| |
Kooperationen
der Technischen Fakultät mit der Wirtschaft
(Frank Paul, Januar 1997)
Vorbemerkungen
Die Professoren sind nach dem Hochschulgesetz der Forschung und
Lehre verpflichtet. Eine Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen
ist im Hochschulgesetz nicht gefordert. Trotzdem sah und sieht sich
die Technische Fakultät (TF) in der Pflicht, mit den Erkenntnissen
der eigenen Forschung, dem vorhandenen Expertenwissen sowie mit
der nutzbaren Infrastruktur den Unternehmen des Landes zu helfen.
Darüberhinaus will die TF ihre Ausbildung auch an den Bedürfnissen
der Wirtschaft orientieren, um bestmöglich geeigneten wissenschaftlich-technischen
Nachwuchs zu bieten. Eine enge Kooperation mit der Wirtschaft und
ihren Institutionen ist deshalb unumgänglich, und hierzu sind die
Lehrkräfte und Mitarbeiter der TF auch bereit. Im folgenden sind
Beispiele für Kooperationen, Maßnahmen zur Unterstützung der Verbesserung
von Infrastrukturen und künftige Perspektiven dargelegt.
Firmenkontakte
Unmittelbar nach Arbeitsaufnahme der ersten drei Professoren der
TF (für Ingenieurwissenschaften) erfolgten zahlreiche Firmenbesuche
in der näheren und ferneren Umgebung Kiels, um das Potential von
Kooperationen zu ergründen (zu den besuchten Firmen gehören u.a.
Kuhnke/Malente, Salzgitterelektronik/Flintbek, das Technologiezentrum/Raisdorf,
VW/Wolfsburg u.v.m.). In der Folgezeit gelang es über das reine
Kennenlernen hinaus, Vereinbarungen zu treffen, die eine engere
Zusammenarbeit mit den Firmen zum Ziel hat. Hierzu gehören u.a.
die Firmen: Beyschlag/Heide, CEM/Itzehoe, DASA/ASE/Wedel, Dräger/Lübeck,
DST/Kiel-Wellsee, EGE/Gettorf, EGS/Suhl, Forbach/Bad Neustadt Saale,
Fibronix/Kiel, FOS Meßtechnik GmbH/Osterrhönfeld, Intermetall/Freiburg,
Korth/Holtenau, HDW/Kiel, Krohne-Meßtechnik/Duisburg, Krupp MAK/Kiel,
Kuhnke/Malente, Linotype Hell/Kiel, Lotos/Bad Oldesloe, Ormecon
Chemie/Ahrensburg, Nutech/Neumünster, Oberflächen und Materialtechnologie
GmbH/Lübeck, Proxitron/Elmshorn, Salzgitter Elektronik/Flintbek,
Schleswag, Siemens AT/Erlangen, Stiebel Eltron/ Berlin, Thesys/Erfurt,
Thomson Brandt/Villingen, Wolters, Telekom, Zipperling/Ahrensburg,
ZF/Friedrichshafen. Mit der Firma Linotype-Hell verbindet die TF
eine sehr gute nachbarschaftliche Verbindung, die sich aus der über
drei Jahre hinweg gemeinsam genutzten Liegenschaft in Kiel-Gaarden
ergab. Diplomarbeiten wurden gemeinsam betreut; eine Spende in Höhe
von 100 TDM an den Förderverein der TF (s.u.) war die Folge.
Die Professoren der Informatik können schon seit geraumer Zeit
auf erfolgreiche Kooperationen und Beratungen von lokalen, regionalen
und überregionalen Firmen verweisen. Hier sind zu nennen: Becker
& Mohnberg Software/Kiel, CompuNet/Kiel, Datenzentrale SH GmbH/Altenholz,
DeltaT/Hamburg, Energie Systeme Nord/Kiel, IC&C/Elmshorn, Koelsch
& Altmann/München, Sound Check/Bordesholm, TÜV Rheinland/Köln (Langmaack),
ISATEC/Kiel, ZFE Siemens/München (Thomas), TECMATH GmbH/Kaiserslautern
(Brokate), PEC/Kaltenkirchen, DST/Kiel, Dräger/Lübeck (Kandzia),
Daimler-Benz/Stuttgart, DST/Kiel (deRoever).
Einige dieser Vereinbarungen hatten bereits finanzielle Auswirkungen.
