| Bericht
über eine Beratung zur Verbesserung
der Organisation und des Ergebnisseseiner zentralen Einheit in einer
Universitätam Beispiel der Werkstatt für die Technische
Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Budde & Arriens Unternehmens- und Personalberatung
Schauenburger Str. 116
24118 Kiel
Tel. 0431/ 560 6 560
Inhaltsverzeichnis
1. AUFTRAG
2. IST-ANALYSE
2.1. Allgemeine Informationen zur Werkstatt der Technischen Fakultät
und zur Intention der Einschaltung einer Unternehmensberatung
2.2. Aufgaben, Ausstattung und Organisation der zentralen Werkstatt
der Technischen Fakultät
2.3. Integration der Werkstatt in den organisatorischen Ablauf des
übrigen Fakultätsgeschehens
2.4. Kompetenzenregelung innerhalb des gesamten Werkstattbetriebes
2.5. Auslastung der Werkstattkapazitäten
2.6. Aufbau und Inhalt der Rechnungen
2.7. Gestaltung von Kostenrechnung und Kalkulation
2.8. Kundenzufriedenheit
2.9. Aussagefähigkeit des EDV-Berichtswesens
2.10. Zusammenfassung der Ist-Analyse
3. KONZEPTIONELLE VORSCHLÄGE
3.1. Grundlegende Anmerkungen
3.2. Zentrale versus dezentrale Werkstatt
3.3. Fakultätseigene Werkstatt versus reine Fremdvergabe von
Werkstattaufträgen
3.4. Auftragsdurchlauf von Auftragsvergabe bis zur Rechnungslegung
3.4. Aufbau und Aussagekraft der Rechnungen
3.5. Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse
4. CHANCEN UND GRENZEN EINES CONTROLLING FÜR DIE TECHNISCHE
FAKULTÄT
4.1. Erläuterung des Prinzips der Deckungsbeitragsrechnung
4.2. Differenzierung der Kostenarten
4.3. Bildung der Profit-Center
4.4. Erstellen einer Planungsrechnung auf Grundlage der Deckungsbeitragsrechnung
4.5. Durchführung von Plan-Ist-Vergleichen
4.6. Grundsätzliche Anwendbarkeit der Deckungsbeitragsrechnung
innerhalb der Technischen Fakultät
1. Auftrag
Der Förderverein der Technischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität
zu Kiel, vertreten durch Prof. Dr. Helmut Föll, beauftragte
die Unternehmens- und Personalberatung Budde & Arriens am 3.
April 1997 mit der Durchführung einer Beratungsleistung mit
folgendem Inhalt:
Aufgabenstellung: Wie sind die Organisation und das Ergebnis einer
zentralen Einheit in einer Universitätseinrichtung zu verbessern,
und zwar konkret am Beispiel einer Werkstatt?
Die Beratung ist unterteilt in zwei Schritte:
1. Schritt: Ist-Analyse bezüglich folgender Ausprägungen:
- was ist Aufgabe und wie ist die Ausstattung der Werkstatt innerhalb
der Technischen Fakultät?
- wie ist die Werkstatt in den organisatorischen Ablauf des übrigen
Universitätsablaufs integriert?
- welche Kompetenzen bestehen innerhalb des Werkstattbetriebes,
insbesondere im Hinblick auf Auftragsvergabe und Reihenfolge der
Auftragsdurchführung?
- wie hoch ist die Auslastung der Werkstattkapazitäten?
- wie sind die Rechnungen aufgebaut?
- wie sind Kostenrechnung und Kalkulation gestaltet und welche
Ergebnisse hat die Werkstatt erzielt?
- wie hoch ist die Kundenzufriedenheit?
- existiert ein durchgängiges EDV-Berichtswesen und wie ist
es organisiert?
2. Schritt: Erarbeitung einer Konzeption zur Verbesserung der Organisation
und der betriebswirtschaftlichen Führung der Werkstatt, aufbauend
auf den Erkenntnissen der Ist-Analyse und mit folgenden Schwerpunkten:
- Darstellung der Ressourcennutzung nach innen und außen,
- Problematik des in Rechnung zu stellenden Betrages, insbesondere
eines Stundenkostensatzes,
- Make or Buy-Entscheidungen (eigene Produktion oder Fremdvergabe)
unter verschiedenen Aspekten (Qualität, Wirtschaftlichkeit,
Kapazitätsbereitstellung und -auslastung),
- Klärung der Frage, inwieweit "übliche" betriebswirtschaftliche
Kriterien im vorliegenden Fall anzuwenden sind und welche anderen
Kriterien ggf. zu berücksichtigen sind,
- Erarbeitung eines organisatorischen Rahmens zur Verbesserung
des gesamten Auftragsdurchlaufes von Auftragsvergabe bis zur "Rechnungslegung",
- Einführung eines speziell auf eine "Universitäts-Werkstatt"
zugeschnittenen Controlling-Systems.
Die Durchführung des 2. Schrittes ist davon abhängig,
daß sich die Notwendigkeit bzw. Sinnhaftigkeit hierfür
aus den Erkenntnissen des 1. Schrittes ableitet. Das Hauptziel ist
dabei die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit der Werkstatt, d.h.
eine Verbesserung der Ausnutzung der finanziellen Ressourcen. Daher
ist die kritische Untersuchung der Kostenrechnung ein wesentlicher
Aspekt unserer Beratung, die in der Zeit vom 3. April bis zum 18.
Juli 1997 vom Diplom-Kaufmann Armin Budde durchgeführt wurde.
2. Ist-Analyse
Die in den folgenden Punkten getroffenen Aussagen zur Ist-Analyse
beruhen auf Informationen, die wir aufgrund mehrerer ausführlicher
Gespräche mit dem Dekan Prof. Föll, dem Geschäftsführer
Dr. Paul, Herrn Burmeister als Leiter der Werkstatt und mehrerer
seiner Mitarbeiter sowie verschiedenen Lehrstuhlinhabern geführt
haben. Außerdem wurden uns verschiedene Unterlagen überlassen,
die wir ebenfalls zur Auswertung heranziehen konnten.
2.1. Allgemeine Informationen zur Werkstatt
der Technischen Fakultät und zur Intention der Einschaltung einer
Unternehmensberatung
Der Studienbetrieb der Technischen Fakultät begann in 1991.
Ziel war es dabei von Beginn an, eine "selbstver-waltete Fakultät
mit hoher Autonomie in Personal- und Finanzwesen" aufzubauen.
In diesem Zusammenhang wurde ebenfalls angestrebt, sämtliche
organisatorische Einheiten als Kostenstellen mit betriebswirtschaftlicher
Ausrichtung zu führen und zentrale Dienstleistungseinrichtungen
dort zu errichten, wo es sinnvoll erscheint. Verbunden wurde hiermit
der Anspruch auf eine leistungsbezogene Mittelzuweisung und -überprüfung,
indem die zentralen Einrichtungen ihre Leistungen den auftraggebenden
Kostenstellen in Rechnung stellen.
Die dargestellten Zielsetzungen beschreiben die Kriterien eines
Controlling, d.h. einer Steuerung betrieblicher Leistungen und Kosten
vor dem Hintergrund beschränkter finanzieller Ressourcen. Private
Unternehmen spüren die Notwendigkeit eines effektiven Controlling
zur langfristigen Existenzsicherung bereits seit einigen Jahren
immer stärker. Diejenigen Betriebe, deren Erlös-Kosten-Strukturen
nicht "stimmen", haben in einer Zeit, in der die Gewinnmargen
in fast allen Branchen immer geringer werden, kaum noch Überlebenschancen.
Der hieraus resultierende Kostendruck macht sich aber in den letzten
Jahren auch im öffentlichen Bereich immer stärker bemerkbar.
Daher wird in letzter Zeit die Forderung nach der Einführung
eines effektiven Controlling auch in Verwaltungen und anderen öffentlichen
Einrichtungen immer lauter. Dies gilt somit auch für Universitäten,
wobei natürlich die Inhalte eines Controlling in einem privatwirtschaftlichen
Unternehmen nicht einfach übernommen werden können, da
eine Universität andere Aufgaben und Ziele verfolgt.
Bei dem Aufbau der Technischen Fakultät waren die begrenzten
finanziellen Mittel von Beginn an ein bestimmender Faktor. Dies
wird vielleicht am deutlichsten beim Vergleich der ursprünglich
geplanten Personalausstattung mit dem tatsächlichen derzeitigen
Stand. So waren für die Einrichtung der zentralen mechanischen
Werkstatt laut dem "Fakultätsbericht über den Zeitraum
Okt. 1991 - Juni 1994" insgesamt 10 Mitarbeiter vorgesehen
(außerdem war ursprünglich die zusätzliche Einrichtung
einer elektronischen Werkstatt vorgesehen; im folgenden ist mit
Werkstatt jeweils die mechanische gemeint, da die elektronische
nicht verwirklicht wurde). Realisiert sind derzeit 5 Mitarbeiter
- und eine personelle Ausweitung dieses Standes ist aufgrund der
Haushaltslage des Landes Schleswig-Holstein nicht zu erwarten.
Ähnlich ist die Situation in einigen anderen zentralen Einrichtungen
und auch in den Lehrstühlen. Auch die laufenden Haushalte 1996
und 1997 wurden vom ursprünglichen Entwurf bis zu den tatsächlich
zugewiesenen Mitteln mehrfach gekürzt.
Der Zwang zum Wirtschaften mit den vorhandenen finanziellen Ressourcen
ist somit ohne Zweifel vorhanden. Wir wurden diesbezüglich
mit der Aufgabe betraut, die Werkstatt daraufhin zu prüfen,
ob sie wirtschaftlich geführt wird und welche Verbesserungsmöglichkeiten
gegebenenfalls anzustreben sind.
2.2. Aufgaben, Ausstattung und Organisation
der zentralen Werkstatt der Technischen Fakultät
Bereits bei der Planung der Technischen Fakultät war klar,
daß die finanziellen Ressourcen beim Aufbau begrenzt sein
würden. Es wurde deshalb bereits in dieser Phase festgelegt,
überall dort, wo es möglich erscheint Leistungen, die
verschiedene Lehrstühle nachfragen, von zentralen Einrichtungen
durchführen zu lassen. So wurden insbesondere die zentrale
Werkstatt, eine Rechnerbetriebsgruppe, die Bibliothek, eine zentrale
Analytik sowie zentral bewirtschaftete Lehrräume eingerichtet.
Inzwischen umfaßt der Kostenstellenplan insgesamt allein 13
Kostenstellen für zentrale Dienste.
Am Beispiel der zentralen Werkstatt bedeutet dies, daß eine
Werkstatt nahezu sämtliche Werkstattleistungen, die von verschiedenen
Lehrstühlen der Technischen Fakultät nachgefragt werden,
durchführt. Nur in wenigen Ausnahmefällen werden Aufträge
extern vergeben. Dies bedeutete für die meisten Professoren
einen Umdenkprozeß, da sie es von früheren Tätigkeiten
an anderen Universitäten kannten, auf eine lehrstuhlinterne
Werkstatt zugreifen zu können. Auch in der Christian-Albrechts-Universität
zu Kiel existieren in anderen Fakultäten noch solche dezentralen
Werkstätten. In den einzelnen Lehrstühlen der Technischen
Fakultät dagegen bestehen lediglich Arbeitsplätze, an
denen einfachere Arbeiten durchgeführt werden können,
deren Vergabe an eine Werkstatt sich nicht lohnt.
Die Aufträge, die die Werkstatt zu bearbeiten hat, sind sehr
unterschiedlich, sowohl hinsichtlich der Komplexität als auch
der Dauer. Sie reichen von der Konstruktion und dem Bau von komplizierten
Geräten über Standardaufträge bis hin zu kleineren
Arbeiten im Reparaturbereich. Einige Aufträge erstrecken sich
über Monate, andere sind in einer oder wenigen Stunden durchgeführt.
Teilweise sind genaueste Arbeiten gefragt, die den Einsatz von modernsten
CNC-Maschinen erforderlich machen, teilweise sind die Anforderungen
auch ohne Schwierigkeiten durch manuelle Bearbeitung erreichbar.
Die zentrale Werkstatt der Technischen Fakultät ist personell
mit 5 Mitarbeitern ausgestattet, davon 2 Meister und 3 Gesellen.
Herr Burmeister als Werkstattleiter führt Arbeiten im Bereich
der Konstruktion sowie alle kaufmännischen Tätigkeiten
wie Kalkulation, Materialeinkauf, Rechnungserstellung durch. Er
wird im Abwesenheitsfall von Herrn Neumann vertreten und auch bei
den sonstigen kaufmännischen Tätigkeiten von diesem unterstützt.
Herr Neumann arbeitet zu ca. 50% auftragsbezogen, in nicht unerheblichem
Umfang im Bereich der Konstruktion. Außerdem gehören
zu seinen Aufgaben die Betreuung der Auszubildenden, von Frauenpraktika
sowie die Wartung des Maschinenparks.
Als beratendes Gremium fungiert die Werkstattkommission, die grundlegende
Entscheidungen wie Investitionen oder personelle Angelegenheiten
für die letztendliche Entscheidungsfindung durch das Dekanat
vorbereitet und die grobe Auftragsreihenfolge festlegt. Die Werkstattkommission
ist zusammengesetzt aus Vertretern der einzelnen Lehrstühle
und kommt in der Regel monatlich zusammen.
Die personelle Kapazität der Werkstatt ist seit mehr als 2
Jahren unverändert geblieben, obwohl in dieser Zeit zusätzliche
Lehrstühle hinzugekommen sind. 3 weitere Professoren, die Werkstattkapazitäten
benötigen werden, werden in Kürze ebenfalls ihre Lehr-
und Forschungstätigkeit an der Technischen Fakultät aufnehmen.
Ausgestattet ist die Werkstatt mit modernen CNC-Maschinen und weiteren
leistungsfähigen Maschinen und Geräten. Insgesamt kann
die maschinenmäßige Ausstattung mit der einer modernen
privatwirtschaftlichen Werkstatt gleichgesetzt werden.
Die Aufgabe der zentralen Werkstatt ist es letztlich, nahezu sämtliche
Arbeiten durchzuführen, die mechanische Werkstattleistungen
erfordern und die von den einzelnen Lehrstühlen der Technischen
Fakultät nachgefragt werden. Bei diesen Leistungen handelt
es sich um Aufträge sehr unterschiedlicher Komplexität
und Dauer.
Ein besonderer Aspekt hierbei ist die Monopolstellung, die die
zentrale Werkstatt genießt. Diese führt zu besonderen
"Kunden-Werkstatt-Beziehungen": beide Seiten - Werkstatt
und Auftraggeber - sind Angehörige der Technischen Fakultät
und auf die wechselseitige Zusammenarbeit angewiesen. Somit gelten
hier auch nicht die Gesetze der Marktwirtschaft, in der eine langfristige
Zusammenarbeit durch die Kundenzufriedenheit begründet wird
und eine Unzufriedenheit des Kunden mit der Arbeit seiner Werkstatt
in der Regel dazu führt, zukünftig keine Aufträge
mehr an diese zu vergeben.
