Fakultät (wie
an anderen Hochschulen) entfielen. Für einen Teil des Grundstudiums
könne zumindest auf das habilitierte Lehrpersonal der Fachhochschule
zurückgegriffen werden. Eine fachliche Verknüpfung mit dem Fraunhofer-Institut
für Silicium-Technologie könne im Wege einer Ergänzung der Lehrstühle
als Vertiefungsfach im Hauptstudium erfolgen.
Kooperationen
Durch intensive Zusammenarbeit mit der Fachhochschule, insbesondere durch
Mitbenutzung der hervorragenden Laboreinrichtungen und Werkstätten,
seien hinreichende Verflechtungen mit dem wissenschaftlichen Studiengang
möglich. Weiterhin sei durch gegebene räumlich-sachliche Kumulation
der wissenschaftlichen Elektrotechnik, der Fachhochschule und des
Technologiezentrums sowie von Wirtschaftsunternehmen auf dem vorhandenen
Gelände die Schaffung eines für das Land einmaligen Technologieparks
möglich. Die Verbindung zum Fraunhofer-Institut für Silicium-Technologie
werde durch die Ergänzung der Lehrstühle gewährleistet.
Raumangebote
Bis zur Erstellung von eigenständigen Bauten für die Fakultät auf dem
Sandberg könnten während der Anlaufphase städtische Gebäude und
Räume de Fachhochschule einschließlich der Labore und Werkstätten
benutzt werden. In dieser Phase könnten auch die Rechnerkapazitäten
der Fachhochschule zur Verfügung gestellt werden
Zeitliche Verwirklichung
In der Aufbauphase sei durch den Rückgriff auf Lehrpersonal und Räume
der Fachhochschule und der Stand ein sehr kurzfristiger Beginn des
Studiums möglich. Kostspielige Zwischenlösungen würden dabei nicht
auftreten. Die umfangreichen Baumaßnahmen könnten später begonnen
werden.
Angebote zur partiellen Eigen- und Sonderfinanzierung
Kosteneinsparung entstünden insbesondere durch die vorübergehende Nutzung
von Einrichtungen der Fachhochschule Flensburg. Ein besonderer Kostenvorteil
ergebe sich aus dem Angebot, die Mittel des Programms "Landesteil Schleswig"
von jährlich 25 Mio DM für den Aufbau der neuen Fakultät zu verwenden.
6.3 Hochschulstandort Kiel
Es handelt sich um einen Vorschlag der Christian-Albrechts-Universität
zu Kiel (CAU) im Einklang mit den Vorstellungen der Fachhochschule Kiel,
der Stadt Kiel und der Industrie- und Handelskammer zu Kiel.
Studienkonzept
Die CAU begrüße die Entscheidung, daß für Elektrotechnik nicht nur eine
kleine Lösung, sondern eine Technische Fakultät mit mehreren Fachrichtungen
(Elektrotechnik, Fertigungstechnologie, Technische Informatik und
Werkstofftechnologie) eingerichtet werden soll. Daneben sollte in
den technischen Studiengängen auch ein geisteswissenschaftlicher
Aspekt Beachtung finden, de an der CAU wegen der vorhandenen Einrichtungen
ohne Schwierigkeiten und zusätzliche Kosten verwirklicht werden
könne. Hierzu zählen auch die Fragen der Technologiefolgenabschätzung.
Ein großer Teil der Grundlagenfächer könne - insbesondere in der Anlaufphase
- von den Instituten und Seminaren der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen
Fakultät abgedeckt werden.
Kooperationen
Für die Berufung der neuen Professoren werde die bisher vertretene Praxis
fortgeführt werden, wonach bei neuen Fächern auswärtige Experten als vollberechtigte
Mitglieder der Berufungskommissionen hinzugezogen würden. Bei der neuen
Fakultät erscheine ein Verhältnis von 50 : 50 bei der Zusammensetzung
sinnvoll. Bei den Erstberufungen sei ein noch höherer Anteil wünschenswert.
Die Universität würde es begrüßen, wenn Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut
für Silicium-Technologie Honorarprofessuren in der CAU übernehmen würden.
Dies würde die Zusammenarbeit mit diesen Einrichtungen stärken. Die insoweit
mit dem Max-Planck-Institut für Limnologie in Plön gemachten guten Erfahrungen
gäben zu einer günstigen Entwicklungsperspektive Anlaß. Die CAU sei bereit,
Professorenstellen im Laufe das Aufbaus der Technischen Fakultät durch
Umwidmung für die Elektrotechnik zur Verfügung zu stellen. Ein weitergehender
Eingriff in die Personalstruktur der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen
Fakultät erscheine wegen der bestehenden Überlast ausgeschlossen. Darüber
hinaus würde die Technische Fakultät von der Wirtschaft mit der Finanzierung
einer über sieben Jahre hinausgehenden Stiftungsprofessur unterstützt
werden.