Zwar noch in bescheidenem aber ausbaufähigem Rahmen konnten Drittmittel
aus den genannten Firmen eingeworben werden. Eine Ausnahme ist die
Firma Lotos in Bad Oldesloe. Hier floß in umgekehrter Richtung fast
eine halbe Million DM! Bei dieser Firma beschaffte die TF Büromöbel
in größerem Maßstab. Interessant ist jedoch zu bemerken, daß das
Design dieser Möbel vom Gründungsdekan angeregt wurde. Die Muthesius-Kunsthochschule
entwarf in einem Wettbewerb ökologisches, im Design nahezu zeitloses
Büromobiliar, das letztendlich von der schleswig-holsteinischen
Firma Lotos in Bad Oldesloe sehr erfolgreich produziert wird. Nutzen
für das Land sind natürlich die aus dieser Aktion stammenden Steuerzahlungen.
Damit hatte diese Anregung den ersten finanziellen, für das Land
positiven Einfluß!
Über die erwähnten Kontakte zu regionalen und überregionalen Firmen
hinaus haben die neuberufenen Kollegen oftmals noch sehr gute Verbindungen
zu Firmen ihre früheren Arbeitsumgebung. Mit diesen Firmen haben
die Professoren noch Drittmittelverträge. Beispiele hierfür sind:
Gemetec, MEMC, Siemens (Föll), Bosch, Nokia, Medav, Telekom (Heute),
Fafnir/Hamburg, Körber AG/Hamburg-Bergedorf, Philips/Hamburg (Knöchel),
EGE Gettorf, Krohne Meßtechnik/Duisburg, Kuhnke/Malente (Röck),
DST (de Roever) u.v.m.
Aus diesen Kontakten ergaben sich Drittmittel in nicht unbeträchtlicher
Höhe, auch wenn sie noch nicht das Drittmittelaufkommen der DFG,
der EU oder dem BMBF erreicht haben. Bei einigen Firmen (z.B. Motorola)
deuten sich bereits Drittmittelverträge an, die einen Vergleich
zu den von der DFG bereitgestellten Mitteln nicht zu scheuen brauchen.
Nicht unerwähnt bleiben soll, daß sich die Technologiestiftung
Schleswig-Holstein und die Technologietransferzentrale insgesamt
äußerst positiv auf die derartigen Kontakte ausgewirkt haben.
Dienstleistungen
Die TF hat im Rahmen des Aufbaus eine Vielzahl von Geräten erworben,
die für Untersuchungen auch in der Wirtschaft interessant sind.
Für die einzelnen Unternehmen ist die Anschaffung von teurem Analysegeräte
meist unwirtschaftlich. Das Gerät, das die TF für die Ausbildung
ihrer Studierenden gekauft hat, ist aber nutzbringend für die Wirtschaft
einsetzbar. Im wesentlichen unter der Leitung von Hrn. Dr. Noack
wurden so zahlreiche Untersuchungen, Analysen und Gutachten angefertigt.
Ohne Rücksicht auf Vollständigkeit sind an Firmen zu nennen: ACO/Rendsburg,
Gleich/Kalten-kirchen, HDW, Howmedica, Krupp, MAK, Orthopädia, Wöhlk.
Um die Mög-lichkeiten zu demonstrieren, die die TF anbieten kann,
wurden die Untersuchung anfangs kostenfrei oder zu Nominalkosten
vorgenommen. Mittlerweile sind die Firmen von der Leistungsfähigkeit
überzeugt und bezahlen die Analysen und Gutachten nach den vom Finanzministerium
vorgeschriebenen Werten.
Die Ergebnisse der Untersuchungen für die Wirtschaft werden bei
Zustimmung durch den Auftraggeber auch in der Lehre genutzt.
Berufungsverfahren
Die TF hat grundsätzlich Vertreter der Wirtschaft bei den Berufungsverfahren
für Professoren der TF miteingebunden. So wurde der Wirtschaft die
Möglichkeit gegeben, sich hinsichtlich der inhaltlichen Ausgestaltung
der Professuren einzubringen. Für die TF war dies eine gute Gelegenheit,
auf die konkreten Bedürfnisse und Fragestellung für eine künftige
Kooperation infrage kommender Unternehmen bestmöglich einzugehen.
Beispielhaft seien an dieser Stelle einige Unternehmen genannt,
die sich an den Berufungsverfahren beteiligt haben: DASA/ASE (Leistungselektronik),
Hagenuk (Nachrichten- und Übertragungstechnik, Netzwerk- und Systemtheorie,
HF-Technik), Dräger und Kuhnke (Materialverbunde, Sensorik und Festkörperionik).