2.3. Integration der Werkstatt in den organisatorischen
Ablauf des übrigen Fakultätsgeschehens
Die Werkstatt übt eine Servicefunktion innerhalb der Technischen
Fakultät aus. Sie führt somit kein Eigenleben, sondern
ist sehr stark mit dem universitären Gesamtbetrieb der Fakultät
verbunden, man könnte sogar sagen: sie ist von diesem Gesamtbetrieb
abhängig. Bekommt sie keine Aufträge von den Lehrstühlen,
kann sie nicht (erfolgreich) arbeiten.
Folgerichtig macht eine isolierte Betrachtung der Werkstatt wenig
Sinn. Ohne eine entsprechende Einbindung in den Gesamtbetrieb kann
eine zentrale Werkstatt wie die hier betrachtete gar nicht erfolgreich
betrieben werden. Ist die Werkstatt somit auf interne Aufträge
angewiesen, so gilt diese Abhängigkeit umgekehrt in gleicher
Weise: bei den Lehrstühlen anfallende Werkstatt-Aufträge
müssen schon aufgrund des Abrechnungsmodus´ (hierzu nähere
Erläuterungen unter Punkt 2.6.) über die eigene Werkstatt
abgewickelt werden, da die Vergabe an eine externe Werkstatt weitaus
höhere Kosten verursachen würde.
Es besteht somit die Tendenz zu einem wechselseitigen Monopol -
mit daraus resultierenden spezifischen Anforderungen an die organisatorische
Einbindung der Werkstatt in den Lehr- und Forschungsprozess. Die
erfolgreiche Führung dieser Werkstatt kann daher nicht wie
bei einer privatwirtschaftlich betriebenen Werkstatt durch die Beachtung
der "normalen" marktwirtschaftlichen Kriterien erreicht
werden.
Andererseits ist es für einige Professoren der verschiedenen
Lehrstühle der Technischen Fakultät eine neue Erfahrung,
nicht über eine lehrstuhleigene Werkstatt verfügen zu
können. Wie bereits erläutert machten die finanziellen
Rahmenbedingungen dies von vornherein unmöglich. Für diejenigen
Professoren, die an anderen Universitäten den direkten Zugriff
auf eigene Werkstätten hatten und sich die Kapazitäten
nicht mit anderen Lehrstühlen teilen mußten, bedeutet
die Situation an der CAU natürlich einen Umdenkprozeß.
Aufbauend auf der Erkenntnis, daß sowohl die wechselseitige
Monopolstellung als auch die zentrale statt der dezentralen Werkstätten
zu einem erhöhten Bedarf der Konsensfindung führen, hat
die Technische Fakultät diesen Bedingungen Rechnung getragen
und die einzelnen Lehrstühle effektiv sowohl in die Festlegung
der organisatorischen Rahmenbedingungen wie auch in den laufenden
Geschäftsbetrieb eingebunden.
Es wurde eine Werkstattkommission gebildet, bestehend aus Vertretern
der einzelnen Lehrstühle der Technischen Fakultät. Diese
Kommission tagt in der Regel einmal monatlich und hat offensichtlich
entscheidend die organisatorische Einbindung der Werkstatt in den
organisatorischen Ablauf des sonstigen Universitätsbetriebes
mitgeprägt (weiteres zu den Kompetenzen der Kommission unter
Punkt 2.4.).
Die Aufträge erhält die Werkstatt von den Professoren,
Dozenten und anderen Mitgliedern der Lehrstühle. Die Werkstatt
bearbeitet die Aufträge und erstellt Rechnungen an den auftraggebenden
Lehrstuhl. Ansprechpartner in der Werkstatt ist in der Regel der
Werkstattleiter, im Abwesenheitsfall sein Vertreter. Die Lehrstühle
ihrerseits verfügen in der Regel über jeweils 2 Mitarbeiter
für den technischen Bereich, die als Kontaktpersonen zur Werkstatt
fungieren. Trotz der mit insgesamt nur 5 Mitarbeitern relativ geringen
personellen Ausstattung versucht die Werkstatt, einzelne Mitarbeiter
auf bestimmte Arbeiten zu spezialisieren und sie somit für
einzelne Lehrstühle "zuständig" zu machen. Natürlich
kann diese Ausrichtung nur tendentiellen Charakter besitzen.
Die Tatsache, daß im Universitätsbetrieb Werkstattaufträge
häufig im Rahmen der Forschung oder von wissenschaftlichen
Arbeiten mit ungewissem Ausgang erteilt werden, bringt es zwangsläufig
mit sich, daß auch die Aufträge an die Werkstatt selbst
anfangs oft noch relativ unbestimmt sind. Hinzu kommt, daß
die Auftraggeber in vielen Fällen keine ausreichenden Kenntnisse
in der Konstruktion aufweisen, um klar strukturierte und vorbereitete
(gezeichnete!) Aufträge erteilen zu können.
Auch dies führt zu besonderen Ausprägungen in der Zusammenarbeit
zwischen Auftraggeber und -nehmer, die unterschiedlich von denen
in der freien Wirtschaft sind. Dort bekommt eine Werkstatt klar
definierte Aufträge und führt diese durch. Die Werkstatt
der Technischen Fakultät dagegen erhält häufig statt
genauer Konstruktionszeichnungen nur eine Art Rohskizze und muß
dann einen erheblichen Teil ihrer Arbeit für die Konstruktion
aufwenden. Eine gute Qualität im Hinblick auf die zu leistende
Arbeit kann somit natürlich nur durch eine enge Zusammenarbeit
zwischen Werkstatt und Lehrstuhl erreicht werden.
2.4. Kompetenzenregelung innerhalb des gesamten
Werkstattbetriebes
Grundsätzliche Fragen wie die Ausstattung mit personellen
und maschinenmäßigen Kapazitäten werden von der
Werkstattkommission beurteilt und vom Dekanat (innerhalb der Möglichkeiten
des Haushalts) entschieden. Sie ist zusammengesetzt aus Vertretern
der einzelnen Lehrstühle der Technischen Fakultät.
Eine wichtige Aufgabe der Werkstattkommission ist die generelle
Festlegung der Reihenfolge, in der die Aufträge zu bearbeiten
sind. Dies betrifft natürlich nur die größeren Aufträge,
die die Kapazitäten auf längere Sicht binden. Im übrigen
wird diese Reihenfolge eng mit der Werkstattleitung abgestimmt.
Nach Aussage sowohl der Werkstattmitarbeiter als auch der Lehrstuhlangehörigen
hat es in der Vergangenheit im Hinblick auf die Auftragsreihenfolge
noch nie größere Schwierigkeiten gegeben.
Die Kompetenzen der Auftragsabwicklung liegen ansonsten bei der
Werkstatt selbst. Sie schreibt bei größeren Projekten
zunächst Angebote, führt die Aufträge alleinverantwortlich
durch und erstellt die Rechnungen. Das für die Aufträge
benötigte Material kauft die Werkstatt alleinverantwortlich
ein. Auch Aufgaben wie Kalkulation und Mitarbeitereinsatz liegen
allein in der Kompetenz der Werkstatt selbst.
Eine Aufgabe, die für den Erfolg privater Werkstätten
mitentscheidend ist, fehlt bei der Werkstatt der Technischen Fakultät:
die Akquisition von Aufträgen. Wir bereits erläutert bemüht
sich diese Werkstatt nicht um Aufträge, sondern fungiert als
Dienstleistungseinheit, d.h. bearbeitet die im Rahmen des Lehr-
und Forschungsbetriebes entstehenden Aufträge.
2.5. Auslastung der Werkstattkapazitäten
In der Werkstatt arbeiten neben 2 Meistern 3 Gesellen. Herr Burmeister
als Werkstattleiter verwendet ca. die Hälfte seiner Arbeitszeit
für leitende Tätigkeiten wie Kalkulation, Organisation
der Auftragsabwicklung, Materialbeschaffung, Mitarbeiterführung
und -weiterbildung. In hohem Maße führt er jedoch auch
auftragsbezogene Konstruktionsleistungen durch. Auch Herr Neumann
als stellvertretender Werkstattleiter ist in nennenswertem Maße
mit Konstruktionsarbeiten beschäftigt.
Dies resultiert - wie bereits erläutert - zu einem Großteil
daraus, daß häufig statt fertiger Konstruktionszeichnungen,
nach denen die Werkstatt arbeiten kann, lediglich Rohskizzen eingereicht
werden. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich. Zum einen
ist das Know-how für ausgereifte Konstruktionszeichnungen in
den Lehrstühlen teilweise nicht vorhanden, zum anderen sind
jedoch auch die Aufträge oft noch gar nicht ausgereift. Letzterer
Tatbestand ist systemimmanent, denn bei vielen Aufträgen steht
eine Diplom- oder Doktorarbeit dahinter, bei der es gerade um die
Weiterentwicklung einer technischen Apparatur geht, so daß
ein genauer Werkstatt-auftrag zu Beginn der Arbeit noch gar nicht
zu definieren ist.
Die 3 Gesellen sind in der reinen Produktion tätig, d.h. sie
arbeiten an den CNC-Maschinen und/oder weniger spezialisierten Geräten
an der Herstellung der in Auftrag gegebenen Produkte bzw. an anderen
Aufträgen wie Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten.
Die Werkstattkapazitäten sind derzeit nach Aussage aller Befragten
gut ausgelastet. Die für Aufträge benötigten Arbeitszeiten
werden genau erfaßt und entsprechend in Rechnung gestellt.
Bislang werden jedoch keine systematischen mitarbeiterbezogenen
Auswertungen über zeitlich abgegrenzte Perioden wie Wochen
oder Monate vorgenommen. Daher kann nicht exakt bestimmt werden,
wie hoch die genaue prozentuale Auslastung der einzelnen Mitarbeiter
der Werkstatt durch auftragsbezogene Arbeiten hinsichtlich der gesamten
Anwesenheitszeit oder auch der bezahlten Arbeitszeit ist.
Längere Wartezeiten mußten die Auftraggeber bislang
nicht in Kauf nehmen, obwohl die zu leistende Arbeit ständig
gewachsen ist. Ob dies in der Zukunft auch gewährt bleiben
kann, erscheint jedoch fraglich, da schon in Kürze zusätzliche
Lehrstühle ihre Arbeit aufnehmen sollen, die zumindest teilweise
Werkstattaufträge nachfragen werden. Außerdem werden
die Studentenzahlen auch der bereits länger bestehenden Lehrstühle
langfristig noch steigen, so daß in den nächsten Jahren
insgesamt mit einer steigenden Zahl von Werkstattaufträgen
zu rechnen ist.
2.6. Aufbau und Inhalt der Rechnungen
Jeder einzelne Auftrag erhält eine Auftragsnummer, unter der
die gesamten auftragsbezogenen Kosten seitens der Werkstatt festgehalten
werden. Nach Fertigstellung der Arbeit erhält der Lehrstuhl
des Auftraggebers eine Rechnung mit folgenden Inhalten:
- Adressat
- Kostenaufstellung:
- Anzahl der Stunden unterteilt in die 4 Leistungsarten Konstruktion/Arbeitsvorbereitung,
CNC-Bearbeitung, konventionelle Bearbeitung und Montage/Bankarbeiten.
In der Kostenaufstellung werden für jede dieser 4 Leistungsarten
die angefallenen Stunden dargestellt und mit dem kalkulatorischen
Stundenkostensatz dieser Leistungsart multipliziert. Diese Stundenkostensätze
sind an privatwirtschaftliche Betriebe angelehnt, wobei sie allerdings
nach unseren Erfahrung unter den entsprechenden Kostensätzen
liegen. Für jede der 4 Leistungsarten ergibt sich somit ein
Kostenbetrag. Alle 4 Beträge werden zusammenaddiert zu den
Gesamtkosten für den Faktor Arbeit. Dieser Wert hat allerdings
nur informatorischen Wert, da der auftraggebende Lehrstuhl tatsächlich
nur je Stunde einen Pauschalkostensatz in Höhe von 6 DM zu
zahlen hat.
- Materialkosten ohne und mit 15% Umsatzsteuer,
- Kosten für Sonderwerkzeuge ohne und mit 15% Umsatzsteuer.
- Ausweis des zu zahlenden Rechnungsbetrages. Dieser errechnet
sich aus der Summe der tatsächlichen Materialkosten (inkl.
15% Umsatzsteuer) plus der Kosten für Sonderwerkzeuge (inklusive
15% Umsatzsteuer) plus der Werkstattkosten, die sich durch die
Multiplikation der Anzahl der Stunden mit dem Pauschalkostensatz
in Höhe von 6 DM ergeben. Dabei werden unter Umständen
bereits geleistete Anzahlungen entsprechend berücksichtigt,
so daß letztlich der noch zu zahlende Betrag ausgewiesen
wird.
- Zusätzlich wird - wiederum informatorisch - der Rechnungsbetrag
ausgewiesen, der bei Inrechnungstellung der "normalen"
Stundenkostensätze entstanden wäre.
Die Besonderheit dieser Rechnung mit teilweise tatsächlich
entstandenen und teilweise eingesetzten Pauschalkostensätzen
ist begründet durch die Art der Haushaltsbereitstellung: während
die eingesetzten Materialien und die Sonderwerkzeuge für einen
bestimmten Auftrag speziell einzukaufen sind, sind die Kosten für
die eingesetzten Mitarbeiter und die verwendeten Maschinen und Geräte
durch den normalen Haushaltsetat bereits bezahlt. Sie entstehen
nicht auftragsbezogen und belasten darüber hinaus einen anderen
Haushaltstitel.
2.7. Gestaltung von Kostenrechnung und Kalkulation
Die separate Betrachtung der Kostenrechnung der Werkstatt macht
unserer Ansicht nach wenig Sinn, da sie eingebettet ist in die Kostenrechnung
der gesamten Technischen Fakultät. Vielmehr ist schon der Ansatzpunkt
der Kostenrechnung ein ganz anderer als bei einer privatwirtschaftlich
geführten Werkstatt. Letztere führt die Kostenrechnung
durch, und das erzielte Ergebnis drückt die Leistungsfähigkeit
des Unternehmens aus. Dies wiederum ist abhängig von verschiedenen
Komponenten wie der technischen Leistungsfähigkeit, dem Akquisitionsgeschick,
einem kostengünstigen Einkauf etc. Dabei werden in einer modernen
Kostenrechnung auch eine Kostenstellen- und eine Kostenträgerrechnung
durchgeführt. Je nach Größe und Bedarf werden verschiedene
Unternehmensteilbereiche (Profit-Center) gebildet, deren Ergebnisbeiträge
zum Gesamtergebnis errechnet werden.