Die geplante Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Silicium-Technologie
solle auch durch die Einrichtung einer Fachrichtung Mikroelektronik
in der Ausbildung sichtbar zum Ausdruck gebracht werden. Daneben
komme eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den vorhandenen
Kultur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Forschung und
Lehr in Betracht. Interessante Aspekte ergebe sich auch bei Einrichtung
des Studiengangs Technische Informatik mit de bereits bestehenden
Informatik in der jetzigen Fakultät.
Die Erfahrungen der Fachhochschule Kiel bei der Ausbildung von Ingenieuren
werde durch enge Zusammenarbeit der neuen Fakultät zugute kommen. Die
im Städtebereich Kiel, Rendsburg und Neumünster liegenden rd. 60 einschlägigen
Firmen mit rd. 20.000 Beschäftigten seien zu einer Kooperation mit einer
Technischen Fakultät bereit und würden in großem Umfang Praktikumsplätze
zur Verfügung stellen. Eine Umfrage der Industrie-und Handelskammer zu
Kiel bestätige dieses Ergebnis und mache noch einmal den Bedarf an universitär
ausgebildeten Ingenieuren in dieser Region deutlich.
Die neue Fakultät biete auch interessante Anreize für eine Zusammenarbeit
mit dem GKSS in Geesthacht.
Raumangebote
Die kurzfristige Aufnahme des Studiums sei durch die vorübergehende Bereitstellung
von vorhandenen Räumen zu ermöglichen. Darüber hinaus könnten Werkstätten
und Einrichtungen der Universität benutzt werden. Es stehe ein leistungsstarkes
Rechenzentrum zur Verfügung, das die schnelle Aufnahme des Forschungsbetriebes
ermögliche. Die vorhandenen Bibliotheken der Universität und der
Fachhochschule stünden auch der neuen Fakultät zur Verfügung.
Zeitliche Verwirklichung
Die Universität sehe eine Aufnahme des Studiums im Wintersemester
1990/91 als möglich an. Bis dahin müßten die ersten vier Professoren
für die Gründung der Fakultät berufen sein. Danach werde ein schrittweiser
Ausbau folgen müssen, um im Wintersemester 1992/93 die erstmals
die volle Unterrichtsleistung für vier Jahrgänge zu erbringen. Die
zusätzliche Raumkapazitäten sollten durch Schnellbaumaßnahmen gedeckt
werden, wobei auf Erfahrungen an anderen Universitäten zurückgegriffen
werden könne.
Angebote zur partiellen Eigen- und Sonderfinanzierung
Als besonderer Kostenvorteil werde die Einbringung von fünf Professuren
durch Umwidmung innerhalb der CAU und das Angebot einer Stiftungsprofessur
durch die Wirtschaft gesehen. Im Vergleich zu anderen Hochschulstandorten
seien geringere Investitionskosten aufgrund der vorhandenen weitreichenden
Infrastruktur zu erwarten. Anteilige Lehrleistungen würden durch die Einbettung
in fachlich nahestehende Disziplinen gewährleistet.
6.4 Hochschulstandort Lübeck
Es handelt sich um einen gemeinsamen Vorschlag der Medizinischen
Universität zu Lübeck (MUL) und der Fachhochschule Lübeck.
Studienkonzept
Der Vorschlag enthalte einen Fächerkatalog für das Grundstudium
und das Hauptstudium. Für das Hauptstudium werde nach Pflichtfächern
und nach Wahlfächern unterschieden. Bei den Wahlfächern solle auch
überwiegend die wissenschaftliche Forschung angesiedelt sein. Die
Fächer Allgemeine Elektrotechnik und Elektrische Energietechnik
würden zunächst nicht berücksichtigt, weil es sich nicht um Schlüsseltechnologien
handele und von ihnen keine besonderen Impulse zu erwarten seien.
Das gesamte Angebot werde als Ergänzung oder Alternative zum Fächerspektrum
an der TU Hamburg-Harburg angesehen und setze auf Schwerpunktbildung
im interdisziplinären Bereich von Elektrotechnik, Informatik und
Medizin. Bei den Wahlfächern solle es eine Studienrichtung Medizinische
Elektrotechnik geben, die noch in vielfältiger Weise untergliedert
sei und auch Aktivitäten an anderen Orten einbeziehe. Für die Medizintechnik
solle ein eigener Lehrstuhl eingerichtet werden. Das Projekt "Studium
für körperlich Behinderte in Medizinische Informatik und Medizintechnik"
werde als eine der vorzusehenden Aufgaben besonders hervorgehoben.
Kooperation
Es sei eine Verknüpfung mit dem Fraunhofer-Institut für
Silicium-Technolgie vorgesehen. Die bisher schon bei der Medizintechnik
bestehenden guten Verbindungen mit der Industrie würden im Rahmen
der neuen Fakultät weiter ausgebaut. Außerdem bestehe eine langjährige
und gedeihliche Zusammenarbeit mit der Fachhochschule, die hier
insbesondere ihre Erfahrungen in technischen Studiengängen einbringen
könne. Je nach Festlegung der Studienrichtung sei eine Zusammenarbeit
mit dem Forschungsinstitut für Kybernetik in Neumünster, dem Institut
für Medizinische Informatik der MUL, mit dem medizinischen Laserzentrum
und den Draeger-Werken Lübeck möglich.