Weitere Firmen (z.B. SONY) wurden um Beteiligung gebeten, haben
aber abgesagt.
Wissenschaftlicher Beirat
Zur Unterstützung des Gründungsdekan wurde vom Wissenschaftsministerium
ein wissenschaftlicher Beirat eingerichtet. Um nicht nur die wissenschaftliche
Seite auftauchender Fragen beraten zu können, sonderen auch die
der Wirtschaftsunternehmen, wurden in den Beirat Vertreter der IHK
und den Firmen Dräger, Hagenuk und Kuhnke mitaufgenommen. Natürlich
ist dies nur ein kleiner Ausschnitt aus der Wirtschaftslandschaft
Schleswig-Holsteins. Diesen Vertretern sind aber die globalen Probleme
und Wünsche der Wirtschaft an eine Technische Fakultät geläufig,
so daß ihre Anwesenheit als eine Bereicherung aufgefaßt werden konnte.
Beiträge bei Veranstaltungen der Wirtschaft
1. IHK
Die IHK förderte intensiv die Gründung der TF. Auch nach der formalen
Gründung entwickelten sich enge Beziehungen. Wann immer möglich,
bezieht die Geschäftsführung die TF in Veranstaltungen der IHK mit
ein. Kurz nach Dienstantritt des Gründungsdekans erhielt dieser
die Möglichkeit, die Planungsgrundlagen und Ziele der TF interessierten
Vertretern der Wirtschaft darzustellen (ca. 60 Teilnehmer). Die
IHK war darüberhinaus vehementer Förderer der Gründung eines Fördervereins
der Technischen Fakultät ("ftf"; nebenbei suchte der Hauptgeschäftsführer
den Gründungsvorstand des ftf). Ferner gibt die IHK der TF die Möglichkeit
der Werbung für ihre Studiengänge, welche im Rahmen einer Berufsberatung
in den Räumen der IHK durchgeführt wird . Für das obligatorische
Industriepraktikum stellte die IHK (Kiel, Flensburg und Lübeck)
Adressenlisten von Unternehmen kostenfrei zur Verfügung, um damit
eine Datenbank zu erstellen. Diese Datenbank sollte (und soll weiterhin)
den Studierenden die Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz
in der Industrie erleichtern. Auch für die Mitarbeiter ist diese
Datenbank eine interessante Informationsquelle über die Industrielandschaft
Schleswig-Holsteins.
Die IHK bietet Existenzgründerseminare an. Zusammen mit dem ftf
wurde ein solches Seminar im Sommersemester 1996 den Studierenden
und Mitarbeitern an der CAU zum kostenfreien Besuch angeboten. Mit
diesem Seminar beabsichtigt die TF, Firmengründungen zu forcieren.
Im übrigen wurde dieses Seminar überraschenderweise sehr gut besucht.
Bereits vor einigen Jahren wurde u.a. von einem Absolventen der
Informatik ein inzwischen florierender Betrieb (NetUSE) gegründet.
2. KERN
Die TF wurde regelmäßig von dem Büro des KERN gebeten, sich auf
jährlichen Posterausstellungen KERN darzustellen. Diesem Wunsch
kam die TF grundsätzlich nach, zuletzt geschehen in Eckernförde.
In einer Anzeigenkampagne der KERN-Region stellte die TF auch entsprechendes
Bildmaterial zur Verfügung. So erschien beispielsweise im FOCUS
die beigelegte Anzeige mit dem Bild eines unserer Doktoranden.
3. Treffen des Unternehmensverbandes
Wenige Wochen nach dem Dienstantritt gab es zwischen dem Dekan und
dem Vorsitzenden des Unternehmensverbandes in Rendsburg erste Gespräche
zu möglichen Wirtschaftskooperationen. Darüberhinaus trifft sich
der Unternehmensverband (UV) und das Rektorat der CAU einmal jährlich
zu einem Gedankenaustausch. Im Wechsel findet dies beim UV und dem
Rektorat statt. Noch zu Beginn der Gründungsphase lud 1993 das Rektorat
Vertreter des UVs zur jährlichen Sitzung in die TF ein. Die TF erhielt
dadurch die Gelegenheit, sich einer größeren Anzahl von Vertretern
der Wirtschaft zu präsentieren. Wichtig war, daß durch diese Veranstaltung
sehr gute Kontakte zu den Spitzenvertretern des UV´s geknüpft werden
konnten. Auch wird der Dekan regelmäßig zur aktiven Teilnahme (Podiumsdiskussionen)
bei Veranstaltungen des UV´s eingeladen.