Bei der Werkstatt der Technischen Fakultät ist jedoch gewissermaßen
die Fakultät das Unternehmen, die Werkstatt dagegen - neben
vielen anderen - eine Kostenstelle, die einen Ergebnisbeitrag als
Profit-Center erbringen soll. Auch das Ergebnis ist ganz anders
definiert als bei einer privatwirtschaftlichen Werkstatt. Wie bereits
erläutert hat die Werkstatt der Technischen Fakultät keine
oder zumindest sehr begrenzte Möglichkeiten, eigene Aufträge
zu akquirieren. Sie ist vielmehr darauf angewiesen, daß diese
von den Lehrstühlen kommen. Daher kann auch nicht das Ziel
einer Gewinnmaximierung im üblichen Sinne verfolgt werden.
Die Möglichkeiten, die die Werkstatt zur Erlangung eines möglichst
guten eigenen Ergebnisses hat, sind daher beschränkt auf ein
effektives Kostenmanagement. Hierzu zählen in erster Linie
der kostengünstige Einkauf der Materialien und weiterer Komponenten.
In sehr beschränktem Umfang kann hierzu auch ein konsequentes
Zeitmanagement und die technische Leistungsfähigkeit gerechnet
werden, denn eine möglichst schnelle und qualitativ einwandfreie
Bearbeitung bestehender Aufträge schafft natürlich zusätzliche
Kapazitäten für weitere Aufträge. Positiv auf das
Ergebnis der Werkstatt wirkt sich dies jedoch nur dann aus, wenn
diese zusätzlichen Kapazitäten auch tatsächlich durch
die Hereinnahme zusätzlicher Aufträge genutzt werden -
und genau hierauf hat die Werkstatt selbst keinen oder zumindest
nur einen sehr begrenzten Einfluß.
Aus diesen Gründen macht unserer Ansicht nach eine Betrachtung
der Kostenrechnung nur Sinn, wenn diese eingebettet in die Kostenrechnung
der gesamten Fakultät geschieht.
Die Technische Fakultät führt eine Kostenrechnung mit
Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung und seit 1997 auch mit
Kostenträgerrechnung durch. Zur entsprechenden Erfassung und
Verarbeitung der sämtlichen Geschäftsvorfälle werden
die beiden Programme HIS MBS (Hochschulinformationssystem
Mittelbewirtschaftungssystem und HIS IVS (Inventarisierungssystem)
eingesetzt. Hierbei handelt es sich - wie der Name HIS bereits aussagt
- um speziell für die Hochschulen entwickelte Buchhaltungsprogramme
auf Grundlage der kameralistischen Buchhaltung.
Die Kostenarten sind nach dem 1996 landesweit eingeführten
Kostenartenrahmen definiert. Hierin sind insgesamt 11 Kostenartengruppen
mit jeweils mehreren Kostenarten unterschieden. Grundlage ist die
kameralistische Haushaltsführung, nicht die privatwirtschaftliche
Finanzbuchhaltung. Dies äußert sich beispielsweise darin,
daß bei getätigten Investitionen die Anschaffungskosten
in der betrachteten Periode als Kostenart aufgeführt sind und
nicht etwa das entsprechende Wirtschaftsgut als Anlagegut aktiviert
wird mit den entsprechenden Kosten Abschreibungen und Zinsen.
Als Kostenstellen sind zum einen die einzelnen Professoren (in
der Regel gleichbedeutend mit Lehrstühlen) und zum anderen
die zentralen Dienste, zu denen auch die Werkstatt gehört,
definiert. Außerdem wurde eine Kostenstelle "Allgemeine
Kosten" eingerichtet. Insgesamt existieren in der Technischen
Fakultät mehr als 30 Kostenstellen.
Seit 1997 werden schließlich auch Kostenträger in der
Kostenrechnung erfaßt. Dies sind in der Regel die einzelnen
Forschungsprojekte. Bei jeder Bestellung geben die Kostenstellen
seit Anfang des laufenden Jahres mit an, welchem Projekt sie belastet
werden soll. Ziel ist die Erfassung der Kosten für die einzelnen
Forschungsprojekte.
Die Werkstatt ist somit eine Kostenstelle innerhalb der Kostenstellen-Gruppe
zentrale Dienste. Die Besonderheit der Kostenstelle Werkstatt gegenüber
den anderen Kostenstellen in der Technischen Fakultät ist,
daß sie nicht nur Kosten verursacht, sondern auch Einnahmen
erzielt. Diese werden aufgrund der fehlenden Möglichkeit der
Verbuchung von Einnahmen als negative Ausgaben erfaßt.
Die Kalkulation der einzelnen Aufträge seitens der Wirtschaft
ist bereits mehrfach angesprochen worden und soll hier nur noch
einmal kurz erläutert werden.
Der Werkstattleiter erhält von den Lehrstühlen Anfragen
bezüglich der Kosten durchzuführender Aufträge. Er
berechnet dann die voraussichtlich benötigten Stunden und gibt
bei größeren Aufträgen Angebote an die Auftraggeber
ab.
Bei der Kalkulation der Kosten für einen bestimmten Auftrag
sind diejenigen zu unterscheiden, die tatsächlich für
diesen Auftrag entstehen und auch von der Werkstatt zu einem
Mittelabfluß nach außen führen (Material und Sonderwerkzeuge)
und diejenigen, die zu keinem solchen - per Auftrag meßbaren
- Mittelabfluß führen und daher auch von der Werkstatt
nur mit einem Pauschalsatz dem Auftraggeber in Rechnung gestellt
werden. Mit diesem Pauschalsatz sollen sämtliche Gemeinkosten
abgedeckt werden, die durch die Werkstatt entstehen.
Dieser Pauschalsatz beträgt derzeit pro Stunde 6 DM und ist
natürlich in keiner Weise zu vergleichen mit üblichen
Stundenkostensätzen, die privatwirtschaftliche Werkstätten
berechnen.
Laut "Finanzbericht der Technischen Fakultät für
das Haushaltsjahr 1996" konnte die Werkstatt bislang noch nicht
kostendeckend arbeiten, wobei kostendeckend hier heißt, daß
sämtliche Material- und Gemeinkosten gedeckt sind.
Eine Bewertung des Ergebnisses der Werkstatt ist jedoch aus mehreren
Gründen sehr problematisch:
- Wie bereits erläutert kann keine aktive Verkaufspolitik
betrieben werden. Vielmehr ist die Werkstatt auf die Auftragsvergabe
durch die Lehrstühle angewiesen.
- Die pauschalen Stundensätze in Höhe von 6 DM beziehen
sich nur auf die Gemeinkosten, auf deren Höhe die Werkstatt
selbst jedoch auch nur einen begrenzten Einfluß ausüben
kann.
- Aufgrund der kameralistischen Buchführung können beispielsweise
bei Materialeinkäufen buchungsmäßig keine Unterscheidungen
dahingehend getroffen werden, ob das eingekaufte Material auch
tatsächlich sofort verbraucht wird oder ob ein Teil hiervon
in einen Lagerbestand eingeht. Dies ist deshalb nicht möglich,
da keine periodengerechte Abgrenzung von Bestandsveränderungen
durchgeführt werden kann. Diese fehlende Möglichkeit
beeinträchtigt das Ergebnis in folgender Hinsicht: entweder
die Werkstatt kauft große Mengen an Material ein (also mehr
als für einen bestimmten Auftrag benötigt) und erzielt
dabei weitaus günstigere Preise. Dann wird jedoch ein Lager
aufgebaut, welches aufgrund der fehlenden Möglichkeit der
Abgrenzung in gleicher Weise sofort als Kosten gebucht wird wie
das tatsächlich verbrauchte Material. Oder es wird nur das
für einen bestimmten Auftrag benötigte Material gekauft,
dann aber zu sehr viel höheren Preisen.
- Die für den Materialeinkauf geschilderte Problematik gilt
grundsätzlich auch für andere Kostenpositionen, insbesondere
die nicht vorhandene Möglichkeit der periodengerechten Abgrenzung.
Eine separate Betrachtung der Gemeinkosten macht somit aus kostenrechnerischer
Sicht keinen Sinn. Im Gegenteil: gerade die Personalkosten und die
Kosten für den Einsatz der Maschinen und Geräte (Abschreibungen,
Zinsen) entstehen bei einer betriebswirtschaftlichen Rechnung auftragsbedingt
und sind somit unbedingt in die Kalkulation und die Rechnungslegung
einzubeziehen! Der in Rechnung gestellte Stundensatz von Werkstätten
beträgt für Aufträge, die mit CNC-Maschinen bearbeitet
werden, dabei in der Regel zwischen 100 und 120 DM - je nach Ausstattung
und Kostenstruktur der Werkstatt.
Danach sind im übrigen auch die Stundensätze, die auf
den Rechnungen rein informatorisch aufgeführt sind, im Vergleich
zu privatwirtschaftlichen Werkstätten zu niedrig angesetzt.
Diese betragen für die 4 verschiedenen Tätigkeitsbereiche
(Stand März 1997):
- Konstruktion/ Arbeitsvorbereitung 88 DM
- CNC-Bearbeitung 72 DM
- konventionelle Bearbeitung 57 DM
- Montage/Bankarbeiten 46 DM
Die in der privaten Wirtschaft verlangten Stundenkostensätze
liegen nach unseren Erfahrungen durchweg um ca. 30% bis 50% höher.
2.8. Kundenzufriedenheit
Die Werkstatt der Technischen Fakultät arbeitet derzeit ausschließlich
für die eigenen Lehrstühle, so daß sich der Kundenkreis
auf diese beschränkt. Wir haben die Zufriedenheit der Auftraggeber
bezüglich der Leistungen und der Zusammenarbeit mit der Werkstatt
anhand von Gesprächen ermittelt.
Insgesamt konnten wir einen sehr hohen Grad an Zufriedenheit bei
den Kunden feststellen. In der Zusammenarbeit ist die Werkstatt
offensichtlich sehr kooperativ und flexibel, wenn es beispielsweise
um terminliche Sonderwünsche oder um Änderungen des ursprünglichen
Auftragsinhaltes geht. Dies gilt in gleicher Weise für Herrn
Burmeister als Werkstattleiter, für Herrn Neumann als Vertreter
des Leiters sowie für alle Mitarbeiter. Obwohl eigentlich die
Werkstattkommission grundsätzlich die Auftragsreihenfolge festlegen
soll, wird dieses Gremium in der Praxis diesbezüglich - zumindest
bislang - nicht benötigt. Die angenommenen Arbeiten konnten
in der Vergangenheit stets termingerecht fertiggestellt werden.
Die Qualität der Arbeiten wird fast einhellig als gut bis
sehr gut beurteilt. Lediglich bei Arbeiten, die sehr hohen feinmechanischen
Ansprüchen genügen müssen, wurde geäußert,
daß die Qualität teilweise noch besser sein könnte.
Gleichzeitig wurde jedoch auch von diesen Auftraggebern eingeräumt,
daß dieser Qualitätsanspruch auch nach deren eigener
Einschätzung nur sehr schwer hundertprozentig zu erfüllen
und hierfür eine Spezialwerkstatt erforderlich sei. Die nicht
immer optimale Qualität in den Arbeiten der Feinmechanik wird
daher auch nicht als eigentliche Kritik an der Werkstatt geäußert,
sondern als durch die Art der Aufträge selbst bedingt erläutert,
bei denen darüber hinaus häufig anfangs noch gar nicht
bekannt sei, bei welchen Teilarbeiten Toleranzen geduldet werden
könnten und bei welchen nicht.
Der einzige Aspekt, der von den Kunden tatsächlich als Kritikpunkt
an der Werkstatt gesehen wird, ist die Verständlichkeit und
teilweise auch die Höhe der Rechnungen. Von mehreren Gesprächspartnern
wurde geäußert, daß sie die Rechnungen inhaltlich
nicht verstehen würden. Auch die Höhe der Rechnungsbeträge
wurde teilweise als zu hoch empfunden.
Die abgerechneten Kosten für Material und Sonderwerkzeuge
stellen dabei kein Problem dar. Sie werden grundsätzlich akzeptiert.
Ansatzpunkt der Kritik sind vielmehr die in Rechnung gestellten
Werkstattkosten. Wie bereits erläutert setzen diese sich zusammen
aus der Anzahl der gearbeiteten Stunden und den pauschalen Stundensätzen.
Beide Werte werden von einigen Lehrstühlen als zu hoch empfunden.
Die Tatsache, daß die 6 DM je Arbeitsstunde als Werkstattkosten
für zu hoch erachtet werden, kann unseres Erachtens - insbesondere
unter Bezugnahme auf die in Punkt 2.7. gemachten Aussagen über
die tatsächlichen Stundenkostensätze - nur damit begründet
werden, daß die meisten Professoren es aus früheren Tätigkeiten
an anderen Universitäten gewohnt waren, über eine lehrstuhleigene
Werkstatt zu verfügen. Informationen über die in einer
Werkstatt entstehenden tatsächlichen Kosten erhielten sie dabei
natürlich kaum.
Schwieriger zu bewerten ist die Kritik an der berechneten Stundenzahl,
die von einigen Lehrstühlen geäußert wurde. Diesbezüglich
hat die Technische Fakultät Angebote von zwei externen Werkstätten
über Aufträge eingeholt, die in gleicher Weise bereits
von der Werkstatt der Technischen Fakultät bearbeitet worden
sind.
Das Ergebnis dieser Anfrage ist sehr interessant: während
eine der beiden befragten Werkstätten in ihrem Angebot zu einer
ähnlichen Stundenzahl wie die Werkstatt der Technischen Fakultät
gelangte, kam die andere Werkstatt zu einer Stundenzahl, die weit
darunter lag. Es stellte sich dann jedoch heraus, daß diese
Werkstatt die sogenannten REFA-Zeiten als Berechnungsgrundlage gewählt
hatte - und diese gelten ausschließlich für Serienfertigung.
Diese Werkstatt führte dann zur Überprüfung des eigenen
Angebotes eine Arbeit tatsächlich aus und kam dabei zu einer
Stundenzahl, die wiederum fast derjenigen der zentralen Werkstatt
entsprach.
Durch diese Anfragen bei externen Werkstätten wurde zum einen
deutlich, daß die zentrale Werkstätte wettbewerbsfähig
ist und zum anderen auch, wie schwierig offenbar die Kalkulation
dieser speziellen Aufträge ist.
Anlaß zu Verbesserungen gibt unserer Ansicht nach in erster
Linie die Tatsache, daß die Rechnungen teilweise inhaltlich
nicht verständlich sind. Bei einem objektiven Vergleich mit
externen Werkstätten - der allerdings nur bedingt möglich
ist - sind die in Rechnung gestellten Kosten sicherlich nicht zu
hoch. Im Gegenteil: die berechneten Stundensätze in Höhe
von 6 DM sind ein Wert, der nur einen kleinen Teil der gesamten
Werkstattkosten abdeckt. Er ist somit bei objektiver Betrachtung
eher zu niedrig als zu hoch und reicht im übrigen auch bei
der zentralen Werkstatt der Technischen Fakultät nicht aus,
um sämtliche Gemeinkosten abzudecken.