Für die Berufungsausschüsse sollten externe Mitglieder
aus anderen technischen Hochschulen gewonnen werden. Die erforderlichen
Verfahren sollten so flexibel und zügig wie möglich gestaltet werden.
Beide Lübecker Hochschulen gehen davon aus, daß den Absolventinnen
und Absolventen der Fachhochschule ein Weiterstudium an der Technischen
Fakultät ermöglicht werde.
Raumangebote
In der Anlaufphase würden bei erwarteten 40 Studienanfängern
durch die Stadt zunächst Schulräume zur Verfügung gestellt. Daneben
sei die Mitbenutzung von Laboren der FH Lübeck möglich. Der weitere
Raumbedarf solle durch eine mit Drittmitteln finanzierte Schnellbaumaßnahme
(700 qm Grundfläche) gedeckt werden. Daneben biete sich der zügige
Ausbau eines geplanten vierten Gebäudekomplexes für Seminar-, Praktikums-
und Laborflächen an. Die Mitbenutzung des im Aufbau befindlichen
Rechenzentrums der MUL sowie der sonstigen Großgeräte sei möglich.
Die in der gemeinsamen Hochschulbibliothek der beiden Hochschulen
befindliche Fachbibliothek für Elektrotechnik müßte ausgebaut werden.
Zeitliche Verwirklichung
Die MUL sei bereit, den Aufbau einer Technischen
Fakultät zügig und flexibel zu realisieren. Wegen der langen Vorlaufzeiten
bei Berufungen sollten die notwendigen Entscheidungen unverzüglich
getroffen werden. In der Anfangsphase sollten jährlich 40 Studienanfänger
aufgenommen werden.
Angebote zur partiellen Eigen- und Sonderfinanzierung
Einige Grundlagenfächer könnten durch das an der MUL vorhandene
Institut für Chemie (ein C 4-Professor, ein C 2-Professor, drei wissenschaftliche
Mitarbeiter und zehn nichtwissenschaftliche Mitarbeiter) und das Institut
für Physik (ein C 4-Professor, ein C2-Professor, drei wissenschaftliche
und ach nichtwissenschaftliche Mitarbeiter) kostengünstig abgedeckt werden.
Außerdem sehe sich die MUL in der Lage, zwei Professuren aus eigenem Bestand
im Jahr 1991 und 1992 für die neue Fakultät einzubringen. Diese beiden
Möglichkeiten würden zur Entlastung der personellen und finanziellen Situation
beitragen.
7.1 Bewertungskriterien
Bei der Bewertung der Vor- und Nachteile der einzelnen
Hochschulstandorte für die Allokation einer Technischen Fakultät wurden
folgende Fragen zugrunde gelegt:
- Ist die strukturelle Ausgangssituation im Hochschulbereich
an den Standorten geeignet, den in Abschnitt 2.3 formulierten generellen
Anforderungen zur Etablierung einer Technische Fakultät zu entsprechen?
- Wie verhält sich die vorgelegte Studiengangskonzeption
zu den hier unterbreiteten Empfehlungen?
- wie bindet sich die neue Technische Fakultät mit ihrem
Fächerspektrum in das Forschungsprofil der Hochschule ein?
- Welche Vorschläge werden von den Hochschulen unterbreitet
zur (partiellen) Einbringung von Fächern oder Fachteilgebieten sowie
zur Verlagerung von Stellen in die Technische Fakultät?
- Welche Möglichkeiten sind aufgrund des in der Hochschule
bestehenden Fächerspektrums gegeben, den Bedarf an mathematisch-naturwissenschaftlicher
Grundlagenausbildung sowie der Vermittlung geistes- und sozialwissenschaftlicher
Studieninhalte abzudecken?
- Sind Infrastruktureinrichtungen (z.B. Rechenzentrum,
technische Werkstätten) vorhanden und auch für die Technische Fakultät
nutzbar? Welche Möglichkeiten der Kooperation mit anderen Forschungseinrichtungen
außerhalb der Hochschule sind möglich?
- Welche Möglichkeiten werden von der jeweiligen Hochschule
eröffnet, um den für die Auf- und Ausbauphase der Technischen Fakultät
erforderlichen Entwicklungs- und Experimentierfreiraum zu gewährleisten?
Ist die Hochschule u.a. bereit, bei den Berufungsverfahren für die technischen
Professuren die Berufungskommissionen mehrheitlich mit externen Wissenschaftlern
zu besetzen?
Für die Bewertung hat es keine Rolle gespielt, welche
Personal-, Sachmittel- und Investitionskosten von den einzelnen
Hochschulstandorten in ihren Konzeptionen angesetzt worden sind.