4. Teilnahme an gemeinsamen Gremien
Im Lande Schleswig-Holstein gibt es eine Vielzahl von Gremien, die
gemeinsam von staatlichen und privatwirtschaftlichen Unternehmungen
besetzt sind. Derartige Gremien helfen, durch die dort erworbenen
Kontakte weitere Kontakte zu knüpfen, und haben dadurch für die
TF eine erhebliche Bedeutung. Im Arbeitskreis Mikrosystemtechnik,
der vom Wirtschaftministerium aus der Taufe gehoben wurde, sind
zwar überwiegend Mitglieder von Hochschulen und GmbH´s in staatlicher
Hand vertreten, durch die Zielrichtung dieses Vereins bleiben Industriekontakte
hinsichtlich der Mikrosystemtechnik aber nicht aus.
Der Förderverein
Im März 1995 wurde der Förderverein der Technischen Fakultät e.V.
(ftf) gegründet. In ihm sind Mitglieder der TF und der Wirtschaft
zusammengeschlossen, um die Verbindung zwischen Wirtschaft und Universität
zu stärken.
Der Förderverein finanzierte, wie oben erwähnt, das Existenzgründerseminar
im Sommersemester ´96. Auch an der Fakultätsfeier anläßlich der
ersten drei Diplome in Elektrotechnik war der Förderverein maßgeblich
beteiligt. Für das Sommersemester ´97 ist geplant, ein Seminar zur
Qualitätssicherung in Firmen durchzuführen. Die Referenten stammen
ausnahmslos aus der Wirtschaft. Ein ehemaliger Vorstand der Firma
Hagenuk schafft hierzu die entsprechend notwendigen Verbindungen
zu den Wirtschaftsunternehmen Schleswig-Holsteins. Das Seminar soll
den Studierenden die Denkweise der Firmen hinsichtlich der Qualitätssicherung
vertraut machen, Kontaktmöglichkeiten zu den Firmen eröffnen und
den Einstieg in das Berufsleben erleichtern.
Messebesuche
Die TF nutzt jede sinnvolle Beteiligung an Messen. Die Messen
eignen sich für die unterschiedlichsten Zwecke: Kontaktaufnahme
mit Industrieunternehmen, Kontaktbörsen für Mitarbeiter der TF in
Hinblick auf eine Beschäftigung bei Firmen der freien Wirtschaft
nach der Ausbildung, Kennenlernen industriebe-zogener Vorgehensweisen
und so weiter. Beispiele für Messebeteiligungen sind die Hannovermesse,
die Swiss Automation Week in Basel, die regionale Combit-Messe und
andere mehr.
Nachwort
Trotz der oben bereits dargestellten zahlreichen Verbindungen
zu regionalen und überregionalen Wirtschaftsunternehmen möchte die
TF ihre Beziehungen zur Wirtschaft wesentlich intensivieren. Die
Beispiele der Technischen Fakultät in Erlangen, der TU Hamburg-Harburg
und anderer Fakultäten zeigen jedoch, daß sich auch in Zeiten wirtschaftlichen
Wachstums eine erfolgreiche und fruchtbare Zusammenarbeit erst etwa
nach zehn Jahren der Existenz einer Fakultät entwickelt. Zur Zeit
sieht sich die technologieorientierte Wirtschaft in Schleswig-Holstein
eher auf dem Rückzug, was das Knüpfen von belastbaren Konktakten
natürlich erheblich erschwert. Viele der für die TF interessanten
Unternehmen haben ganz oder teilweise ihren Betrieb eingestellt
oder doch wesentlich eingeschränkt (u.a.: AEG, DST, Fibronix, Hagenuk,
Linotype-Hell, ...). Diese wirtschaftliche Entwicklung bedauert
die TF. Nichtsdestotrotz wird sie mit Hilfe staatlicher und halbstaatlicher
Einrichtungen (Technologiestiftung, Technologietransferzentrale,
Wirtschaftsministerium, IHK, UV,...) weiterhin versuchen, neue Technologien
einzuführen und der Wirtschaft mit ihrem Expertenwissen zur Lösung
hochtechnologischer Probleme bereitzustehen.
Angesichts der wirtschaftlich schwierigen Lage sind die Firmen
z.Z. nicht sehr großzügig in der Bereitstellung finanzieller Mittel.
Dies ist eine Erfahrung, wie sie auch schon die Fachhochschulen
gemacht haben.
|
|