Bezüglich der Kundenzufriedenheit kann als Fazit festgestellt
werden, daß diese sehr hoch ist. Bestehende Unzufriedenheiten
erscheinen uns darüber hinaus zu einem erheblichen Teil durch
Informationsdefizite und nicht durch Unzulänglichkeiten der
Werkstatt begründet. Einzig die Verständlichkeit der Rechnungen
kann als Kritikpunkt beurteilt werden, der zu Verbesserungsmaßnahmen
durch die Werkstatt führen sollte.
2.9. Aussagefähigkeit des EDV-Berichtswesens
Sämtliche Geschäftsvorfälle werden, wie bereits
in Punkt 2.7. erwähnt, mit Hilfe der EDV-Programme HIS MBS
und HIS IVS erfaßt und in die Kostenarten-, -stellen- und
-trägerrechnung überführt. Damit ist für den
"Gesamtbetrieb" Technische Fakultät ein durchgängiges
EDV-Berichtssystem garantiert.
Die Werkstatt als einer von mehreren zentralen Diensten wird als
eine Kostenstelle geführt und ist als solche in den Buchungskreislauf
und das Berichtswesen integriert.
Für jeden Auftrag erstellt die Werkstatt eine Rechnung mit
Auftragsnummer, Auftragnehmer und sämtlichen Kostendaten des
Auftrags. Jedes Forschungsprojekt wird seit Anfang 1997 als eigener
Kostenträger geführt. Auch diesbezüglich ist die
Durchgängigkeit des Berichtswesens gewährleistet.
Herr Burmeister führt darüber hinaus mehrere "Nebenrechnungen"
durch, um die Erlös-Kosten-Relationen in der Werkstatt ständig
beobachten und damit - im beschriebenen Rahmen - auch steuern zu
können. Im einzelnen sind dies:
- Kostenstellenberechnungen für Werkzeugmaschinen: für
die einzelnen Maschinenarbeitsplätze werden kalkulatorische
Selbstkostenpreise je Stunde errechnet - unter Berücksichtigung
der betriebswirtschaftlichen Größen kalkulatorische
AfA und Zinsen, Verbrauchsmaterialien und Energiekosten, angenommene
Auslastung im Jahr, Stundenlohn sowie Betriebs- und Personalgemeinkosten.
- Stundenverrechnungssatz/Lohn: Ermittlung des Zuschlagssatzes
auf den Bruttostundenlohn für die einzelnen Mitarbeiter anhand
der Höhe der einzelnen Sozialversicherungskosten und der
Errechnung des Verhältnisses der anwesenden zu den zu bezahlenden
Stunden (dieser Aufschlagfaktor ergibt dann den bei der Kostenstellenberechnung
verwendeten Betrag für die Personalgemeinkosten).
- Lehrstuhlrechnungen: für jeden auftraggebenden Lehrstuhl
werden jährlich und chronologisch die gesamten Aufträge
fortgeschrieben mit den jeweils berechneten Stunden und Materialkosten
je Auftrag. Anhand dieser Aufstellung kann jederzeit und für
jeden Zeitraum festgestellt werden, in welcher Höhe der betreffende
Lehrstuhl Werkstatt-Aufträge in Anspruch genommen hat.
- Bestelliste - zentrale Werkstatt der Technischen Fakultät:
chronologisch werden sämtliche Material- und sonstigen Bestellungen
festgehalten - mit jeweiliger Kennzeichnung des Zahlungsstandes.
- Maschinenauslastung lehrstuhlbezogen: für jeden Lehrstuhl
werden auftragsweise die in Rechnung gestellten Stunden, aufgeteilt
in die 4 Tätigkeitsbereiche dargestellt - ergänzt um
Diagramme.
- Werkstattbilanz - Januar bis Dezember eines Wirtschaftsjahres:
Darstellung der
- verschiedenen Kosten, aufgeteilt in Allgemeine Betriebskosten,
Investitionen und Projektkosten,
- Einnahmen und Ausgaben,
- Einnahmen, aufgeteilt zum einen auf die verschiedenen Lehrstühle
und zum anderen auf die Bereiche Stundenkostensätze und Material.
Die gesamten Aufzeichnungen und Berechnungen erstellt Herr Burmeister
auf Excel-Formularen, die er selbst entworfen hat und konsequent
führt.
Das Berichtswesen der Technischen Fakultät im allgemeinen
und der Werkstatt im besonderen ist somit im Rahmen der Bedingungen
der kameralistischen Rechnungslegung lückenlos. Jeder "Geschäftsvorfall"
innerhalb der Fakultät ist nachvollziehbar. Bezüglich
der Werkstatt können aus dem Berichtswesen jederzeit differenzierte
Analysen abgerufen werden, welcher Lehrstuhl welche Aufträge
mit welcher Inanspruchnahme ganz bestimmter Leistungen veranlaßt
hat. Die Höhe der entstandenen Kosten für Materialien
sowie die berechneten Stundenkostensätze können sowohl
je Auftrag als auch für die einzelnen Lehrstühle differenziert
abgerufen werden. Auch die Maschinenauslastung, bezogen auf die
4 verschiedenen Leistungsarten Konstruktion, CNC-Bearbeitung, konventionelle
Bearbeitung und Montage kann je Lehrstuhl errechnet werden.
Unter den Vorgaben der kameralistischen Buchhaltung halten wir
das Berichtswesen daher für aussagefähig - mit der Einschränkung,
daß 2 Kreisläufe bestehen, die nicht vollkommen ineinandergreifen.
So führt Herr Burmeister zahlreiche werkstattbezogene Rechnungen
durch, die dann jedoch nicht sämtlich in die fakultätsbezogene
Berichterstattung einfließen. Dies ist allerdings nicht als
Kritik an der Werkstatt zu verstehen. Im Gegenteil: Offenbar werden
dort aus der Erkenntnis heraus, daß die Aussagefähigkeit
der kameralistischen Buchhaltung und der HIS-Programme hinsichtlich
der kostenrechnerischen Ziele der Werkstatt begrenzt ist, zusätzlich
eigene Berechnungen angestellt. Die Tatsache, daß diese sehr
sinnvollen Zusatzberechnungen nicht kompatibel mit der Gesamtbuchhaltung
sind, muß als Schwachpunkt der Gesamtbuchhaltung beurteilt
werden und nicht der Werkstatt!
Für betriebswirtschaftliche Analysen sind die Auswertungen
des Berichtswesens der Fakultät folgerichtig auch nur bedingt
heranzuziehen. Deutlich wird dies bei kritischer Bewertung der Aussagen
des "Finanzberichts der Technischen Fakultät für
das Haushaltsjahr 1996".
Aus den verschiedenen Aufstellungen dieses Berichts wird deutlich,
daß die Investitionen einen sehr hohen Anteil an den jährlichen
Ausgaben der Technischen Fakultät ausmachen. Dies ist auch
nicht verwunderlich bei einer Fakultät, die sich derzeit noch
in der Startphase befindet und bei der noch nicht alle geplanten
Lehrstühle zum jetzigen Zeitpunkt eingerichtet sind. Für
betriebswirtschaftliche Berechnungen ist jedoch nicht die zeitliche
Abgrenzung der Ausgaben entscheidend, sondern die der Kosten.
Die Kosten einer Investition für eine Rechnungsperiode sind
dabei nur dann mit den Ausgaben gleichzusetzen, wenn das angeschaffte
Wirtschaftsgut im Anschaffungsjahr voll abgeschrieben wird - und
dies ist grundsätzlich nur bei den sogenannten "Geringwertigen
Wirtschaftsgütern" (GWG) mit einem Anschaffungspreis von
bis zu 800 DM der Fall. Ansonsten setzen sich die periodengerecht
abgegrenzten Kosten für die Anschaffung eines Investitionsgutes
nach betriebswirtschaftlicher Betrachtung aus Abschreibungen und
Zinsen zusammen, d.h. die Anschaffungskosten verteilen sich auf
die gesamte Nutzungszeit. Das heißt jedoch weiter: je länger
die Nutzungszeit des angeschafften Wirtschaftsgutes, desto größer
ist die Differenz zwischen den Kosten nach kameralistischer und
nach betriebswirtschaftlicher Betrachtung.
Da ein Großteil der Investitionen der Technischen Fakultät
Nutzungszeiten von 10, 20 und mehr Jahren aufweist, sind die Aussagen
der kameralistischen Buchhaltung für eine betriebswirtschaftliche
Bewertung und auch für Vergleiche bestimmter Leistungsträger
mit privatwirtschaftlichen Unternehmen weitgehend unbrauchbar.
Dies gilt somit natürlich auch für die Werkstatt als
einer Kostenstelle innerhalb der Kostenrechnung der Technischen
Fakultät. Wie beschrieben hat Herr Burmeister, der wie sämtliche
seiner Mitarbeiter bereits in privatwirtschaftlichen Werkstätten
gearbeitet hat, für interne Betrachtungen bereits eine Reihe
von Kriterien aufgestellt, um die Leistungsfähigkeit zu überprüfen.
Abschließend fassen wir die Mängel des Berichtswesens
im Hinblick auf die Aussagefähigkeit zusammen:
- Die werkstattinternen Berechnungen sind Insellösungen und
somit nicht in die Gesamtbuchhaltung der Fakultät zu integrieren.
- Die Informationen aus den werkstattinternen Berechnungen haben
derzeit noch rein informativen Charakter. Unternehmerische Entscheidungen
wie die Erweiterung der maschinellen und personellen Kapazitäten
können durch die erhaltenen Aussagen nicht veranlaßt
werden.
- Aufgrund der Haushaltsbereitstellung, insbesondere der fehlenden
Periodenabgrenzung, ist es der Werkstatt nicht möglich, beispielsweise
bei Materialkäufen Mengenrabatte auszunutzen und ein Lager
zu bilden. Dies hat zur Konsequenz, daß im Vergleich zu
einer privatwirtschaftlichen Werkstatt teurer eingekauft werden
muß - oder der derzeitige Etat zugunsten des zukünftigen
über Gebühr beansprucht wird. Noch schwerer wiegt diesbezüglich
die Tatsache, daß Investitionen in langfristig zu nutzende
Wirtschaftsgüter nicht von langfristigen Erlös-Kosten-Relationen
und damit vom Wirtschaflichkeitsgedanken abhängig gemacht
werden können, sondern von kurzfristigen Mittelzuweisungen.
Zu betonen ist dabei nochmals, daß diese Mängel nach
unseren Erkenntnissen durch die kameralistische Buchhaltung bedingt
sind und hier der Ansatzpunkt für Verbesserungen liegen muß.
2.10. Zusammenfassung der Ist-Analyse
Die Aufgabenstellung unserer Beratung, die wir zusammen mit dem
Dekanat definiert haben, zielte ab auf die Verbesserung der Organisation
der Werkstatt als einer zentralen Einheit innerhalb der Technischen
Fakultät. Dabei sollten sowohl die Abläufe als auch die
finanziellen Ergebnisse kritisch untersucht werden mit dem letztendlichen
Ziel festzustellen, ob die untersuchte Werkstatt im Vergleich mit
privatwirtschaftlich geführten Werkstätten konkurrenzfähig
ist und bezüglich der betrieblichen Abläufe gut geführt
wird.
Es zeigte sich jedoch im Laufe unserer Beratung, daß diese
Aufgabenstellung in der ursprünglichen Fassung zu eng gefaßt
war, da die Werkstatt in eine Institution eingebunden ist, die aufgrund
der kameralistischen Buchhaltung in ein relativ starres Korsett
gezwängt ist. Eine separate Optimierung der Werkstatt stößt
daher an Grenzen - Grenzen, die weder im Verantwortungsbereich der
Werkstatt selbst noch in dem des Dekanats der Technischen Fakultät
liegen. Wir haben daher in Abstimmung mit Prof. Föll und Dr.
Paul als Vertreter unseres Auftraggebers die Betrachtung erweitert
mit der Konsequenz, nicht nur die Verbesserungsmöglichkeiten
im Rahmen der gegebenen Rahmenbedingungen zu beurteilen, sondern
gerade diese selbst in Frage zu stellen - insbesondere die Form
der kameralistischen Buchhaltung.
Die Ergebnisse unserer Ist-Analyse lauten in Kurzform:
- Im Rahmen der jetzigen Rahmenbedingungen kann der Werkstatt
ein gutes Zeugnis bescheinigt werden. Sowohl die Qualität
der Arbeit als auch die Zusammenarbeit mit ihr wurde allgemein
gelobt. Lediglich von einem Lehrstuhl wird Kritik an der Qualität
geäußert. Einziger Kritikpunkt waren ansonsten die
Rechnungen. Insbesondere die Verständlichkeit, teilweise
aber auch die Höhe werden von mehreren Lehrstühlen bemängelt.
- Im Hinblick auf eine konsequente Optimierung des betriebswirtschaftlichen
Ergebnisses sind der Werkstatt in mehrfacher Form enge Grenzen
gesetzt:
- eine aktive Auftragsakquisition ist derzeit nicht möglich,
- ein kostengünstiger Einkauf unter Ausnutzung von Mengenrabatten
ebenfalls nicht oder zumindest nur sehr begrenzt,
- betriebliche Kapazitäten können nicht aufgrund eigener
Erfordernisse verändert werden, sondern werden werkstattextern
festgelegt,
- vor allem aber können nicht die tatsächlichen Kosten
als Ausgangspunkt einer Kalkulation und somit der Rechnungsstellung
herangezogen werden, sondern pauschalisierte Kostensätze,
die kaum einen Verursachungsbezug zwischen Kostenentstehung und
-weiterberechnung als Grundlage aufweisen.
3. Konzeptionelle Vorschläge
3.1. Grundlegende Anmerkungen
Unsere Aufgabe war es, die Organisation und das Ergebnis der zentralen
Werkstatt der Technischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität
zu Kiel kritisch zu überprüfen und ggf. Verbesserungsvorschläge
zu erarbeiten. Ansatzpunkt ist dabei letztlich ein wirtschaftlicher:
können angesichts immer knapper werdender Finanzmittel die
Arbeit und die Leistungskraft der Werkstatt verbessert werden oder
arbeitet diese bereits am oberen Limit?
Wie bereits während der Ist-Analyse erläutert stellte
sich im Laufe unserer Beratung heraus, daß die wesentlichen
Verbesserungsmöglichkeiten nur dann umsetzbar sind, wenn die
Betrachtungsebene verändert wird. Sowohl die verschiedenen
Gespräche als auch die uns überlassenen Unterlagen zeigen
deutlich auf, daß die Werkstatt unter den derzeitigen Rahmenbedingungen
gut arbeitet und die Verbesserungsmöglichkeiten relativ gering
sind.