Diese Angaben Schwanken wegen methodisch unterschiedlicher Ansätze
und Berechnungsweisen und sind deshalb nicht vergleichbar. Grundsätzlich
wird man sagen können, daß der Bedarf und die Kosten an allen Hochschulstandorten
gleichhoch sind. Für die Beurteilung der real entstehenden Kosten
ist aber entscheidend, welche "Selbstbeteiligung" die Hochschulen
ermöglichen können, insbesondere durch die Verlagerung von Stellen
und durch die lehrangebotsmäßige Abdeckung von naturwissenschaftlichen
Grundlagenfächern mit dem vorhandenen Fächerspektrum. Die Sachverständigen-Gruppe
weist darauf hin, daß angesichts der für viele Fächer bestehenden
und voraussichtlich noch anhaltenden Überlastsituation die Freisetzung
von Professorenstellen zugunsten der Technischen Fakultät und die
Inanspruchnahme der Fächer durch zusätzliche Lehraufgaben sehr problematisch
ist. Aus entsprechenden "Offerten" der Hochschulen darf noch nicht
auf deren unbedingte Realisierbarkeit geschlossen werden. In der
Kürze de verfügbaren Zeit war es der Sachverständigen-Gruppe jedoch
nicht möglich, diesem Problem nachzugehen.
Der Aspekt der möglichst schnellen Aufnahme des Studienbetriebs
sollte nach Auffassung der Sachverständigen-Gruppe für die Standortentscheidung
keine Rolle spielen. Ob die von den Hochschulen insoweit teilweise vorgeschlagenen
Provisorien, insbesondere die Inanspruchnahme von Lehrpersonal und Laboreinrichtungen
der an den Standorten bestehenden Fachhochschulen, angesichts der allgemeinen
hohen Überlastung der Fachhochschulen überhaupt tragfähig sind, ist fraglich.
Unter welchen Voraussetzungen und Bedingungen ein möglichst früher Beginn
des Studienbetriebs in den technischen Studiengängen möglich ist, muß
nach der Standortentscheidung geprüft werden.
Für alle drei betrachteten Hochschulstandorte gilt gleichermaßen,
daß die für die Errichtung wissenschaftlich-technischer Lehr- und
Forschungseinrichtungen erforderlichen Bauflächen in unmittelbarer
Nähe zu den bestehenden Hochschuleinrichtungen verfügbar sind.
Die Frage, inwieweit die Allokation der Technischen Fakultät
an einen der Hochschulstandorte aufgrund der regional-spezifischen Wirtschaftssituation
besonders zweckmäßig ist, wird nicht als Bewertungskriterium herangezogen.
Da sich Dur die Technische Fakultät positive Ansätze für die wirtschaftliche
Entwicklung an allen drei Standorten ergeben, wäre eine Standortentscheidung,
die sich primär an dem gegenwärtigen Bestand einschlägiger Wirtschaftsunternehmen
orientierte, nicht sachgerecht; es müssen auch die Zukunftsaspekte der
elektrotechnischen Wirtschaft in den einzelnen Regionen aufgrund der neuen
Technischen Fakultät berücksichtigt werden. Dies ist eine - nicht von
der Sachverständigen-Gruppe - zu treffende wirtschaftspolitische Entscheidung.
7.2.1 Hochschulstandort Flensburg
Die Flensburger Konzeption zeichnet sich durch Vorschläge
zur schnellen Aufnahme des Studienbetriebs unter teilweisem Einsatz
von habilitiertem Lehrpersonal der Fachhochschule Flensburg und
unter Nutzung von Räumen und Laboren der Fachschule sowie zusätzlicher
städtischer Gebäude aus. Die Realisierbarkeit, insbesondere was
die Nutzung von Laboren und anderen technischen Ressourcen der Fachhochschule
betrifft, wird jedoch bei der gegebenen Überlastsituation in Fachhochschule
erschwert werden.
Obwohl die Einführung eines grundständigen Studiums Elektrotechnik
als ferneres Ziel nicht ausgeschlossen wird, verkürzt sich die Abkürzung
der Anlaufphase unmittelbar mit der Einrichtung eines wissenschaftlichen
Aufbaustudiums für Fachhochschulabsolventen. Auf diese Weise wären
zwar in relativ kurzer Zeit die ersten wissenschaftlich ausgebildeten
Diplom-Ingenieure "produziert", doch bringt diese Konzeption langfristig
auch erhebliche Probleme für die spätere Entwicklung der grundständigen
Studiengänge und deren Anerkennung: Das als Ergebnis der ersten
Entwicklungsstufe konsolidierte Aufbaustudium würde die zügige Ausbildung
der erforderlichen Fächer in den Grundlagenwissenschaften einer
Technischen Fakultät erschweren und zeitlich verzögern; dies würde
insgesamt die Attraktivität einer solchen Fakultät eher schmälern.