Insbesondere die kameralistische Buchhaltung wirkt jedoch als gewaltiger
Hemmschuh, will man eine konsequent betriebswirtschaftlich orientierte
Führung der Werkstatt, eingebettet in eine solche Führung
der gesamten Fakultät, erreichen.
Dabei ist positiv zu vermerken, daß Herr Burmeister trotz
der Einschränkungen, die die Kameralistik mit sich bringt,
versucht, "seine" Werkstatt kaufmännisch im Sinne
einer privatwirtschaftlichen Werkstatt zu führen. So hat er
bereits verschiedene betriebswirtschaftliche Instrumente eingeführt
- Instrumente, wie sie auch in privatwirtschaftlichen Werkstätten
eingesetzt werden: Stundensatzberechnungen für Maschinen und
Mitarbeiter, Berechnungen von Auslastungsgraden, laufende Ergebniskontrolle
etc.
Nur: während diese Instrumente in privatwirtschaftlichen Werkstätten
als Entscheidungshilfen für wichtige betriebliche Maßnahmen
eingesetzt werden, stößt Herr Burmeister hier sehr schnell
an die Grenzen, die durch die Rahmenbedingungen gesetzt werden.
Daher können Erkenntnisse, die grundsätzlich gewonnen
werden, nicht in entsprechende Maßnahmen umgesetzt werden.
Die Verbesserungspotentiale, die sich aus der Art der Bereitstellung
der Haushaltsmittel und der kameralistischen Buchführung ergeben,
können daher nicht als Kritik an der Werkstattleitung, der
Lehrstühle als Auftraggeber oder auch des Dekanats oder der
Geschäftsführung der Fakultät verstanden werden.
Um diese Verbesserungspotentiale wirklich nutzen zu können,
muß vielmehr der Ansatzpunkt verlegt werden:
- weg vom Standpunkt irgendwo innerhalb des "Unternehmens"
Fakultät und in den engen Grenzen des Gesamtsystems mit dem
Versuch, einzelne Aspekte der Werkstatt zu verbessern, ohne das
Gesamtgerüst in Frage zu stellen,
- hin zu einem Standpunkt gewissermaßen außerhalb
der Fakultät mit dem Versuch, die Rahmenbedingungen zu optimieren,
um dann auch die Wirtschaftlichkeit von Teilelementen wie der
zentralen Werkstatt gezielt zu erhöhen.
Erst die Veränderung der Rahmenbedingungen macht eine wirkliche
Optimierung der Wirtschaftlichkeit der Werkstatt (und sicherlich
auch der anderen zentralen Dienste) möglich, wo ansonsten nur
kleinere Verbesserungen erzielt werden können.
Da diese Erkenntnisse jedoch nicht bereits vor der Auftragsvergabe
durch den Förderverein an uns bekannt waren, sondern erst im
Laufe unserer Beratung zu Tage traten, haben wir - in Abstimmung
mit Prof. Föll und Dr. Paul als Vertreter unseres Auftraggebers
- den Inhalt des Beratungsauftrags entsprechend modifiziert.
Dies bedeutet nicht, daß die ursprünglichen Beratungsinhalte
aufgegeben wurden und keinerlei Verbesserungsmöglichkeiten
im derzeitigen Rahmen möglich sind. Entsprechende Vorschläge
werden wir daher auch im folgenden unterbreiten. Aber: das eigentliche
Verbesserungspotential zeigt sich nach unserer Erkenntnis nur bei
der Gesamtbetrachtung, insbesondere bei der Frage, welche Möglichkeiten
sich durch einen Wechsel von der kameralistischen zu einer betriebswirtschaftlich
orientierten Buchhaltung ergeben.
Ein wirkungsvolles Controlling beispielsweise als ein Instrument
zur zukunftsgerichteten "Unternehmens-steuerung" ist unter
den derzeitigen Rahmenbedingungen der kameralistischen Buchführung
nicht durchführbar. Dabei würde es natürlich den
Rahmen dieser Beratung sprengen, eine detaillierte Ausarbeitung
einer betriebswirtschaftlichen Konzeption für die gesamte Technische
Fakultät auf der Basis einer neu einzuführenden betrieblichen
Rechnungslegung zu erstellen. Die Möglichkeiten sollen jedoch
zumindest allgemein dargelegt werden. Außerdem sind einige
grundsätzliche Aspekte unabhängig von der Frage einer
kameralistischen oder betriebswirtschaftlich ausgerichteten Rechnungslegung
zu diskutieren.
Die konzeptionellen Vorschläge auf der Basis der bestehenden
kameralistischen Buchhaltung stellen wir im folgenden dar.
3.2. Zentrale versus dezentrale Werkstatt
An der Christian-Albrechts-Universität existieren derzeit
mehr als 30 dezentrale Werkstätten in verschiedenen Fakultäten,
d.h. diese Werkstätten sind direkt an Lehrstühlen installiert.
Die Technische Fakultät hingegen verfügt über lediglich
eine zentrale Werkstatt für alle Lehrstühle, die Werkstattaufträge
zu vergeben haben.
Für einige Professoren und auch wissenschaftliche Mitarbeiter
der Lehrstühle bedeutete die Forschungs- und Lehrtätigkeit
an der Technischen Fakultät im Hinblick auf die Zusammenarbeit
mit einer Werkstatt eine Umstellung. Sie konnten an anderen Universitäten
stets über eine lehrstuhleigene Werkstatt verfügen, von
denen sie keine Rechnungen erhielten und die sie sich nicht mit
anderen Lehrstühlen teilen mußten.
Die Einrichtung einer zentralen Werkstatt erfolgte an der Technischen
Fakultät aufgrund von finanziellen Beschränkungen: Die
einmalige Anschaffung verschiedener Maschinen und Geräte, die
von verschiedenen Lehrstühlen in Anspruch genommen werden,
ist natürlich gegenüber der Mehrfachinvestition erheblich
günstiger. Gleiches gilt grundsätzlich für die personelle
Ausstattung. Eine gleichmäßige Auslastung der Kapazitäten
ist bei einer zentralen Werkstatt zwangsläufig sehr viel einfacher
sicherzustellen als bei lehrstuhleigenen Werkstätten.
Fraglich ist dabei, ob eine Regelung, die von wirtschaftlichen
Notwendigkeiten vorgegeben ist, überhaupt schlechter sein muß
als die früher gewohnte. Als Nachteil einer zentralen gegenüber
einer dezentralen Werkstatt betrachten die Befürworter der
dezentralen Werkstatt vor allem drei Aspekte: längere Wege,
den Verlust des direkten Zugriffs und eine geringere Qualität
der Arbeiten. Unsere Erfahrungen, die wir während der Beratung
machen konnten, zeichnen jedoch ein anderes Bild.
Wir behaupten dabei keineswegs, daß eine zentrale Werkstatt
in allen Kriterien einer dezentralen überlegen ist. Andererseits
wollen wir jedoch klarstellen, daß ein Schritt, der aus einer
wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus getan wurde, durchaus auch
in der Praxis vorteilhaft genutzt werden kann.
Der Verlust des direkten Zugriffs ist mit Sicherheit nicht wegzudiskutieren.
Eine zentrale Werkstatt, die ein Lehrstuhl mit anderen Auftraggebern
teilen muß, zwingt zu Kompromissen. Fraglich bleibt jedoch,
ob dies (ausschließlich) negativ zu bewerten ist, denn es
führt auch zu ökonomischem Handeln und zur Zusammenarbeit
nicht nur mit der Werkstatt selbst, sondern auch mit den anderen
Lehrstühlen - und eine solche Zusammenarbeit bringt fast zwangsläufig
auch einen Know-how-Gewinn.
Das Argument der längeren Wege ist nicht nur wörtlich,
sondern auch im übertragenen Sinn gemeint und bezieht damit
den gesamten Auftragsweg ein. Auch dieser Aspekt birgt jedoch nach
unserer Überzeugung für die Lehrstühle nicht nur
Nachteile, sondern auch Chancen, zumal die tatsächlichen Entfernungen
innerhalb der Technischen Fakultät sehr kurz sind und kein
Problem darstellen sollten. Die Auftragserteilung und die Gewißheit,
daß man als Auftraggeber eine Rechnung erhält, führen
zwangsläufig dazu, daß Überlegungen angestellt werden,
wie die Aufträge klar definiert werden können und auf
welche Aufträge vielleicht auch verzichtet werden kann.
Insbesondere aber das Argument der zwangsläufig schlechteren
Qualität einer zentralen Werkstatt gegenüber einer dezentralen
kann unseres Erachtens nicht gelten. Eine zentrale Werkstatt hat
in jedem Fall die Möglichkeit, sich eine bessere Ausstattung
nicht nur in Spezialgebieten zu schaffen - und dies ist durchaus
im Hinblick sowohl auf die maschinenmäßige wie auch auf
die mitarbeiterbezogene Ausstattung zu verstehen. Es gibt sicherlich
bestimmte Arbeiten in Spezialgebieten mit sehr hohen Qualitätsansprüchen,
die eine lehrstuhleigene Werkstatt mit entsprechenden Spezialisten
besser bewältigen kann. Eine zentrale Werkstatt bietet jedoch
ein wesentlich breiteres Spektrum an Qualifikationen und damit ein
insgesamt breiteres Leistungsangebot. Im übrigen werden in
der zentralen Werkstatt der Technischen Fakultät Mitarbeiter
in Richtung Spezialisten herangebildet, indem sie häufig Aufträge
für bestimmte Lehrstühle bearbeiten.
Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, daß der konsequente
Wille zur Zusammenarbeit der beste Garant ist für im Sinne
der Lehrstühle gute Werkstattleistungen. So ist festzustellen,
daß diejenigen Auftraggeber, die häufiger mit der Qualität
der Arbeiten aus der Werkstatt unzufrieden sind, häufig zunächst
recht ungenaue Vorstellungen von der Aufgabenstellung haben und
statt ausgearbeiteter Konstruktionszeichnungen lediglich Rohskizzen
abgeben. Dies führt seitens der Werkstatt zu Verständnisschwierigkeiten
bezüglich der genauen Wünsche und zu höheren Rechnungen,
da sie selbst Konstruktionsarbeiten übernehmen muß.
Ein Lehrstuhl der Technischen Fakultät dagegen beschäftigt
einen Mitarbeiter, der die Konstruktionsarbeiten durchführt
und somit die Werkstatt mit exakten Vorgaben "verwöhnt".
Dieser Lehrstuhl äußerte sich in hohem Maße lobend
bezüglich der Qualität der Werkstattarbeiten. Es sollte
daher unserer Ansicht nach darüber nachgedacht werden, ob dies
nicht eine Lösung auch für die anderen Lehrstühle
sein könnte.
Die Frage, ob eine zentrale oder eine dezentrale Werkstatt vorzuziehen
ist, stellt sich im vorliegenden Fall zwar nicht, da sie durch die
wirtschaftlichen Gegebenheiten bereits beantwortet ist - aber unserer
Ansicht nach ist die Lösung der Errichtung einer zentralen
Werkstatt ohnehin derjenigen mit dem Aufbau mehrerer dezentraler
Werkstätten zumindest gleichwertig.
3.3. Fakultätseigene Werkstatt versus
reine Fremdvergabe von Werkstattaufträgen
Wir haben unter Punkt 3.2. ausführlich diskutiert, warum die
an anderen Universitäten und auch an anderen Fakultäten
der Christian-Albrechts-Universität übliche Vielzahl dezentraler
Werkstätten bei der Errichtung der Technischen Fakultät
durch eine zentrale Werkstatt ersetzt wurden. Ausschlaggebend hierfür
waren finanzielle Begrenzungen. Seit Beginn der Forschungs- und
Lehrtätigkeit in 1991 hat sich die angespannte Haushaltslage
nicht nur allgemein weiter verschärft, sondern auch die Technische
Fakultät leidet unter einer Stagnation bezüglich der bereitgestellten
finanziellen Mittel.
Daher ergibt sich fast zwangsläufig die Frage, ob nicht eine
völlige Aufgabe eigener Werkstattkapazitäten und somit
eine reine Fremdvergabe an externe Werkstätten ein konsequenter
weiterer Anpassungsschritt wäre. Dies kann jedoch nur dann
eine gangbare Lösung sein, wenn dadurch tatsächliche Einsparungen
erzielt werden, ohne die Lehr- und Forschungstätigkeit zu gefährden.
Die Arbeiten, die innerhalb der Technischen Fakultät an die
Werkstatt vergeben werden, zeichnen sich häufig dadurch aus,
daß anfangs das genaue Ergebnis und somit ein exakter Auftrag
noch gar nicht bekannt ist. Vielmehr ist genau die Entwicklung eines
bestimmten Produktes/Gerätes Thema einer Diplom- oder auch
Doktorarbeit. Zahlreiche Änderungen während der Auftragsphase
sind daher fast die Regel. Dies widerspricht im übrigen durchaus
nicht den im vorherigen Punkt gemachten Aussagen über die Vorgaben
der Lehrstühle an die Werkstatt, sondern macht nur die Notwendigkeit
der intensiven Zusammenarbeit deutlich.
Es bedeutet vielmehr, daß eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen
Auftraggeber und -nehmer erforderlich ist, die nicht nur gegenseitiges
Verständnis, sondern auch eine gewisse räumliche Nähe
erfordert: ein Verständnis beispielsweise von seiten der Werkstatt
dafür, daß auch mal auf den ersten Blick "spinnerte"
Ideen ausgeführt werden, die räumliche Nähe deshalb,
weil nur dadurch sich ergebende Fragen "auf die Schnelle"
geklärt werden können, ohne daß dies zu hohen finanziellen
und zeitlichen Belastungen führt.
Im übrigen werden sich privatwirtschaftliche Werkstätten
in der Regel schwer tun, Aufträge mit einem ungewissen Inhalt
und Ende vorzukalkulieren. Es ist daher davon auszugehen, daß
sie sich bei der Abgabe von Angeboten auf die sichere Seite begeben
und die benötigten Stunden und weiteren Kosten großzügig
kalkulieren, um nicht am Ende selbst "draufzahlen" zu
müssen (wie in einem der beiden Angebote, die die Technische
Fakultät im Rahmen dieser Beratung eingeholt hatte!) oder aber
von Beginn an nur einen Stundenkostensatz nennen und die benötigte
Stundenzahl noch vollkommen offen lassen - mit der Konsequenz, daß
die Kosten eines Auftrages erst im Laufe der Auftragsdurchführung
bekannt werden und somit ein kaum einzuschätzendes Risiko für
den auftraggebenden Lehrstuhl bedeuten würden.
Aus wirtschaftlichen Gründen erscheint daher die Aufgabe einer
fakultätseigenen Werkstatt im vorliegenden Fall nicht ratsam.
Hinzu kommt, daß die Aufgabe hinsichtlich Lehre und Forschung
ernsthaft gefährdet erscheint bei der erzwungenen Zusammenarbeit
der Lehrstühle mit Werkstätten, die klar definierte Aufträge
mit eindeutigem Inhalt und Aufwand gewohnt sind.