Dies sind Umstände, die - bei den ohnehin im Fakultätentag
bestehenden großen Bedenken gegen Aufbaustudiengänge - dazu führen
dürften, daß der Wissenschaftsrat die Flensburger Konzeption nicht
befürworten wird.
Die Technische Fakultät benötigt für ihre Konsolidierung
eine kritische Masse, nicht nur in sich selbst, sondern auch in ihrem
Umfeld. Dieses erforderliche Umfeld in anderen universitären Disziplinen
ist in Flensburg nicht vorhanden und wird nach Einschätzung der Sachverständigen-Gruppe
aufgrund der Finanzlage des Landes Schleswig-Holstein auch nicht geschaffen
werden können.
Unter diesem Gesichtspunkt ist auch die anerkennenswerte
Absicht des Magistrats dar Stadt Flensburg jährlich 25 Mio DM aus
dem Strukturförderprogramm für den Landesteil Schleswig für die
Technische Fakultät anzustreben, keine wirklich hinreichende Kompensation.
Als nachteilig erweist sich der Standort Flensburg - im
Vergleich mit den Standorten Kiel und Lübeck - dadurch, daß größere Forschungseinrichtungen
nicht vorhanden sind und die Distanz zu potentiellen Kooperationspartnern
einer Technischen Fakultät, nämlich das Fraunhofer-Institut in Itzehoe
und die GKSS in Geesthacht, am größten ist.
7.2.2 Hochschulstandort Kiel
Von ihrer fachlichen Struktur bietet die CAU Kiel gute
Voraussetzungen für die Einrichtung der vorgeschlagenen technischen
Studiengänge: Es sind alle erforderlichen mathematisch-naturwissenschaftlichen
Grundlagenfächer vorhanden. Es liegt auf der Hand, daß die Ausbildung
von zusätzlich 300 Studienanfängern pro Jahr in den technischen
Studiengängen ohne Personal Verstärkung der Grundlagenfächer schwierig
ist. Deshalb erwächst aus der Existenz dieses Fächerspektrums allein
noch kein besonderer Kostenvorteil für den Standort Kiel.
Mit dem Angebot, das Institut für Angewandte Physik und
das Institut für Informatik in die neue Technische Fakultät einzubringen,
leistet. die CAU Kiel einen quantitativ und qualitativ erheblichen Beitrag
zur fachlichen Konsolidierung des Vorhabens. Zugleich muß aber darauf
verwiesen werden, daß bestehende Ausbildungsverpflichtungen dieser beiden
Institute (in den Diplomstudiengängen Physik und Informatik, in den Lehramtsstudiengängen
und in der Nebenfächler-Ausbildung) unverändert mit auf die neue Technische
Fakultät übertragen werden, wodurch vorhandene Überlastungen in diesen
Bereichen den wünschenswerten störungsfreien Aufbau der Fakultät beeinträchtigen
könnten.
Für die angestrebte partielle Verknüpfung der technischen
Studiengänge mit Studieninhalten anderer Fächer, vor allem aus dem gesamten
geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich, sind die Bedingungen an
der CAU Kiel gut (vorbehaltlich der auch hier bestehenden Überlastsituation)..
Auch die vorhandenen Infrastruktureinrichtungen (insbesondere
Rechenzentrum, Werkstätten) entsprechend grundsätzlich den Anforderungen
der Technischen Fakultät.
Für Kooperationsbeziehungen mit außeruniversitären großen
Forschungeinrichtungen bieten sich die meereskundlichen Institute
in Kiel an; die räumliche Distanz zum Fraunhofer-Institut für Silicium-Technologie
in Itzehoe ist für eine Zusammenarbeit noch akzeptabel, bezüglich
der räumlichen Distanz zu GKSS in Geesthacht wird praktisch die
Grenze der Zusammenarbeitsmöglichkeit erreicht.
Insgesamt ist die materielle Ausgangssituation der CAU
Kiel für die Einrichtung der Technischen Fakultät als positiv einzustufen.
Zweifel bestehen, ob eine fachlich so heterogene Universität wie
die CAU Kiel ihre Innovationsfähigkeit und -bereitschaft zum Aufbau
der Technischen Fakultät langfristig bewahren kann. Es darf nicht
unterbewertet werden, daß Ingenieurwissenschaften ein völliges Novum
für das Fächerspektrum der CAU darstellen und daher deren Konsolidierung
bei der Vielfalt unterschiedlicher Interessen innerhalb der Universität
mit ihren sieben konkurrierenden Fakultät auf erhebliche Schwierigkeiten
stoßen dürfte.