Wir halten daher die jetzige Lösung einer zentralen Werkstatt
sowohl aus wirtschaftlichen wie auch aus Gründen der Sicherstellung
des wissenschaftlichen Auftrags für unverzichtbar.
3.4. Auftragsdurchlauf von Auftragsvergabe
bis zur Rechnungslegung
Nach übereinstimmender Auskunft der Befragten funktioniert
die Zusammenarbeit zwischen den auftraggebenden Lehrstühlen
und der Werkstatt sehr gut. Die Werkstattkommission, die eigentlich
die grobe Auftragsreihenfolge festlegen soll, wird hierzu gar nicht
benötigt. Sämtliche Mitarbeiter der Werkstatt, an der
Spitze der Werkstattleiter Herr Burmeister, verhalten sich flexibel
sowohl bezüglich kurzfristiger Verschiebungen dieser Reihenfolge
als auch bezüglich der Auftragsinhalte, sofern die betrieblichen
Notwendigkeiten dies erlauben.
Der Auftragsdurchlauf ist durchgehend organisiert. Jedes Projekt
wird als eigener Kostenträger geführt und erhält
eine Auftragsnummer, unter der sämtliche relevanten Daten erfaßt
werden. Nach der Durchführung erhält der Auftraggeber
eine detaillierte Rechnung.
Wir beurteilen den Auftragsdurchlauf als gut organisiert und haben
diesbezüglich keinerlei Verbesserungsvorschläge.
3.4. Aufbau und Aussagekraft der Rechnungen
Wie bereits innerhalb der Ist-Analyse beschrieben ist die Aussagekraft
der Rechnungen der einzige nachhaltige Kritikpunkt der Lehrstühle
in Richtung Werkstatt.
Ziel der Rechnungen ist es, einerseits den nach den bereits geschilderten
Kriterien errechneten und zu zahlenden Betrag auszuweisen, andererseits
aber auch darüber zu informieren, welche Kosten der gleiche
Auftrag bei einer externen Vergabe verursacht hätte (unter
der angenommenen Voraussetzung der gleichen kalkulierten Stundenzahl).
Die Kritik an den Rechnungen geht in 2 Richtungen:
- Die Rechnungsinhalt selbst wird nicht verstanden:
Der Grund hierfür ist unseres Erachtens darin zu sehen, daß
mehrere Informationen vermischt werden. Verwirrend erscheinen
dabei insbesondere die teilweise in einer Spalte untereinander
stehenden Informationen über tatsächlich in Rechnung
gestellte und nur zu Vergleichszwecken dargestellten Kosten, verbunden
außerdem mit Angaben über bereits bezahlte und noch
zu bezahlende Beträge. Wir halten dabei grundsätzlich
die informatorische Angabe der Kosten, wie sie bei Anwendung betriebswirtschaftlicher
Kriterien entstehen würden, für absolut richtig. Zur
Erhöhung der Verständlichkeit schlagen wir jedoch vor,
zwei völlig voneinander getrennte Spalten zu errichten, in
denen zeilenweise die Alternativrechnungen nebeneinander stehen
und somit gut vergleichbar sind. Die Berechnung des noch zu zahlenden
Betrages als Differenz zwischen dem gesamten Rechnungsbetrag und
dem bereits gezahlten Betrag sollte dann separat hiervon durchgeführt
werden.
- Der Rechnungsbetrag ist zu hoch:
Wir haben bei unseren Gesprächen von mehreren Lehrstühlen
erfahren, daß sie die Rechnungen für sehr hoch, teilweise
für zu hoch halten. Dabei werden weniger die Beträge
für Materialkosten und für die Sonderwerkzeuge angezweifelt,
sondern zum einen die Anzahl der Stunden und zum anderen der Pauschalkostensatz
in Höhe von 6 DM.
Beide Kritikpunkte halten wir jedoch für sachlich nicht haltbar
und zudem für leicht zu beheben: zu Vergleichszwecken hereingeholte
Angebote über bereits von der eigenen Werkstatt absolvierte
Aufträge kamen zu nahezu identischen Kalkulationen bezüglich
der Anzahl der benötigten Arbeitsstunden, und der Pauschalkostensatz
in Höhe von 6 DM reicht mit Sicherheit auch in keiner Privatwerkstatt
aus, um die tatsächlichen Gemeinkosten zu decken.
Die trotzdem geäußerte Kritik läßt in beiden
Punkten auf mangelnde Informationen auf Seiten der Lehrstühle
schließen. Dieses Informationsdefizit sollte daher ausgeglichen
werden. Bezüglich der Gemeinkosten schlagen wir eine übersichtliche
Aufstellung sämtlicher entstehender Gemeinkosten für
eine bestimmte Periode vor, die dann den Lehrstühlen zur
Kenntnis gebracht wird. Diese Gemeinkosten beispielsweise eines
Monats sind dann zu teilen durch die Anzahl der in einem Monat
in Rechnung gestellten Werkstattstunden.
Diese Berechnungen sind im übrigen gar nicht neu. Vielmehr
sind sie in der Vergangenheit bereits als Grundlage eben für
die Ermittlung des Pauschalstundensatzes in Höhe von 6 DM
herangezogen worden. Somit wäre es lediglich notwendig, die
einzelnen Lehrstühle gezielter über die Entstehung der
verschiedenen Kosten zu unterrichten.
Gleiches gilt grundsätzlich für die in Rechnung gestellte
Anzahl der Stunden. Es wurde aus unseren Gesprächen deutlich,
daß die Kritik an zu hohen Stundenzahlen für bestimmte
Aufträge stets einherging mit lehrstuhlseitig ungenauen Vorstellungen
darüber, welche Arbeiten die Werkstätten dabei eigentlich
durchführen. Diese mangelnde Erkenntnis ist sicherlich zu
einem Großteil darauf zurückzuführen, daß
die entsprechenden Professoren früher über lehrstuhleigene
Werkstätten verfügten und den tatsächlichen Zeitaufwand
nicht bei jedem Auftrag genau mitgeteilt bekamen in der Weise,
wie dies jetzt geschieht - und vor allem mit der Konsequenz, daß
jede Stunde den eigenen Etat sichtbar belastet. Wir halten daher
detailliertere Informationen seitens der Werkstatt bezüglich
der einzelnen geleisteten Tätigkeiten für den richtigen
Weg, wobei dies sicher nicht für jeden einzelnen Auftrag
geleistet werden muß, sondern stichprobenweise.
Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Werkstatt und Lehrstühlen
in der vorgeschlagenen Form, daß weitere Lehrstühle
dem Beispiel des einen folgen und einen Mitarbeiter für die
Konstruktion selbst beschäftigen, der dann zwangsläufig
sehr eng am Auftragsfortgang beteiligt ist, wäre jedoch eine
wesentlich effektivere Lösung auch im Hinblick auf einen
stärkeren informatorischen Austausch. In jedem Fall zeigt
sich, daß der betreffende Lehrstuhl keinerlei Probleme hat,
die Kosten oder die Anzahl der von der Werkstatt berechneten Stunden
nachzuvollziehen.
Im übrigen kann bezüglich der Rechnungen festgestellt
werden, daß sich bei einer Abkehr von der kameralistischen
und einer Hinwendung zu einer betriebswirtschaftlich orientierten
Buchhaltung insbesondere die Probleme der Verständlichkeit
von allein klären würden, da dann nur noch die tatsächlichen
Kosten relevant wären. Im Hinblick auf die Höhe der in
Rechnung gestellten Kosten würde jedoch eine erhebliche neue
Informationspflicht entstehen, wenn diese allgemein akzeptiert werden
soll, da die letztendlichen Rechnungsbeträge dann mit Sicherheit
noch wesentlich höher ausfallen würden als die bislang
informatorischen.
Sind die Rechnungen, so wie sie derzeit erstellt werden, aber überhaupt
sinnvoll? Macht es insbesondere Sinn, die Kosten für Material
und Sonderwerkzeuge in voller Höhe in Rechnung zu stellen und
die geleisteten Stunden mit einem Pauschalsatz von 6 DM abzugelten?
Der Ursprung dieser Praxis ist begründet in der Art der Bereitstellung
der Haushaltsmittel. Die Maschinen und Geräte sind in der Regel
vorhanden und für das Werkstattpersonal kommt ein bestimmter
Haushaltstitel auf. Beide Kostenpositionen sind in ihrer Höhe
unabhängig von bestimmten Aufträgen. Sie werden nicht
in Rechnung gestellt (enthalten sind sie zwar in den Stundensätzen
der 4 Leistungsarten der Werkstatt, aber diese weisen nur informatorischen
Charakter auf und sind nicht tatsächlich zu zahlen).
Die Gemeinkosten, die mit dem Pauschalkostensatz von 6 DM abgegolten
werden, sind verschiedene Kosten, die zumindest größtenteils
ebenfalls unabhängig von bestimmten Aufträgen entstehen.
Dagegen werden Materialien und ggf. Sonderwerkzeuge speziell für
bestimmte Aufträge angeschafft und sind daher auch direkt zuordenbar.
Während die Kosten für Material und Sonderwerkzeuge daher
verursachungsgerecht den einzelnen Aufträgen zugeordnet werden
können, ist der Pauschalkostensatz von 6 DM je Stunde eine
Hilfskonstruktion. Er stellt einen Beitrag der Auftraggeber zu den
in einer bestimmten Periode in der Werkstatt entstehenden Gemeinkosten
dar, ohne daß ein Verursachungsbezug gegeben ist. Es stellt
sich daher die Frage, ob diese Praxis überhaupt sinnvoll ist.
Alternativen hierzu wären einerseits der völlige Verzicht
auf die stundenweise Zurechnung von Gemeinkosten und andererseits
die tatsächliche Berechnung der bislang nur informatorisch
aufgeführten "richtigen" Stundenkostensätze,
wobei die - wie wir bereits erläutert haben - nach unseren
Erfahrungen niedriger angesetzt sind als in privatwirtschaftlichen
Werkstätten. Die Höhe wäre demnach aufgrund der eigenen
Kostensituation zu überprüfen.
Bislang ist eine Inrechnungstellung der "richtigen" Stundenkostensätze
aufgrund der derzeitigen Praxis der Etatbereitstellung nicht möglich.
Jeder Lehrstuhl hat einen bestimmten eigenen Etat zur Verfügung,
der beispielsweise für die Inanspruchnahme von Werkstattleistungen
genutzt werden kann. Wie bereits erläutert gehören Kosten
für Investitionen und Personal nicht hierzu. Eine Belastung
der Lehrstühle mit dem vollen Stundenkostensatz der Werkstatt
wäre damit aus kostenrechnerischer Sicht schlicht ungerecht:
sie würden mit Kosten in hohem Maße belastet werden,
die gar nicht in ihrem Etat vorgehalten werden. Die Konsequenz wäre
natürlich, daß der einem Lehrstuhl zur Verfügung
stehende Etat sehr schnell erschöpft wäre. Eine solche
Möglichkeit ist daher nicht denkbar ohne eine vollkommene Umstellung
der Etatzuweisungen an die einzelnen Kostenstellen und ohne eine
Buchhaltung mit periodengerechter Abgrenzung der einzelnen Kostenarten.
Einen vollkommenen Verzicht auf die Berechnung eines Kostensatzes
je Stunde halten wir ebenfalls für keine gute Lösung.
Damit würde der begonnene - und unserer Ansicht nach richtige
- Prozeß, die Sensibilität für die entstehenden
Kosten auf Seiten der Lehrstühle zu steigern, unterbrochen
werden.
Zu diskutieren ist somit lediglich, ob der Pauschalkostensatz in
Höhe von 6 DM "richtig" ist. Hierzu ist eine dauernde
Überprüfung sowohl der anfallenden Gemeinkosten in einer
bestimmten Periode als auch der Anzahl der in Rechnung gestellten
Werkstattstunden in dieser Periode erforderlich.
3.5. Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse
Wir betonen an dieser Stelle nochmals, daß die Werkstatt
unter den gegebenen Rahmenbedingungen unseres Erachtens gute Arbeit
leistet und auch gut organisiert ist. Die gemachten Vorschläge
können daher auch nur punktuelle weitere Verbesserungen erbringen.
Da sie ohne großen Aufwand durchzuführen sind, sollten
sie jedoch trotzdem durchgeführt werden.
Wie bereits erörtert ist es jedoch zu erwarten, daß
auch sogenannte "Non-Profit-Organisationen" wie Universitäten
künftig aufgrund des ständig steigenden Finanzdrucks gezwungen
sein werden, unter betriebswirtschaftlichen Kriterien geführt
zu werden. An der Technischen Fakultät hat diese Entwicklung
bereits begonnen: jedes Jahr werden relative Kürzungen gegenüber
dem ursprünglich vorgesehenen Haushalt vorgenommen, insgesamt
ist die Fakultät mit weit weniger Personal und Sachmitteln
ausgestattet worden, als dies in der Gründungsphase geplant
war.
Es ist daher unumgänglich, die einzelnen Leistungsträger
innerhalb der Technischen Fakultät nicht nur auf ihre wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit hin zu überprüfen, sondern diese
gezielt auf die Anforderungen der Zukunft vorzubereiten. Dabei ist
jedoch stets zu berücksichtigen, daß ein universitärer
Betrieb andere Aufgaben zu erfüllen hat als ein privatwirtschaftliches
Unternehmen. Dies bedeutet, daß die betriebswirtschaftlichen
Instrumente, die teilweise bereits seit vielen Jahren in der Marktwirtschaft
eingesetzt werden, im einzelnen kritisch daraufhin zu überprüfen
sind, ob sie so oder in abgewandelter Form auch im Lehr- und Forschungsbetrieb
einer Universität anwendbar sind.
Die Gesamtheit der betriebswirtschaftlichen Steuerungsinstrumente
in der Privatwirtschaft wird im allgemeinen als Controlling bezeichnet.
Wir wollen im folgenden einen Ausblick wagen, inwieweit und in welcher
Ausprägung die Installation eines Controlling-Systems auch
für die Technische Fakultät sinnvoll ist - und welche
Voraussetzungen hierfür zu erfüllen sind!
Dabei soll deutlich herausgestellt werden, daß die Überlegungen
hinsichtlich einer stärkeren betriebswirtschaftlichen Führung
der Technischen Fakultät bereits vorhanden sind. Hierfür
spricht die Tatsache, daß - ohne absoluten Handlungsdruck
- ein externer Berater eingeschaltet wurde, um die Wirtschaftlichkeit
zu überprüfen. Hierfür spricht aber auch, daß
Herr Burmeister als Werkstattleiter bereits verschiedene betriebswirtschaftliche
Instrumente entwickelt hat. Dabei kann es mit Sicherheit nicht ihm
angelastet werden, daß diese Instrumente momentan noch nicht
richtig "greifen".