Gemessen an der Ressourcenausstattung insbesondere der
geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer erfordern die Einrichtung
und der Betriebe ingenieurwissenschaftlicher Fächer und Studiengänge überproportional
hohe Investitionen und laufen Ausgaben. Bei nicht wesentlich veränderter
Finanzlage der öffentlichen Hand in den kommenden Jahren wird das Konkurrieren
um Ressourcenzuwächse innerhalb der Hochschule permanent sein. Es ist
daher nicht auszuschließen, daß die in künftigen Haushaltsplänen konkret
für die Aufbauphase der neuen Fakultät erforderlichen hohen Mittelzuwächse
von den anderen Fakultäten als zu Lasten des eigenen Bedarfs und der eigenen
Entwicklungsvorhaben gehend eingestuft werden, und sich darauf in der
Universität eine kompensatorische Tendenz zur Begrenzung der Ausbauziele
und der Ausbaugeschwindigkeit der Technischen Fakultät entwickeln kann.
Die Sachverständigen-Gruppe nimmt mit Anerkennung das
Angebot der CAU zu Kenntnis, bis zu fünf Professorenstellen für
die Technische Fakultät umzuwidmen.
Diese Angebot bedarf zu seiner Umsetzung der entsprechenden
Gremienbeschlüsse innerhalb der Hochschule. Insoweit dürfte die beschriebene
Konkurrenzsituation zwischen den Ansprüchen der neuen Technischen Fakultät
und den übrigen Fakultäten besonders deutlich hervortreten.
7.2.3 Hochschulstandort Lübeck
Die von der Medizinischen Universität Lübeck und
der Fachhochschule Lübeck entwickelte Konzeption sieht eine Zusammenarbeit
beider Hochschulen in der Betreuung der technischen Studiengänge
vor, ohne die jeweiligen spezifischen Aufgabengrenzen zu überschreiten
oder unscharf werden zu lassen.
Bei der Studiengangskonzeption ergibt sich eine weitgehende
Deckungsgleicheit mit den Vorstellungen der Sachverständigen-Gruppe
bezüglich der einzurichtenden Disziplinen und Studiengänge Elektrotechnik
und Informatik. Das außerdem vorgeschlagene Fach "Werkstofftechnologie"
wird nicht unmittelbar aufgegriffen; bedingt durch ihren jetzigen
Status als Medizinische Universität drückt sich das forschungsmäßige
Interesse der Hochschule in dem Vorschlag einer 3. Disziplin "Medizintechnik"
bzw. "Medizinische Elektrotechnik" aus. Zumindest in Teilbereichen
ist insoweit aber eine Verknüpfung mit der vorgeschlagenen Disziplin
"Werkstofftechnologie" möglich.
Insgesamt kann daher das Lübecker Studiengangskonzept
befürwortet werden
Abgesehen von den Grundlagenfächern Chemie und Physik,
die an der MUL jeweils durch eigene kleinere Institute vertreten
sind und deshalb der personellen Ergänzung aufgrund des Zuwachses
von 1350 Technik-Studierenden bedürfen, besteht ein Zusatzbedarf
hinsichtlich einer Professur für Mathematik und einer Professur
für Informatik, jeweils mit Ausstattung. Hierfür bietet die MUL
aus ihrem Stellenbestand für Ende 1991 bis Ende 1992 zwei Professuren
an.
Möglichkeiten, die vorgesehenen technischen Studiengänge
mit anderen geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern partiell
zu verbinden, sind an der MUL nicht gegeben. Dies ist ein Nachteil,
der durch den Einsatz von Lehrbeauftragten tendenziell kompensiert
werden müßte, da es nicht in Betracht kommen kann, auch noch geistes-
und sozialwissenschaftliche Professuren einzurichten.
Ein Kennzeichen für den Hochschulstandort Lübeck ist,
daß hier im Bereich der Medizintechnik eine langjährige erfolgreiche
Zusammenarbeit zwischen MUL und Fachhochschule besteht; in diesem
vielversprechenden Bereich würden durch die Technische Fakultät
neue Impulse gegeben werden. Auch verbinden sich mit dem Institut
für Medizinische Lasertechnik interessante Ansätze für die Kooperation
in bestimmten Bereichen der Elektro- und Medizintechnik.
Der Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut in Itzehoe
und der GKSS in Geesthacht steht unter dem Aspekt der räumlichen
Nähe nichts entgegen.
Die Einrichtung einer Technischen Fakultät in der MUL
wirft wegen der relativ geringen Größe der Hochschule mit nur zwei Fakultäten
keine so schwerwiegenden Probleme auf, wie sie sich bei einer Universität
mit einer wesentlich größeren Anzahl konkurrierender Fakultäten ergeben.
Die Entwicklungsmöglichkeiten einer Technischen Fakultät werden auch über
eine längeren Zeitraum in der MUL gewährleistet sein, da eine solche Fakultät
unter den vielfältigen Aspekten der Verbindungsmöglichkeiten von Elektrotechnik,
Informatik und Medizintechnik eine forschungs- und ausbildungsmäßige Ergänzung
und Erweiterung des jetzigen medizinischen Aufgabenspektrums darstellt
und deshalb von den beiden anderen Fakultäten akzeptiert werden dürfte.