4. Chancen und Grenzen eines Controlling
für die Technische Fakultät
Anlaß für die Beratung war die Frage, ob die Werkstatt
als eine zentrale Einheit innerhalb der Technischen Fakultät
der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel optimal arbeitet
oder ob Verbesserungsmöglichkeiten vorhanden sind. Diese Frage
entstand zum einen dadurch, daß Kritik an der Werkstatt geübt
wurde, zum anderen einfach dadurch, daß die Installation einer
zentralen Werkstatt für eine gesamte Fakultät noch ungewohnt
ist.
Aufgrund der dadurch fehlenden Erfahrungs- und Vergleichswerte
haben es sich Dekanat und Geschäftsführung von Beginn
an zur Aufgabe gemacht, Arbeitsweise und Ergebnisse der Werkstatt
(und der anderen zentralen Dienstleistungseinrichtungen) kritisch
zu überprüfen und sich nunmehr entschieden, diese zwangsweise
subjektive Sichtweise um eine objektive zu ergänzen, indem
ein externer Berater hinzugezogen wurde.
Wir haben in den vergangenen Kapiteln die Arbeitsweise der Werkstatt,
die Einbindung in die Organisation des Gesamtablaufs der Technischen
Fakultät sowie das Rechnungswesen der Werkstatt und der gesamten
Technischen Fakultät ausführlich erörtert und die
Verbesserungsvorschläge beschrieben, die wir im Rahmen der
bestehenden Gesamtorganisation für durchführbar halten.
Dabei haben wir ausdrücklich festgestellt, daß die Werkstatt
unter diesen Bedingungen bereits gut arbeitet und nur relativ geringe
Verbesserungen anzustreben sind und daß die genannten Kritikpunkte
im wesentlichen ohne großen Aufwand zu beheben sein sollten.
Als wesentlichen Hemmschuh für eine betriebswirtschaftliche
Steuerung der Werkstatt, wie sie in privatwirtschaftlichen Unternehmen
durchgeführt und vom Dekanat und der Geschäftsführung
der Technischen Fakultät angestrebt wird, sehen wir jedoch
die kameralistische Haushaltsführung und Buchhaltung an. Diese
erlaubt unseres Erachtens kein wirkungsvolles Controlling - und
zwar gilt dies in gleicher Weise für die Werkstatt, für
die anderen zentrale Dienstleistungsstätten und auch für
die Fakultät insgesamt.
Was aber ist Controlling überhaupt? Eine einheitliche Definition
des Begriffs Controlling gibt es nicht. Nahezu jeder, der sich mit
Controlling befaßt, sieht andere Begriffsinhalte. Eindeutig
ist jedoch die Aufgabe, die Controlling in privatwirtschaftlichen
Unternehmen zu erfüllen hat:
Controlling soll die Entscheidungshilfen für
eine erfolgreiche Unternehmenssteuerung
und eine nachhaltige Existenzsicherung liefern.
Diese Aufgaben hat es zu erfüllen, indem es die notwendigen
Informationen an die Geschäftsführung liefert, die dann
die Maßnahmen für die eigentliche Unternehmenssteuerung
und langfristige Existenzsicherung einzuleiten und durchzuführen
hat. Controlling ist somit kein Selbstzweck, sondern immer Mittel
zum Zweck!
Entscheidend für einen erfolgreichen Einsatz von Controlling
ist, daß die richtigen Informationen bereitgestellt
und entsprechend aufbereitet werden. Diese Informationen
sind in aller Regel Zahlen - Zahlen, die vom betrieblichen Rechnungswesen
bereitgestellt werden und die die wirtschaftliche Entwicklung des
Unternehmens dokumentieren.
Entscheidend für den Aufbau eines erfolgreichen Controlling-Systems
ist es nach unserer Überzeugung, daß es betriebsindividuell
konzipiert wird. Nur wenn die Besonderheiten im Anwenderunternehmen
berücksichtigt werden, kann die optimale Aussagefähigkeit
erreicht werden. Mit anderen Worten: Controlling-Systeme "von
der Stange" gibt es nicht.
Was bedeuten diese Aussagen im Hinblick auf die Durchführung
eines wirkungsvollen Controlling in der zentralen Werkstatt der
Technischen Fakultät?
- Weder die Technische Fakultät noch die Werkstatt als Teil
hiervon können "Pleite gehen". Insofern gilt das
Ziel der Existenzsicherung in diesem Fall höchstens im übertragenen
Sinn.
- Der Ansatzpunkt für die erfolgreiche Durchführung
einer Unternehmenssteuerung in der Privatwirtschaft muß
immer das Gesamtunternehmen sein. Es macht wenig Sinn, nur einen
Teilbereich des Unternehmens optimieren zu wollen. Zum einen ermöglicht
dies in der Regel nur kleine Fortschritte, zum anderen kann sich
ein Optimierungsschritt für eine Teileinheit auf andere Teileinheiten
und somit auch das Gesamtunternehmen durchaus negativ auswirken,
z.B. wenn bestimmte Kosten nur verlagert werden. Wir haben in
den vorausgegangenen Gliederungspunkten ausführlich beschrieben,
daß diese Aussagen nicht nur für privatwirtschaftliche
Unternehmen gelten, sondern in gleichem Maße für die
Werkstatt bzw. die Technische Fakultät. Mit anderen Worten:
ein Controlling nur für die Werkstatt macht kaum Sinn, sondern
vielmehr ein Controlling für die gesamte Technische Fakultät.
- Auch die Aussage, daß eine Controlling-Lösung immer
betriebsindividuell konzipiert werden muß, ist in vollem
Umfang vom privatwirtschaftlichen Unternehmen auf die Technische
Fakultät übertragbar. Wenn schon ein Controlling nicht
von einem auf den anderen privaten Betrieb zu übernehmen
ist, wo doch eher noch Gemeinsamkeiten in der Zielsetzung bestehen,
so gilt dies in besonderer Weise für die Entwicklung eines
Controlling für die Technische Fakultät mit ganz anderen
Zielen und Voraussetzungen.
- Ansatzpunkt für eine betriebswirtschaftliche Steuerung
eines privatwirtschaftlichen Unternehmens ist die Notwendigkeit,
dauerhaft Gewinne zu erzielen, d.h. höhere Erlöse als
Kosten zu verursachen. Um dies zu erreichen, müssen auf der
einen Seite Aufträge akquiriert und auf der anderen Seite
die Kosten kontrolliert werden. Ersteres gilt jedoch für
die Technische Fakultät nicht. Während sie gerade in
den letzten Jahren durch die steigende Finanzknappheit des Landes
ebenfalls gezwungen ist, ein effektives Kostenmanagement zu betreiben,
fehlt die Möglichkeit der Auftragsakquisition und damit der
Mittelbeschaffung durch Leistungserstellung (sieht man mal von
der Möglichkeit der Drittmitteleinwerbung ab).
- Ein privatwirtschaftliches Unternehmen stellt seinen eigenen
Haushalt auf, wobei das geplante Leistungsvolumen ausschlaggebend
für die Höhe des Etats ist. Bei der Technischen Fakultät
ist es umgekehrt: sie bekommt bestimmte Haushaltsmittel zugewiesen
und muß nach der Höhe dieser Mittel die "betrieblichen"
Ziele definieren, soweit dies nicht ebenfalls "von oben"
vorgegeben ist.
Eine Controlling-Konzeption muß diese Aspekte berücksichtigen,
wenn es ein effektives Steuerungsinstrument sein soll und die Zielerreichung
der Technischen Fakultät unterstützen soll.
Welches aber sind diese Ziele genau? Wenn auch eine ausführliche
Erörterung dieser Frage an dieser Stelle zu weit führen
würde, so soll doch das übergeordnete Ziel festgehalten
werden: Lehre und Forschung.
Bei allen konzeptionellen und inhaltlichen Vorschlägen muß
daher immer kritisch hinterfragt werden, ob sie der Unterstützung
dieses Zieles dienen und nicht unter Umständen sogar kontraproduktiv
wirken. Für die Zielsetzung der langfristigen Existenzsicherung
bei privatwirtschaftlichen Unternehmen sind im Laufe der letzten
Jahre zahlreiche Instrumente geschaffen worden. Diese können
sicherlich nur zu einem Teil auf die Technische Fakultät übertragen
werden. Beispielsweise können Instrumente, die auf den Absatzbereich
abzielen, nicht oder nur sehr begrenzt eingesetzt werden, da keine
klassischen Kundenbeziehungen bestehen und insbesondere die Auftragsakquisition
fehlt.
Andererseits zielen die meisten Controlling-Instrumente ab auf
einen wirtschaftlichen Mitteleinsatz, und dieses Erfordernis wird
auch in den Universitäten immer stärker präsent.
Problematisch ist dabei häufig nur, mit welchen Maßgrößen
festgestellt werden kann, ob die vorhandenen bzw. bereitgestellten
Mittel tatsächlich "wirtschaftlich" eingesetzt werden.
Während es bei privatwirtschaftlichen Unternehmen detaillierte
Maßzahlen bezüglich Produktivität und Rentabilität
gibt, fehlen diese noch weitgehend nicht nur für Universitäten,
sondern für die meisten sogenannten Non-Profit-Organisationen.
Außerdem fehlen gegenüber den privaten Unternehmen weitere
entscheidende Größen: das Prinzip von Angebot und Nachfrage
und die hieraus resultierenden Marktpreise. Ein Unternehmen, welches
mit anderen im Wettbewerb steht und aufgrund höherer Produktions-/Leistungskosten
nicht zu den auf dem Markt üblichen Preisen anbieten kann,
ist auf Dauer nicht wettbewerbsfähig und verschwindet vom Markt.
In universitären Organisationen wie der Technischen Fakultät
fehlt dieses Marktregulativ. Daraus folgt, daß ein anderes
System gefunden werden muß, um die Leistungsfähigkeit
zu bewerten. Da die Leistungsfähigkeit nicht an den Kriterien
des Marktes zu messen sind, muß ein spezielles Indikatorensystem
definiert werden.
4.1. Erläuterung des Prinzips der Deckungsbeitragsrechnung
Wir haben zu Beginn dieses Kapitels festgestellt, daß der
Ansatzpunkt für ein erfolgreiches Controlling im Rechnungswesen
zu suchen ist. Jedes privatwirtschaftliche Unternehmen muß
ein Rechnungswesen durchführen, weil es gesetzlich verpflichtet
ist, alle finanziell wirksamen Geschäftsvorfälle zu erfassen.
Das Instrument hierfür ist die Finanzbuchhaltung - im Gegensatz
zur kameralistischen Buchhaltung, die bei öffentlichen Organisationen
wie Universitäten angewendet wird.
Die Finanzbuchhaltung erfaßt sämtliche Erträge
und Aufwendungen eines Unternehmens in einer Rechnungsperiode. Zum
Schluß des Wirtschaftsjahres wird ein Jahresabschluß
erstellt, der aufzeigt, ob während des Jahres die Erträge
höher waren als die Aufwendungen und somit ein Gewinn erzielt
werden konnte. Wesentliches Abweichungskriterium gegenüber
der Kameralistik ist die periodengerechte Abgrenzung zwischen Ausgaben
und Aufwendungen.
Wenn auch die Finanzbuchhaltung damit bereits wesentlich aussagefähiger
als die Kameralistik ist, so genügt sie den Anforderungen an
ein modernes Controlling jedoch heutzutage nicht mehr. Vielmehr
ist hierfür eine sogenannte Betriebsbuchhaltung oder Kostenrechnung
als Grundlage erforderlich. Die Unterschiede zwischen Finanz- und
Betriebsbuchhaltung werden im folgenden erläutert.
Die Finanzbuchhaltung orientiert sich bei der Gliederung der Auswertungen
nach den Kontenklassen für die zu erstellende Gewinn- und Verlustrechnung,
wie sie vom HGB vorgeschrieben ist. Kriterium ist dabei die Eindeutigkeit
der Belegzurechnung. Die Deckungsbeitragsrechnung dagegen stellt
das Prinzip der Verursachung in den Vordergrund: die einzelnen Erlös-
und Kostenarten sind so zu bilden und zu sortieren, daß ihre
Abhängigkeiten von bestimmten Produkten, Leistungen, Entscheidungen
und Entwicklungen deutlich werden. Dies ist letztlich auch die Voraussetzung
dafür, daß das Rechnungswesen die Grundlage für
Steuerungs- und Gegensteuerungsmaßnahmen bilden kann.
Die Funktionsweise der Deckungsbeitragsrechnung ist generell folgendermaßen.
Wie bei der Finanzbuchhaltung bilden die Umsatzerlöse die Ausgangsgröße.
Die Erlöse werden dann korrigiert um mögliche Erlös-schmälerungen
und um Bestandsveränderungen bei fertigen und halbfertigen
Arbeiten sowie bei Vorräten. Als Saldo ergibt sich die Gesamtleistung
als diejenige Größe, die die Summe des betrieblichen
Leistungsprozesses in einer Periode darstellt. Von der Gesamtleistung
werden dann in verschiedenen Schritten die betrieblichen Kosten
abgezogen, so daß sich letztlich das sogenannte Betriebsergebnis
errechnet.
Die Kosten werden aufgeteilt in 2 große Gruppen: Leistungskosten
und Bereitschaftskosten. Die Leistungskosten sind diejenigen Kosten,
die in ihrer Höhe direkt vom betrieblichen Leistungsprozess
abhängen. Sie können somit auch direkt bestimmten Aufträgen,
Produkten oder Leistungen zugerechnet werden und entstehen nur,
wenn auch tatsächlich geleistet wird. Beispiele für
Leistungskosten sind der Materialverbrauch und die Fertigungslöhne.
Bereitschaftskosten dagegen werden in ihrer Höhe nicht von
einzelnen Aufträge beeinflußt. Im Gegensatz zu den Leistungskosten
entstehen sie auftragsunabhängig. Sie definieren vielmehr eine
gewisse Kapazität und halten das Unternehmen somit betriebsbereit.
Beispiele hierfür sind die Personalkosten für die Verwaltung,
die Miete für die betrieblich genutzten Räumlichkeiten
oder die Abschreibungen für langfristig genutzte Wirtschaftsgüter.
In vertikaler Sicht ist die Deckungsbeitragsrechnung durchaus noch
mit der Finanzbuchhaltung zu vergleichen. Der Unterschied besteht
lediglich in einer teilweise anderen Zusammenfassung der einzelnen
Erlös- und Kostenkonten zu übergeordneten Erlös-
und Kostenarten und in der anderen Anordnung der Kostenarten im
Berichtsschema.
In horizontaler Sicht jedoch leistet die Deckungsbeitragsrechnung
die für ein Controlling geforderte Aufteilung des Gesamtunternehmens
in mehrere Unternehmensteilbereiche, was bei der herkömmlichen
Finanzbuchhaltung vollkommen unterbleibt. Die Bildung der Unternehmensteilbereiche
oder auch Profit-Center ist ein entscheidender Baustein für
das Controlling. Dabei müssen mehrere Aspekte beachtet werden,
will man eine hohe Aussagekraft erzielen.