Die Sachverständigen-Gruppe ist nach
eingehender vergleichender Bewertung der Flensburger, der Kieler
und der Lübecker Konzeptionen sowie unter Berücksichtigung der dort
vorhandenen Hochschulstrukturen der Auffassung, daß Kiel und Lübeck
prinzipiell geeignete Standorte für die Technische Fakultät sind.
Demgegenüber empfiehlt sie, von der
Etablierung universitärer technischer Studiengänge in Flensburg
Abstand zu nehmen. Hierfür - gerade im Vergleich mit den beiden
anderen Standorten - überproportionale qualitative und quantitative
Arrondierungen der dortigen Hochschulstruktur erforderlich machen
würde, um für die Technische Fakultät das notwendige Umfeld mit
universitärem Charakter zu schaffen. Die dafür erforderlichen Finanzmittel
wären unverhältnismäßig hoch. Die vorgelegte Flensburger Konzeption
zeichnet sich durch den Versuch aus, bei dieser Sachlage mit Hilfe
eines Aufbaustudien-Modells, Verbund mit einer tragenden Rolle der
Fachhochschule Flensburg, die begrenzten Möglichkeiten am Standort
Flensburg zu nutzen. Die Sachverständigen-Gruppe rät aber im Interesse
der Attraktivität der Technischen Fakultät davon ab, mit einer solchen
Studiengangs-Konzeption in den wissenschaftlichen Wettbewerb mit
den anderen Technischen Universitäten in der Bundesrepublik einzutreten.
Wissenschaftliche Aufbaustudiengänge für Fachhochschul-Absolventinnen
und Absolventen als Ersatz für grundständige universitäre Technik-Studiengäne
werden von der Fachwelt überwiegend abgelehnt.
Bei der Bilanzierung aller Bewertungskriterien
sind nach Auffassung der Sachverständigen-Gruppe die Christian-Albrechts-Universität
zu Kiel und die Medizinische Universität zu Lübeck gleichermaßen,
wenn auch mit unterschiedlichen Akzenten, für die Gründung einer
Technischen Fakultät geeignet.
Die CAU Kiel verfügt aufgrund ihrer
vielfältigen Fächerstruktur - vor allem mit dem alle relevanten
Grundlagenfächer de Technikausbildung umfassenden Angebot in Mathematik,
Physik, Chemie und Informatik - grundsätzlich über die beste materielle
Ausgangslage. Als problematisch für die ungestörte und zügige Entwicklung
der Technischen Fakultät muß aber der Umstand bewertet werden, daß
die neue Fakultät bei der Gewinnung und Verteilung de erforderlichen
Ressourcen dem erheblichen Konkurrenzdruck der etablierten sieben
Fakultäten der CAU ausgesetzt wäre. Die in der Konzeption angebotene
Einbringung des Instituts für Angewandte Physik und der Informatik
sowie die Verlagerung von bis zu fünf Professorenstellen in die
Technische Fakultät werden aller Voraussicht nach die Universität
im Zuge der Realisierungsbemühungen vor harte Belastungsproben stellen,
die sich nachteilig auf den Entwicklungsprozeß der Technischen Fakultät
auswirken können.
An der Medizinischen Universität
zu Lübeck ist die Fächerstruktur sehr begrenzt; schon im Bereich
der mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundlagenfächer, die nur
durch relativ kleine Einheiten der Physik und der Chemie vertreten
sind, wären fachliche und stellenmäßige Ergänzungen erforderlich.
Das geistes- und sozialwissenschaftliche Fächerspektrum fehlt völlig.
Als besonders positiv für den Standort
Lübeck bewertet die Sachverständigen-Gruppe das dort bestehende
ausgeprägte Forschungsgebiet der Medizintechnik, das vielfältige
Entwicklungsmöglichkeiten durch die Verknüpfung mit den Disziplinen
Elektrotechnik, Werkstofftechnologie und Informatik nehmen könnte.
In dieser Entwicklungsperspektive, die auch gerade auf das Kooperationsinteresse
der Medizinischen Fakultät stoßen dürfte, sieht die Sachverständigen-Gruppe
die Gewähr dafür, daß an der MUL der Aufbau und die Entwicklung
der Technischen Fakultät von den etablierten Fächern eher gefördert
als einem übermäßigen Konkurrenzdruck ausgesetzt werden.
Mit Blick auf eine ausgewogene regionale
Hochschulstruktur des Landes Schleswig-Holsteins hält die Sachverständigen-Gruppe
die Erweiterung der MUL um technische Fächer für sinnvoll, da eine weitere
Massierung von Hochschul- und Forschungseinrichtungen am Standort Kiel
zu einem starken Gefälle gegenüber den anderen schleswig-holsteinischen
Hochschulstandorten führt.
Bei der alles in allem bestehenden
Gleichwertigkeit der Standorte Kiel und Lübeck empfiehlt die Sachverständigen-Gruppe
mehrheitlich dennoch,
die Technische Fakultät in
der Christian-Albrechts-Universität
zu Kiel
zu gründen.