Zunächst muß festgelegt werden, in wie viele Unternehmensteilbereiche
der Gesamtbetrieb aufgeteilt werden soll. Offensichtlich ist, daß
nicht zu viele Profit-Center gebildet werden dürfen, denn dadurch
wird die Rechnung natürlich unübersichtlich und die Aussagekraft
leidet. Wichtig ist außerdem, daß die einzelnen Profit-Center
in sich möglichst homogen in der Relation Erlöse zu Kosten
sind, während sich die Profit-Center untereinander im Optimalfall
deutlich unterscheiden.
Auf die einzelnen Profit-Center werden dann nach dem Verursachungsprinzip
die Erlöse und die Leistungskosten zugerechnet sowie, wenn
dies möglich ist, ein Teil der Bereitschaftskosten. Das grundsätzliche
Berichtsschema einer Deckungsbeitragsrechnung sieht somit folgendermaßen
aus:
|
Profit-Center 1
|
Profit-Center 2
|
Profit-Center 3
|
Profit-Center n
|
|
Gesamtleistung PC1
|
Gesamtleistung PC1
|
Gesamtleistung PC3
|
Gesamtleistung PCn
|
|
- Leistungskosten PC1
|
- Leistungskosten PC2
|
- Leistungskosten PC3
|
- Leistungskosten PCn
|
|
= Rohertrag PC1
|
= Rohertrag PC2
|
= Rohertrag PC3
|
= Rohertrag PCn
|
|
- Bereitschaftskosten PC1
|
- Bereitschaftskosten PC2
|
- Bereitschaftskosten PC3
|
- Bereitschaftskosten PCn
|
|
= Deckungsbeitrag PC1
|
= Deckungsbeitrag PC2
|
= Deckungsbeitrag PC3
|
= Deckungsbeitrag PCn
|
|
- Bereitschaftskosten Gesamtunternehmen
|
|
= Betriebsergebnis
|
Die hier gemachten Ausführungen machen bereits eine Voraussetzung
für die Deckungsbeitragsrechnung deutlich, nämlich eine
Finanzbuchhaltung! Diese reicht zwar für die Zwecke eines Controlling
nicht aus, ist aber andererseits Voraussetzung hierfür. Mit
anderen Worten: eine Deckungsbeitragsrechnung auf der Basis einer
kameralistischen Buchhaltung macht wenig Sinn!
Wie bereits mehrfach erläutert folgt die Kameralistik dem
Grundgedanken, die Einnahmen und Ausgaben periodengerecht
darzustellen. Die Deckungsbeitragsrechnung dagegen bildet den betrieblichen
Leistungsprozeß ab, d.h. es werden die erbrachten Leistungen
und die hierfür benötigten Kosten einer Periode
gegenübergestellt. Daraus ergibt sich, daß die kameralistische
Buchhaltung und vor allem die entsprechende Mittelzuweisung den
Gedanken des Controlling nicht nur nicht unterstützt, sondern
ihm geradezu entgegensteht. So werden Investitionsentscheidungen
im Rahmen der Kameralistik nach der Verfügbarkeit der Mittel
in der entsprechenden Haushaltsperiode und nicht nach längeren
wirtschaftlichen Aspekten getroffen.
Die einzelnen Schritte zur Entwicklung der Deckungsbeitragsrechnung
aus der Finanzbuchhaltung stellen wir nachfolgend dar.
4.2. Differenzierung der Kostenarten
Der erste Schritt zur Einführung der Deckungsbeitragsrechnung
ist die Festlegung der Zeilen, die im späteren Berichtswesen
die wesentlichen Informationen enthalten sollen. Dabei geht es vor
allem um die Bildung der Kostenarten, die zur Zusammenfassung der
gesamten Kostenkonten der Finanzbuchhaltung dienen. Grundlage muß
dabei der Kontenplan der Finanzbuchhaltung sein. Bei der Bildung
der Kostenarten ist dann insbesondere darauf zu achten, daß
- eine Trennung zwischen Leistungs- und Bereitschaftskosten erfolgt,
- die einzelnen Kostenarten eine gewisse Größenordnung
in Relation zur Gesamtleistung aufweisen,
- nur zusammengefaßt wird, was auch inhaltlich zusammenpaßt
und
- die Zahl der gebildeten Kostenarten so begrenzt wird, daß
die Übersichtlichkeit gewahrt bleibt.
4.3. Bildung der Profit-Center
Wie erläutert beschreiben die Auswertungen der "normalen"
Finanzbuchhaltung das Unternehmen nur als Ganzes. Die Beurteilung
des Erfolgs und vor allem der zukünftigen Erfolgschancen verschiedener
Leistungsbereiche ist daraus nicht möglich. Daher werden verschiedene
Profit-Center gebildet und getrennt voneinander betrachtet.
Bei der Technischen Fakultät sind entsprechende Kostenstellen
bereits gebildet worden. Die Werkstatt ist beispielsweise eine Kostenstelle,
die innerhalb einer Deckungsbeitragsrechnung als Profit-Center zu
definieren wäre. Ob die Aufteilung in Profit-Center entsprechend
sämtlicher bestehender Kostenstellen betriebswirtschaftlich
sinnvoll ist, wäre bei der Konzeption einer Deckungsbeitragsrechnung
zu überprüfen.
4.4. Erstellen einer Planungsrechnung auf
Grundlage der Deckungsbeitragsrechnung
Ein wesentlicher Bestandteil eines effektiven Controlling ist die
Abkehr von einer reinen Vergangenheitsbetrachtung des betrieblichen
Zahlenwerks. Nur wenn klare Ziele gesetzt und diese in Zahlen ausgedrückt
werden, kann die Zielerreichung überprüft werden!
Eine Planungsrechnung sollte unseres Erachtens für einen Zeitraum
von 3 Jahren - möglichst mit Monatszahlen - erfolgen. Dabei
ist zu berücksichtigen, daß die erstmalige Berechnung
von Planzahlen noch mit großen Unsicherheitsfaktoren belastet
ist, insbesondere die Aufteilung des "Gesamtunternehmens"
auf die Profit-Center.
Letztlich ist immer der zu erzielende Gewinn die Größe,
die geplant wird. Dabei kann aber in der Praxis nicht der Gewinn
direkt geplant werden, sondern vielmehr die einzelnen Komponenten,
die ihn beeinflussen - und dies sind in der Privatwirtschaft die
Erlöse und die Kosten. Dabei ist die Planung der Erlöse
in aller Regel mit einer wesentlich größeren Unsicherheit
behaftet als diejenige der Kosten.
Bei einer Planungsrechnung für die Technische Fakultät
muß dagegen berücksichtigt werden, daß hier nicht
eine Gewinnmaximierung das Ziel ist. Vielmehr sind andere Zielgrößen
zu definieren, die wiederum mit einem bestimmten Kostenaufwand -
nämlich den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln,
ggf. ergänzt um eingeworbene Drittmittel - zu erreichen sind.
Die klar definierte Zielerreichung bei einer ebenso klar definierten
Kostenobergrenze ist auch in der Privatwirtschaft eine Problemstellung,
die in den letzten Jahren verstärkt auftritt - zum Beispiel
bei der Neuentwicklung von Produkten. Dabei wird bereits vor dem
Beginn der Produktentwicklung eindeutig festgelegt, wie teuer dieses
Produkt letztlich sein darf.
Das Entwicklungsziel erschöpft sich dabei nicht mehr in der
technischen Marktreife, sondern hat zusätzlich die vorher festgelegte
Kostenobergrenze einzuhalten. Das betriebswirtschaftliche Instrument,
welches in diesem Zusammenhang von japanischen Unternehmen entwickelt
wurde, heißt Zielkostenmanagement oder Target Costing.
Hintergrund der Entwicklung dieses Instruments ist die Erkenntnis,
daß sich die Absatzbedingungen auf vielen Märkten verändert
haben: in der Vergangenheit waren viele Unternehmen mit der Strategie
erfolgreich, neue Produkte mit verschiedenen technischen Neuerungen
zu entwickeln und diese dann mit aufwendigen Werbestrategien zu
verkaufen. Dabei kauften die Kunden teilweise technische Details
mit, die sie eigentlich gar nicht benötigten - und in den letzten
Jahren auch zunehmend nicht mehr bezahlen wollte. Als Konsequenz
des geänderten Käuferverhaltens liefen auch teuerste Werbekampagnen
immer mehr ins Leere.
Verschiedene japanische (Automobil-)Unternehmen haben daraufhin
eine neue Strategie gewählt: sie entwickelten neue Modelle
nicht mehr nach dem technisch Machbaren, sondern ganz gezielt danach,
wieviel die Käufer für das Produkt zu zahlen bereit sind.
Somit wurden die Käufer vor der Entwicklung gefragt, auf welche
technischen Details sie verzichten würden. Die Kosten, die
ein neues Modell höchstens kosten darf, wurden zur neuen Richtschnur,
die absolut einzuhalten sind.
Wir sind der Ansicht, daß dieses Instrument des Zielkostenmanagements
- speziell auf die Anforderungen der Technischen Fakultät zugeschnitten
- geeignet sein könnte, als Hauptziel einen geeigneten Ersatz
für die Gewinnmaximierung darzustellen. Auch hier sind durch
die begrenzten Haushaltsmittel klare Obergrenzen gegeben, so daß
genau hinterfragt werden muß, welche (technischen) Leistungsmerkmale
bei bestimmten Aufträgen unabdingbar sind und auf welche unter
Umständen auch verzichtet werden kann, ohne das Gesamtergebnis
zu gefährden.
In der Praxis könnte das Zielkostenmanagement nicht nur auftragsbezogen,
sondern auch für die gesamte Fakultät in der Weise eingesetzt
werden, daß in gewissen Zeitabständen überprüft
wird, wie hoch das in einer definierten Periode noch für den
jeweiligen Lehrstuhl zur Verfügung stehende Budget ist, welche
Aufträge für diesen Zeitraum noch zu erwarten sind, wieviel
bestimmte Aufträge kosten dürfen und auf welche Aufträge
unter Umständen auch ganz verzichtet werden kann bzw. muß.
4.5. Durchführung von Plan-Ist-Vergleichen
Zu einem Controlling-Instrument wird die Deckungsbeitragsrechnung
erst dann, wenn in regelmäßigen - möglichst kurzfristigen
- Abständen Vergleiche zwischen den geplanten und den tatsächlich
erreichten Zahlen durchgeführt werden. Erst dadurch werden
Abweichungsanalysen möglich, die wiederum erst die Informationen
für ggf. erforderliche Gegensteuerungsmaßnahmen liefern.
Während die Plan-Ist-Vergleiche in der Privatwirtschaft mit
dem Ziel durchgeführt werden, eine strategische Gewinnplanung
zu erreichen und Abweichungen vom längerfristigen "Gewinnkurs"
bereits kurzfristig zu erkennen, um entsprechend gegensteuern zu
können, muß auch der Plan-Ist-Vergleich in der Technischen
Fakultät mit einer anderen Intention betrieben werden. Alternativ
wären hier - ggf. im Rahmen eines eingeführten Zielkostenmanagements
- Zielerreichungsgrade bestimmter gestellter Aufgaben zu überprüfen,
indem der bezüglich eines Zielerreichungsgrades geplante mit
dem tatsächlichen Mittelverbrauch verglichen wird, um dann
bei Abweichungen ebenfalls entsprechend gegensteuern zu können.
4.6. Grundsätzliche Anwendbarkeit der
Deckungsbeitragsrechnung innerhalb der Technischen Fakultät
Ziel des Einsatzes der Deckungsbeitragsrechnung in privatwirtschaftlichen
Unternehmen ist das gezielte Aufdecken von versteckten Gewinnpotentialen,
indem das Unternehmen in Teilbereiche aufgegliedert wird und dann
eine Zurechnung der Erträge und Kosten auf die Teilbereiche
nach dem Verursachungsprinzip vorgenommen wird. Das Ergebnis des
Gesamtunternehmens soll verbessert werden, indem die Ergebnisse
der Teilbereiche gezielt verbessert werden. Ansatzpunkte sind dabei
zum einen die Erlöse, zum anderen die Kosten.
Voraussetzung für die Anwendbarkeit der Deckungsbeitragsrechnung
für die Technische Fakultät ist die Definition von Erfolgsgrößen,
die den Umsatzerlösen eines privatwirtschaftlichen Unternehmens
entsprechend die Leistungen meßbar machen. Wie bereits erläutert
muß hierfür ein System von Leistungsindikatoren geschaffen
werden, daß objektiv nachweisbar ist. Vorstellbar wäre
aus unserer Sicht diesbezüglich ein System von Zielen und entsprechenden
Zielerreichungsgraden. Mögliche Ziele könnten beispielsweise
eine bestimmten Zahl von Diplom- und Doktorarbeiten oder von wissenschaftlichen
Veröffentlichungen sein.
Die entsprechende Zurechnung der Kosten ist weniger von der Schwierigkeit
geprägt, entsprechende Maßgrößen zu finden.
Die zu bildenden Kostenarten können grundsätzlich in gleicher
Weise wie bei privatwirtschaftlichen Unternehmen gebildet werden
- unter der Voraussetzung, daß die kameralistische Buchhaltung
durch eine betriebswirtschaftlich orientierte abgelöst wird.
Grundsätzlich halten wir daher die Deckungsbeitragsrechnung
auch für durchführbar innerhalb der Technischen Fakultät.
Ziel des Einsatzes kann dabei jedoch nicht die Gewinnmaximierung
sein, sondern eher ein möglichst effektiver Ressourceneinsatz,
wobei zusätzlich zu den bereits beschriebenen Besonderheiten
beachtet werden muß, daß
- innerhalb der Technischen Fakultät mehrere gegenseitige
Monopolstellungen bestehen und
- die erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln den entsprechenden
Lehrstühlen zugerechnet werden müßte.
Dabei sollte überprüft werden, ob ein effektiver Ressourceneinsatz
durch die Verbindung der Deckungsbeitragsrechnung mit einem Zielkostenmanagement
gewährleistet werden kann.
Als Fazit bleibt festzuhalten, daß der Einsatz einer Deckungsbeitragsrechnung
innerhalb der Technischen Fakultät durchaus möglich erscheint,
wobei Abwandlungen gegenüber dem Einsatz in privatwirtschaftlichen
Unternehmen unumgänglich sind. Außerdem ist ausdrücklich
zu würdigen, daß das Dekanat und die Geschäftsführung
sowie die Leitung der Werkstatt bereits Kostenrechnungsinstrumente
eingeführt haben, die in einer Deckungsbeitragsrechnung einzusetzen
sind.
Armin Budde; Kiel, im Juli 1997
- Dipl.- Kfm. -
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