Ausschlaggebend für dieses
Votum ist, daß aufgrund der dort vorhandenen breiten Fächerstruktur
die Kosten für die technischen Studiengänge niedriger gehalten werden
können, weil insbesondere durch die Mathematisch-Naturwissenschaftliche
Fakultät die erforderlichen Grundlagenfächer vorgehalten werden,
unabhängig davon, ob Teilbereiche in die Technische Fakultät verlagert
oder im Wege von "Dienstleistungen" partielle Lehrangebote für die
Technik-Studierenden bereitgestellt werden. Zusammen mit de Umwidmung
von fünf Professorenstellen zugunsten der neuen Fakultät resultiert
darauf eine nicht unbeträchtliche Entlastung bei den künftigen Aufwendungen
des Landes für die Technische Fakultät.
Die Sachverständigen-Gruppe weist
aber nachdrücklich darauf hin, daß diese materiellen Vorteile des
Standortes Kiel nur dann wirklich zum Tragen kommen, wenn die genannten
Ressourcen und Dienstleistungen de anderen Fächer entsprechend dem
Bedarf der Technischen Fakultät auch tatsächlich zur Verfügung stehen
werden. Kurz gesagt, de Standort Kiel der Technischen Fakultät wäre
nur dann weniger kostenaufwendig als der Standort Lübeck, wenn die
kapazitäre Zusatzbelastung durch (im Endausbau) 1.350 Technik-Studierende
in den nicht-technischen Fächern mit dem vorhandenen Stellenpotential
abgedeckt wird; ebenso sind die Umwidmung und Verlagerung von 5
Professorenstellen der Bes.Gr. C 4 eine entscheidende Voraussetzung
für den kostenmäßigen Vorteil des Standortes Kiel.
Es wird daher empfohlen, durch
eine Reihe von Vorkehrungen organisatorischer und materieller Art
sicherzustellen, daß die Technische Fakultät an der CAU Kiel eine
möglichst unbeeinträchtigte Entwicklung nehmen kann und die erforderlichen
Ressourcen, soweit sie von der Hochschule selbst beizutragen sind,
auch zur Verfügung gestellt werden (sinngemäß - sofern einschlägig
- würde diesauch gelten, wenn das Votum
zugunsten des Standortes Lübeck lautete). Vorzusehen sind:
1) Gründung einer (von Anfang an
selbständigen) Technischen Fakultät mit einem von auswärts zu berufenden
Gründungsdekan.
2) Einrichtung einer speziellen Titelgruppe
im Landeshaushalt für die Technische Fakultät
3) Einsetzung eines Wissenschaftlichen
Beirats aus Vertretern der Universität, der Wirtschaft
und der Landesregierung, der in den ersten fünf Jahren den Aufbau
der Fakultät begleitet.
4) Besetzung der Berufungsausschüsse
für die neuen Professuren mit mehr als 50 % externen Mitgliedern
bis die Fakultät selbst die Ausschüsse besetzen kann.
5) Unverzügliche Erarbeitung eines
Strukturplans für die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät durch
die CAU, der (insbesondere im Zusammenhang mit der Wiederbesetzung vakant
werdender Professoren-Stellen) verbindliche Lösungen anbietet für
- die teilweise Verlagerung de Informatik
bzw. von Informatik-Stellen in die Technische Fakultät
- die kostenneutrale Sicherung der
Dienstleistungen seitens der Fächer Mathematik, Physik und Chemie zugunsten
der Technischen Fakultät, ggf. Einrichtung spezieller Lehrveranstaltungen
für Technik-Studierende.
6) Unverzügliche Erarbeitung eines
Plans durch die CAU zur Bestimmung von fünf Stellen Professur C4
zur Verlagerung in die Technische Fakultät (jährlich eine C4-Stelle)
binnen fünf Jahren.
7) Kostenneutrale Abdeckung des Dienstleistungsbedarfs
der Technischen Fakultät im Hinblick auf das übriges Fächerspektrum der
CAU.
Abweichendes Votum zur Standortfrage
Der Sachverständige Dr. Weinerth votiert für den Standort
der Technischen Fakultät in der Medizinischen Universität zu Lübeck.
Er teilt die Auffasssung der übrigen Sachverständigen,
daß Kiel und Lübeck prinzipiell gleichermaßen, wenn auch mit unterschiedlichen
Akzenten, als Standorte geeignet sind. Per Saldo führt aber seine Gewichtung
der Argumente zu der Entscheidung für Lübeck. Die Struktur der MUL als
relativ junge Hochschule ist nach seiner Meinung eher geeignet, den Aufbau
der Technischen Fakultät zu fördern, ohne daß ihre Entwicklung dem übermäßigen
Konkurrenzdruck einer größere Zahl schon lange etablierter Fakultäten,
wie es an der CAU Kiel der Fall sein könnte, ausgesetzt wäre.
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